Die Konkordienformel (, Eintrachtsformel, auch das Bergische Buch) ist die letzte Bekenntnisschrift der lutherischen Kirche. Sie entstand 1577 auf Veranlassung des Kurfürsten August von Sachsen.
Geschichte Die Konkordienformel sollte die Zerwürfnisse beilegen, die nach Martin Luthers Tod 1546 innerhalb der evangelischen Territorien dadurch entstanden waren, dass insbesondere Kursachsen der milden Melanchthonschen Richtung (Philippismus) folgte, während das ernestinische Sachsen und Württemberg ein strenges Luthertum vertraten (Gnesiolutheraner). Die damit zusammenhängenden Streitigkeiten reichten z. T. auch schon bis zu Luthers Lebzeiten zurück. Die Konkordienformel sollte die innerlutherischen Lehrstreitigkeiten beilegen und war der Versuch, einen „Mittelweg“So Johannes Wallmann: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation. 7. Auflage. Mohr Siebeck, Tübingen 2012 (UTB; 1355), ISBN 978-3-8252-3731-8, S. 92 f. zu gehen. Die Konkordienformel ist so als innerlutherisches Konsenspapier konzipiert.
Der württembergische Theologe Jakob Andreae trat seit 1567 für eine Einigung der Lutheraner ein und gewann hierfür die Unterstützung von verschiedenen Territorien und deren führenden Theologen. Eine erste Vorstufe war Andreaes Schwäbische Concordie von 1573, die 1574 zur Schwäbisch-sächsischen Konkordie umgearbeitet wurde. Nach dem Sturz der Philippisten wurde Kursachsen 1575 zur treibenden Kraft der Bemühungen. Bei einem 1576 im ehemaligen sächsischen Regierungssitz Torgau gehaltenen Konvent, an dem neben Georg Lysthenius aus Dresden, Martin Chemnitz aus Braunschweig, David Chyträus aus Rostock, Andreas Musculus und Christoph Corner aus Frankfurt (Oder) teilnahmen, wurden die Schwäbisch-sächsische Konkordie und die sogenannte Maulbronner Formel von 1576 zum Torgauer Buch vereinigt. Nach dem Einlaufen zahlreicher Gutachten wurde dieses im März und Mai 1577 im Kloster Berge bei Magdeburg von den erwähnten Theologen, zu denen statt Georg Lysthenius Nikolaus Selnecker aus Leipzig kam, abermals umgearbeitet und nun das Bergische Buch genannt. Es ist identisch mit der Solida Declaratio der Konkordienformel; als Kurzfassung (Epitome) wurde eine Zusammenfassung anerkannt, die Andreae bereits 1576 verfasst hatte.
Durch diese Formel wurde jede Annäherung an die Reformierten unmöglich gemacht. Dies konkret durch die Abendmahlslehre. Eine bloß zeichenhafte oder geistige Auffassung des Abendmahls durch die Calvinisten wird abgelehnt. „Die Lehre von der Gegenwart von Leib und Blut Christi im Abendmahl wird lutherisches Dogma. Damit wird der Trennungsstrich zum Calvinismus definitiv.“So Johannes Wallmann: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation. 7. Auflage. Mohr Siebeck, Tübingen 2012 (UTB; 1355), ISBN 978-3-8252-3731-8, S. 93
Kirchliche Anerkennung erhielt die Konkordienformel unter anderem in Kursachsen, Kurbrandenburg, der Kurpfalz, 20 Herzogtümern, 24 Grafschaften und 35 Reichsstädten.Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche (BSLK), S. 762–766; vgl. S. 15–17. 8000 bis 9000 lutherische Theologen erkannten sie durch ihre Unterschrift an. Gert Kelter: Einführung in die Konkordienformel (PDF-Datei; 32 kB) Jedoch wurde sie nicht von allen lutherischen Territorien befürwortet; daher gilt sie auch heute nicht in allen evangelisch-lutherischen Kirchen als Bekenntnisschrift. So wurde sie u. a. in Hessen, Zweibrücken, Anhalt, Pommern, Holstein, Dänemark, Schweden, Nürnberg und Straßburg nicht angenommen. Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, der zu den entschiedensten Förderern gehört hatte, verweigerte sich nach dem Streit um die Amtseinführung seines Sohnes als Fürstbischof von Halberstadt. In Kurbrandenburg wurde sie im 17. Jahrhundert aus der Liste der Bekenntnisschriften gestrichen.
Alle Pfarrer in Kursachsen mussten ein Bekenntnis zur Konkordienformel ablegen. Es kursierte ein Vers:
1580 erschien das Konkordienbuch als Zusammenstellung verbindlicher Bekenntnistexte: Es enthält die Konkordienformel sowie die von ihr als maßgeblich benannten altkirchlichen und reformatorischen Bekenntnisse. Mit dieser autoritativen Sammlung gilt „der Prozess der Bekenntnisbildung der lutherischen Kirchen [als] abgeschlossen“.Friedrich Wilhelm Graf: Protestantismus München 2017, S. 34.
Inhalt Die Konkordienformel wurde auf Deutsch abgefasst. Eine spätere Übersetzung ins Lateinische besorgten Chemnitz und Selnecker. Der erste Teil, Epitome genannt, enthält in zwölf Artikeln die Beurteilung und Entscheidung der bisher strittigen Lehrpunkte. Zuerst wird jeweils die Streitfrage (status controversiae) dargelegt, die rechtgläubige Auffassung des strittigen Punktes in den sogenannten Affirmativa bündig zusammengefasst, endlich die ihr entgegenstehende Lehre in der Negativa oder Antithesis ihren Hauptpunkten nach bezeichnet und sofort „verworfen und verdammt“.
Der zweite Teil, solida declaratio (= ausführliche Darlegung) genannt, erörtert dieselben Artikel im Zusammenhang und ist eigentlich das Torgauer Buch nach den Veränderungen, auf die man sich im Kloster Berge geeinigt hatte, weshalb es auch als Bergisches Buch bezeichnet wird.
Artikel der Konkordienformel Art. 1 Von der Erbsünde De peccato originis Gegen Matthias Flacius, der behauptete, die Erbsünde gehöre zum Wesen des Menschen. Art. 2 Vom freien Willen De libero arbitrio Eindeutige Ablehnung einer möglichen Hinwendung des Willens zur Gnade Gottes unter Bezug auf Luthers De servo arbitrio im Zusammenhang mit dem Synergistischen Streit. Art. 3 Von der Gerechtigkeit vor Gott De iustitia fidei coram deo Sowohl gegen Andreas Osiander, der die Rechtfertigung als Einwohnung der göttlichen Natur Christi im Menschen verstand, als auch gegen Franciscus Stancarus, der nur die menschliche Natur Christi wirken sah, im Zuge des Osiandrischen Streits: Festschreibung der forensischen Rechtfertigungsvorstellung Melanchthons. Art. 4 Von guten Werken De bonis operibus Sowohl gegen Georg Major, der gute Werke als notwendig für die Seligkeit bezeichnete, als auch gegen Nikolaus von Amsdorff, der im Zuge des Majoristischen Streits behauptete, gute Werke seien schädlich für die Seligkeit; stattdessen Pochen auf das sola fide. Art. 5 Von Gesetz und Evangelium De lege et evangelio Feststellung, dass das Evangelium reine Gnaden-, keine Gesetzes- oder Bußpredigt sei. Die Aussage steht im Zusammenhang mit dem Antinomistischen Streit. Art. 6 Vom dritten Gebrauch des Gesetzes De tertio usu legis Gegen die Auffassung, dass der wiedergeborene Christ das Gesetz nicht mehr benötige. (Usus in renatis oder tertius usus legis) Art. 7 Vom heiligen Abendmahl Christi De coena domini Im Zuge des zweiten Abendmahlsstreits Verwerfung der reformierten und der katholischen Abendmahlslehre sowie Betonung der Realpräsenz und Ubiquität Christi. Art. 8 Von der Person Christi De persona Christi Betonung der „höchsten Gemeinschaft“ von göttlicher und menschlicher Natur in Christus. Art. 9 Von der Höllenfahrt Christi De descensu Christi ad inferos Christus sei nach dem Begräbnis in menschlicher und göttlicher Natur in die Hölle gefahren, habe den Teufel besiegt und ihm so die Macht der Hölle entrissen. Art. 10 Von Kirchengebräuchen De ceremoniis ecclesiasticis Auch Belange um Ordnungen und Riten, sogenannte Adiaphora („Nebendinge“) dulden im status confessionis keine Kompromisse. Art. 11 Von der ewigen Vorsehung und Wahl Gottes De aeterna praedestinatione Dei Prädestination zum Heil gibt Hoffnung, es gibt keine Prädestination zur Verdammnis, wie Calvin und Zwingli behaupten. Art. 12 Von anderen Rotten und Sekten De aliis haeresibus et sectis Gegen Täufer, Irrungen in Polizei (d. h. Obrigkeit) und Haushaltung, gegen Schwenkfeldianer, Arianer und Antitrinitarier.
Anerkennung
Fürsten und Bischöfe Folgende Reichsfürsten und Bischöfe erkannten die Konkordienformel mit ihrer Unterschrift und Siegel an: Ludwig VI., Pfalzgraf bei Rhein, Kurfürst August, Herzog von Sachsen, Kurfürst Johann Georg, Markgraf von Brandenburg, Kurfürst Joachim Friedrich, Markgraf von Brandenburg, Administrator des Erzstifts Magdeburg Johann IX. von Haugwitz, Bischof von Meißen Eberhard von Holle, Bischof zu Lübeck, Administrator des Hochstifts Verden Philipp Ludwig, Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg Friedrich Wilhelm I., Herzog von Sachsen-Weimar Johann Casimir, Herzog von Sachsen-Coburg Johann Ernst, Herzog von Sachsen Georg Friedrich, Markgraf von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach, Herzog von Jägerndorf Julius, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel und von Lüneburg Otto II., Herzog von Braunschweig-Lüneburg Heinrich, Herzog von Braunschweig-Lüneburg und Dannenberg Wilhelm der Jüngere, Herzog von Braunschweig-Lüneburg Wolfgang, Herzog von Braunschweig-Grubenhagen Ulrich III., Herzog von Mecklenburg-Güstrow Johann VII., Herzog von Mecklenburg-Schwerin Sigismund August, Herzog von Mecklenburg-Schwerin Ludwig, Herzog von Württemberg Ernst Friedrich, Markgraf von Baden-Durlach Jakob III., Markgraf von Baden-Hachberg Georg Ernst, Graf von Henneberg und Schleusingen Friedrich I., Graf von Württemberg und von Mömpelgard Johann Günther I., Graf zu Schwarzburg Wilhelm I., Graf zu Schwarzburg-Frankenhausen Albrecht VII., Graf zu Schwarzburg-Rudolstadt Emich X., Graf zu Leiningen Philipp IV., Graf zu Hanau-Lichtenberg Gottfried, Graf zu Oettingen-Oettingen Georg II., Graf zu Castell-Rüdenhausen Heinrich IV., Graf zu Castell-Remlingen Johann Hoyer, Graf zu Mansfeld-Artern Bruno I., Graf zu Mansfeld-Bornstedt Hoyer Christoph I., Graf zu Mansfeld-Eisleben Peter Ernst, Graf zu Mansfeld-Eisleben, Domherr zu Straßburg Christoph II., Graf zu Mansfeld Otto VIII., Graf zu Hoya und Nienburg Johann XVI., Graf von Oldenburg-Delmenhorst Albrecht Georg, Graf zu Stolberg Wolf Ernst, Graf von Stolberg Ludwig III., Graf von Gleichen-Blankenhain Karl III., Graf von Gleichen-Blankenhain Ernst I, Graf zu Regenstein Bodo II., Graf zu Regenstein Ludwig III., Graf zu Löwenstein-Wertheim Heinrich I., Schenk von Limpurg, Herr zu Schmiedelfeld Georg, Herr zu Schönburg-Waldenburg Wolf II., Herr zu Schönburg-Penig-Remissa Anarg Friedrich, Herr zu Wildenfels
Städte 35 Bürgermeister und Räte nahmen für ihre Städte und Reichsstädte die Konkordienformel an. Diese waren Bürgermeister und Rat der Stadt Lübeck Bürgermeister Hans Hitschler und Rat der Stadt Landau in der Pfalz Bürgermeister Friedrich Zeringer und Rat der Stadt Münster im Elsass Der Rat der Stadt Goslar Bürgermeister Hans Ehinger von und zu Baltzheim und Rat der Stadt Ulm Bürgermeister Matthias Herwarth und Rat der Stadt Esslingen am Neckar Der Rat der Stadt Reutlingen Bürgermeister Peter Seng d. Ä. und Rat der Stadt Nördlingen Bürgermeister J. C. Adler und Rat der Stadt Rothenburg ob der Tauber Der Stättmeister und Rat der Stadt Schwäbisch Hall Bürgermeister Johann Spölin und Rat der Stadt Heilbronn Bürgermeister Melchior Stebenhaber und Rat der Stadt Memmingen Bürgermeister Michael Buchschar und Rat der Stadt Lindau Bürgermeister Adam Alberti und Rat der Stadt Schweinfurt Der Rat der Stadt Donauwörth Der Kämmerer Stephan Fugger vom Reh und Rat der Stadt Regensburg Bürgermeister Hans Aff und Rat der Stadt Wimpfen Bürgermeister Jörg Vetter und Rat der Stadt Giengen an der Brenz Bürgermeister und Rat der Stadt Bopfingen Bürgermeister Kaspar Voss und Rat der Stadt Aalen Bürgermeister Ludwig Bonrieder und Rat der Stadt Kaufbeuren Bürgermeister Crispinus Riedlein und Rat der Stadt Isny im Allgäu Bürgermeister Paul Röhr und Rat der Stadt Kempten Der Rat der Stadt Hamburg Der Rat der Stadt Göttingen Der Rat der Stadt Braunschweig Bürgermeister und Rat der Stadt Lüneburg Bürgermeister Georg Bock und Rat der Stadt Leutkirch Die ganze Regierung der Stadt Hildesheim Bürgermeister und Rat der Stadt Hameln Bürgermeister und Rat der Stadt Hannover Der Rat der Stadt Mühlhausen Der Rat der Stadt Erfurt Der Rat der Stadt Einbeck Der Rat der Stadt Northeim
Siehe auch