Pet Shop Boys (deutsch sinngemäß „Jungs aus der Zoohandlung“) sind ein britisches Elektropop-Duo, bestehend aus Neil Tennant und Chris Lowe. Sie sind seit 1985 mit Hits wie West End Girls, Suburbia, It’s a Sin und Go West international erfolgreich. Die Pet Shop Boys schreiben und produzieren für sich selbst, aber auch für andere Künstler. Ferner komponieren sie Musik für Film, Theater und Ballett.
Laut Guinness-Buch der Rekorde gelten die Musiker als erfolgreichstes Popduo in der Musikgeschichte des Vereinigten Königreichs. Sie wurden dreimal mit dem Brit-Award ausgezeichnet und sechsmal für den Grammy nominiert.The Guinness Book of Records 1999 S. 228. Guinness, 1998 Seit 1986 hatten die Pet Shop Boys 42 Top-30-Singles in den britischen Charts; davon waren 22 Top-10-Hits, darunter vier Nummer-eins-Platzierungen. 2009 wurden sie bei den Brit Awards mit dem Ehrenpreis Outstanding Contribution to Music ausgezeichnet.
Bandgeschichte 1981–1984: Gründung und erste Aufnahmen Die Geschichte der Pet Shop Boys begann in einem Elektronikladen in der Londoner King’s Road, in dem sich Neil Tennant und Chris Lowe am 19. August 1981 begegneten, als Tennant ein Kabel für seinen ersten Synthesizer kaufen wollte. Tennant erzählte Lowe von diesem Synthesizer und gab ihm seine Telefonnummer. Drei Tage später rief Lowe ihn an und sie trafen sich. Die beiden teilten die Vorliebe für Dance-Music sowie die Hi-NRG-Szene und beschlossen, fortan zusammen Lieder zu schreiben.
Ausgehend von ihrer Liebe für das Londoner West End nannten sie sich zuerst West End, änderten ihren Namen aber später in Pet Shop Boys. Der Name soll laut einem Interview Tennants von Freunden abgeleitet sein, die damals in einer Zoohandlung in Ealing arbeiteten.
Tennant arbeitete zu diesem Zeitpunkt als Musikjournalist bei Smash Hits, Lowe war Student der Architektur. Nach einem Interview-Termin Tennants mit der Band The Police in New York nutzte er die Gelegenheit zu einem Treffen mit dem Disco-Produzenten Bobby „O“ Orlando. Dieser nahm 1984 mit dem Duo die beiden Singles West End Girls und Opportunities auf, die zunächst nur als Geheimtipp in Discotheken in Kalifornien, Belgien und Frankreich galten. In einem Rechtsstreit trennte man sich jedoch wieder.
Durch ihr maßgeblich vom Fotografen und Musikvideo-Regisseur Eric Watson geprägtes „unglamouröses“ und „ungeschminktes“ AuftretenChris Heath: Pet Shop Boys, Literally. Viking, 1991, ISBN 978-0-670-83616-1, Seite 91 ff. und ihre Liedtexte erlangten die Pet Shop Boys in den 1980er-Jahren schnell Kultstatus. Die beiden offen schwulen Musiker setzen sich für die Schwulenbewegung ein und treten regelmäßig auf entsprechenden Benefiz-Veranstaltungen auf.
1985–1989: Durchbruch und Erfolge mit Please, Actually und Introspective Nachdem das Interesse von Plattenfirmen gestiegen war, wurde West End Girls neu aufgenommen, produziert von Stephen Hague, und im Oktober 1985 bei Parlophone/EMI veröffentlicht. Der Titel wurde ein Welterfolg, der sowohl den ersten Platz in den britischen als auch in den US-amerikanischen Singlecharts erreichte. 1987 wurde der Nr.-1-Hit mit einem Brit Award als bestes Lied des Jahres ausgezeichnet. Eine Serie weiterer Hits wie Suburbia (1986), It’s a Sin (1987), eine Cover-Version von Always on My Mind (britischer Weihnachts-Nummer-eins-Hit des Jahres 1987) und Heart (1988) folgten.
Das im März 1986 veröffentlichte Debütalbum Please, das im November 1986 erschienene Remix-Album Disco und ihr im September 1987 herausgebrachtes zweites reguläres Studioalbum Actually waren ebenfalls sehr erfolgreich, so dass die Pet Shop Boys 1988 als beste britische Gruppe einen Brit Award erhielten. Im selben Jahr drehte das Duo mit Jack Bond den Film Pet Shop Boys – Der Film (It Couldn’t Happen Here), der im Herbst 1988 in den Kinos Premiere feierte. Zur selben Zeit veröffentlichten sie das Album Introspective und tourten im Sommer 1989 durch Japan und England. Derek Jarman war für die Regie der Show verantwortlich. Die Filme, die er für die erste Tournee der Pet Shop Boys erstellte, wurden unter dem Titel Projections als VHS veröffentlicht. Die Show selbst ist bis heute nur auf VHS in Ausschnitten erhältlich.
Nach den ersten eigenen Erfolgen arbeiteten Tennant und Lowe ab 1987 auch mit anderen Künstlern zusammen, darunter Dusty Springfield, Patsy Kensit und Liza Minnelli. Mit Dusty Springfield sangen sie zusammen im Duett What Have I Done to Deserve This? (1987) und verhalfen ihr damit zu einem Comeback, dem ein von den Pet Shop Boys mitproduziertes Album (Reputation) und zwei Single-Hits (Nothing Has Been Proved und In Private) folgten. Für Minnelli produzierten sie das Lied Losing My Mind, das sich zu einem internationalen Hit entwickelte, sowie das dazugehörige Album Results (1989), für das die Pet Shop Boys sieben Titel schrieben.
1990–1995: Fortsetzung des Erfolges mit Behaviour und Very Die Pet Shop Boys veröffentlichten im Oktober 1990 mit Behaviour ihr viertes Studioalbum. Das stark orchestrierte, eher ruhige Album, aufgenommen zusammen mit Harold Faltermeyer in München, konnte an die Erfolge aus den 1980er-Jahren nicht anknüpfen. Die ausgekoppelten Singles So Hard, Being Boring und Jealousy wurden 1990/1991 dennoch kleinere Hits. Der mit How Can You Expect To Be Taken Seriously? dritte aus Behaviour ausgekoppelte Titel erschien im März 1991 als B-Seite einer Coverversion von U2s Where the Streets Have No Name – im Medley mit Andy Williams’ Can’t Take My Eyes Off You. Es folgten die Performance-Tour und mit Discography (1991) ein erstes Greatest-Hits-Album.
Neil Tennant war auch als Sänger und Produzent zusammen mit Bernard Sumner und Johnny Marr an dem Projekt Electronic beteiligt, das mit Disappointed (1992) den größten Hit verbuchen konnte. 1992 folgte eine Zusammenarbeit der Pet Shop Boys mit Boy George, für den sie das Lied The Crying Game – ein Beitrag zum Soundtrack des gleichnamigen Films – produzierten.
Im September 1993 veröffentlichten die Pet Shop Boys das Album Very, das nicht nur musikalisch ein enormer Erfolg wurde, sondern vor allem optisch durch sein orangefarbenes Noppencover hervorstach und deshalb sogar im New Yorker Museum of Modern Art ausgestellt wurde.
Die zweite Single Go West entwickelte sich zu einem ihrer größten Hits und ist nach wie vor ein gern gespieltes Lied in den Fußball- und Eishockeystadien. Bei dem Titel handelt es sich um eine Cover-Version eines mäßig erfolgreichen Liedes der Village People, der auf dem Kanon und Gigue in D-Dur von Johann Pachelbel basiert.
In den Videos zu den ausgekoppelten Singles aus Very, neben Go West auch Can You Forgive Her und I Wouldn’t Normally Do This Kind Of Thing, agierten die Pet Shop Boys in eigenwilligen Kostümen und Kopfbedeckungen vor computeranimierten Hintergründen.
1994 starteten sie eine sechswöchige Discovery-Tour durch Australien, Asien und Südamerika. Es folgten im September 1994 Disco 2 sowie im August 1995 Alternative, eine zwei CDs umfassende Sammlung von B-Seiten. Unter anderem sind darauf auch von Chris Lowe gesungene Titel wie Paninaro oder We All Feel Better in the Dark zu hören, ferner eine eigene Version des für Liza Minnelli verfassten Losing My Mind.
Nachdem die Pet Shop Boys 1994 bereits für Kylie Minogue die Nummer Falling geschrieben, das Lied Girls and Boys von Blur neu abgemischt und mit Jennifer Saunders und Joanna Lumley, den beiden Darstellerinnen der britischen Kultserie Absolutely Fabulous, ein Lied gleichen Namens aufgenommen hatten, folgte 1995 eine Zusammenarbeit mit David Bowie und Tina Turner. Für Bowie lieferten sie einen Remix von Hallo Spaceboy und traten mit ihm gemeinsam bei der Verleihung der Brit Awards auf, wo sie diesen Titel, auf dem auch Neil Tennant zu hören war, sangen. Für Turner schrieben und produzierten sie das Lied Confidential, zu finden auf ihrem Album Wildest Dreams (1996).
1996–2001: Alben Billingual und Nightlife, Musical Closer to Heaven mini|Die Pet Shop Boys 1997 in Finnland Im September 1996 veröffentlichten Tennant und Lowe das Album Bilingual. Die schon im Vorfeld der Albumveröffentlichung ausgekoppelte Single Before erwies sich als mäßig erfolgreich; die anschließende Single Se A Vida É (That’s The Way Life Is) avancierte zum Sommerhit und vermittelte ein Bild von den Einflüssen aus dem Bereich der lateinamerikanischen Musik, die einen Großteil des Albums prägten.
Im Oktober 1999 folgte das wieder in Richtung Disco tendierende Album Nightlife mit den Singles I Don’t Know What You Want But I Can’t Give It Anymore, New York City Boy und You Only Tell Me You Love Me When You’re Drunk. Das Album beinhaltete auch das Duett In Denial mit Kylie Minogue – ein Lied über das schwierige Verhältnis eines schwulen Vaters zu seiner Tochter. Die Tour zum Album führte das Duo erstmals seit 1991 wieder auf Konzertreise durch Europa und die USA.
Zum Jahrtausendwechsel kooperierten die Pet Shop Boys mit Robbie Williams, an dessen Single No Regrets (1998) Neil Tennant als Background-Sänger beteiligt war. Für die Bloodhound Gang betätigten sie sich als Remixer auf deren Single Mope (2000).
Im Mai 2001 hatte Closer to Heaven, das erste Musical von Tennant und Lowe, im Arts Theatre London seine Uraufführung. Das Musical lief eine Saison lang bis Oktober 2001 und erschien auch auf CD.
2002–2009: Änderung des Stils mit Release, Erfolge mit Alben Fundamental und Yes Mit dem gitarrenlastigen Album Release aus dem April 2002 schlugen die Pet Shop Boys ruhigere Töne an und verließen ihr gewohntes Terrain des Dance-Pop. Die erste Singleveröffentlichung Home and Dry wurde mit einem eher ungewöhnlichen Video veröffentlicht, das der gängigen Videoästhetik nicht entsprach. Der von dem Fotografen Wolfgang Tillmans gedrehte Videoclip zeigt neben einer verwackelten Liveaufnahme der Pet Shop Boys auch Szenen von emsigen Mäusen auf den Gleisen eines Londoner U-Bahnhofs. Auch auf der Tournee zum Album präsentierten sich Tennant und Lowe ohne den Pomp und die Theatralik vergangener Tourneen, sondern eher im Stil einer Rockband mit Gitarre und reduziertem Set.
Im Januar 2003 folgte das dritte Remixalbum aus der Reihe Disco, und im November 2003 wurde mit PopArt das zweite reguläre Greatest-Hits-Album der Pet Shop Boys veröffentlicht. Es enthielt als Doppel-CD alle britischen Top-20-Hits des Duos und mit Miracles und Flamboyant auch zwei neue Stücke. Im Oktober desselben Jahres wurde ihnen von Michail Gorbatschow in Hamburg der World Award in der Kategorie „Arts“ überreicht. 2004 lieferten die Pet Shop Boys zwei Remixe für das umstrittene Lied Mein Teil von Rammstein.
Sie arbeiteten zudem mit dem Produzenten Sven Helbig, dem Komponisten Torsten Rasch und den Dresdner Sinfonikern zusammen an der Filmmusik zu Sergej Eisensteins Stummfilmklassiker Panzerkreuzer Potemkin aus dem Jahr 1925. Nachdem die Pet Shop Boys im September 2004 bereits am Londoner Trafalgar Square ihr Werk präsentiert hatten, waren sie im September 2005 auch auf einigen Freiluftveranstaltungen in Deutschland zu sehen, unter anderem in Frankfurt, Bonn, Berlin und Hamburg. Im September 2005 erschien der Soundtrack Battleship Potemkin mit 15 Tracks auf CD. Im Juli 2006 inszenierte Sven Helbig eine Live-Aufführung im Rahmen der 800-Jahr-Feier in Dresden.
Im Rahmen der weltweiten Live-8-Benefizkonzerte traten die Pet Shop Boys im Juli 2005 in Moskau auf. Für Madonnas Single Sorry haben sie Anfang 2006 den PSB Maxi-Mix produziert, der zusätzliche Zeilen geschrieben und gesungen von Neil Tennant enthält. Das Album Fundamental erschien im Mai 2006. Maßgeblich beteiligt war dabei Trevor Horn, mit dem Tennant und Lowe bereits ein Großteil von Introspective eingespielt hatten. Die erste Singleauskopplung war I’m With Stupid, die zweite Minimal.
Für das im Sommer 2006 erschienene Robbie-Williams-Album Rudebox produzierten Tennant/Lowe die beiden Lieder She’s Madonna und We’re the Pet Shop Boys, wobei letzteres ein Cover des gleichnamigen Songs von My Robot Friend ist.