Belgien (amtlich Königreich Belgien, , ) ist ein föderaler Staat in Westeuropa. Es liegt zwischen der Nordsee und den Ardennen und grenzt an die Niederlande, Deutschland, Luxemburg und Frankreich. Belgien zählte am rund Millionen Einwohner auf einer Fläche von 30.688 Quadratkilometern. Mit Einwohnern pro Quadratkilometer zählt Belgien zu den am dichtesten besiedelten Staaten. Der Grad der Urbanisierung Belgiens ist mit fast 98 Prozent der höchste in Europa.Europäische Union: Urbanisierungsgrad in den Mitgliedsstaaten im Jahr 2018. In: de.statista.com. Abgerufen am 3. Dezember 2019. Brüssel ist die Hauptstadt und Sitz der belgischen Königsfamilie, der Föderalregierung sowie Zentrum der Region Brüssel-Hauptstadt. Die bevölkerungsreichste Stadt ist Antwerpen, gefolgt von Gent, Charleroi, Lüttich (Liège) und Brüssel, während Brüssel und die umgebenden Gemeinden mit insgesamt ca. 1,25 Millionen Einwohnern den größten Ballungsraum bilden. Die Region Brüssel-Hauptstadt umfasst die Stadt Brüssel selbst sowie 18 unabhängige kommunale Einheiten; deren Einwohner werden vom Belgischen Statistikamt separat erfasst.

Seit der Unabhängigkeit 1830 und Verfassungsgebung 1831 ist Belgien eine parlamentarische Erbmonarchie (siehe auch belgische Monarchie). Die belgische Geschichte reicht allerdings viel weiter zurück: „Belgien ist ein Land mit einem jungen Staat, aber einer langen Geschichte“ (Christoph Driessen).Christoph Driessen: Geschichte Belgiens. Die gespaltene Nation. Regensburg 2023, S. 9. Belgien umfasst vier Sprachgebiete. Der Norden des Landes mit den Flamen ist niederländisches, der Süden mit den Wallonen französisches Sprachgebiet (vgl. Flämische und Französische Gemeinschaft). Die Region Brüssel-Hauptstadt ist offiziell zweisprachig, jedoch heute mehrheitlich frankophon. Im deutschsprachigen Gebiet in Ostbelgien sind Standarddeutsch und westmitteldeutsche Mundarten verbreitet (vgl. Deutschsprachige Gemeinschaft).

Der seit dem 19. Jahrhundert anhaltende flämisch-wallonische Konflikt prägt die oft einander zuwiderlaufenden Interessen der Vertreter der beiden großen Bevölkerungsgruppen in der belgischen Politik. Die Sprachgesetzgebung ist eine Folge dieses Konflikts. Seit den 1970er Jahren wird versucht, diesem Problem durch eine Dezentralisierung der Staatsorganisation zu begegnen. Dazu wurde Belgien in einen Bundesstaat, bestehend aus drei Regionen und drei Gemeinschaften, umgewandelt. Die Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt sowie die Flämische, die Französische und die Deutschsprachige Gemeinschaft bilden seither das politische Grundgefüge des Landes. Der Staatsaufbau Belgiens gilt als komplex, da u. a. die Hoheitsgebiete der Regionen mit jenen der Gemeinschaften nicht deckungsgleich sind. So überschneiden sich die Zuständigkeiten der Französischen und der Flämischen Gemeinschaft in der offiziell zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt, und das kleine Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft gehört zur mehrheitlich französischsprachigen Region Wallonien. Jedoch strebt die Deutschsprachige Gemeinschaft die Ausgliederung aus Wallonien und die Erhebung zur gleichberechtigten vierten belgischen Region neben Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt an.Parlament der DG: (PDF; 270 kB).Vgl. hierzu Karl-Heinz Lambertz im Juni 2012: (PDF; 58 kB, S. 3):

Belgien ist Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der heutigen Europäischen Union (EU), deren wichtigste Institutionen in seiner Hauptstadt Brüssel ihren Sitz haben. Der belgische Staat ist neben den Niederlanden und Luxemburg Mitglied in der Wirtschaftsunion Benelux.

Belgien ist ein hochentwickeltes Industrieland. Es liegt weltweit an sechzehnter Stelle beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und im weltweiten Mittelfeld bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Auf sozialer Ebene bietet das Land ein umfassendes Sozialsystem, das seine Bürger in Notlagen absichert.Homepage zum Sozialen Netz in Belgien. Die klassische soziale Sicherheit in Belgien umfasst drei Systeme und sieben Zweige. Die „soziale Sicherheit“ sorgt für Ersatzeinkommen und Zusatzleistungen. „Solidarität“ ist der Zentralbegriff dieses Systems.

Landesname Der Name Belgien begründet sich auf die römische Provinz . Dieser nordöstliche Teil Galliens wurde von Stämmen keltischer (d. h. die Belger) und germanischer (d. h. ) Herkunft bewohnt. Im 18. Jahrhundert galt das französische Adjektiv belge oder belgique als Entsprechung von Nederlands ‚niederländisch‘; der kurzlebige unabhängige Belgische Staat von 1790 hieß z. B. auf Französisch États belgiques unis und wurde auf Niederländisch meist Verenigde Nederlandse Staten genannt. Später beschränkte sich der Gebrauch von belge und belgique zunehmend auf die südlichen Niederlande, das heutige Belgien.

Geographie Laut den Berechnungen des Königlichen Belgischen Instituts für Naturwissenschaften hat Belgien eine Fläche von 30.688 Quadratkilometern. Davon umfasst die Region Brüssel-Hauptstadt 162 Quadratkilometer die Flämische Region 13.624 Quadratkilometer die Wallonische Region 16.901 Quadratkilometer (darunter Deutschsprachige Gemeinschaft 854 Quadratkilometer) 25 % der Landfläche Belgiens werden für Landwirtschaft genutzt.

Geologie und Geomorphologie mini|Naturräumliche Gliederung Belgiens Relief Belgiens

Das Relief Belgiens zeigt eine deutliche Unterscheidung zwischen dem Norden und dem Süden des Landes. Während der Norden (Flämische Region) im Wesentlichen aus Ebenen besteht, die nicht über 100 Meter Höhe hinausgehen, zeichnet sich der Süden (Wallonische Region) durch ein stärker ausgeprägtes Relief aus, bedingt durch das Ardennenmassiv. Dieses liegt vollständig südlich der Sambre-Maas-Furche und erreicht regelmäßig Höhen von über 500 Metern, mit dem höchsten Punkt des Landes am Signal de Botrange mit 694 Metern.

Naturräumliche Gliederung

Belgien wird nach Höhenlage in Nieder-, Mittel- und Hochbelgien eingeteilt.

Niederbelgien (0 bis 100 Meter Höhe), im Norden gelegen, besteht aus sandigen oder sand-lehmigen Böden (Dünen, Polder, Flandern, Kempen). Der belgische Nordseestrand erstreckt sich über 67 Kilometer. An einigen Stellen ist der Strand bei Ebbe über 500 Meter breit. Es handelt sich um einen gleichmäßig feinen Sandstrand, ohne Kiesel oder Felsen. An vielen Stränden finden sich Wellenbrecher. Mittelbelgien (100 bis 200 Meter Höhe, mit dem höchsten Punkt bei 212,24 Meter) umfasst von Westen nach Osten die niedrigen lehmbödigen und teilweise lössbödgigen Ebenen von Hennegau, Brabant und Hesbaye. Hochbelgien (über 200 Meter Höhe), südlich der Sambre-Maas-Furche gelegen, umfasst den Condroz, die Fagne-Famenne, die Calestienne, das Gebiet zwischen Vesdre und Maas (auch bekannt als Herver Land), die Ardennen und das belgische Lothringen. Südlich der Sambre-Maas-Furche ist das Fundament deutlich älter und komplexer. Das paläozoische Grundgestein tritt durch die variszische Faltung und späterer Erosion in weiten Teilen offen zutage. Die dortigen Böden sind Ergebnis der Verwitterung der offenliegenden paläozoischen Gesteine. Nördlich der Sambre-Maas-Furche ist das paläozoische Grundgebirge nicht offen aufgeschlossen und wird durch Sedimentgesteine aus dem Tertiär und Quartär überdeckt.

Küstenlandschaften Im Gefolge der nacheiszeitlichen Flandrischen Transgression kam es zur Bildung von Strandwällen und Dünen aus marinem Sand, die heute noch als ein bis zu 50 Meter hoher, geschlossener Dünengürtel an der belgischen Küste sichtbar sind. In den Dünengebieten hat sich teils Braunerde-Podsole auf Flugsand gebildet. Daraufhin folgt eine ungefähr 10 bis 20 Kilometer breite Zone Marschland wie Polder, die durch Sedimentation und künstliche Entwässerung geprägt sind. Diese Böden sind schwer, wassergesättigt (Gleye) und bei gezielter Nutzung fruchtbar.

Flandrische Ebene mit sandigen Böden Östlich von Brügge und westlich der Schelde zwischen Gent und Antwerpen einschließlich des Waaslandes schließt sich die weite flandrische Ebene an und es breiten sich in ihrem Nordteil wenig fruchtbare sandige Böden aus. Es entstanden Braunerde auf sandig-lehmigem Substrat vereinzelt auch Pseudogley auf Tonböden mit Staunässe. Süd-westlich von Brügge liegen Parabraunerde auf sandig-lehmige Mischböden, teilweise mit hohem Tonanteil. Diese sandig-lehmigen Böden sind etwas fruchtbarer.

Kempen (Nord-Limburg) Weiter östlich im Binnenland, in Kempen, westlich begrenzt durch die Schelde, liegt die Flussgeest. Hier wurden die Ablagerungen des Maas-Schwemmfächers in der letzten Kaltzeit mit Sandern großer Mächtigkeit überdeckt. Im leicht welligen Land wechseln sich Äcker und Wiesen mit Waldstücken und Heiden ab. An Böden bildete sich stark versauerte, sandige Podsole und Braunerde-Podsole. Zum Teil kommen auch Hochmoore, z. B. De Groote Heide, vor.

Löss im Hespengau (Süd-Limburg) Südlich von Kempen und westlich von Brüssel liegt der Hespengau, eine sehr fruchtbare Lössebene, die intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Diese Böden zählen mit zu den fruchtbarsten Europas. Auf Löss-Parabraunerden wird viel Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Raps und Obst und in geringerem Maß Gemüse kultiviert. Die Gegend um Sint-Truiden mit Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Erdbeeren gilt als der Obstgarten Belgiens. Weniger fruchtbar und sandiger ist das Hageland zwischen Löwen, Diest und Tienen.

Ostflandern, Antwerpen und Brabant Südlich der Flüsse Schelde und Rupel zwischen Gent und Mechelen, in Ostflandern und in Brabant wird der Boden fruchtbarer und lehmiger, was für die Landwirtschaft günstiger ist. Im Brabanter Hügelland herrschen sehr fruchtbare Parabraunerden aus Löss vor, auf tonigere Substraten Pseudogleye. Im Hageland weiter östlich ist die Braunerde sandiger und weniger fruchtbar. Weiter westlich ist Ostflandern wird die Landschaft durch die Dender durchflossen, westlich derer die Ebene von einer lockeren Kette von tertiärzeitlichen Hügeln zwischen Ronse, Geraardsbergen, Oudenaarde und Zottegem – den Flämischen Ardennen – überragt wird.

Hennegau Im Hennegau erstrecken sich die flämischen Ardennen hinein bis Frasnes-lez-Anvaing – dort Pays des Collines genannt. Im Pays des Collines gibt es eine Wechselfolge aus Ton, Mergel und Schiefer, die Braunerde und Gleye als Böden hervorgebracht hat. Um Mons befindet sich ein Lösshügelland mit Löss-Parabraunerden, die sehr gute Ackerböden hervorbringen. Um Charleroi ist der Boden stark anthropogen verändert, wie Abraumhalden und Industrieflächen.

Kreideböden des Landes von Herve Östlich von Lüttich und der Maas befindet sich das Herver Land, das für seine Bocage-Landschaft bekannt ist. Es weist Kreideböden, Lehmböden und teilweise auch Tonböden auf, die aus Kreidekalk und Tonmergel aus der Oberkreide entstanden sind.

Furche der Sambre und Maas Die Täler der Sambre und der Maas bilden eine scharfe Grenze an einer tektonischen Störungszone, welche die Tertiär- und Kreideplateaus im Nordwesten von dem paläozoischen Gebirge im Süden trennt. An der Störungszone der Haine-Sambre-Maas-Furche liegen reiche Vorkommen von Steinkohle. Das Gebiet erstreckt sich von der Borinage, über das Pays noir bei Charleroi bis zum Lütticher Becken. Dieses ehemalige industrielle Herz Belgiens bildet mit dem Nordfranzösischen Kohlerevier ein Steinhohlebassin, wo ab 1830 das erste kontinentaleuropäische Bergbau- und Schwerindustrierevier entstand.Walter Sperling / Adolf Karger (Hrsg.): Fischer Länderkunde – Band 8: Europa, Frankfurt am Main 1989, S. 220–225. Ab 1901 wurde auch das Limburger Steinkohlerevier erschlossen.

Condroz