Die Salzböde ist ein etwa 27,6 km langer rechter Zufluss der Lahn im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit Mündung im Landkreis Gießen im Bundesland Hessen. Sie hat ein Wassereinzugsgebiet von rund 140 km². Neben dem Fluss verläuft der 29 km lange Salzböderadweg.

Der längs sich der Flussaue ziehende Naturraum Salzbödetal teilt das umgebende Gladenbacher Bergland in West-Ost-Richtung.

Name Ersterwähnung Erstmalige Erwähnung erfährt die Bezeichnung Salzböde in einer Schenkungsurkunde aus dem 8. Jahrhundert, in der eine Edelfrau namens Adelburch ihre Besitzungen in der mündungsnahen Ortschaft „Salzbutine“ (Salzböden) dem Kloster Fulda überträgt.

Im Landfriedensvertrag, den Bischof Wernher von Mainz 1265 mit hessischen Reichsstädten und benachbarten Territorialherren schloss, wird bei der Beschreibung der Grenze im Norden auch der Fluss Salzböde („..., et ab illa silva usque ad aquam, que dictur Salzbuide,...“) (..., und vom Wald bis zum Wasser, wie es Salzbuide heißt) genannt.

In dem Buch „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ von Georg Wilhelm Justin Wagner, Großherzoglicher Geometer, Verlag Carl Wilhelm Leske, Darmstadt, aus dem Jahr 1830, steht u. a.: „In der Nähe von Mornshausen a. S. ist ein salziges Wasser entdeckt worden, worauf sich wahrscheinlich der Name ‚Salzböde‘ bezieht.“

Herkunft des Namens Der Regensburger Onomastiker Albrecht Greule leitet den Bachnamen Salzböde von der indogermanischen Wurzel * bud ab.Albrecht Greule: Gewässernamen im Flussgebiet der Lahn. In: Norbert Nail (Hrsg.): Die Welt der Namen. Sechs namenkundliche Beiträge. Marburg 1998, S. 12 Die hypothetische Urform des Gewässernamens Salzböde wäre demnach *(Salz-)budina. Das Hydronym * Budina, die Endsilbe -böde, hat zudem weitere Entsprechungen, wie die Bode im Harz und innerhalb Europas beispielsweise, die Bütten im Elsass, die Pitten in Niederösterreich oder die Bednja in Kroatien. Das Präfix Salz- ist ein unterscheidender Namenszusatz wie etwa auch in Salzschlirf oder Salzuflen. Den Gewässernamen Salzböde zählt Greule außerdem zur Gruppe der voreinzelsprachlichen, alteuropäischen Hydronyme innerhalb des Einzugsgebietes der Lahn, zu der ebenfalls die Namen der benachbarten Bachläufe Allna und Aar gehören.Albrecht Greule: Gewässernamen im Flussgebiet der Lahn. In: Norbert Nail (Hrsg.): Die Welt der Namen. Sechs namenkundliche Beiträge. Marburg 1998, S. 10 f.

Möglicherweise könnte die Endsilbe -böde aber auch ein althochdeutsches Synonym für Fluss/Bach sein, ähnlich wie die Bode im Harz.

Der Name Salzböde ist für einen Süßwasserbach ungewöhnlich. Aber erstens deutet schon der Pflanzenwuchs im Entstehungsgebiet auf einen etwas erhöhten Mineral- bzw. Salzgehalt im Boden hin. Und zweitens soll nach einem hartnäckigen Volksglauben das Wasser der Salzböde lokal ein wenig salzig schmecken. Erwiesenermaßen gab oder gibt es entlang des Bachlaufs einige Salzlagerstätten, die jedoch alle nicht als ergiebige Fundstellen anzusehen sind.

Herkunft des Salzwassers

Die Herkunft der Salze im östlichen Rheinischen Schiefergebirge, die aus Klüften aufsteigen, ist nicht eindeutig geklärt. Da im Rheinischen Schiefergebirge keine Salzlagerstätten bekannt sind, muss das Salzwasser von außen, z. B. von Süden über bedeutende, tiefreichende Dehnungsbrüche in den konsolidierten Schiefergebirgsblock hineinmigrieren (einfließen).Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen, Blatt 5216, Hess. Landesamt f. Bodenforschung, Wiesbaden 1997 Naheliegend ist daher eine Wanderung von Süden aus den tertiären Salzlagerstätten des Oberrheingrabens.

Bekannt ist, dass von Süden her durch den Oberrheingraben über Wiesbaden, Selters, Biskirchen, Löhnberg ein tiefer unterirdischer Chlorid-Grundwasserstrom (Tiefenwasservorkommen) nach Norden zieht in Richtung Dillmulde, Hörre-Zone, Lahnmulde. Wo er endet ist nicht bekannt.

Geographie Entstehung im Quellgebiet Der Ursprung der Salzböde liegt im südwestlichen Teil des Gladenbacher Berglandes im historischen Hessischen Hinterland in der Gemeinde Bad Endbach, nordwestlich des Ortsteils Hartenrod, in der Gemarkung Schlierbach. Das Quellgebiet liegt in 435 bis am südlichen Abhang des 564 m hohen Würgeloh, einem südlichen Ausläufer der Bottenhorner Hochflächen.

mini|links|x90px|Hinweisschild Eine eigentliche Quelle findet sich nicht. Das Wasser sickert aus vielen einzelnen Quellchen, die über eine größere Fläche auf einer sumpfig-nassen Wiese, „Salzwiese“ genannt, in sanfter Hanglage verteilt sind. Das vor Ort stehende Schild „Salzbödequelle“ kennzeichnet die Stelle, wo das Gewässer als kleiner Bach erstmals sichtbar wird.

Die Fließrichtung ist zunächst südöstlich. Bereits nach etwa 600 Metern beginnt die bebaute Siedlungsfläche von Hartenrod. Von dort an ist das Wasser auf ca. 500 m Länge (Luftlinie) durchgehend in Kanalisationsrohre gefasst und sein Verlauf mit verschiedenartigsten Bauwerken mehr oder weniger stark überbaut. Daher ist auch nicht eindeutig erkennbar, wo und in welcher Weise ein zweites Fließgewässer mit ihm zusammentrifft. Dieses entspringt ziemlich genau 2 km Luftlinie südlich der oben beschriebenen Hangwiese am Nordwestabhang des 498 m hohen Schönscheid. Es führt eine vergleichbare Wassermenge über etwas größere Strecke, bevor es ebenfalls in Ortslage verrohrt ist. Dieses zweite Fließgewässer soll ausweislich topographischer Karten auch noch ein weiteres, genau südlich des Ortes entspringendes aufnehmen.

Verlauf mini|links|Hochwassersperrwerk "Waldmühle", südwestlich von Weidenhausen. Eine ähnliche Anlage befindet sich auf Höhe des Orts Damm. mini|220px|Blick vom Lammerich (Burgstall Naumburg) über Gladenbach, Mornshausen, Lohra, Damm ins untere Salzbödetal mini|Blick vom Altenberg in das Salzbödetal auf die Ortschaft Salzböden kurz vor der Mündung in die Lahn Die generell östliche Fließrichtung ist bedingt durch die Lage des deutlich über 500 m hohen Hochplateaus der Bottenhorner Hochflächen im Norden gegenüber den zunächst in praktisch ununterbrochener Folge südlich anstehenden steilen Hügel des Naturraumes Zollbuche mit Gipfelhöhen zwischen 300 und 450 m. Erst in der zweiten Hälfte der Strecke biegt die Salzböde dann immer stärker in südliche Richtungen ab. In Fließrichtung durchquert die Salzböde die Gemarkungen der Ortschaften Hartenrod, Bad Endbach und Wommelshausen-Hütte (alle Gemeinde Bad Endbach), danach die Stadtteile Weidenhausen, Erdhausen, Gladenbach und Mornshausen der Stadt Gladenbach sowie die Ortsteile Lohra, Damm und Reimershausen der Gemeinde Lohra. Zwischendurch durchfließt die Salzböde an der Steinfurtsmühle unterhalb von Oberwalgern auch kurzzeitig das Gemeindegebiet von Fronhausen. Damit fließt sie zum allergrößten Teil im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Kurz vor ihrer Mündung berührt sie noch den Ortsteil Salzböden, die Siedlung Röderheide und den Ortsteil Odenhausen der Stadt Lollar im Landkreis Gießen. mini|Mündung der Salzböde (mit der dunkleren Farbe) in die Lahn Bemerkenswert ist bei allen diesen Siedlungen, dass sie – mit Ausnahme von Hartenrod und Bad Endbach – entweder in einem recht großen Abstand zum Bachbett oder aber zumindest in relativ hochwasserfreier Lage errichtet sind. Ausnahmen davon sind allerdings die noch bestehenden Gebäude der fast sprichwörtlichen 40 Mühlen. Aber auch ihre Standorte sind aus jahrhundertealter Erfahrung so ausgewählt worden, dass sie im Normalfall von Hochwasser nicht bedroht werden. Allerdings sind, meist in jüngerer Zeit, einige Gebäude zu nahe am Wasserlauf errichtet worden, z. B. die Gemeindeverwaltung und das Kurhaus in Bad Endbach.

Durch ein Starkregenereignis am 17. September 2006 mit über 100 l/m² Niederschlag entstanden am Kurpark Bad Endbach und vor allem an den Gebäuden beträchtliche Schäden. Daraufhin wurden Hochwasserschutzmaßnahmen (u. a. Auffangbecken und Sperrwerke) im Verlauf der Salzböde geplant, die am Oberlauf inzwischen weitgehend abgeschlossen sind. Im April 2013 wurde das an der engsten Stelle im Oberlauf der Salzböde errichtete Sperrwerk westlich der "Waldmühle" fertiggestellt.

Nebenflüsse Folgende Nebenflüsse fließen der Salzböde zu: Name Zufluss-seite Länge[km] Einzugs-gebiet[km²] Mündungs-höhe[m. ü. NN] Mündungs-ort Quell-Naturraum DGKZ Schlierbach links 2,4 km 340 Hartenrod Bottenhorner Hochflächen 25834-114 Hülsbach links 3,4 km 325 Hartenrod Bottenhorner Hochflächen 25834-194 Endbach rechts 2,9 km 3,636 296 Endbach Zollbuche 25834-2 Dernbach links 4,3 km 6,024 286 Wommelshausen-Hütte Bottenhorner Hochflächen 25834-32 Floßbach rechts 2,1 km 283 Wommelshausen-Hütte Zollbuche 25834-392 Seibertshäuser Bach rechts 3,3 km 6,983 260 Weidenhausen Zollbuche 25834-4 Römershäuser Bach links 5,3 km 9,831 250 Weidenhausen östl. Bottenhorner Hochflächen 25834-52 Kehlnbach links 4,2 km 235 Erdhausen Salzbödetal 25834-594 Bornsbach links 3,5 km 4,623 229 Gladenbach Salzbödetal 25834-6 Nixböde links Mornshausen Salzbödetal Subach rechts 3,7 km 217 Mornshausen Zollbuche 25834-718 Limbach rechts 2,1 km 204 Lohra Zollbuche 25834-7316 Kirbach links 2,5 km 203 Lohra Salzbödetal 25834-7392 Vers rechts 8,4 km 42,546 188 Reimershausen Salzbödetal 25834-8 Alle innerhalb der Bad Endbacher Gemarkung entspringenden linken Nebenflüsse kommen von den sich im Norden unmittelbar anschließenden Bottenhorner Hochflächen und bleiben entsprechend kurz; die weiter flussabwärts folgenden linken Zuflüsse kommen sogar unmittelbar aus dem reliefarmen Naturraum Salzbödetal.

Aus analogen Gründen bleiben auch die rechten Nebenflüsse oberhalb Lohras, die ihre Quelle in dem sich südlich unmittelbar anschließenden Höhenzug der Zollbuche haben, kurz.

Erkennbar kommt der Vers eine Sonderrolle zu – ihr Tal nimmt auch, zusammen mit ihren Nebenflüssen Krebsbach (rechts, 7,0 km, 12,443 km²) und Krumbach (links, 4,6 km, 6,216 km²), den Südwest-Arm des Naturraumes Salzbödetal ein.

Wirtschaft

Schon 1890 Mineralwassererschließung im Salzbödetal Johannes Becker aus Mornshausen (Gladenbach) ließ im Jahre 1890 im Tal der Salzböde nordwestlich der Mappesmühle eine 150 Meter tiefe Bohrung niederbringen und wenige Jahre später nordwestlich der Götzenmühle eine weitere. Beide Bohrungen erbrachten ein „Natrium-Chlorid-Heilwasser“, eine gute Voraussetzung für einen Badebetrieb. Es folgten jahrelange Diskussionen um den Ausbau, die schließlich ohne Ergebnis Mitte der 1920erRainer Brämer, Salzquellen im Salzbödetal, Ein aktenmäßiger Versuch über Herkunft und Bedeutung; Lohra; Burgwald Verlag + Druck, Cölbe-Schönstadt, 1985, 32 S. DIN A5 Jahre endeten. Das Staatsbad Nauheim fürchtete Konkurrenz!

Das Hygiene-Institut der Uni Marburg untersuchte im Auftrag der Gemeinde Lohra 1958 nochmals Wasserproben aus der „Unteren Salzwiesenquelle“ in der Gemarkung Lohra mit folgendem Ergebnis: "Nach der chemischen Analyse ist das Wasser im wesentlichen charakterisiert durch seinen hohen Gehalt an Alkali-Chlorid, d. h. vorwiegend Natrium-Chlorid. Da die Gesamtmenge der gelösten festen Bestandteile über 1g/l liegt, handelt es sich bei diesem Wasser um ein Mineralwasser, und zwar kann der Brunnen als „Kochsalz-Quelle“ bezeichnet werden". Abschließend heißt es: "..., dass sich das Wasser nach entsprechender Aufbereitung als „Heilwasser“, zumindest aber als Tafelwasser verwenden lassen wird".Karl Huth: Die Gemeinde Lohra und ihre 10 Ortsteile, Gladenbach 2989 Das hat man nicht weiter verfolgt.

Mühlen, Waldschmieden, Hochofen und Hüttenwerke mini|Mühle in der Ortschaft Damm Gemeinde Lohra. Das Wasserrad ist in der Mitte der linken Bildhälfte zu erkennen mini|Die Aurorahütte bei Erdhausen 2014