Als Einkommen wird in den Wirtschaftswissenschaften und in der Wirtschaft die einem Wirtschaftssubjekt aufgrund des Einsatzes von mindestens einem Produktionsfaktor in Geld oder Gütern zufließende Stromgröße bezeichnet. Wirtschaftssubjekte, die Einkommen beziehen, sind Privathaushalte, Unternehmen und der Staat. Um Einkommen zu beziehen, wird im Regelfall ein Produktionsfaktor eingesetzt (beispielsweise die Arbeitskraft beim Produktionsfaktor Arbeit).Heike Schule, Heiner Brockmann, Thorsten Hadeler, Ute Arentzen: Gabler Volkswirtschafts-Lexikon. Band 1. 1996, S. 263 f. Die bei der Nutzung der Produktionsfaktoren anfallenden Kosten heißen Faktorkosten, ihr Pendant ist das Faktoreinkommen. Dieses wird bei Privathaushalten als Arbeitseinkommen, bei Unternehmen als Unternehmerlohn und beim Staat (sowie dessen untergeordneten Gebietskörperschaften und Staatsunternehmen) in Form von Abgaben, Beiträgen und Gebühren (nicht aber Steuern) als Gegenleistung für von ihm erbrachte öffentliche Aufgaben (Daseinsvorsorge) vereinnahmt.
Bei der Definition des Einkommensbegriffs kommt es auf die Sichtweisen in Mikroökonomie, Haushaltstheorie oder Volkswirtschaftslehre an, die unterschiedlich sind. In der Volkswirtschaftslehre werden alle Faktoreinkommen zum Volkseinkommen aggregiert. Die gängige Definition „Einkommen ist der Gegenwert einer Leistung“Lothar Wildmann: Wirtschaftspolitik. 2016, S. 171. trifft nicht immer zu, da Transfereinkommen ohne Gegenleistung erbracht werden.
Volkswirtschaftslehre Das Volkseinkommen ist die Summe aller in einer Rechnungsperiode auf die Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital einer Volkswirtschaft entfallenden Einzeleinkommen zuzüglich des Unternehmerlohns.Verlag Th. Gabler GmbH (Hrsg.): Bank-Lexikon: Handwörterbuch für das Bank- und Sparkassenwesen. 1978, Sp. 484. Diese Faktoreinkommen heißen konkret Arbeitseinkommen, Bodenertrag (Miete, Pacht) und Kapitalertrag (Dividende, Anleihezins). Der Gewinn von Unternehmen gilt zunächst nicht als Einkommen, sondern erst, wenn er anderen Wirtschaftssubjekten etwa in Form von Dividenden zufließt.
Arten Dem Privathaushalt stehen allgemein folgende Einkommensarten zur Verfügung:Heike Schule, Heiner Brockmann, Thorsten Hadeler, Ute Arentzen: Gabler Volkswirtschafts-Lexikon. Band 1. 1996, S. 263. Geldeinkommen: Arbeitseinkommen: Einkommen aus Arbeitsleistung in Form von Arbeitslohn durch Teilnahme am Produktionsprozess der Unternehmen. Vermögenseinkommen: Einkommen durch die Bereitstellung von Kapital (Kapitaleinkommen) und Boden (Grundrente). Transfereinkommen fließt aufgrund eines Rechtsanspruchs (Arbeitslosengeld, Rente) oder freiwilliger Zuwendungen (Abfindung, Schenkung) zu: individuelle Transferleistungen: Abfindung, Schenkung; kollektive Transferleistungen: Kindergeld, Sozialhilfe, Versicherungsleistung. Differentialeinkommen sind jene Einkommen, deren Entstehung aus unterschiedlichen Produktionskosten erklärt werden kann. Es ist der Sammelbegriff für Grundrenten und Produzentenrenten.Eggert Winter, Ute Arentzen: Gabler Wirtschafts-Lexikon. Band 1. 1997, S. 924. Gütereinkommen: Naturallohn: In Gütern oder Dienstleistungen als Sachbezug geleistete Entlohnungsformen: Ausbildung: Die Tätigkeit der Auszubildenden ist keine Gegenleistung zur Ausbildungsvergütung; der Betriebsarzt steht ausschließlich den Arbeitnehmern kostenlos zur Verfügung; Deputatlohn sind im Unternehmen hergestellte Waren für Arbeitnehmer; Dienstwohnung: die vom Arbeitgeber überlassene Wohnung für Arbeitnehmer; Firmenwagen: das vom Arbeitgeber dem Arbeitgeber überlassene Kraftfahrzeug. Anders als die übrigen Arten wird das Transfereinkommen erzielt, ohne dass eine konkrete Gegenleistung des Privathaushalts vorausgegangen ist oder erwartet werden kann.
Kennzahlen Wesentliche volkswirtschaftliche Kennzahlen sind das Pro-Kopf-Einkommen, die Einkommenselastizität sowie die Mincer-Einkommensgleichung. Das Pro-Kopf-Einkommen gibt das jährliche Durchschnittseinkommen der Einwohnerzahl eines Staates wieder: . Die Kennzahl zeigt insbesondere bei Ländervergleichen das Einkommensniveau eines Bürgers an.
Die Einkommenselastizität gibt die relative Änderung der Nachfrage nach einem Gut oder einer Dienstleistung im Verhältnis zur relativen Änderung des Einkommens eines Wirtschaftssubjektes wieder: . Die Einkommenselastizität ist vollkommen unelastisch (), wenn sich die Güternachfrage trotz Einkommensveränderung nicht ändert.
Die Mincer-Einkommensgleichung erklärt das Arbeitsentgelt als Funktion der Schulbildung und Arbeitserfahrung.
Einkommensbezogene betriebswirtschaftliche Kennzahlen befassen sich unter anderem mit dem Erschwinglichkeitsgrad oder dem Schuldendienstdeckungsgrad. Der Erschwinglichkeitsgrad gibt an, ob sich ein Kaufpreis für ein teures Gut (Kraftfahrzeug, Immobilie) in Einklang mit dem Einkommen befindet:Helmut Geyer: Kennzahlen für die Bau- und Immobilienwirtschaft. 2020, S. 199. . Je niedriger diese Kennzahl ausfällt, desto eher ist eine hochpreisige Ware für den Privathaushalt bezahlbar.
Der IWF empfiehlt seit 2004 die Ermittlung der Schuldendienstquote bei Privathaushalten im Verhältnis zum Einkommen.International Monetary Fund: International Monetary Fund Annual Report 2004. 2004, S. 33. Maßgeblicher Bezugswert ist das verfügbare jährliche Nettoeinkommen: . Der Schuldendienstdeckungsgrad verschlechtert sich, wenn neue Kredite aufgenommen werden oder sich das Zinsniveau (bei variablem Kreditzins) erhöht oder das Nettoeinkommen (etwa durch Arbeitslosigkeit) sinkt.
Mikroökonomie Das Einzeleinkommen (Individualeinkommen) ist die Menge an Geld- oder Naturaleinkommen eines Wirtschaftssubjekts innerhalb einer Rechnungsperiode.Verlag Th. Gabler GmbH (Hrsg.): Bank-Lexikon: Handwörterbuch für das Bank- und Sparkassenwesen. 1978, Sp. 484. Der von Unternehmen erzielte Gewinn wird dann zu Einkommen, wenn er den Wirtschaftssubjekten zufließt.
Unterschieden wird zwischen Bruttoeinkommen, Nettoeinkommen und verfügbarem Einkommen. Darüber hinaus spielen die Art und Aggregation von Einkommen eine entscheidende Rolle für die Interpretation und Vergleichbarkeit von Indikatoren. Die personelle Einkommensverteilung wird von Eurostat auf Grundlage des verfügbaren Äquivalenzeinkommens gemessen. Grundsätzlich werden zwei Einkommensarten unterschieden – das Einkommen, welches durch unselbständige und selbstständige Arbeit erwirtschaftet wird (Markteinkommen oder Primäreinkommen) und das Einkommen nach staatlicher Umverteilung (Sekundäreinkommen). Das Primäreinkommen setzt sich aus dem Einkommen aus Erwerbstätigkeit, Geschäftstätigkeit, Vermietung und Verpachtung, sowie Kapitaleinkünften vor Steuern und Abgaben zusammen. Die Berücksichtigung der Sozialabgaben, direkten Steuern sowie öffentlicher (etwa Arbeitslosengeld, Sozialhilfe) und privater (etwa Unterhalt) Transfers bezeichnet man als Transfereinkommen.
Finanzwissenschaft Im Rahmen der Einkommensteuer wird diskutiert, welche Einkommensbegriffe die steuerliche Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen am besten repräsentieren. Die Quellentheorie entwickelte 1902 den engsten Einkommensbegriff und definiert es als permanent zufließende Erträge, so dass außergewöhnliche Zahlungen (etwa Bonuszahlungen) außer Betracht bleiben.Bernhard Fuisting: Die preußischen direkten Steuern. Band 4: Grundzüge der Steuerlehre. 1902, S. 149 ff. Die Reinvermögenszugangstheorie umfasst auch aperiodische Erträge wie beispielsweise Lotteriegewinne. Das deutsche Einkommensteuergesetz (EStG) ist eine Mischung beider Theorien und berücksichtigt darüber hinaus mit dem Spekulationsgewinn auch eine systemwidrige Steuerbemessungsgrundlage.
Makroökonomie In der Makroökonomie berücksichtigt man das Einkommen zur kumulierten Messung der Vermögenszugänge einer Volkswirtschaft. Die unterschiedlichen volkswirtschaftlichen Einkommensbegriffe sind international durch die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) standardisiert, unter anderem als Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG). Dieses wiederum verwendet die Definitionen aus dem Statistik-System der Vereinten Nationen „System of National Accounts“ (SNA). Ausgangspunkt ist dort das Primäreinkommen, das begrifflich mit dem Nationaleinkommen (bzw. früher Sozialprodukt) identisch ist. In seiner Bruttoform vor Abschreibungen als Bruttonationaleinkommen hat es für die Europäische Union hohe Bedeutung als Indikator für die Einkommenshöhe der jeweiligen EU-Mitgliedstaaten beziehungsweise ihrer Bevölkerung und liefert deshalb (neben dem Umsatzsteueranteil) den Maßstab für die Mitgliedsbeiträge, aus denen die Eigenmittel der EU bestehen.
Der ebenfalls international verwendete Begriff Nettonationaleinkommen (früher Nettosozialprodukt) ist das Bruttonationaleinkommen abzüglich der Abschreibungen. Der im deutschen Sprachraum genutzte Begriff Volkseinkommen ist das Nettonationaleinkommen abzüglich vor allem der indirekten Steuern (statistischer Fachbegriff hier: Gütersteuern) zuzüglich der Subventionen. Rechnerisch beruht die Höhe des Volkseinkommens in einem bestimmten Land im Vergleich zu seinem Nationaleinkommen also vorrangig darauf, in welchem Umfang der Staat seine Einnahmen aus direkten Steuern oder aus indirekten Steuern bezieht.
Über die Verteilungsrechnung lässt sich das Verhältnis der verschiedenen Einkommensbestandteile zueinander berechnen. Die beiden wichtigsten makroökonomischen Größen zur Messung des Einkommens sind dort das Bruttonationaleinkommen und das Bruttoinlandsprodukt.
Steuerrecht mini|Einkünfte und Einkommen Steuerbemessungsgrundlage für die Einkommensteuer ist das Zu versteuernde Einkommen. In dieser Größe werden sämtliche sieben Einkunftsarten zu Einkünften zusammengefasst und der Besteuerung unterzogen.
Das Einkommensteuerrecht in Deutschland unterscheidet zwischen Einnahmen, Einkünften, Einkommen und zu versteuerndem Einkommen. Einnahmen sind bei Arbeitnehmern das Bruttoarbeitsentgelt, bei Selbstständigen die Erlöse. Einkünfte ergeben sich, wenn von den Einnahmen/Erlösen die durch die Einnahmeerzielung veranlassten Kosten (Werbungskosten bei Arbeitnehmern, Betriebsausgaben bei Selbständigen) abgezogen werden (objektives Nettoprinzip). Einkommen ergibt sich nach Abzug von Vorsorgeaufwand und anderen Sonderausgaben sowie außergewöhnlichen Belastungen (subjektives Nettoprinzip). Zu versteuerndes Einkommen heißt die Bemessungsgrundlage für den Einkommensteuertarif und ist meist wertmäßig mit dem Einkommen gleich, außer beim Abzug von Kinderfreibeträgen.
Begriffsverwendungen Der Begriff des Einkommens kommt in vielen Wortkompositionen vor, die in Betriebswirtschafts-, Volkswirtschafts- und Steuerlehre von Bedeutung sind.