Acamprosat, N-Acetylhomotaurin, ist ein Arzneistoff, der in der unterstützenden Behandlung der Alkoholkrankheit verwendet wird, genauer zur Unterstützung der Abstinenz bei alkoholabhängigen Patienten.
Die auch als N-Acetylhomotaurin bezeichnete Substanz ist verwandt mit den im Gehirn aktiven Neurotransmitter-Aminosäuren γ-Aminobuttersäure (GABA), Glutamat und Taurin.
Entwicklungsgeschichte 1984 wurde Acamprosat von dem kleinen französischen Unternehmen Meram zur Therapie von Epileptikern und Alkoholabhängigen entwickelt. Bereits 1987 erhielt Meram eine vorläufige Zulassung für die Substanz in Frankreich. 1989 hat das Unternehmen den Wirkstoff auf den dortigen Markt gebracht. Für die Vorbereitung zur EU-weiten Zulassung hat die französische Firma Lipha (ein Tochterunternehmen der Merck KGaA) die Substanz übernommen und zwölf placebokontrollierte Multicenterstudien mit insgesamt etwa 4000 Patienten durchgeführt. Im Dezember 1995 erfolgte die Zulassung von Campral in Deutschland. Mitte März 1996 brachte Lipha ein Acamprosat-haltiges Arzneimittel als Campral® auf den Deutschen Markt. Im Juli 2004 wurde Campral® in den USA „zur Aufrechterhaltung der Alkoholabstinenz bei alkoholabhängigen Patienten zugelassen, die zu Beginn der Behandlung bereits alkoholabstinent sind“, Vertriebspartner in den USA ist Forest Laboratories. 1999 bekam Campral den Galenus-von-Pergamon-Preis.
Medizinische Daten
Wirkungsprinzip Acamprosat, ein Derivat der Aminosäure Homotaurin, dämpft eine durch den Botenstoff Glutamat ausgelöste Übererregbarkeit des Gehirns, indem es die Rezeptoren der Nervenzellen besetzt und dadurch das Andocken von Glutamatmolekülen verhindert.Collins GB, McAllister MS, Adury K. Drug adjuncts for treating alcohol dependence. Cleve Clin J Med. 2006 Jul;73(7):641-4, 647-8, 650-1. Review. PMID 16845975 Homotaurin ist ein GABAerger Agonist.
Da Alkoholkranke besonders viel Glutamat im Gehirn aufweisen (der Grund ist unklar), wird Acamprosat in der ambulanten Therapie der Alkoholkrankheit eingesetzt, um das Verlangen nach Alkohol zu reduzieren. Nicht jeder Alkoholkranke reagiert jedoch auf Acamprosat. Acamprosat ist nicht geeignet zur Behandlung der Symptome eines Alkoholentzugs.
Pharmakokinetik Weniger als 10 Prozent der Dosis wird aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert. Gleichzeitige Nahrungsaufnahme vermindert die Resorption. Die Resorptionsquote unterliegt daher großen individuellen Schwankungen. Maximale Blutspiegel stellen sich nach ungefähr 4 Stunden ein. Acamprosat überwindet die Blut-Hirn-Schranke, wird nicht an Plasmaproteine gebunden und unterliegt keiner Biotransformation. Es wird unvermindert über die Niere ausgeschieden und hat eine Plasmahalbwertszeit von 13 Stunden.
Anti-Craving Acamprosat wird als Anti-Substanzverlangen-Substanz beim Alkoholentzug verwendet. Der Patient sollte bereits vor Einnahme etwa 5 Tage abstinent sein. Die gleichzeitige Einnahme von Acamprosat und Alkohol verändert weder die Pharmakokinetik von Acamprosat noch die des Alkohols.Fachinformation (Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels) Campral von Merck (Schweiz) AG - Stand: Juli 2007.
Nebenwirkungen Häufige Nebenwirkungen sind Durchfall (Diarrhöe), Blähungen (Flatulenz), Übelkeit und Erbrechen, Juckreiz und Hautausschlag. Acamprosat beeinflusst die Fahrtüchtigkeit nicht, ein Suchtpotential ist nicht bekannt.
Wechselwirkungen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Alkohol sind nicht zu erwarten.
Pharmazeutische Informationen 300px|mini|links|Strukturformel des Calciumsalzes von Acamprosat Acamprosat ist oral wirksam. Arzneilich verwendet wird das Calcium-Salz.
Handelsnamen Acamprosat ist in Deutschland,Rote Liste 2017. Frankfurt am Main, ISBN 978-3-946057-10-9, S. 157. ÖsterreichAGES-PharmMed; abgerufen am 17. August 2009. und der SchweizArzneimittelkompendium der Schweiz; abgerufen am 17. August 2009. unter dem Namen Campral im Handel erhältlich.
Literatur Bernhard van Treeck: Drogen- und Sucht-Lexikon. Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 2004, ISBN 3-89602-542-2.
Kolja Jahnke: Die Wirkung von Acamprosat auf die Hinweisreizreaktivität abstinenter Alkoholabhängiger. Inaugural-Dissertation, Medizinische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br., vorgelegt 2008. freidok.uni-freiburg.de (PDF; 982 kB). Arzneiverordnung in der Praxis, März 2000, Nr. 1, S. 13 (zu Neben- und Wechselwirkungen);
Weblinks Internetpräsenz für Campral in den USA
Einzelnachweise
Kategorie:Acetamid Kategorie:Sulfonsäure Kategorie:Alkoholkrankheit Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Substitutionsmittel Kategorie:Psychotroper Wirkstoff Kategorie:Synthetische psychotrope Substanz