mini|Die Bäcker gehörten am häufigsten zu den Viergewerken, Christoph Weigel: Ständebuch, Der Zuckerbäcker, 1698Lieselott Enders, Evamaria Engel, Gerd Heinrich, Winfried Schich (Hrsg.): Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, jeweils Kapitel 8 Die Wirtschaft. 8 b Organisationsformen der Wirtschaft, S. 1–634.
Viergewerk bezeichnete in Mittelalter und Frühneuzeit jedes der vier Handwerke, die Teile der Ratsherren stellten und so Einfluss auf die städtische Politik erlangten.Joachim Stephan: Stadt und Bürger. In: Im Dialog mit Raubrittern und Schönen Madonnen. 1. Auflage, Lukas Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-118-1, Patrizier und Handwerker, S. 244–245.Eckhard Müller-Mertens: Schriften zur Stadtgeschichte (= Eckhard Müller-Mertens: Ausgewählte Schriften in fünf Bänden. Band 3). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2018, ISBN 978-3-86583-822-3, Bürgerlich-städtische Autonomie in der Feudalgesellschaft. Begriff und geschichtliche Bedeutung, S. 53–78, Einschränkung der städtischen Autonomie während des Absolutismus: S. 68–69.
Der Artikel konzentriert sich auf die Mark Brandenburg. In benachbarten Reichsterritorien – Mark Lausitz, Erzstift Magdeburg, Mecklenburg und Herzogtum Pommern – kamen ebenfalls Viergewerke vor.Evamaria Engel, Klaus Koldrack: Beeskow. Landkreis Oder-Spree (28 km sw Frankfurt/Oder). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 8 Die Wirtschaft. 8 b Organisationsformen der Wirtschaft, S. 33.Tilo Köhn: Golßen. Landkreis Dahme-Spreewald (36 km nw Cottbus; sorb. Lubin). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 8 Die Wirtschaft. 8 b Organisationsformen der Wirtschaft, S. 315.Rolf Barthel: Jüterbog. Landkreis Teltow-Fläming (62 km ssw Berlin). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 8 Die Wirtschaft. 8 b Organisationsformen der Wirtschaft, S. 253.Johann Stephan Pütter: Auserlesene Rechts-Fälle aus allen Theilen der in Teutschland üblichen Rechtsgelehrsamkeit. 2. Band nebst Register über dessen 4 Theile. In: Göttingische Juristen-Fakultät (Hrsg.): Reductionen, rechtlichen Bedenken, Relationen und Urtheilen. Verlag der Witwe Vandenhoeck, Göttingen 1774, , 4 Bände, CLXXXVII. Resp. für den Herz. v. Mecklenb. in S. Rostock. Bürg. c. B. und R. 45), S. 225.Edwin Kuna: Das alte Handwerk in Vorpommern. 1. Auflage, Haff Verlag, Grambin 2014, ISBN 978-3-942916-91-2, S. 34.
Geschichte in der Mark Brandenburg Die Handwerker der Mark Brandenburg des Spätmittelalters produzierten hauptsächlich für den örtlichen Markt. Dies ließ sich beispielsweise aus dem Stadtbuch von Salzwedel vom Anfang des 14. Jahrhunderts herauslesen. Es nannte 30 verschiedene Gewerke. Die unter ihnen, welche die Grundbedürfnisse befriedigten, erhielten in der Regel zuerst das Recht zur Gründung einer Zunft. Hierzulande erschien das Wort erstmals 1344. In jenem Jahr hieß es in Müncheberg: vir werken, guldemeister und gewerken.Evamaria Engel, Katrin Sauerwein: Müncheberg. Landkreis Märkisch-Oderland (50 km ö Berlin). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 8 Die Wirtschaft. 8 b Organisationsformen der Wirtschaft, S. 202. 1379 verglich sich Matthias Fiol mit Prenzlau wegen des Zolls. Die Urkunde bezeugten u. a. der alte und neue Stadtrat sowie die Zunftmeister der vier Wercken.Lieselott Enders: Die Uckermark. 2. Auflage, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1490-9, 2. Kapitel. Die Krise im Spätmittelalter (Vom Anfang des 14. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts). IV. Städtewesen und Bürgertum im Spätmittelalter. Die Viergewerke, S. 138–139. In den meisten märkischen Städten bildeten sie sich aus Bäckern, Fleischern, Schneidern und Schuhmachern, wobei dies variierte.
Der Stadtrat entwickelte sich zum einflussreichsten kommunalen Organ.Charles Higounet: Die deutsche Ostsiedlung im Mittelalter. Wolf Jobst Siedler Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-88680-141-1, 6. Die Stadtbevölkerung. Administrative und gesellschaftliche Strukturen. Der Rat, S. 299–300 (französisch: Les Allemands en Europe centrale et orientale au Moyen âge. Paris 1989, übersetzt von Manfred Vasold).Winfried Schich: Das mittelalterliche Berlin (1237–1411). In: Geschichte Berlins. 1. Band. 3. Auflage, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-8305-0166-8, Berlin auf dem Weg zur Autonomie: Die politische und rechtliche Stellung der Stadt im 14. Jahrhundert. Die städtische Verwaltungsorganisation, S. 199–201. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts gelang es den Gewandschneidern zunehmend Nichtangehörige ihrer Gilden aus dem Gremium herauszudrängen. Dabei stellten die Handwerker das Gros der Bürger.Helmut Assing: Die Landesherrschaft der Askanier, Wittelsbacher und Luxemburger (Mitte des 12. bis Anfang des 15. Jahrhunderts). In: Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Die Entstehung eines brandenburgischen Städtenetzes und städtischer Rechtsnormen. Die Rolle der märkischen Städte in Wirtschaft und Politik im 12./13. Jahrhundert, S. 109–116. Der Ausschluss von der politischen Macht und weitere Gründe führten in der Mitte des Jahrhunderts in manchen Städten zu Aufruhr. Den Handwerkern missfiel die Vorherrschaft der Gewandschneider. Sie strebten nach Mitsprache in der kommunalen Selbstverwaltung, besonders bei der Besteuerung.Gerd Heinrich, Winfried Schich: Land und Städte in Brandenburg und Berlin. In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, I. Land und Städte im Mittelalter. 2. Entwicklung des Städtewesens, S. XXVII–XXXVI, hier S. XXXV.
Unabhängig davon, welche vier Gewerke als die vornehmsten galten, konnten sie durch die vereinte Kraft Ratsherren in die Stadträte entsenden oder erreichten eine Beteiligung an Beratungen und Entscheidungen. Ersteres galt seit 1367 in Strausberg.Rolf Barthel: Strausberg. Landkreis Märkisch Oderland (33 km onö Berlin). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 9 Recht, Verwaltung und Verfassung der Stadt. 9 b Politische und Verwaltungsstrukturen, S. 497. Ab 1382 trafen in Neuruppin die vier entsprechenden Zunftmeister alle Entscheidungen mit, vermutlich mittels einer Erweiterung des Stadtrats.Rolf Barthel: Neuruppin. Landkreis Ostprignitz-Prignitz (60 km nw Berlin). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 9 Recht, Verwaltung und Verfassung der Stadt. 9 b Politische und Verwaltungsstrukturen, S. 366–367. In den beiden Brandenburgs an der Havel zogen die Viergewerke Ende des 14. Jahrhunderts in das oberste Organ ein. Das Gleiche gelang 1396 in Frankfurt an der Oder, wenig später ebenso in Berlin und Prenzlau. Sie formten eine eigene Schicht, die zwischen Gewandschneidern und übrigen Bürgern stand, etablierten sich als Ansprechpartner der Stadtherren.Lieselott Enders: Die Prignitz. 1. Auflage, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2000, ISBN 3-935035-00-4, 2. Kapitel. Die Prignitz im Spätmittelalter (Vom Anfang des 14. bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts). C. Die städtische Gesellschaft. 2. Stadt und Bürgertum zwischen Autonomie und Stadtherrschaft. a) Stadtverfassung im Wandel. Gewerke, S. 224–228. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erreichten die innerstädtischen Konflikte einen weiteren Höhepunkt. Die Kurfürsten von Brandenburg aus dem Haus Hohenzollern nutzten die widerstreitenden Interessen der Bevölkerungsgruppen um die Landesherrschaft wieder auszubauen. Das Eingreifen stärkte in Frankfurt an der Oder 1420/1423 Viergewerke und gemeine Bürgerschaft,Evamaria Engel, Katrin Sauerwein: Frankfurt (Oder). Kreisfreie Stadt (79 km osö Berlin). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 9 Recht, Verwaltung und Verfassung der Stadt. 9 b Politische und Verwaltungsstrukturen, S. 173–174. dergleichen in Prenzlau 1426.
Die soziale Stellung zeigte sich auch im religiösen Umfeld, so beim Fronleichnamszug in Altstadt Brandenburg. Die Prozessionsordnung vom Anfang des 15. Jahrhunderts setzte die Gewandschneider an die Spitze, dann folgten die Viergewerke (siehe Viergewerke einzelner Städte), darauf kamen die Schneider, Kürschner und Schuhflicker, zuletzt die Leineweber. Christliche, spätmittelalterliche Stiftungen erfolgten mit Zustimmung der Viergewerke, z. B. in Kyritz. Nach Einführung der Reformation flossen die Einkünfte der reformierten städtischen Kirchen, Kapellen und geistlichen Lehen dem Gemeinen Kasten zu. Ihm standen in Strasburg je ein Vertreter des Stadtrats, der Gewerke oder Ackerleute und der Gemeinde vor.Lieselott Enders: Die Uckermark. 2. Auflage, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1490-9, 3. Kapitel. Das Jahrhundert des Friedens in der Mark, der Agrarkonjunktur und der sozialen Konflikte in Stadt und Land (Vom Ende des 15. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts). I. Ausbau und Festigung der Landesherrschaft in der Mark. 2. Die Einführung der Reformation, S. 162–164, hier S. 164. 1558 stellten die Viergewerke in Havelberg zwei der fünf Kirchenvorsteher.Lieselott Enders: Die Prignitz. 1. Auflage, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2000, ISBN 3-935035-00-4, 3. Kapitel. Aufbruch und Widerspruch – die frühe Neuzeit (I) (Vom Ende des 15. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts). C. Die städtischen Verhältnisse. III. Verfassung, Recht und Bürgerfreiheit. 1. Die landesherrlichen Städte. c) Die kommunalen Kräfte, Gewerke und Bürgerschaft. Havelberg, S. 534.
mini|Die Einbindung der Perleberger Fünfgewerke stärkte die Autonomie der Stadt, Großer Sitzungssaal im Rathaus Perleberg
Die Entwicklung verlief von Ortschaft zu Ortschaft nicht gleichförmig. Beispielsweise gebrauchte die Altmark den Begriff Viergewerke weniger als die Städte jenseits der Elbe.Lieselott Enders: Die Altmark. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1504-3, C. Die städtische Gesellschaft. I. Die Städte an der Wende vom Mittelalter zur Frühneuzeit. 1. Die landesherrlichen Städte. c) Verfassung, Recht und Bürgerfreiheit. Gewerke, S. 809–812, hier S. 812.
In Eberswalde waren die Tuchmacher zugleich Gewandschneider und Teil der Viergewerke. Zusammen mit den anderen Drei bestimmten sie durchgängig die städtische Politik.Rolf Barthel: Eberswalde. Landkreis Barnim (43 km nö Berlin). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 8 Die Wirtschaft. 8 b Organisationsformen der Wirtschaft, S. 118.Ilona Rohowski: Landkreis Barnim. Stadt Eberswalde (= Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege im Auftrag Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg [Hrsg.]: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Brandenburg. Band 5.1). 1. Auflage, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1997, ISBN 3-88462-136-X, Einleitung. Die Gründung der Stadt und ihre Entwicklung bis zum Dreißigjährigen Krieg, S. 12–15, hier S. 12.
Zu Fürstenberg an der Havel vertraten die Altermänner der Zünfte und die vier Viertelsmeister die Bürgerschaft.Harald Engler: Fürstenberg/Havel. Landkreis Oberhavel (36 km nö Neuruppin). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 9 Recht, Verwaltung und Verfassung der Stadt. 9 a–b Recht, Verwaltung und Verfassung der Stadt–Politische und Verwaltungsstrukturen, S. 196.
In Köpenick benötigten die Viergewerke bis ins 17. Jahrhundert keinen Zusammenschluss.Harald Engler: Berlin-Köpenick (14 km sö von Alt-Berlin). In: Städtebuch Brandenburg und Berlin. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3-17-015388-9, 8 Die Wirtschaft. 8 b Organisationsformen der Wirtschaft, S. 614.