mini|Andreas Urs Sommer (2011) Andreas Urs Sommer (* 14. Juli 1972 in Zofingen, Kanton Aargau) ist ein Schweizer Philosoph, Publizist und Numismatiker. Seit Oktober 2016 ist er Inhaber einer W3-Professur für Philosophie mit Schwerpunkt Kulturphilosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.Lehrstuhl Universität Freiburg Von der Professur wurde Sommer unter Beibehaltung aller professoralen Rechte 2026 beurlaubt, um hauptamtlicher Vorsitzender des Vorstands der Carl Friedrich von Siemens Stiftung zu werden.Vorstand der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, abgerufen am 10. März 2026

Leben Andreas Sommer studierte nach seiner Schulzeit in Aarburg und Basel Philosophie, Kirchen- und Dogmengeschichte sowie Deutsche Literaturwissenschaft an den Universitäten Basel, Göttingen und Freiburg i. Br. 1995 schloss er mit dem Lizenziat in Basel ab, 1998 wurde er ebenda mit der Bewertung summa cum laude promoviert.

1996/97 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frey-Grynaeischen Institut in Basel. 1998 erhielt er einen Lehrauftrag am Philosophischen Seminar der Universität Basel. In den Jahren 1998/99 war Sommer „Visiting Research Fellow“ an der Princeton University und von 1999 bis 2001 Forschungsstipendiat des Schweizerischen Nationalfonds für die wissenschaftliche Forschung an der Forschungs- und Studienstätte für Europäische Kulturgeschichte der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. 2000 wurde Sommer Wissenschaftlicher Assistent am Philosophischen Institut der Universität Greifswald, wechselte aber 2001 als „Visiting Fellow“ an das Institute of German Studies, School for Advanced Study der University of London. Wiederum in Greifswald habilitierte er sich 2004 mit der Arbeit Sinnstiftung durch Geschichte? Zur Genese der Geschichtsphilosophie zwischen Bayle und Kant. 2000 bis 2007 lehrte er an der Universität Greifswald Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Philosophiegeschichte, im Wintersemester 2007/08 an der Universität Mannheim, seit 2008 Philosophie am Philosophischen Seminar der Universität Freiburg. 2011 wurde er in Freiburg zum außerplanmäßigen Professor für Philosophie ernannt. Im Wintersemester 2013/14 war Sommer Gastprofessor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

Von 2014 bis 2023 war er Leiter der Forschungsstelle Nietzsche-Kommentar der Heidelberger Akademie der Wissenschaften mit Sitz an der Universität Freiburg. Im Oktober 2016 nahm Sommer einen Ruf auf eine W3-Professur für Philosophie mit Schwerpunkt Kulturphilosophie an der Universität Freiburg in Gestalt einer Akademie-Professur in Kooperation mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften an.Berufungen 11/2016. Für 2019/2020 wurde er als Gastprofessor (Professeur invité) an die École normale supérieure (Paris) eingeladen./ HAdW Newsletter. 5, 2019, S. 21. 2023/2024 war Sommer Prodekan der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg, von 2024 bis 2026 Studiendekan,Homepage der Professur. und von 2019 bis 2026 Geschäftsführender Direktor des Nietzsche-Forschungszentrums an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.Lehrstuhl Universität Freiburg und

Sommer ist Spezialist für die Philosophie Friedrich Nietzsches, der Aufklärung und der Frühen Neuzeit sowie für die Methodologie der Philosophiegeschichtsschreibung. Seit 2008 ist Sommer wesentlich beteiligt am Nietzsche-Kommentar der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der an der Universität Freiburg erarbeitet wird,Forschungsprojekt: Nietzsche-Kommentar sowie Direktor der Friedrich-Nietzsche-Stiftung in Naumburg (Saale).Gründung der Friedrich-Nietzsche Stiftung und Homepage der Friedrich-Nietzsche-Stiftung Einem breiteren Publikum ist er mit Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln sowie insbesondere mit seinen populären philosophischen Büchern Die Kunst, selber zu denken, Lohnt es sich, ein guter Mensch zu sein? sowie Die Kunst des Zweifelns bekannt geworden. Darin erprobt er eine neue Form skeptischer Philosophie und kritischer Aufklärung. Sommer ist durch eine moderne Adaption stoischen Denkens hervorgetreten, dessen Potenzial als Philosophie der Seelenruhe er neu erschliessen will: Die Stoa soll von ihrem metaphysischen und moralistischen Ballast befreit werden. Sein Buch Werte. Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt (2016) plädiert für aufgeklärte Wertepluralität, die als positives Kennzeichen von Modernität verstanden wird. Seine Philosophie hat Sommer auch im Fernsehen dargestellt.Fernsehsendung Sternstunde Philosophie Sternstunde Werte SRFWerte ohne Kultur? Kultur ohne Werte? In Eine Demokratie für das 21. Jahrhundert. Warum die Volksvertretung überholt ist und die Zukunft der direkten Demokratie gehört (2022) plädiert er für eine direkt-partizipatorische Demokratie, die den Bürgern weitgehende Mitbestimmungsrechte bei politischen Sachentscheidungen einräumt.Demokratie in der Krise: Mehr Mitbestimmung wagen. Sendereihe Sein und Streit, Deutschlandfunk Kultur, 14. August 2022 In seinem jüngsten Buch Entscheide dich! Der Krieg und die Demokratie (2023) argumentiert Sommer, gerade die gegenwärtige fundamentale Krise biete Chancen zu einer direktdemokratischen Transformation der Gesellschaft und direkte Demokratien erzwängen durch die stete Einübung in Entscheidungen eine Entideologisierung der gesellschaftlichen Debatte, in der dann Sachanliegen statt Parteimeinung in den Vordergrund träten.Angriffskrieg gegen die Ukraine. „Ein Weckruf für unsere Demokratie“. Sendereihe Tacheles, Deutschlandfunk Kultur, 25. März 2023

Sommer ist Mitglied des Deutschschweizer PEN-Zentrums (DSPZ).Mitgliedsliste des Deutschschweizer PEN-Zentrums

Neben seiner Tätigkeit als Philosoph beschäftigt sich Sommer auch mit Numismatik, insbesondere der des byzantinischen Reichs.

Zum 1. März 2026 hat er in der Nachfolge von Isabel Pfeiffer-Poensgen den Vorstandsvorsitz der Carl Friedrich von Siemens Stiftung übernommen.Carl Friedrich von Siemens Stiftung Presseinformation vom 5. Februar 2026: Andreas Urs Sommer wird neuer Vorstandsvorsitzender der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, abgerufen am 8. Februar 2026

Auszeichnungen 1992: 3. Eligiuspreis der Deutschen Numismatischen Gesellschaft 1994: De-Wette-Preis der Theologischen Fakultät an der Universität Basel 1999: Visiting Research Fellow an der Princeton University 1999: Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds 2000: Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds 2001: Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds 2001: Visiting Fellow an der University of London 2003: Die Goldene Brille / La lunette d’or der Schweizerischen Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaft SAGW, für seine Glossen unter dem Titel „Ethikrat“ in der Wochenzeitung Die Zeit und seine philosophischen Briefe im Magazin (Tages-Anzeiger, Zürich). 2007: Vreneli-Preis für herausragende Beiträge im Bereich der Numismatik und zur Philosophie des SammelnsInformation zur Preisverleihung 2012: Shortlist des Tractatus-Preis für philosophische Essayistik, mit dem Buch Lexikon der imaginären philosophischen Werke 2012: Friedrich-Nietzsche-Preis 2016: Sonderpreis im Rahmen des Programms Geisteswissenschaften International, für das Buch Werte: Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibtSonderpreis für Andreas Urs Sommer - Geisteswissenschaften International 2017: Shortlist des Tractatus-Preis für philosophische Essayistik, mit dem Buch Werte. Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt 2017/18: Carl Friedrich von Siemens Fellowship 2023: Shortlist des Tractatus-Preis für philosophische Essayistik, mit dem Buch Entscheide dich! Der Krieg und die Demokratie Shortlist Tractatus-Preis 2023

Veröffentlichungen Monografien Der Geist der Historie und das Ende des Christentums. Zur „Waffengenossenschaft“ von Friedrich Nietzsche und Franz Overbeck. Mit einem Anhang unveröffentlichter Texte aus Overbecks „Kirchenlexicon“. Akademie, Berlin 1997, ISBN 3-05-003112-3. Friedrich Nietzsches „Der Antichrist“. Ein philosophisch-historischer Kommentar (= Beiträge zu Friedrich Nietzsche. Bd. 2). Schwabe, Basel 2000, ISBN 3-7965-1098-1. zusammen mit Dagmar Winter und Miguel Skirl: Die Hortung. Eine Philosophie des Sammelns. Parerga, Düsseldorf 2000, ISBN 3-930450-54-2. Zur militärischen Metaphorik im Stoizismus (= Schriftenreihe der Eidgenössischen Militärbibliothek und des Historischen Dienstes. Nr. 2). EMB/BBL, Bern 2002, ISBN 3-906969-01-0 Geschichte als Trost. Isaak Iselins Geschichtsphilosophie (= Schwabe Horizonte). Schwabe, Basel 2002, ISBN 3-7965-1940-7. Die Kunst, selber zu denken. Ein philosophischer Dictionnaire (= Die andere Bibliothek. Bd. 214). Eichborn, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-8218-4521-X. Krieg und Geschichte. Zur martialischen Ursprungsgeschichte der Geschichtsphilosophie (= Schriftenreihe der Eidgenössischen Militärbibliothek und des Historischen Dienstes. Nr. 5). EMB/BBL, Bern 2003, ISBN 3-906969-04-5. Christof Boehringer (Hrsg.): Katalog der byzantinischen Münzen. Münzsammlung der Georg-August-Universität Göttingen im Archäologischen Institut. Universitätsverlag, Göttingen 2004, ISBN 3-930457-30-X (online; PDF; 1,6 MB). Lohnt es sich, ein guter Mensch zu sein? Und andere philosophische Anfragen. Eichborn, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-8218-5590-8. Die Kunst des Zweifelns. Anleitung zum skeptischen Philosophieren (= Beck’sche Reihe. Bd. 1664). Beck, München 2005, ISBN 3-406-52838-4. Sinnstiftung durch Geschichte? Zur Genese der spekulativ-universalistischen Geschichtsphilosophie zwischen Pierre Bayle und Immanuel Kant (= Schwabe Philosophica. Bd. 8). Schwabe, Basel 2006, ISBN 3-7965-2214-9. zusammen mit Peter Schulz: Fritz Buri. Sein Weg. Leben – Denken – Glauben. V&R Unipress, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89971-314-5. Die Kunst der Seelenruhe. Anleitung zum stoischen Denken (= Beck’sche Reihe. Bd. 1940). Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59194-5. Die Münzen des byzantinischen Reiches 491–1453. Mit einem Anhang: Die Münzen des Reiches von Trapezunt. Battenberg, Regenstauf 2010, ISBN 978-3-86646-061-4. Geschichte und Gegenwart der Akademischen Zunft (= Basler Universitätsreden. Bd. 109). Schwabe, Basel 2011, ISBN 978-3-7965-2789-0. Lexikon der imaginären philosophischen Werke (= Die andere Bibliothek. Bd. 326). Eichborn, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-8218-6241-5. Kommentar zu Nietzsches Der Fall Wagner. Götzen-Dämmerung (= Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken. Bd. 6/1). De Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-028683-0. Kommentar zu Nietzsches Der Antichrist. Ecce homo. Dionysos-Dithyramben. Nietzsche contra Wagner (= Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken. Bd. 6/2). De Gruyter, Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-11-029277-0. Kommentar zu Nietzsches Jenseits von Gut und Böse (= Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken. Bd. 5/1). De Gruyter, Berlin / Boston 2016, ISBN 978-3-11-029307-4. Werte. Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt. J. B. Metzler, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02649-1. Nietzsche und die Folgen. J. B. Metzler, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-476-02654-5.Wucht und Wirkung eines streitbaren Denkers. Andreas Urs Sommer im Gespräch über das Buch Nietzsche und die Folgen mit Joachim Scholl auf Deutschlandradio Kultur 2., erweiterte Auflage mit einem Anhang: Fake Nietzsche. J. B. Metzler, Stuttgart 2019. Was bleibt von Nietzsches Philosophie? Duncker & Humblot, Berlin 2018 (= Lectiones Inaugurales. Bd. 19), ISBN 978-3-428-15429-6. Kommentar zu Nietzsches „Zur Genealogie der Moral“ (= Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Hg.): Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken, Bd. 5/2). De Gruyter, Berlin / Boston 2019, ISBN 978-3-11-029337-1, ISBN 978-3-11-038892-3 (E-Book). zusammen mit Matthias Politycki: Haltung finden. Weshalb wir sie brauchen und trotzdem nie haben werden. J. B. Metzler, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-476-04981-0.