Die Orange (Aussprache: [] oder []), nördlich der Speyerer Linie auch die Apfelsine (von niederdeutsch appelsina, wörtlich „Apfel aus China/Sina“) genannt, ist ein immergrüner Baum, im Speziellen wird auch dessen Frucht so genannt. Der gültige botanische Name der Orange ist Citrus × sinensis L., damit gehört sie zur Gattung der Zitruspflanzen (Citrus) in der Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Sie stammt aus China oder Südostasien, wo sie aus einer Kreuzung von Mandarine (Citrus reticulata) und Pampelmuse (Citrus maxima) entstanden ist.E. Nicolosi et al.: Citrus phylogeny and genetic origin of important species as investigated by molecular markers. In: Theoretical and Applied Genetics. Berlin 100, 8, 2000, S. 1155–1166.

Die aus den gleichen Elternarten entstandene Bitterorange wird wegen ihrer gänzlich unterschiedlichen Verwendung von den süßen Orangen unterschieden. Während die Bitterorange spätestens im 11. Jahrhundert nach Italien kam, wurde die süße Variante erst im 15. Jahrhundert nach Europa eingeführt, wo sie zunächst fast ausschließlich in Portugal angebaut wurde. Die süße Orange ist die am häufigsten angebaute Zitrusfrucht der Welt.

Beschreibung mini|Gelbe Orangen (橙黃橘綠), Zhao Lingrang (趙令穰) miniatur|Habitus des Orangenbaumes Vegetative Merkmale Orangenbäume sind kleine bis mittelgroße, immergrüne Bäume mit Wuchshöhen bis zu 10 Metern. Die runde Baumkrone weist eine regelmäßige Verzweigung auf. Die jungen Zweige sind kantig und mit dünnen, biegsamen, eher stumpfen, bis zu 8 cm langen Dornen besetzt.

Die wechselständig und spiralig an den Zweigen angeordneten (unifoliaten) Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist verkehrt-eiförmig, nur gering verbreitert (geflügelt), mit schmaler Basis, 1 bis 3 cm breit und 0,6 bis 1,5 cm lang. Die ledrige, dicke, dunkelgrüne Blattspreite ist deutlich vom Blattstiel abgesetzt, mit abgerundetem Blattgrund, oval und zugespitzt.

Die Keimblätter (Cotyledonen) sind milchig weiß. miniatur|Orangenblüte und Knospe miniatur|Orangenblüte und Orange mini|Plantage in Avaré, Brasilien mini|Frisch geerntete Orangen in Kafr Jamal, Palästina Generative Merkmale Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln oder in wenigblütigen, traubigen Blütenständen zusammen. Die duftenden Blüten sind radiärsymmetrisch und zwittrig oder rein männlich mit doppelten Perianth. Die vier oder fünf Kelchblätter sind verwachsen. Die fünf freien Kronblätter sind weiß gefärbt. Es sind 20 bis 25 Staubblätter vorhanden, deren Staubfäden an ihrer Basis zu mehreren Gruppen verwachsen sind. Der Fruchtknoten ist oval und deutlich vom Griffel abgesetzt. In Europa blüht die Orange von Februar bis Juni, in China von April bis Mai.

Orangenbäume entwickeln – wie viele andere Zitrusfrüchte – auch ohne Fremdbefruchtung Früchte. Bei der Frucht (Hesperidium) besteht das Sarcocarp aus zehn bis dreizehn Segmenten, die mit Saftschläuchen von meist oranger, gelegentlich auch gelber bis roter Farbe gefüllt sind. Jedes Segment ist von einem dünnen Häutchen (Endokarp) umgeben, die ganze Frucht von einer zweigeteilten Schale. Die innere Schicht der Schale ist weiß (Mesokarp, Albedo), die äußere im reifen Zustand orange oder grün (Exokarp, Flavedo). In der reifen Fruchtschale sitzen zahlreiche Öldrüsen, sie verströmen einen aromatischen Duft. Schale und Segmente sind miteinander verwachsen, die Frucht lässt sich schwerer schälen oder teilen als andere Zitrusfrüchte. Die zentrale Achse der Frucht ist – im Unterschied zur Bitterorange – nicht hohl. Jede Frucht enthält viele Samen. Die großen, ovalen Samen besitzen eine raue Samenschale und ein weißes Inneres. Jeder Same enthält einen bis meist viele Embryonen unterschiedlicher Größe. In China reifen die Früchte von September bis Dezember.

Die Chromosomengrundzahl beträgt n = 9, neben diploiden Formen treten auch polyploide Formen auf.

Farbe und Qualität der Früchte In Regionen mit tropisch-warmen Nächten und hoher Luftfeuchtigkeit bleiben die Früchte während der Reifung grün. Die Farbe Orange ist also kein Reifemerkmal. Da viele Verbraucher die grüne Farbe für ein Unreifemerkmal halten, werden die grünen Früchte in der Regel vor dem Verkauf entgrünt, indem sie Ethylengas ausgesetzt werden, welches das grüne Chlorophyll in der Schale zerstört. Dadurch bedingte Qualitätseinbußen werden der besseren Vermarktung halber hingenommen.Ulrike Bickelmann: Entgrünung von Zitrusfrüchten – Fluch oder Segen für die Qualität. In: Protokoll. 26. Internationale Arbeitstagung Qualitätskontrolle Obst & Gemüse. 05. März – 07. März 2007. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Bonn 2007, S. 66–69 (PDF)

Die Vermarktungsnorm der EU für Zitrusfrüchte schreibt vor, dass die Färbung von Orangen sortentypisch sein muss. Maximal ein Fünftel der Schale darf hellgrün gefärbt sein. Jedoch darf bei Orangen, die in Gebieten erzeugt werden, in denen während der Entwicklungszeit hohe Lufttemperaturen und eine hohe relative Luftfeuchtigkeit herrschen, mehr als ein Fünftel der Schale grün gefärbt sein (außerdem müssen alle Orangen je nach Sorte einen Mindestsaftgehalt von 30 % bis 45 % haben). Die Entgrünung ist in der EU erlaubt., Anhang I, Teil B, Teil 2. In: Amtsblatt der Europäischen Union. L 157.

Namensgebung Der Name Orange (lateinisch früher Aurantia bzw. Citrus aurantiumVgl. Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 135 (Arantia) und 136 (Aurantia).Vgl. auch Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 432–433 (pamrantze: Apfelsine, Frucht von Citrus aurantium L., mittellateinisch malum aurantium). stammt über Altprovenzalisch und Spanisch aus dem Arabischen (), das seinerseits über das persische (, und ) und Sanskrit auf ein dravidisches Wort (vgl. ) zurückgeht.orange. In: Oxford English Dictionary. 2. Auflage. Oxford 1989, ISBN 0-19-861186-2. Das n- wurde bei der Entlehnung aus dem Spanischen in andere romanische Sprachen durch andere Anlautkonsonanten ersetzt () und ging schließlich ganz verloren (Französisch orange; Provenzalisch irange; Italienisch arancia). Im Arabischen heißt die Orange heute (von „Portugal“), während für die Bitterorange steht. In ähnlicher Weise wird im Neugriechischen die bittere von der süßen unterschieden. Die Farbe Orange ist nach der Frucht benannt.

Der Name Apfelsine leitet sich aus Apfel-Sine, chinesischer Apfel, ab (vgl. niederländisch sinaasappel „Chinas Apfel“).Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).H. Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. S. Hirzel, Leipzig 1943. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gab es noch eine deutliche Trennung im Sprachgebrauch – nördlich des Mains, in der Rheinpfalz und im Osten Deutschlands wurde die Frucht „Apfelsine“ genannt. Mittlerweile setzt sich die Leitform „Orange“ zunehmend durch, vermutlich weil dieser Name „feiner“ klingt. Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA). Universität Augsburg, Phil.-Hist. Fakultät. Augsburg 10. November 2005 (online). Der große norddeutsche Fruchtsafthersteller riha verwendet nach eigenen Angaben die Bezeichnung Apfelsinensaft, wenn der Saft Fruchtfleisch enthält.

Die Erstbeschreibung unter dem Namen Citrus aurantium erfolgte 1793 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 782–783Carl von Linné: Species Plantarum, 2, 1753, S. 782–783 eingescannt bei botanicus.org.. Es wurde erkannt, dass es sich um eine Hybride handelt und Citrus × aurantium richtig und damit gültig ist. Es gibt eine große Zahl von Synonymen: Aurantium × acre Mill., Aurantium × corniculatum Mill., Aurantium × distortum Mill., Aurantium × humile Miller, Aurantium × myrtifolium escourtilz, Aurantium × sinense Miller, Aurantium × vulgare (Risso) M.Gómez, Citrus × amara Link, Citrus × aurantium subsp. amara Engler, Citrus × aurantium var. bigaradia (Loiseleur) Brandis, Citrus × aurantium var. crassa Risso, Citrus × aurantium var. daidai Makino, Citrus × aurantium var. dulcis Hayne, Citrus × aurantium var. fetifera Risso, Citrus × aurantium var. lusitanica Risso, Citrus × aurantium var. myrtifolia Ker Gawler, Citrus × aurantium subf. nobilis (Lour.) Hiroe, Citrus × aurantium var. sanguinea Engler, Citrus × aurantium subf. sinensis (L.) Hiroe, Citrus × aurantium subsp. sinensis (L.) Engler, Citrus × aurantium var. sinensis L., Citrus × aurantium subsp. suntara Engler, Citrus × aurantium var. vulgaris (Risso) Risso & Poiteau, Citrus × aurata Risso, Citrus × bigaradia Loiseleur, Citrus × changshan-huyou Y.B.Chang, Citrus × communis Poiteau & Turpin, Citrus decumana (L.) L. var. paradisi (Macfadyen) H.H.A.Nicholls, Citrus × dulcis Persoon, Citrus × florida Salisbury, Citrus × humilis (Mill.) Poiret, Citrus maxima (Burman) Merrill var. uvacarpa Merrill, Citrus × myrtifolia (Ker Gawler) Raf., Citrus × paradisi Macfadyen, Citrus × sinensis (L.) Osbeck, Citrus × sinensis var. brasiliensis Tanaka, Citrus × sinensis subsp. crassa (Risso) Rivera et al., Citrus × sinensis subsp. fetifera (Risso) Rivera et al., Citrus × sinensis subsp. lusitanica (Risso) Rivera et al., Citrus × sinensis var. sanguinea (Engler) Engler, Citrus × sinensis var. sekkan Hayata, Citrus × sinensis subsp. suntara (Engler) Engler, Citrus × taiwanica Tanaka & Shimada; Citrus × tangelo Ingram & H.E.Moore, Citrus × vulgaris Risso. Das Art-Epitheton sinensis bedeutet „chinesisch“.

Geschichte Die Orange lässt sich in Europa nicht vor dem 15. Jahrhundert nachweisen – im Gegensatz zur ähnlichen Bitterorange, die schon im Mittelalter auf dem Landweg bis nach Europa gekommen war. Auch wenn einzelne Hinweise auf süße Orangen schon für einen früheren Zeitpunkt vorliegen, scheint sich die Qualität erst ab 1500 erheblich gesteigert zu haben, aufgrund der Einführung besserer Sorten durch Portugiesen, die diese nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien in Europa verbreiteten. So berichtet Vasco da Gama 1498, er habe in Mombasa sehr gute Orangen, viel besser als jene in Portugal zu dieser Zeit bekannte, gesehen.A. Herculaneo: Roteiro da viagem de Vasco da Gama en MCCCCXCVII. Imprenta Nacional, Lisboa 1861. Zitiert in Ramón-Laca, 2003. Die Verbindung von süßen Orangen und Portugal, die sich in der Namensgebung in etlichen Sprachen niedergeschlagen hat, wurde eventuell durch die Erzählung gefördert, dass der eine, originale und ursprünglich eingeführte Baum noch Jahrhunderte in Lissabon gestanden habe.P. Spiegel-Roy, E.E. Goldschmidt: The Biology of Citrus. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-33321-0, S. 8.

Verwendung mini|hochkant|Orange und ihr Saft: klassischer Vitamin-C-Lieferant In Europa werden die Orangen von August (Frühsorten aus Sevilla) bis Mai (Spätsorte Tardivo di Sanvito, Sardinien) geerntet. Das im Welthandel bedeutendste Orangenprodukt ist der Orangensaft, welcher zum Großteil aus Brasilien stammt und in Form von Konzentrat (Sirup) gehandelt wird. Auch frische Orangen haben sich in der Lebensmittellandschaft zahlreicher Staaten fest etabliert. Früher als Schutz, heute zu Werbezwecken werden Orangen des Öfteren in Orangenpapieren eingewickelt zum Verkauf angeboten.