mini|Getreidemahd mit der Sichte und Binden der Garben, Gemälde von Simon Bening, um 1550|198x198pxDie Getreideernte bezeichnet die Ernte von Körnerfrüchten.
Die gebräuchlichsten Getreidesorten in Mitteleuropa sind Gerste, Roggen, Weizen, Hafer und Mais. Seit etwa 1985 werden auch Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, angebaut.
Verfahren
Früher mini|Zu Puppen bzw. Hauste aufgestellte Garben mini|Video: Ernte 1966 in Ellern/Hunsrück Jahrtausendelang erfolgte früher die Getreideernte bereits während der Gelbreife des Getreides von Hand mittels Sichel, Sichte oder Sense. Die abgemähten Getreidehalme band man zu Garben zusammen; jeweils mehrere Garben wurden anschließend gegeneinander auf dem Feld als Hocke, Hauste, Puppe oder Stiege zum weiteren Trocknen und Abreifen aufgestellt. Die Mäharbeit wurde in der Regel von Männern erledigt, das Binden der Garben hingegen war Frauenarbeit.Heinz-Peter Mielke, Niederrheinisches Freilichtmuseum Grefrath (Museumsführer), 1. Aufl., Grefrath, 1997, ISBN 3-932793-00-5, S. 170 Die Garben wurden nachfolgend zur Scheune gebracht und dort nach weiterer Lagerung entweder von Hand oder später durch eine Dreschmaschine ausgedroschen. Teilweise erfolgte der Drusch aber auch direkt auf dem Feld, die Garben setzte man, wenn das Dreschen nicht zeitnah erfolgen konnte, zum Schutz gegen Witterung und Ungeziefer zu Feimen auf. Mit der Entwicklung der Mähmaschine um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Handarbeit beim Mähen des Getreides sehr allmählich mechanisiert, die Entwicklung ging dabei hin bis zum gleichzeitig mähenden und Garben bindenden Mähbinder. Abhängig von verschiedenen Faktoren wie Betriebsgröße und geografischer Lage erfolgte jedoch durchaus zeitlich parallel zum Einsatz der Mähbinder weiterhin der Einsatz des einfacher aufgebauten Getreidemähers oder des mittels Handablage modifizierten Grasmähers. Zum Kornverluste und Betriebsstörungen der Maschinen vermeidenden Anmähen der Felder, d. h. dem Mähen eines ersten freien Streifens um das Feld, wurden auch noch Sichel, Sichte oder Sense eingesetzt.
In den 1950er Jahren entwickelte sich der Häckseldrusch bei dem die Garben vorher gehäckselt und erst das Häckselgut der Dreschmaschine zugeführt wurde. Arbeitsaufwand und Kraftbedarf der Dreschmaschine konnten so erheblich vermindert werden.
Heute mini|links|Mähdrescher bei der Gerstenernte mini|Winterweizenernte mit einem Mähdrescher Heute hingegen erfolgt die Getreideernte in Mitteleuropa fast ausschließlich mit Hilfe von Mähdreschern. Diese mähen in einem Arbeitsgang das Getreide, dreschen es aus, reinigen das ausgedroschene Korn und legen das Stroh entweder als Schwad auf dem Feld ab oder häckseln und verteilen es gleichmäßig auf dem Feld, um die zügige Verrottung zu fördern. Im Unterschied zu den früheren Verfahren setzt der Mähdrescher totreifes Getreide voraus; das bei der Totreife durch die höhere Gefahr des Verderbens oder Auswuchses des Korns engere zeitliche Fenster zur Ernte wird aber durch die enorme Schlagkraft des Ernteverfahrens vollständig wettgemacht. Die nahezu vollständige Verdrängung der älteren Ernteverfahren durch den Mähdrescher erfolgte in Deutschland etwa in den 1960er Jahren. An der Getreideernte sind nicht nur die Landwirte beteiligt, häufig wird die wichtigste Maschine, der Mähdrescher, samt Fahrer von einem Lohnunternehmer gestellt.
Der Erntebeginn wird vom Landwirt durch Überprüfung mehrerer Faktoren und Erfahrungswerte bestimmt. Dabei spielt das Wetter die größte Rolle. Ein weiterer Faktor ist der Feuchtegehalt des Getreides. Weitere Faktoren umfassen zum Beispiel die Anfälligkeit der Getreidesorte (Qualitätsverlust, Krankheiten) oder Reifegrad anderer Kulturen, die kleinere Erntefenster haben. Einige dieser Faktoren werden bei der Anbauplanung (Sortenwahl, Bestandspflege etc.) bereits einberechnet, auf andere muss bei Eintreten (Druschbedingungen durch Witterung oder Kalamitäten) reagieren.
Beispielsweise muss unter Umständen auch bei ungünstiger Witterung (v. a. zu feucht, unreifes Stroh) geerntet werden, um einen Qualitätsverlust (Reduktion der Fallzahl), Pilzbefall (Grund für Mykotoxine) oder ähnliches zu verhindern. Das Getreide muss je nach Feuchtegrad (ab 15 %) nachträglich getrocknet oder auf andere Art und Weise vor dem Verderb geschützt werden. Soweit das Getreide als Futtermittel verwendet werden soll, kann es unter anderem durch den Einsatz von Konservierungsmitteln (Propionsäure, Harnstoff) oder Sauerstoffentzug in gasdichten Silos oder Silierung (Milchsäuregärung) des vermahlenen und mit Wasserzusatz zu einem Brei vermischten Korns haltbar gemacht werden.Horst Eichhorn (Herausgeber): Landtechnik. 7. Auflage, Ulmer, Stuttgart 1952/1999, ISBN 3-8001-1086-5, S. 262 ff.
Die Ernte ist seit je her die intensivste Zeit für Landwirte, da sie damals wie heute wetterabhängig verläuft. Zusätzlich verlangt sie Landwirten unabhängig von der Betriebsgröße ein Maximum an logistischem, unternehmerischem und arbeitsorganisatorischem Können ab.
Getreide wird in der EU für sehr unterschiedliche Zwecke angebaut. Der größte Teil wird in der Nutztierhaltung genutzt (ca. 62 %), gefolgt von der Lebensmittelindustrie (ca. 22 %). Kleinere Anteile gehen in die Industrie (ca. 11,5 %) (z. B.: Ethanolproduktion), werden als Saatgut (3,5 %) wiederverwendet oder exportiert (ca. 17 %).
Erntemengen in Deutschland mini|Erntemengen im Jahr 2021, Aufstellung aus dem Situationsbericht 21/22 des Deutschen Bauernverbands (DBV) (einschl. Körnermais und Corn-Cob-Mix) 2000: 45,3 Mio. Tonnen 2001: 49,7 Mio. Tonnen 2002: 43,4 Mio. Tonnen 2003: 39,4 Mio. Tonnen 2004: 51,1 Mio. Tonnen 2005: 50,0 Mio. Tonnen 2006: 43,5 Mio. Tonnen 2007: 40,6 Mio. Tonnen 2008: 50,1 Mio. Tonnen 2009: 49,8 Mio. Tonnen 2010: 43,8 Mio. Tonnen 2011: 41,1 Mio. Tonnen 2012: 45,4 Mio. Tonnen 2013: 47,1 Mio. Tonnen 2014: 51,8 Mio. Tonnen 2015: 48,2 Mio. Tonnen 2016: 45,5 Mio. Tonnen 2017: 45,3 Mio. Tonnen 2018: 38,0 Mio. Tonnen 2019: 44,7 Mio. Tonnen 2020: 43,3 Mio. Tonnen 2021: 42,2 Mio. Tonnen
Literatur Schlipf: Handbuch der Landwirtschaft. 13. Auflage (1898) und 32. Auflage (1958), Paul Parey, Berlin (und Hamburg), Nachdruck in einem Band durch Manuscriptum Verlagsbuchhandlung, ISBN 3-933497-77-9. Schweigmann: Die Landmaschinen und ihre Handhabung. 1. Aufl., Verlag Dr. Pfanneberg, Gießen 1955, Nachdruck durch Bulldog Press, Limburg/Lahn, ISBN 3-9803332-1-3.
Einzelnachweise
Weblinks Von der Sichel zum Mähdrescher (PDF; 533 kB)
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