Weisenau ist ein Ortsbezirk der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.
Er hat knapp über 16.000 Einwohner. Die Geschichte des 1930 eingemeindeten Stadtteils reicht bis in das 6. Jahrtausend v. Chr. zurück. Besonders in der Römerzeit war Weisenau ein wichtiger Militär- und Handwerksstandort vor den Toren des römischen Mogontiacums. In der Nachkriegszeit ab den 1950er Jahren siedelten sich verschiedene, heute nur noch in geringem Umfang dort vertretene Großunternehmen in Mainz-Weisenau an, unter anderem 1965 das US-amerikanische IT-Unternehmen IBM.
Nachbarstadtteile und -gemeinden Folgende Gemeinden bzw. Mainzer Stadtteile grenzen im Uhrzeigersinn an Weisenau:
im Norden zu einem kleinen Teil Mainz-Altstadt, im Osten über dem Rhein Ginsheim-Gustavsburg, im Süden Mainz-Laubenheim, im Südwesten Mainz-Hechtsheim und im Nordwesten Mainz-Oberstadt.
Geschichte In Mainz-Weisenau bestand ein römisches Militärlager mit Hilfstruppen (Auxiliarlager) für das Legionslager auf dem Kästrich (von lateinisch castrum = Lager) in Mainz. Das Militär in Mainz (Mogontiacum) wurde mit einer von Finthen kommenden Wasserleitung versorgt (→ Römersteine), während Weisenau das Wasser aus natürlichen Quellen und Bächen schöpfte. Kurzzeitig war das Weisenauer Lager auch mit mindestens einer Legion belegt. Das Auxiliarlager wurde Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. aufgegeben, zurück blieben die keltische Bevölkerung, die schon eine Siedlung vor der römischen Besetzung dort hatte, und römische Handwerker, besonders Töpfer, die dort mehrere Töpfereien in fast industriellem Maßstab betrieben. Nach dem Zusammenbruch des Limes wurde Mainz und damit auch Weisenau wieder Frontlinie. Mainz war und wurde befestigt, Weisenau war und blieb eine kleine romanisierte keltische Siedlung außerhalb von Mainz.
Viele Funde – besonders römische und keltische Gräber und Grabanlagen, Grabsteine mit Inschriften, römische Töpfereien, römische Münzen und Gefäße – zeigen, dass die romanisierte keltische Bevölkerung und römische Beamte, Landwirte in ihren villae rusticae und auch andere Zivilbevölkerung bis zum Ende der römischen Besetzung hier lebten. Ein Beispiel hierfür ist der Grabstein des Blussus und der Menimane, ein 1848 hier gefundener römischer Grabstein, der um das Jahr 50 gefertigt wurde. Dann scheint aber das unbefestigte Weisenau vor den Toren der Stadt Mainz wegen der vielen Raubüberfälle von der rechten Rheinseite aus aufgegeben worden zu sein, denn die Archäologen finden erst wieder Material aus der frühen Frankenzeit.
An der Stelle eines alten, römischen Heiligtums wurde dann um das Jahr 1000 das Stift Sankt Victor gegründet und dürfte Keimzelle für das wieder entstehende Dorf Weisenau gewesen sein.
Ortsgründung Weisenau wurde im 12. Jahrhundert als „Wizenowe“ urkundlich erwähnt. Die älteste Erwähnung stammt aus einer Rechtfertigungsurkunde des Mainzer Erzbischofs Konrad von Wittelsbach, die nur auf die Zeit zwischen 1186 und 1190 datiert werden kann (Lebensdaten der genannten Zeugen) und danach aus einer Urkunde Heinrichs VI., die 1192 unterzeichnet wurde: Dat Wizenowe iuxta Moguntia – gegeben zu Wizenowe bei Mainz. Der mittelalterliche Name Wizenowe lässt sich eher vom lateinischen vicus novus („neue Siedlung“) ableiten, als durch eine Interpretation des neuzeitlichen Namens Weisenau als „weiße/helle Aue“. Über verschiedene Namensformen (u. a. Wissenowe) ist dann der heutige Name entstanden.
Die ursprüngliche keltisch/römische Siedlung lag im und am Rande des Steinbruchs und zog sich bis zum heutigen Radweg hin. Die Töpfereien mit der angeschlossenen Siedlung des 3. und 4. Jahrhunderts lagen eher im Bereich der heutigen Göttelmannstraße/Am Viktorstift, also beide hoch auf der Ebene über dem Rhein. Die 1192 urkundlich erwähnte Siedlung lag allerdings direkt am Rhein – das wäre also ein dritter Standort. Dort wuchs langsam ein Dorf heran, dessen Einwohner entweder als Fischer, Schiffer, Lotsen, Ferger (= Fährschiffer) direkt von und mit dem Rhein lebten, oder als Bauern und Winzer das Land oberhalb des Dorfes anbauten.
Weisenau war in der Zeit der urkundlichen Ersterwähnung unter mindestens drei Herrschaften aufgeteilt: ein Teil, zusammen mit dem Victorstift, gehörte dem Mainzer Erzbischof, ein anderer Teil war „mundätisch“, d. h., er gehörte zum Mundat (= Immunitätsbezirk) des Victorstiftes selbst. Der dritte Teil war in ministerialem Besitz. Von Meingot, Stadtkämmerer von Mainz über seinen Bruder Dudo von Weisenau kam es in den Besitz derer von Bolanden und deren Familien. Aus der Zeit des Dudo stammt auch die Burg Weisenau, deren Standort befand sich wahrscheinlich im Bereich der heutigen Burgstraße in der Nähe der katholischen Kirche. Reste der Burg wurden bis heute nicht gefunden. Die heute unter dem Namen Burg Weisenau bekannten Gewölbekeller in der Mönchstraße 13 beherbergen einen Eventkeller, der den traditionsreichen Namen weiter nutzt; bei diesen Gewölbekellern handelt es sich um die Wein- und Eiskeller einer gleichnamigen Sektkellerei, die deutlich jüngeren Datums als das der Burg Weisenau sind.www.burg-weisenau.de/
Weisenau seit dem 20. Jahrhundert mini|hochkant|Evangelische Kirche mini|hochkant|Katholische Kirche Mariä Himmelfahrt Ende des 19. Jahrhunderts baute sich die evangelische Gemeinde ihre Kirche.
Die katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde nach Plänen von Ludwig Becker mit neuklassizistischem Westbau samt Turm 1912–1913 ergänzt.
Am 1. Januar 1930 wurde Weisenau an Mainz angegliedert.
Weisenau wurde am 19. Oktober 1944 von amerikanischen sowie am 1. bzw. 27. Februar 1945 von englischen Bombern angegriffen (→ Luftangriffe auf Mainz). Es starben insgesamt 300–600 Menschen. Ziel in Weisenau waren die am südlichen Ortsrand gelegenen Stollenanlagen des MAN Werks Gustavsburg im Steinbruch des Zementwerks Weisenau, in denen Zwangsarbeiter Zulieferteile für die Marschflugkörper V1 und die Raketen V2 hergestellt werden sollten. Die Stollen verfügten vor dem absehbaren Ende des Krieges über eine Gesamtlänge von 1.200 Metern und konnten nie für den vorgesehenen Zweck ihrer Bestimmung übergeben werden.
Es wird davon ausgegangen, dass einer der verheerenden Bombenhagel auf Weisenau eigentlich dem zwei Kilometer östlich von Weisenau gelegenen rechtsrheinischen MAN Werk gegolten hat, aber wegen der schlechten Wetterverhältnisse ihr eigentliches Ziel verfehlten und die Bombenlast weitgehend über Weisenau niedergegangen ist. Weisenau war danach zu zehn bis zwanzig Prozent zerstört und viele Häuser stark beschädigt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Stadtteil wieder aufgebaut. 1965 gründete das US-amerikanische IT-Unternehmen IBM einen Standort in Mainz-Weisenau; dieser wurde 2016 aufgegeben, wodurch ca. 1.000 Arbeitsplätze wegfielen. Im Herbst 2017 begann die Stadt Mainz, auf dem ehemaligen IBM-Gelände ein neues Wohnquartier zu bauen. Im Sommer 2020 wurden die ersten Wohneinheiten bezugsfertig.
Kritisiert wurden von der Bevölkerung nach den 1970er-Jahren die Sprengungen im Zementwerk Weisenau. Ende der 1980er Jahre mussten sie eingestellt werden, da in der Umgebung Schäden auftraten. Der Abbau erfolgte nur noch durch riesige Maschinen. Inzwischen hat das Zementwerk den Abbau komplett eingestellt.
Da Weisenau in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens liegt, kämpfen die Einwohner seit dem Planfeststellungsverfahren 2002 auf Seiten von Mainz gegen den Flughafenausbau.
Am 26. November 2014 wurde bei Bauarbeiten im Bereich Fort Weisenau (Höhe Hausnummer 24) eine 1000-Pfund-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. In der Folge wurde am Sonntag, den 30. November 2014 zur Entschärfung des Sprengkörpers die größte Evakuierungsaktion der Mainzer Nachkriegsgeschichte durchgeführt. Im Umkreis von einem Kilometer um den Fundort der Bombe wurden ca. 8000 Bewohner zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert. Betroffen waren u. a. auch das Favorite-Parkhotel, ein Altenheim am Volkspark sowie die Mainzer Jugendherberge.. Website der Landeshauptstadt Mainz. Abgerufen am 29. Dezember 2014.
In den 2010er Jahren wurde mit der Entwicklung des ehemaligen IBM-Geländes als Heiligkreuz-Viertel die größte Ortserweiterung in der Geschichte Weisenaus begonnen. Die Mainzer Stadtwerke als Erschließer und Entwickler versprechen 2.000 neue Wohnungen in einem attraktiven Oberstadt nahen Quartier. 2012 hatten die Stadtwerke etwa zwei Drittel des Geländes zwischen Hechtsheimer Straße und Heiligkreuzweg gekauft. Es stehen insgesamt 350.000 Quadratmeter Bau- und Erschließungsland-Fläche zur Verfügung. Anfang der 2020er Jahre wurden die ersten Wohnungen bezogen.
Politik Ortsbeirat und Ortsvorsteher Der 2024 gewählte Ortsbeirat vertritt die Belange des Ortsbezirks gegenüber der Stadt Mainz und besteht aus 13 Mitgliedern.Informationen zum Weisenauer Ortsbeirat auf der Website der Stadt Mainz Stärkste Fraktion ist die SPD mit vier Sitzen (Details siehe Infobox).
Ortsvorsteher und Vorsitzender des Ortsbeirats von Weisenau ist seit 2009Vorstellung von Ralf Kehrein auf der Seite der SPD Mainz-Weisenau Ralf Kehrein (SPD), der bei den Kommunalwahlen am 9. Juni 2024 erneut für eine fünfjährige Amtszeit gewählt wurde.Ergebnis Ortsvorsteherwahl 2024 Weisenau - Mainz.de. Abgerufen am 10. Juni 2024.
Landespolitik Mainz-Weisenau gehörte bis zur Landtagswahl 2021 zum Wahlkreis Mainz I. Zur Landtagswahl am 14. März 2021 wurden die Mainzer Wahlkreise neu zugeschnitten. Weisenau gehört seitdem zum Wahlkreis Mainz II.Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Die Wahl zum 18. Landtag Rheinland-Pfalz 2021 (PDF; Beschreibung der Mainzer Wahlkreise auf Seite 9) Dessen Direktmandat wurde erneut von Doris Ahnen (SPD) gewonnen. Über die Landesliste zog zudem Fabian Ehmann (Grüne) in den Landtag ein.
Wappen mini|225px|Relief des Wappens am Hauptgebäude der Sparkasse Mainz Auf silbernen Feld ein blaues, unten dreispitziges Kreuz zwischen einem kleinen roten Kreuz auf der linken Seite und einem diesem Kreuz in der Größe entsprechenden roten Rad auf der rechten Seite.
Mit der Darstellung wird auf die damaligen Grundherren Bezug genommen. Das große blaue Kreuz in der Mitte steht als Symbol für das Weisenauer Kreuz (Bockenkreuz) im Bürgerfeld (Gemarkung der Stadt Mainz) und damit für den Gebietsanteil der Stadt, das kleine Kreuz für den Gebietsanteil des Stiftes St. Victor und das kleine rote Mainzer Rad für den Anteil des Erzstiftes.
Das Wappen taucht erstmals bei Gottfried Mascop 1577 ohne Beleg auf und wird seitdem verwendet. Frühere Amtssiegel zeigen den Evangelisten Markus mit dem Löwen.
Religionen mini|Synagoge Weisenau. Inschrift über dem Eingang: Der Ort, auf dem du stehst, ist heiliger Boden. () Zwischen Mainz und dem Dorf lagen Klöster und Stifte; in Richtung Hechtsheim lag das Stift „Sankt Maria in campis“ aufgrund seines Gnadenkreuzes auch „Heilig Kreuz“ genannt. Während der Reformation war der weltliche Teil Weisenaus entweder reformiert oder lutherisch. Die katholische Gemeinde bildet heute etwa knapp die Hälfte der Gesamtgemeinde.
Heute hat die evangelische Gemeinde etwa ein Drittel der Einwohner.
Neben den beiden christlichen Gemeinden gab es in Weisenau früher eine starke jüdische Gemeinde, deren meiste Mitglieder inzwischen nach Mainz abgewandert sind. Von hier stammt der bekannte Rabbiner Isaak Bernays. Die Synagoge Weisenau in der Wormser Straße wurde am 27. Mai 1996 durch Rabbiner Leo Trepp neu eingeweiht, wird aber ansonsten nicht mehr rituell genutzt.
In der Mönchstraße wurde der Königssaal der Zeugen Jehovas errichtet, die dort besonders für ausländische Anhänger regelmäßig Gottesdienste anbietet.
Die Neuapostolische Gemeinde hatte bis vor wenige Jahre einen Versammlungsraum in der Elisabethenstraße.
In der Weberstraße hat die evangelisch-freikirchliche Gemeinde Christliches Zentrum DER FELS Mainz (im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP)) ihr Gemeindezentrum.
Großberg-Siedlung mini|Entstehung der Doppelhaushälften am nördlichen Rand der Großbergsiedlung Ende der 50er Jahre