Caspar Schmalkalden (* um 1616 in Friedrichroda, Herzogtum Sachsen-Weimar; † 1675Joost, W. 2003: Über das Traktat des Gothaer Weltreisenden Caspar Schmalkalden. In: Gothaisches Museums-Jahrbuch 2004, S. 67–78. in Gotha, Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg) bereiste als Soldat in niederländischen Diensten im 17. Jahrhundert Südamerika und Asien. Nach seiner Rückkehr im Jahr 1652 verfasste Schmalkalden einen fast 500 handschriftliche Seiten umfassenden Reisebericht, in dem er geographische und ethnologische Beobachtungen sowie Beschreibungen der Tier- und Pflanzenwelt der besuchten Länder notierte. Trotz der hierbei gemachten umfangreichen Angaben ist der genaue Hintergrund seiner Reisen nicht bekannt. Schmalkaldens Bericht fügt sich in eine Reihe ähnlicher Schriften von Reisenden des 17. Jahrhunderts ein. Obwohl er aus europäischer Sicht nicht mit Neuentdeckungen dienen konnte, bieten seine Notizen eine wertvolle Ergänzung zu den zeitgenössischen historischen Quellen.
Leben Herkunft Caspar Schmalkaldens genaues Geburtsjahr ist nicht bekannt. Bei seinem Eintritt in die niederländische Armee war er etwa fünfundzwanzig Jahre alt, dürfte also um 1617 oder kurz davor geboren worden sein. Schmalkaldens Vater, Liborius Schmalkalden, war Bürgermeister der Kleinstadt Friedrichroda am Rand des Thüringer Waldes. In dem ersten erhaltenen Seelenregister der evangelischen Kirchengemeinde St. Blasius in Friedrichroda aus dem Jahre 1632, beginnt die Erwähnung seiner Person. Aus dem Verzeichnis geht auch hervor, dass seine Mutter, Magdalena Schmalkalden, außerdem die Söhne Christophorus und Liborius und die Töchter Anna, Dorothea, Martha und Susanna hatte.
Die erste Reise – Brasilien und Chile (1642–1645) Überfahrt nach Brasilien mini|Ein West-Indianischer Rabe, Brasilianisch Tracaca (Araraura) mini|Tapuya-Frau Es ist nicht bekannt, auf welche Weise Caspar Schmalkalden als Soldat in die Dienste der Niederländischen Westindien-Kompanie trat. Um ihre Expansion in Übersee voranzutreiben, mussten die Niederländer auf Seeleute, Soldaten, Chirurgen und andere Fachkräfte aus anderen Ländern zurückgreifen. Schmalkalden erwähnt unter anderem einen Kameraden, der „Schottländer“ war, sein Kommandant auf der ersten Reise war „Churländer“.
Am 16. Oktober 1642 bestieg Schmalkalden mit 36 anderen Soldaten und vier Frauen auf der Insel Texel das Kauffahrteischiff Elephant. Texel war damals der Ausgangspunkt für zahlreiche Schiffsrouten in die niederländischen Kolonien. Das Schiff ging am 4. November unter Segel. Die ursprünglich 97 Schiffe, aus denen die Flotte bestand, trennten sich nach und nach, und nur drei von ihnen nahmen schließlich Kurs auf Brasilien. Zwei Tage nach der Überquerung des Äquators am 6. Dezember sahen die Reisenden die Insel Fernando de Noronha und erreichten das Festland schließlich am 11. Dezember. Einen Tag später gingen Schmalkalden und die anderen Soldaten in Pernambuco an Land.
Aufenthalt in Niederländisch-Brasilien und Expedition nach Chile Die Kolonie Neu-Holland (oder Niederländisch-Brasilien) war im Jahre 1630 von der Niederländischen Westindien-Kompanie gegründet worden. Im Juli 1642 hatten die Niederländer einen zehn Jahre gültigen Waffenstillstand mit Portugal geschlossen, so dass es in diesem Gebiet vorerst nicht mehr zu Kampfhandlungen kam, aber den Niederländern gleichzeitig die Möglichkeit zur weiteren Expansion in Brasilien genommen wurde. Daher suchte man neue Möglichkeiten im Südwesten des Kontinents, und der erfahrene Admiral Hendrik Brouwer wurde zur Aufnahme geheimer Handelsvereinbarungen nach Chile gesandt. Er brach am 12. Januar 1643 mit einer Flotte von fünf Schiffen auf. Auf dem Vizeadmiralschiff Vlyssingen befand sich auch Caspar Schmalkalden.
Nachdem die Flotte Kap Hoorn umrundet hatte, sichteten die Reisenden am 28. April erstmals Chile und landeten am 10. Mai an der Insel Chiloé. Am 20. Mai kam es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit den Spaniern. Es gelang den niederländischen Unterhändlern, mit den Einheimischen einen Beistandspakt gegen die Spanier auszuhandeln. Als jedoch am 7. August der Admiral Hendrik Brouwer starb und Mitte Oktober eine Meuterei der holländischen Soldaten wegen knapper werdender Rationen drohte, beschloss der neue Admiral Elias Herckmans die Rückreise nach Brasilien, welche vom 28. Oktober bis zum 29. Dezember dauerte.
Während Schmalkaldens Aufenthalt in Chile hatte es in Niederländisch-Brasilien zunehmende Differenzen zwischen Statthalter Johann Moritz von Nassau-Siegen und der Westindischen Kompanie gegeben. Im Mai 1644 verließ Prinz Moritz Brasilien, woraufhin der Niedergang der Kolonie begann. Die Portugiesen begannen mit der Mobilmachung zur Rückeroberung ihrer Kolonie.
Heimreise Caspar Schmalkalden brach am 27. Mai 1645 mit dem Schiff Groningen von Recife aus zu seiner Rückkehr nach Europa auf. Die Reise erfuhr jedoch eine jähe Unterbrechung, als am 17. Juni, während sich die Flotte am Paraíba aufhielt, die Nachricht kam, dass das Kap St. Augustin (ca. 30 km südlich von Recife) an die Portugiesen übergeben worden sei. Daher mussten die Soldaten – und mit ihnen Caspar Schmalkalden – wieder an Land gehen und hielten sich eine Zeit lang am Fort Margaretha auf. Das Schiff Morian wurde in die Niederlande vorausgeschickt. Der Prädikant (Hilfsprediger) der Groningen, Johannes Hasselbeck, reiste mit der Morian voraus und bestimmte Caspar Schmalkalden zum Verwalter seines auf der Groningen verbliebenen Besitzes. Die übrige Flotte hielt sich noch bis Anfang Juli am Paraiba auf, bis ein Befehl eintraf, dass sie am 4. Juli nach Recife segeln solle. Wegen der um diese Jahreszeit in nördliche Richtung verlaufenden Meeresströmungen erwies sich dies jedoch als nicht möglich, und man steuerte stattdessen die Festung Ceulenburg in der Provinz Rio Grande do Norte an. Es dauerte noch rund einen Monat, bis am 6. August endlich die über den Landweg aus Recife übermittelte Nachricht verkündet wurde, dass die Flotte nach den Niederlanden auslaufen dürfe.
Am 7. August gingen die Schiffe unter Segel. Vier Tage später überquerte Schmalkalden den Äquator zum zweiten Mal. Ende August/Anfang September durchquerte er die Sargassosee (von ihm „Gruß-See“ genannt), in seinem Bericht beschreibt er den dort vorkommenden charakteristischen Seetang, den er als Gruß bezeichnet.
Die Überfahrt verlief nicht ohne Zwischenfälle, so vermeldet Schmalkalden den Tod eines Soldaten für die Nacht auf den 4. September, und über den 9. September schreibt er:
In voriger Nacht hatten sich unsere Schiffsofficierer fast alle miteinander toll- und vollgesoffen – und war ein großer Tumult und nichts als Schänden, Schmähen und Hadern auf dem Schiff, so endlich bis auf eine Schlägerei hinauslief und währte bis an den Morgen. Da wurden die Schuldigen im Gallion in die Boy geschlossen, und die andern legten sich zur Ruhe.Caspar Schmalkalden: Die wundersamen Reisen des Caspar Schmalkalden nach West- und Ostindien 1642–1652, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1983, S. 85
Im Ärmelkanal wehte der Wind äußerst ungünstig, so dass man fast vier Wochen (von 13. Oktober bis 8. November) nahe Newport auf der Isle of Wight vor Anker liegen musste. Als die Fahrt schließlich fortgesetzt werden konnte, geriet das Schiff bei der Ausfahrt aus dem Hafen auf eine Sandbank und konnte sich erst nach einer halben Stunde wieder befreien.
Am 13. November erreichte Caspar Schmalkalden nach mehr als drei Jahren Abwesenheit von den Niederlanden die Stadt Groningen und reiste auf dem Landweg nach Amsterdam, wo er am 23. November ankam.
Die zweite Reise – Java, Taiwan und Japan (1646–1652) Überfahrt und Aufenthalt am Kap der Guten Hoffnung mini|Tafel bergk an dem Cap de bona Esperanca Am 6. April 1646 brach Caspar Schmalkalden von Texel aus zu seiner zweiten Seereise auf, die ihn um das Kap der Guten Hoffnung herum nach Niederländisch-Ostindien führen sollte. Er reiste auf dem Schiff König David mit einer Flotte von drei weiteren Schiffen. Nachdem die Flotte wegen der Winde einige Wochen in Dover verbringen musste, setzte sie ihre Fahrt (nach einem von Schmalkalden detailliert beschriebenen Zwischenfall, bei dem das Schiff, auf dem er sich befand, von einem der anderen gestreift wurde und auseinanderzubrechen drohte) Anfang Mai fort.
Am 24. Mai passierten die Reisenden die Kanarischen Inseln. Über den Pico del Teide (von ihm Pico Teneriffa oder Pico de Terraira genannt) berichtet Caspar Schmalkalden: Er wird für den höchsten Berg in der ganzen Welt gehalten, kann sechzig Meilen weit im Meer gesehen werden, und seine Spitzen sollen drei Meilen weit über die Wolken gehen.Caspar Schmalkalden: Die wundersamen Reisen des Caspar Schmalkalden nach West- und Ostindien 1642–1652, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1983, S. 88
Am 4. Juni erreichten sie die Kapverdischen Inseln, wo sie sechs Tage in Santiago verbrachten. Schmalkalden berichtet über häufige Konflikte mit der überwiegend spanischen Bevölkerung, bei der es sich nach seiner Aussage um Spanier, und zwar mehrenteils Banditen und leichtfertig GesindelCaspar Schmalkalden: Die wundersamen Reisen des Caspar Schmalkalden nach West- und Ostindien 1642–1652, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1983, S. 90 handelte.
Nachdem Schmalkalden am 5. Juli zum dritten Mal den Äquator passiert hatte, segelte sein Schiff an den Abrolhos vorbei (8. August) und passierte am 5. September Tristan da Cunha. Am selben Tag wurde auf den Wunsch des Admirals hin beschlossen, dass das Schiff Patientia nach Indien voraussegeln solle, während die Elephant und die König David die Hälfte ihres Süßwassers an die Patientia abgeben und am Kap der Guten Hoffnung anlanden sollten. Nach einigen Debatten an Bord der betreffenden Schiffe wurde der Vorschlag nach Schmalkaldens Bericht einstimmig angenommen, und am 19. September ging er am Kap der guten Hoffnung (das bei ihm portugiesisch Cabo de Bona Esperanca oder lateinisch Caput bona Spei genannt wird) an Land.
Während des fast dreiwöchigen Aufenthalts in der Tafelbucht, wo sechs Jahre später die Stadt Kapstadt gegründet werden sollte, lebten die Besatzungen der beiden Schiffe überwiegend vom Tauschhandel mit den Khoi Khoi. Unter anderem berichtet er von einem Vorfall vom 22. September, bei dem ein Afrikaner von einem holländischen Wachposten versehentlich erschossen wurde (das Schießen auf Einheimische war den Soldaten vom Admiral ausdrücklich verboten worden). Einige Einheimische forderten daher vom Admiral die Hinrichtung des Täters. Dieser fürchtete das Ende des für die Schiffsbesatzungen lebensnotwendigen Tauschhandels, so dass er den betreffenden Soldaten fesseln und an Bord eines der Schiffe bringen ließ und verkündete, dass dieser dort erschossen werden solle. Damit gaben sich die Afrikaner zufrieden, jedoch wurde der Soldat bald wieder freigelassen.
Am 28. September bestieg Schmalkalden in einer Gruppe mit siebzehn weiteren Personen den Tafelberg, auf dessen Gipfel sie ein Feuer anzündeten und etwas mitgebrachten Wein tranken. Schmalkalden war der Meinung, sie seien die ersten Europäer auf dem Gipfel des Berges, tatsächlich war dies jedoch über 140 Jahre früher (1503) der Portugiese António de Saldanha gewesen.
Am 7. Oktober schließlich setzten die Reisenden ihre Fahrt fort, sahen am 31. Oktober die Insel St. Paul und erreichten am 5. Dezember die Sundastraße. Nachdem sie in den folgenden Tagen noch Sumatra und Krakatau gesichtet hatten, gingen sie schließlich am 11. Dezember in Batavia an Land.
Niederländisch-Ostindien mini|Tabula oder Charten Ost-Indiens – Karte Südostasiens mit den Reiserouten Caspar Schmalkaldens mini|„Ein Sineesischer Kaufmann“ (Chinesischer Kaufmann)