mini|300px|Historisches Rathaus am Markt

Grabow (auch: Grabow (Meckl)) ist eine Stadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist Sitz des Amtes Grabow, dem weitere zwölf Gemeinden angehören. Die Stadt ist ein GrundzentrumRegionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015 und Teil der Metropolregion Hamburg.

Geographie Die Stadt liegt an der Elde im Südwesten Mecklenburgs etwa 40 km südöstlich der Landeshauptstadt Schwerin. Das Stadtzentrum befindet sich etwa sieben Kilometer südöstlich der Stadt Ludwigslust und etwa sieben Kilometer nordwestlich der Landesgrenze zu Brandenburg.

Die Umgebung der Stadt ist sehr waldreich, etwa 2.500 ha des Stadtgebietes bestehen aus Wald.

Stadtgliederung Zu Grabow gehören folgende Ortsteile: Bochin Fresenbrügge Heidehof Steesow Wanzlitz Winkelmoor Zuggelrade

Das Gebiet der Stadt besteht aus zwei nicht zusammenhängenden Teilen. Die Ortsteile Bochin, Steesow und Zuggelrade liegen etwa 15 Kilometer südlich der Kernstadt direkt an der Grenze zu Brandenburg und sind von ihr durch das Gebiet der Gemeinden Gorlosen und Milow getrennt. Das zur Stadt Grabow gehörende Gebiet grenzt an die Nachbargemeinden Groß Laasch im Norden, Muchow und Zierzow im Nordosten, Prislich im Osten, Kremmin im Südosten, Karstädt und Lenzen (Elbe) im Süden (beide im Land Brandenburg), Eldena im Südwesten, Karstädt im Westen sowie Ludwigslust im Nordwesten.

Geschichte Name Der altpolabische Name enthält das Substantiv grab, was Buche oder Hainbuche bedeutet. Der Name kommt in Mecklenburg häufiger vor. Er wurde nur unwesentlich geändert als Grabowe (1186, 1252, 1275) und Grabow (1189, 1298).Ernst Eichler und Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1

Mittelalter bis 18. Jahrhundert Papst Urban III. erwähnte in einem Schreiben vom 23. Februar 1186 erstmals die Burg Grabow. Der Ort erhielt im Jahr 1252 durch den Grafen von Dannenberg das Stadtrecht. Die Stadt und das Land Grabow fielen nach dem Aussterben (1306) der Dannenbergs zunächst an die Mark Brandenburg und nachdem dort mit dem Tod Markgraf Waldemars die Askanier faktisch ausgestorben waren – sein heranwachsender Vetter Heinrich II. starb mit zwölf im Folgejahr – 1319/20 an das Fürstentum Mecklenburg. Grabow wurde eine Landstadt in Mecklenburg und war bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.

Der westlich von Karstädt liegende Hornwald wurde 1450 durch Herzog Heinrich IV. der Stadt geschenkt. Ein Stadtbrand zerstörte 1499 die Stadt. Ab 1603 erfolgte durch die Herzogin Anna der Umbau der Burg zu einem Schloss.

Friedrich, der Sohn von Adolf Friedrich I., wählte als apanagierter Prinz den Ort 1669 als Residenz. Seine drei Söhne wurden alle regierende Herzöge zu Mecklenburg.

Am 3. Juni 1725 wurden durch einen weiteren großen Stadtbrand Schloss, Rathaus, Kirche und große Teile der Stadt vernichtet. Das Schloss wurde nicht wieder aufgebaut. Danach entstand im Wesentlichen das heutige Stadtbild. Die Innenstadt zeichnet sich durch einen nahezu geschlossenen Kern von Fachwerkhäusern des 18. Jahrhunderts aus. Das älteste noch erhaltene Haus der Stadt trägt das Datum 23. Mai 1702. Bis 1726 wurde das Rathaus in seiner heutigen Gestalt wieder aufgebaut. Im Jahre 1734 kam der „Altar von Meister Bertram von Minden“ in die Grabower Kirche. Die Gemeinde verkaufte 1903 den Grabower Altar an die Kunsthalle Hamburg, wo er noch heute zu sehen ist. Mit dem Erlös von über 65.000 Mark wurde der Bau des Kirchturms finanziert.

Mindestens seit dem Ende des 18. Jahrhunderts waren Juden in der Stadt ansässig, die um diese Zeit ihren Friedhof am heutigen Neu Karstädter Weg einrichteten, der bis 1936 genutzt wurde. Der Friedhof wie auch die Synagoge (die bereits 1932 verkauft war) wurden beim Novemberpogrom 1938 geschändet und beschädigt. Seit 1952 wurde ein Gedenkort erstellt und 1988 der Friedhof als Gedenkstätte wieder hergerichtet.

1800 bis heute mini|Sowjetische und US-amerikanische Soldaten in Grabow (1945)

Die Chaussee zwischen Ludwigslust und Karstädt, die ehemalige Bundesstraße B 5, heute Landesstraße L 072, wurde 1827 gebaut. Von 1831 bis 1837 erfolgte die Begradigung der Elde, 1868 ein weiterer Ausbau der Elde und eine Hafenerweiterung. Die Stadt verlor 1833 durch einen Brand 44 Scheunen. Im Jahr 1846 wurde die Eisenbahnlinie Berlin-Hamburg eröffnet. Seit 1853 wurde in der Rose-Brauerei Grabow Porter gebraut.

1857 wurde die Schule an der Kanalstraße fertiggestellt, 1870 folgte die Höhere Bürgerschule. 1873 wurde die Mineralölraffinerie gegründet, welche später Teil der Deutschen Erdöl AG wurde. 1879 entstand das Amtsgericht und 1884 das Postgebäude (beide am Kießerdamm) sowie 1892 die Turnhalle beim Schützenhaus. Es folgten 1906/07 die Wasserleitung und das Wasserwerk, 1908 die Kanalisation und 1922 die Elektrifizierung der Stadt. Das Amt Grabow wurde 1926 aufgelöst.

Zu Beginn des NS-Regimes lebten in Grabow 17 jüdische Einwohner. Während des Novemberpogroms 1938 wurde das Schuhgeschäft von Familie Sabielak in der Marktstraße geplündert und die jüdischen Bürger in „Schutzhaft“ genommen. Nur noch eine einzige jüdische Bürgerin, die in „Mischehe“ verheiratet war, lebte 1942 in der Stadt. Auf dem Friedhof erinnern 17 Grabsteine an die einstige jüdische Gemeinde. Der Friedhof wurde zu DDR-Zeiten und auch nach der Wende mehrmals geschändet. Ab 2014 wurden am Steindamm und in der Marktstraße Stolpersteine zum Gedenken verlegt.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Stadt fast unbeschadet. Er endete für die Stadt mit der kampflosen Besetzung durch die Rote Armee – nach anderen Angaben durch US-Truppen – am 3. Mai 1945. Zuvor war der angesehene Arzt des Ortes, Dr. Willy Havemann, vor den Nazigrößen einschließlich des Bürgermeisters öffentlich gegen die sinnlose Verteidigung des Ortes aufgetreten.Alfred Harendt: Denunziation im Café, in: Die Stunde Null, Berlin 1966, S. 151 Es wurde geplündert; Heimatmuseum, Polizeiwache und drei weitere Häuser am Marktplatz fielen Brandstiftung zum Opfer. Viele Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt. Unter den zahlreichen Bewohnern, die sich zwischen dem 1. und dem 10. Mai das Leben nahmen, war auch der Heimatdichter Gustav Ritter. Der Unternehmer Walter Heinsius, der noch versucht hatte, mehrheitlich die Amerikaner vor der Roten Armee in Grabow einrücken zu lassen, wurde in das sowjetische Speziallager Nr. 9 Fünfeichen verbracht und starb dort 1946.Original-Berichte von Zeitzeugen. In: Joachim Schultz-Naumann Mecklenburg 1945. Universitas-Verlag, München, 2. Auflage 1990. S. 270–272, ISBN 3-8004-1215-2

Von 1952 bis 2011 gehörte Grabow zum Kreis Ludwigslust (bis 1990 im DDR-Bezirk Schwerin, dann im Land Mecklenburg-Vorpommern). Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt die Stadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Im Zuge des Aufstands des 17. Juni 1953 wurde im Grabower Fahrzeugwerk die Arbeit niedergelegt. Am Abend kamen etwa 250 Einwohner auf den Marktplatz, um politische Forderungen gegen die Regierung der DDR und die sowjetische Besatzungsmacht zu vertreten. Selbst gegen sowjetische Truppen wurde noch demonstriert. Am Ende wurden die Wortführer der Stasi übergeben.

Das renovierte alte Schützenhaus wurde 1956 zum Kreiskulturhaus; 1971 und 1982 entstanden die Wohnsiedlungen Schillerplatz und Lassahner Straße.

Nach der politischen Wende wurde ab 1991 der historische Stadtkern der Fachwerkstadt mit dem Rathaus (1997/98) im Rahmen der Städtebauförderung teilweise saniert. Es wurden u. a. 1995 die Hafenmauer und bis 1998 das Rathaus grundlegend saniert. Die Übergabe einer Fußgängerbrücke über die Müritz-Elde-Wasserstraße erfolgte 1999 und 2001 entstand die neue Rehberger Brücke als Hubbrücke. Bis 2010 konnte die Westliche Altstadt, teilweise auf einem früheren Fabrikgelände, bebaut werden.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Fresenbrügge und Wanzlitz eingegliedert. Zum 1. Januar 2016 wurde die Gemeinde Steesow nach Grabow eingemeindet, obwohl keine gemeinsame Grenze existiert hatte. Steesow, Bochin und Zuggelrade bilden damit eine Exklave von Grabow, die rund sechs Kilometer vom übrigen Gemeindegebiet entfernt liegt.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1877 4200 1910 5500 1939 5900 1946 8900 1970 8500 1984 8600 Jahr Einwohner 1990 8098 1995 7240 2000 6741 2005 6231 2010 5859 2015 5556 2020 5559 Jahr Einwohner 2021 5500 2022 5455 2023 5416 2024 5422

ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik mini|Ältestes Haus der Stadt mini|Datum am ältesten Haus der Stadt

Stadtvertretung Grabows Stadtvertretung besteht aus 17 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 63,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 24,6 % 4 25,2 % 4 Starkes Grabow 18,5 % 3 23,4 % 4 SPD 35,0 % 6 22,4 % 4 AfD – – 19,7 % 3 Freie Wähler – – 9,3 % 2 Alternative für Grabow 12,0 % 2 – – Die Linke 9,8 % 2 – – Insgesamt 100 % 17 100 % 17

Bürgermeister 1839–1888: Franz Floerke 1888–1912: Carl Calsow 1919–1930: Werner Siegismund 1951–1953: Fritz Flint 1960–1976: Hans Hummel 1995–2013: Ulrich Schult 2013–2018: Stefan Sternberg (SPD)Sternberg neuer Bürgermeister. In: Schweriner Volkszeitung, 10. März 2013. seit 2018: Kathleen Bartels (SPD)

Bartels wurde in der Bürgermeisterwahl am 21. Oktober 2018 mit 54,8 Prozent der gültigen Stimmen für eine Amtsdauer von sieben Jahren gewählt.

Wappen

Historische Wappen

Flagge links|mini|hochkant|20px Flagge der Stadt Grabow

Die Flagge wurde von dem Schweriner Heraldiker Heinz Kippnick gestaltet und am 17. März 1999 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Die Flagge ist quer zur Längsachse des Flaggentuchs Blau – Gelb – Blau (1:2:1) gestreift. In der Mitte des gelben Streifens liegt das Stadtwappen, das zwei Drittel der Höhe des Flaggentuchs einnimmt. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich zur Länge wie 3:5.Hauptsatzung der Stadt (PDF; 0,2 MB)

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Stadt mit der Umschrift .

Städtepartnerschaften Albertslund (Dänemark), seit 1973 Borken (Nordrhein-Westfalen), seit 1997

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke mini|Altstadt

Historischer Stadtkern der Fachwerkstadt Stadtkirche St. Georg, gotischer Backsteinbau, dessen ältester Teil, der zweijochige Chor, erstmals 1291 erwähnt wurde. Im 14. Jahrhundert entstand das dreischiffige Langhaus und im 15. Jahrhundert der mächtige rechteckige Westturm. Die Gewölbe sind 1725 ausgebrannt und durch Holzgewölbe (Chor) und eine Flachdecke im Langhaus ersetzt worden. Rathaus von 1727, als Nachfolgebau des 1725 abgebrannten mittelalterlichen Gebäudes, zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Mansarddach Fachwerk-Wohnhäuser zumeist aus dem 18. und 19. Jahrhundert, das älteste Wohnhaus (Steindamm 52) stammt von 1702 Ratsapotheke, Speicher am Pferdemarkt, Pastorenhaus am Kirchenplatz, Großer Wandrahm 20 Bolbrüggesche Mühle, als Korn-, Öl- und Walkmühle errichtet, gehört zu den größten Mühlenkomplexen Mecklenburg-VorpommernsBolbrüggesche Mühle Jüdischer Friedhof Gedenkstätte von 1985 neben dem Rathaus zur Erinnerung an die Befreiung der Stadt von 1945 durch die Rote Armee. 1991 wurde die Gedenkwand abgerissen und die Tafel dem Heimatmuseum übergeben. Gedenktafel von 1945 am ehemaligen Wohnhaus des KPD-Funktionärs Willi Fründt in der gleichnamigen Straße, der 1944 im KZ Neuengamme ermordet wurdeGedenktafel Willi Fründt Hechtsforthschleuse, fünf Kilometer nordöstlich der Stadt mit denkmalgeschütztem Elde-Kraftwerk von 1920