Roverandom ist ein 1998 posthum veröffentlichtes Kinderbuch des englischen Schriftstellers J. R. R. Tolkien. Es ist die Geschichte des kleinen Hundes Rover (von ), der in ein Spielzeug verwandelt wird, weil er sich gegenüber einem Zauberer schlecht benommen hat und sich dann auf eine abenteuerliche Reise begibt, um seine Originalgröße wiederzuerlangen. Tolkien verfasste diese Erzählung 1925 für seinen Sohn Michael, um ihn über den Verlust seines Spielzeughundes hinwegzutrösten.
Sie ist neben ihrer direkten Bedeutung als fantasievolles Werk der Kinderliteratur für die Tolkienforschung vor allem durch ihre parallele Entstehung mit dem bekannteren Buch Der Hobbit interessant.
Werkgeschichte Roverandom, obwohl erst 1998 und damit 25 Jahre nach dem Tode des Autors veröffentlicht, entstand bereits in der Mitte der 1920er Jahre. Schon früh hatte Tolkien begonnen, seinen Kindern zu den verschiedensten Anlässen kleine Geschichten zu erzählen. Seit 1920 verfasste er zum Beispiel jedes Jahr zum Weihnachtsfest einen Brief vom Weihnachtsmann (später gesammelt erschienen als The Father Christmas letters); bei anderen Gelegenheiten unterhielt er seine Kinder durch die Abenteuer des Schurken Bill Stickers und seines Gegenspielers Major Road Ahead oder erzählte die Geschichte der Stoffpuppe Tom Bombadil, die später in seinem Hauptwerk, Der Herr der Ringe, noch einmal einen kurzen Auftritt haben sollte.
Die Geschichte des Hundes Rover diente einem einzigen Zweck:
Im September des Jahres 1925 verbrachten die Tolkiens mit ihren drei Söhnen John (acht Jahre), Michael (fünf Jahre) und Christopher (Baby) den Sommerurlaub in der Küstenstadt Filey in Yorkshire. Hier wohnte die Familie in einem Farmhaus mit Blick auf das Meer. Michael besaß einen kleinen Spielzeughund, den er ständig bei sich hatte. Als er an einem Tag mit seinem Vater und seinem älterer Bruder an den Strand ging, legte er sein Spielzeug aus der Hand, um zu spielen. Dabei entfernten sie sich von der Stelle, an der das Spielzeug lag. Als sie zurückkehrten, war der Hund verschwunden. Der Strand bestand aus Kieselsteinen, so dass der kleine weiße Hund mit dem schwarzen Fleckenmuster vor ihren Blicken verborgen blieb. Obwohl sie mehrere Tage nach dem Spielzeug suchten, konnten sie es nicht wiederfinden. Erschwerend kam hinzu, dass ein Sturm über den Küstenstreifen hinwegfegte und eine weitere Suche unmöglich machte. Um Michael aufzuheitern und seinem kleinen Sohn eine nachvollziehbare Erklärung für das Verschwinden zu geben, erfand Tolkien eine Geschichte, in der Rover kein Spielzeug war, sondern ein echter Hund, der von einem wütenden Zauberer in ein Spielzeug verwandelt wurde.
Es ist unklar, wie umfassend die Erzählung ursprünglich war: Tolkien selbst schreibt in der ersten schriftlichen Erwähnung der Geschichte in seinem Tagebuch 1926 davon, dass sie beim Erzählen wuchs, bezieht sich dort aber offenbar auf eine weitere mündliche Version, die er in den Weihnachtsferien 1925/26 vorgetragen haben muss.
Die nächsten Hinweise auf Roverandom finden sich erst wieder 1927; es handelt sich um drei eindeutig auf die Geschichte bezogene Zeichnungen, die Tolkien vermutlich bei einem weiteren Sommerurlaub erstellte. Erst in den Weihnachtsferien 1927/28 entstand zusammen mit einer weiteren Zeichnung vermutlich das erste, noch handschriftliche Manuskript. Es stellt die erste von vier bis heute erhaltenen Textversionen dar, ist allerdings unvollständig, da ein Teil des Anfangs fehlt. Alle drei späteren Textfassungen sind maschinengeschrieben und enthalten zahlreiche Verbesserungen, jedoch keine weitgehenden Abwandlungen des Inhalts mehr. Der Titel Roverandom taucht das erste Mal in Textversion Zwei, dem ersten maschinengeschriebenen Manuskript, auf, zuvor lautete er noch The Adventures of Rover. Textvariante Drei besteht aus lediglich neun Seiten und ist ebenso wie die Vorgängerversion auf herausgerissenen Heftseiten abgefasst, im Gegensatz zu dieser aber in sauberer Schreibweise, woraus heute geschlossen wird, dass Tolkien das Manuskript bereits mit Hinblick auf eine Veröffentlichung anfertigte; nach dem großen Erfolg des Hobbit war er gegen Ende des Jahres 1936, auf welches der Text damit ungefähr datiert werden kann, von seinem Verleger George Allen & Unwin um weitere Kinderbücher gebeten worden, und Tolkien entschied sich, Roverandom zur Begutachtung einzureichen. Das tatsächlich vorgelegte Manuskript war vermutlich Textversion Vier, ein auf sechzig Seiten sauber ausgeschriebenes Schriftstück, das Rayner Unwin, der Sohn des Verlegers, am 7. Januar 1937 als well-written and amusing zur Annahme empfahl. Dazu kam es jedoch nicht mehr, da bei Verlag und Leserschaft der Wunsch nach mehr Hobbitgeschichten immer lauter wurde und sich Tolkien daraufhin daran begab, eine Fortsetzung zu schreiben – ein Unternehmen, das schließlich in seinem Werk Der Herr der Ringe seinen Höhepunkt finden sollte. Roverandom geriet darüber in Vergessenheit.
Erst 1998, 25 Jahre nach dem Tod des Autors und 73 Jahre nach dem ersten Erzählen der Geschichte, wurde das im Nachlass aufgefundene Werk zusammen mit den fünf Zeichnungen aus Tolkiens Hand veröffentlicht. Sowohl die Manuskripte als auch die Originalversionen der Bilder befinden sich heute in der Bodleian Library in Oxford.
Inhalt Die Erzählung beginnt damit, dass Rover in einem Garten mit einem gelben Ball spielt. Plötzlich erscheint ein alter Mann über den es heißt:
Hätte Rover diese Feder gesehen, so hätte er den Mann sofort als Zauberer erkennen müssen, aber er war zu sehr in das Spiel mit seinem Ball vertieft, so dass er sie nicht wahrnahm. Der Alte Mann ist der Zauberer Artaxerxes, der den Ball an sich nimmt, um ihn in eine Orange, einen Knochen oder ein Stück Fleisch für den Hund zu wandeln. Doch Rover knurrt ihn wütend an und verlangt sein Spielzeug zurück. Da beschließt der Zauberer ihn zu necken und steckt den Ball ein. Als ihn nun der kleine Hund ins Hosenbein beißt, wird der alte Mann ärgerlich und verwandelt Rover in einen winzigen Spielzeughund. Durch einen magischen Wind wird er hinweggeweht und findet sich zunächst in einer Kiste wieder. Nach einer Weile wird er herausgenommen und im Schaufenster eines Spielwarenladens ausgestellt. Schließlich wird er verkauft und kommt als Geschenk in die Hände eines kleinen Jungen. Noch zu wütend über seine ungerechte Verwandlung, um sich auf dessen liebevolle Spielereien einzulassen, beschließt er, bei der ersten sich ergebenden Gelegenheit die Flucht zu ergreifen, und tatsächlich fällt er bei einem Spaziergang an einem nur selten von Menschen begangenen Strandabschnitt unbemerkt und nicht ganz unwillig aus dessen Hosentasche. Vor der nahenden Flut durch den Sandzauberer Psamathos Psamathides gerettet, der ihm zwar seine Beweglichkeit, nicht aber seine Größe wiedergeben kann, wird er von diesem auf die Reise zum Mond geschickt, wo der mächtigste aller Zauberer, der „Mann im Mond“, in einem hohen weißen Turm lebt. Eine Seemöwe trägt ihn auf ihrem Rücken über den vom Mondschein auf das Meer gelegten Pfad zu seinem Ziel.
Auf dem Mond Dort trifft er neben dem Mann im Mond selbst den geflügelten Mondhund Rover, mit dem er sich bald anfreundet, auch wenn er wegen der Namensgleichheit auf seinen eigenen Namen verzichten und stattdessen den Namen Roverandom annehmen muss.
Durch einen Zauber mit Flügeln ausgestattet, unternimmt er bald mit seinem neuen Freund immer ausgedehntere Streifzüge durch die Mondlandschaft, die von allerlei Getier, darunter 57 Spinnenarten, bewohnt wird. Einer dieser Ausflüge führt die beiden Freunde an den Rand der dunklen Seite des Mondes, wo sich ein uraltes, aschgraues Gebirge auftürmt. Auf der Suche nach Schutz vor einem plötzlich einsetzenden Schneegestöber begeben sie sich in ein gemütlich-warmes Erdloch – nur um bald zu merken, dass dies nur der oberste Ausläufer der Wohnhöhle des großen, weißen Drachen ist. Dieser Drache – wie der Leser erfährt, erst mit dem Aufkommen eines unnatürlichen Appetits auf Drachenschwänze zu König Arthurs Zeiten auf den Mond umgezogen – ist die einzige Kreatur, die es halbwegs mit dem Mann im Mond aufnehmen kann und ihn sogar gelegentlich durch selbstherrliche Mondverdunkelungen verärgert. Einziges Mittel ist für die beiden Freunde die Flucht, doch als der Drache sich auch durch die abgefeuerte Sternschnuppenrakete nicht von der Verfolgung abschrecken lässt, bleibt dem Mann im Mond nichts anderes übrig, als seinen stärksten Zauberspruch aus dem Keller zu holen und auf die ungeschützte Bauchseite des Drachen abzufeuern. Dies hat den gewünschten Effekt – sogar die nächste Mondfinsternis fällt aus, weil der Drache zu sehr damit beschäftigt ist seinen empfindlichen Magen zu kurieren.
Auf Einladung des Mannes im Mond darf Roverandom nun offiziell die andere Seite des Mondes kennenlernen. Dort trifft er in einem abgeschiedenen Garten auf eine Schar singender Kinder, unter denen er auch sein ehemaliges Herrchen erkennt. Die wundersame Welt wurde durch den Mann im Mond erschaffen, doch der Leser erfährt, dass auch die Kinder einen kleinen Teil von zu Hause mitbringen – und sich auch die schwarzen Spinnen nicht immer davon abhalten lassen, den Garten selbstherrlich mitzugestalten. Rover verlebt eine glückliche Zeit mit seinem Herrchen, das jedoch plötzlich verschwindet – Roverandom muss lernen, dass auf der Erde der Morgen angebrochen ist und die Kinder dort aus ihrem Schlaf erwachen.
Auch für Roverandom ist es Zeit, auf die Erde zurückzukehren. Zauberer Artaxerxes hat sich bei einer ihm zuliebe von Psammathos arrangierten Meerjungfern-Party ausgerechnet in die Tochter des Meerkönigs verliebt und hat den Posten des residierenden Ozean-Zauberers angetreten – der Weg für eine Rückkehr nach Hause scheint frei. Dummerweise hatte Artaxerxes seinen stärksten Schutzspruch auf Roverandoms Verwandlung gelegt und nicht einmal Psammathos kann diese nun wieder rückgängig machen; Roverandom bleibt nichts anderes übrig, als Artaxerxes selbst aufzusuchen und um Verzeihung zu bitten.
Unter dem Meer In einem von Psammathos herbeigerufenen Wal namens Uin macht er sich auf den Weg zum auf dem Meeresgrund gelegenen Palast des Meerkönigs.Anmerkung: Uin ist ein großer Wal im Dienste des Vala Ulmo, der die Insel Tol Eressëa bis in die Sichtweite der Unsterblichlande zur Küste Valinors zog. Dort findet er Artaxerxes auch sogleich; dieser ist allerdings von sich selbst und seiner neugefundenen Bedeutung so sehr angetan, dass es unter seiner Würde wäre, sich um einen Spielzeughund zu kümmern. Als sich Roverandom daher erst einmal umsieht, trifft er auf einen ehemaligen Schiffshund, der zufällig ebenfalls Rover heißt. Von Artaxerxes auf Geheiß seiner Gattin mit Schwimmflossen ausgestattet erlebt er nun zusammen mit seinem neuen Freund Rover auch unter Wasser zahlreiche kleinere Abenteuer, deren größtes ihn zusammen mit dem Wal Uin vorbei an den verwunschenen Inseln in den äußersten Westen der Welt führt, wo er einen Blick auf die auf einem grünen Hügel gelegene, weiß schimmernde Stadt der Elben erhaschen kann.
Dennoch wird er den Gedanken an sein ehemaliges Herrchen nicht los und unternimmt einen erneuten Versuch, Artaxerxes umzustimmen, der ihn jedoch wiederum zurückweist. Roverandom nimmt sich vor, ihm eine Lektion zu erteilen.