Der Bezirk Deutschlandsberg ist ein politischer Bezirk des Landes Steiermark.
Geografie Geografische Lage Der Bezirk Deutschlandsberg liegt im Südwesten der Steiermark in den Lavanttaler Alpen. Er wird im Westen und Südwesten von der Koralpe begrenzt und im Südosten – östlich des Radlpasses – vom Poßruck. Im Norden wird er durch die östlichen Ausläufer der Packalpe begrenzt. Lediglich im Osten existiert keine natürliche Grenze. Der Bezirk misst sowohl in Nord-Süd- als auch in Ost-West-Richtung an der breitesten Stelle circa 35 km.
Der Bezirk wird größtenteils nach Osten zur Mur hin entwässert. Der äußerste Nordosten an der Grenze zum Bezirk Graz-Umgebung gehört zum Einzugsgebiet der Kainach. Der Norden wird von der Laßnitz und ihrem wichtigsten Nebenfluss, dem Stainzbach, entwässert. Der Süden gehört zum Einzugsgebiet der Schwarzen und der Weißen Sulm, den beiden Quellflüssen der Sulm. Der Südosten wird vom Saggaubach entwässert. Lediglich die Feistritz im Südwesten gehört zu den Nebenflüssen der Drau.
Die höchsten Erhebungen des Bezirks sind die Handalm () im Nordwesten und der Große Speikkogel () im Westen. Der niedrigste Punkt befindet sich mit im Gemeindegebiet von Preding.
Angrenzende Gebietskörperschaften Der Bezirk Deutschlandsberg grenzt: in der Steiermark im Norden an den Bezirk Voitsberg im Nordosten an den Bezirk Graz-Umgebung im Osten an den Bezirk Leibnitz im Westen an den Kärntner Bezirk Wolfsberg im Süden an Slowenien
Gebietsveränderungen Nach dem Ersten Weltkrieg kamen die Gemeinde Soboth (Sobota oder v Soboti) und Teile der Gemeinden Oberfesing (Zgornja Vižinga), Pernitzen (Pernice) und St. Primon ob Hohenmauthen (Sveti Primož nad Muto) zu Österreich und damit zum Bezirk Deutschlandsberg. Mit 1. Jänner 1924 wurden die Marktgemeinde Preding und die Gemeinde Tobis aus dem Bezirk Leibnitz (bzw. Gerichtsbezirk Wildon) dem Bezirk Deutschlandsberg und dessen Bezirksgericht zugewiesen.„Verordnung des Bundeskanzleramtes vom 29. November 1923 über die Zuweisung der Ortsgemeinden Preding und Tobis zum Sprengel des Bezirsgerichtes und zum Amtsbezirk der Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg.“ Bundesgesetzblatt, 117. Stück, Nr. 600, S. 1908.
Kleinere Veränderungen erfolgten ab 1952 zwischen folgenden (damaligen) Gemeinden:„Der Geburtstag des Bezirkes Deutschlandsberg.“ Weststeirische Rundschau, Nr. 35, 31. August 2018, 91. Jahrgang 2018, Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg; S. 1. 1952 zwischen Gasselsdorf und St. Johann im Saggautal (Ried Weichselberg-Blaselberg) 1964 zwischen Dietmannsdorf im Sulmtal und Prarath 1965 zwischen Breitenbach in Weststeiermark und Gießenberg 1980 zwischen Wettmannstätten und St. Nikolai im Sausal 1981 zwischen Lannach, Lieboch und Mooskirchen 1986 zwischen Großradl und Oberhaag 1988 zwischen Lannach und Dobl 1989 zwischen Preding, Hengsberg und St. Nikolai im Sausal 1990 zwischen Sulmeck-Greith und Gleinstätten 1991 zwischen Preding und Zwaring-Pöls 1994 zwischen Sulmeck-Greith und Oberhaag
Die Amtsräume der Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg befanden sich ab 1868 provisorisch im Gebäude gegenüber dem heutigen Bezirksgericht in der Kirchengasse (ehem. Gasthaus Stelzer), danach bis 1901 im Feilhofer Schlössl. Die Geschichte der Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg wurde in sieben Schautafeln grafisch aufbereitet. Diese Tafeln wurden am 27. August 2018 aus Anlass der 150-Jahr-Feier übergeben, sie sind im zweiten Stock des Amtsgebäudes (Kirchengasse 12) während der Öffnungszeiten zugänglich.
Geschichte
Der Ausdruck „Bezirk Deutschlandsberg“ in historischen Unterlagen kann zu Unklarheiten führen: Es gab bis 1938 neben der Verwaltungsbehörde Bezirkshauptmannschaft, die durch den Bezirkshauptmann repräsentiert wird, noch eine Bezirksvertretung. Das war eine Organisationseinheit, die auf Wahlen beruhte und ihre Basis im Landesgesetz über die Bezirksvertretungenstmk. Landesgesetz über die Bezirksvertretungen vom 14. Juni 1866, stmkLGBl. XV. Stück, Nr. 19. hatte. Die Bezirksvertretung gab es jeweils für den Sprengel des Bezirksgerichtes, sie hatte mit dem Gericht aber nichts zu tun (es bestanden daher damals eigene Bezirksvertretungen für Stainz und Eibiswald, die auch öffentlich auftreten konnten, z. B. in einem Schreiben an den steirischen LandtagKarl Dudek: Die Schuldenlast der Gemeinden (1900/2025) In: Wochenzeitschrift „Weststeirische Rundschau“. Nr. 33 (15. August 2025), 98. Jahrgang 2025, S. 15.). Organ dieser Bezirksvertretung war der Bezirksausschuss. Eine Bezirksvertretung nach dieser Grundlage hatte im Wesentlichen bezirksinterne, speziell finanzielle Aufgaben wie die Festsetzung von AbgabenAls Beispiele: eine Umlagenfestsetzung pro Katastralgemeinde aus 1871 durch das Gesetz, womit der Bezirksvertretung Deutschlandsberg die Einhebung von Umlagen auf die directen Steuern zur Deckung der Bezirkserfordernisse bewilligt wird; weiters das Gesetz, betreffend die Durchführung der den Bezirksvertretungen in Gemeinde-Angelegenheiten zustehenden Amtshandlungen; oder das Gesetz, womit den Bezirksvertretungen zu Stainz und Deutsch-Landsberg die Einhebung von Umlagen auf die directen Steuern zur Deckung der Bezirkserfordernisse bewilliget wird usw. auf Bezirksebene. Unabhängig davon gibt es den Zuständigkeitsbereich des Bezirksgerichtes Deutschlandsberg, der seit Auflassung der Bezirksgerichte Eibiswald (2002) und Stainz (2014) zwar geografisch mit jenem der Bezirkshauptmannschaft deckungsgleich ist, aber mit den Gerichtsverfahren andere Aufgaben umfasst.
Der Bezirk Deutschlandsberg teilt die Entwicklung der Geschichte der Steiermark. In seinem Gebiet sind eine Reihe von Hügelgräbern dokumentiert, die teilweise unter Denkmalschutz stehen.Maria Lichtenegger: Die Hügelgräbergruppe „Bründlteiche“. Mit einem Überblick über den Forschungsstand der Hügelgräberforschung in der Steiermark seit 1980. Diplomarbeit an der KFU Graz, Graz 2007. S. 19–35.
Eine historisch besondere Situation ergab sich allerdings in religiöser Hinsicht daraus, dass das Gebiet um die damals wesentlich größere Pfarre Groß St. Florian, das bis auf die Höhen der Koralm reichte, von 1373 bis 1789 (als sogenanntes „Kommissariat Groß St. Florian“) nicht zur steirischen Diözese Graz-Seckau gehörte, sondern zur Diözese Lavant, die ihren Sitz in St. Andrä im Lavanttal in Kärnten hatte.
Die Lebensumstände des Fahrenden Volkes bzw. der Angehörigen mancher Unehrlichen Berufe, somit der sogenannten „unteren Gesellschaftsschichten“ im 18. Jahrhundert sind aus einigen Veröffentlichungen aus den Jahren 1711 und 1713 erkennbar. Im Wesentlichen handelt es sich um Fahndungslisten mit Personenbeschreibungen, den oft auch mit körperlichen Merkmalen („krumphäxet“, keine Zähne, buckeliger Gang etc.) beschriebenen Betroffenen wurde auch Delinquenz unterstellt. Im Jahr 1713 sind 289 für die Steiermark steckbrieflich gesuchte Personen dokumentiert, von denen einige auch aus dem Bereich Deutschlandsbergs stammen. Am 1. Februar 1712 wurden in Schwanberg drei Männer hingerichtet, bei denen u. a. 14 Tabakdosen, drei Terzerole, 71/2 Ellen Leinwand und zusammen neben anderem Bargeld 492 Gulden gefunden worden waren.Herbert Kriegl, Karl Reiterer: Über Raub-, Diebs- und Bettlergesindel … In: Weststeirische Rundschau Nr. 6, 97. Jahrgang 2024, 9. Februar 2024, , Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg; S. 5. Unter Verweis auf: Manifest des Innerösterreichischen Herzogthumbs Steyermarck betreffend die Zeithero herumb verspührte vnterschidlich verdächtige Persohnen als Raub-, Diebs- und Bettler-Gesindel. (1711) und für 1713 die Situation der "… auf das Neue denunzierte Landschädige und gefährliche Raub-, Dieb-, Mörder- und Zigeuener-Gesindel Mann- und weiblichen Geschlechtes … welche als Kramer, Spieler, abgedankte Soldaten, Halter, Gerichtsdiener und Abtecker, gemein Bettler und Land Vagabanten wie auch Zigeuener im Land große teils mörderische Räubereien und Diebstähle ausgeübet haben …" (gedruckt bei Widmannstätterischen Erben anno 1713, aus: Aus dem Culturleben Steiermarks, Grazer Tagespost November 1862).
Ab 1820 erwarb die Fürstenfamilie Liechtenstein ausgedehnte Besitzungen im Bezirk, so die Herrschaften Deutschlandsberg, Frauenthal, Feilhofen, Schwanberg, Limberg und Hollenegg. Die Besitzungen wurden zu unteilbaren und unveräußerlichen Fideikommissen zusammengeschlossen. Die daraus entstandenen Betriebe bilden auch lange Zeit nach der Aufhebung der Fideikommisse, noch im 21. Jahrhundert, einen Wirtschaftsfaktor im Bezirk (so z. B. das Sägewerk beim Bahnhof Stadt Deutschlandsberg).Gerhard Fischer: 190. Todestag Johann Josef von und zu Liechtenstein. Humanist, Staatsmann, Militär und Familienmensch. In: Weststeirische Rundschau Nr. 17, 99. Jahrgang 2026, 24. April 2026, , Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg; S. 5–6.
Durch seine Lage an der Südgrenze der Steiermark gehörte der Bezirk in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs zum Operationsgebiet von Partisanen aus dem Gebiet der damaligen Untersteiermark (CdZ-Gebiet Untersteiermark). Diese Gruppe wurde „Kampfgruppe Steiermark“ bzw. „Koralmpartisanen“ genannt.Anna Sachsenhofer, Alice Steiner: Die „Kampfgruppe Steiermark“ im Bezirk Deutschlandsberg. S. 78–100; Christian Fleck: Ein Rückblick auf ‚Koralmpartisanen‘. S. 101–117. Beide Beiträge in: Daniel Gethmann, Waltraud P. Indrist (Hrsg.): Topographie des Widerstands in der Steiermark 1938–1945: Eine Ausstellung. Band 8 der Reihe architektur + analyse, hrsg. von Anselm Wagner, Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften der TU Graz. jovis Verlag, Berlin 2022. ISBN 978-3-86859-722-6 . (Begleitband zur Wanderausstellung im Frühjahr und Sommer 2020 in der Steiermark) Es kam in dieser Zeit zu einer Reihe von Gewalttaten, wobei nicht in allen Fällen ermittelt werden konnte, auf welche Täter ein Verbrechen zurückzuführen war (z. B. reguläre Verbände aus Wehrmacht, Volksbefreiungsarmee, Partisanen oder Freiheitskämpfer verschiedener Herkunft und Motivation, SS, Deserteure aus verschiedenen waffentragenden Verbänden wie der Wlassow-Armee, Räuberbanden ohne politischen Hintergrund, Tschetniks, Endphaseverbrechen auf behördliche Anordnung z. B. des Kreisleiters Hugo Suette, Spione, Racheakte aus privaten Gründen, teilweise im Gewand einer konkreten Gruppe usw.). Einschlägige Beschuldigungen wurden auch Jahrzehnte später erhoben und sind in der lokalen Presse dokumentiert.Christian Fleck: Einäugigkeit hilft der Wahrheit nicht. In: Weststeirische Rundschau. Nr. 10, 7. März 1987, 60. Jahrgang, Deutschlandsberg; S. 9. Leserbriefe dazu in den Ausgaben dieser Zeitung ab Ende Jänner 1987, z. B. Nr. 7 S. 8, Nr. 8 S. 9, Nr. 9 S. 8 oder Nr. 11 S. 13. Die Diskussion entzündete sich zum Teil an einem Leserbrief, der unter dem Namen Ingeborg Brenner in dieser Zeitung erschienen war (Ausgabe vom 31. Jänner 1987, S. 10) und in dem unter der Überschrift „Für apartheitähnliche (sic!) Zustände darf es in Österreich keinen Platz geben.“ ein Organisationsmodell für zweisprachige Schulen in Kärnten im Zusammenhang mit nationalsozialistischer Verfolgung genannt worden war. Das Thema wurde unter Hinweis auf die verschiedenen Standpunkte auch noch 2025 im Zusammenhang mit einem Zeitungsbericht über das Ende des Zweiten Weltkrieges behandelt.Oskar Grollegger: Leserbrief zu „80 Jahre Frieden“, Weststeirische Rundschau vom 12. April 2025. In: Weststeirische Rundschau. Nr. 17, 25. April 2025, 98. Jahrgang, Deutschlandsberg; S. 2.