Der heilklimatische Kurort Nümbrecht ist eine Gemeinde im Oberbergischen Kreis im Süden Nordrhein-Westfalens.
Geographie 300px|mini|Karte des Gemeindegebietes
Allgemeines Das Gemeindegebiet von Nümbrecht liegt im Süden des Bergischen Landes, im Übergangsbereich der Bergischen Hochflächen und dem Oberagger- und Wiehlbergland. Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln, Wäldern, Wiesen und landwirtschaftlichen Flächen. Rund 30 % der Gemeindefläche sind bewaldet. Größere Gewässer finden sich nicht in Nümbrecht. Die Bröl ist der größte Fluss auf dem Gemeindegebiet.
Die oberbergische Kreisstadt Gummersbach liegt in nordöstlicher Richtung rund 13 Kilometer entfernt. Die nächstgelegenen Großstädte sind Bergisch Gladbach (30 km, NW), Siegen (35 km, SO), Bonn (36 km, SW), Remscheid (38 km, N), Köln (40 km, NW), Leverkusen (40 km, NW), Solingen (45 km, NW) und Wuppertal (48 km, N).
Das Gemeindegebiet erstreckt sich auf einer Fläche von 71,78 Quadratkilometern. Die größte Ost-West-Ausdehnung beträgt 12,5 Kilometer, in Nord-Süd-Richtung sind es 10 Kilometer. Die höchste Erhebung der Gemeinde befindet sich mit 352 m ü. NN im Ortsteil Wirtenbach.
Nachbargemeinden Engelskirchen Wiehl Reichshof Much Datei:Windrose klein.svg Friesenhagen Ruppichteroth Windeck Waldbröl
Gemeindegliederung mini|links|Lageplan der Ortschaften Neben der Kerngemeinde gibt es 91 Ortsteile. In alphabetischer Sortierung sind das: Abbenroth – Ahebruch – Ahlbusch – Alsbach – Altennümbrecht – Auf der Hardt – Bierenbachtal – Benroth – Berkenroth – Birkenbach – Breitewiese – Breunfeld – Brünglinghausen – Bruch – Büschhof – Buch – Distelkamp – Drinsahl – Elsenroth – Erlinghausen – Friedenthal – Gaderoth – Grünthal – Grunewald – Göpringhausen – Gerhardsiefen – Grötzenberg – Geringhausen – Geringhauser Mühle – Guxmühlen – Haan – Hammermühle – Hardt – Harscheid – Hasenberg – Heide – Heddinghausen – Heisterstock – Hillenbach – Hochstraßen – Höferhof – Hömel – Homburg-Bröl – Homburger Papiermühle – Huppichteroth – Kleinhöhe – Krahm – Kurtenbach – Langenbach – Linde – Lindscheid – Lindscheider Mühle – Loch – Löhe – Malzhagen – Marienberghausen – Mildsiefen – Mühlenthal – Nallingen – Neuenberg – Neuroth – Niederbröl – Niederbreidenbach – Niederelben – Niederstaffelbach – Nöchel – Oberbierenbach – Oberbech – Oberstaffelbach – Oberbreidenbach – Ödinghausen – Oberelben – Prombach – Riechenbach – Rommelsdorf – Röttgen – Rose – Stockheim – Schönhausen – Schönthal – Spreitgen – Stranzenbach – Straße – Überdorf – Unter der Hardt – Vorholz – Winterborn – Windhausen – Wirtenbach – Wolfscharre
Geschichte mini|Hauptstraße mini|Evangelische Kirche Nümbrecht
1131 wurde Nümbrecht erstmals in der päpstlichen Besitzbestätigung für das Cassius-Stift in Bonn urkundlich erwähnt (unter dem Namen „Nuenbret“);Klaus Pampus: Urkundliche Erstnennungen oberbergischer Orte (= Beiträge zur Oberbergischen Geschichte. Sonderbd. 1). Oberbergische Abteilung 1924 e. V. des Bergischen Geschichtsvereins, Gummersbach 1998, ISBN 3-88265-206-3. war aber vermutlich bereits im 8. Jahrhundert eine Siedlung.Evangelische Kirchengemeinde Nümbrecht (Hrsg.): Spurensuche. 1996, S. 32–49, hier S. 35. Der Bau der (heute evangelischen) Kirche wurde vermutlich 955 begonnen. 1268–1276 begründete Gottfried I. von Sayn die Burg Homburg; die Reichsherrschaft Homburg (Nümbrecht, Wiehl und Marienberghausen, bis 1604 zudem Waldbröl und Morsbach) war eines der vielen Kleinterritorien des Reiches. Das „Homburger Ländchen“ genoss bis 1743 unter der Eigendynastie des Hauses Sayn-Wittgenstein eine relative Selbständigkeit und ist seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts reformiert geprägt. Der heute noch im Bereich verbreitete Familienname „Seinsche“ erinnert an die Zeit, als man „saynisch“ war. Seit 1743 der Herrschaft Sayn-Wittgenstein-Berleburg zugeschlagen, wurde das Homburger Ländchen 1806 in den Rheinbund integriert und Teil des französischen Satellitenstaats Großherzogtum Berg. Dort wurde bei der Einführung von Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild im Kanton Homburg des Arrondissements Siegen im Département Sieg auch die Mairie (Bürgermeistereie) Nümbrecht eingerichtet. Nachdem das Gebiet 1814 an Preußen gefallen war, wurde aus der Mairie Nümbrecht die preußische Bürgermeisterei Nümbrecht. Diese kam 1816 zum Kreis Homburg, gehörte ab 1825 zum Kreis Gummersbach und bestand nur aus der Landgemeinde Nümbrecht.Gemeindeverzeichnis Rheinprovinz 1871
Im 19. Jahrhundert war Nümbrecht Zentrum der Oberbergischen Erweckungsbewegung, die wesentlich vom evangelischen Pfarrer Jakob Gerhard Engels (in Nümbrecht von 1851 bis zu seinem Tod 1897) bestimmt war. An ihn erinnern die Jakob-Engels-Straße und das von der evangelischen Kirchengemeinde gegründete „Engelsstift“.
Von 1915 bis 1957 bediente die Kleinbahn Bielstein–Waldbröl ihre Station Nümbrecht in Homburg-Bröl.
Zum Gedenken an die jüdische Gemeinde steht auf dem heutigen Dorfplatz ein Mahnmal in der Nähe der 1938 zerstörten Synagoge. Die Meta-Herz-Straße erinnert an eine jüdische Bürgerin Nümbrechts, die den Nationalsozialisten zum Opfer fiel;Anne Voglmayr: Mein Name ist Meta Herz: Erinnerungen an die jüdische Gemeinde Nümbrecht. 2000, ISBN 3-931251-66-7. ebenso gibt es einige Stolpersteine.Stolpersteine gegen das Vergessen
Nümbrecht wurde ein Luftkurort und ein heilklimatischer Kurort und ist ein Ziel und Ausgangspunkt für sanften Tourismus. 1974 fand hier die Landesgartenschau statt. 1995 wurde die Rhein-Sieg-Klinik mit den Spezialisierungen Neurologie und Orthopädie eröffnet.
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 fanden viele Aussiedler eine neue Heimat in Nümbrecht.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1969 wurde Nümbrecht mit Marienberghausen zu einer Gemeinde zusammengeschlossen, die den Namen Homburg erhielt (Gesetz zur Neugliederung des Oberbergischen Kreises). Auf Antrag der Gemeinde wurde der Name in Nümbrecht geändert.
Religionen mini|Katholische Kirche Nümbrecht
Es gibt sechs Gemeinden: Evangelische Kirchengemeinde Nümbrecht Evangelische Kirchengemeinde Marienberghausen Katholische Filialgemeinde Hl. Geist Mennoniten-Brüdergemeinde e. V. (Evangelische Freikirche) Christliche Gemeinde Hammermühle e. V. (Freikirche) freie christliche Gemeinde Harscheid e. V. (Freikirche)
Einrichtungen in christlicher Trägerschaft sind: Altenpflegeheim Engelsstift der Theodor Fliedner Stiftung Blindenheim – Ernst-Christoffel-Haus Diakoniestation Nümbrecht der ev. Kirchengemeinde Nümbrecht
Eine jüdische Gemeinde existierte bis zum Holocaust. Eine 1828 in Nümbrecht errichtete Synagoge war geistliches Zentrum für die Juden in den Kreisen Gummersbach, Waldbröl und Wipperfürth sowie der Gemeinde Ruppichteroth.Karl Schröder: Aufstieg und Fall des Robert Ley. Franz Schmitt, Siegburg 2008, ISBN 978-3-87710-342-5, S. 12.
Politik Gemeinderat
Der Rat der Gemeinde Nümbrecht besteht aus 37 Gemeinderäten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Das Wahlergebnis der Ratswahl vom 14. September 2025 und die sich daraus ergebende Sitzverteilung zeigen die nebenstehenden Diagramme.
Bürgermeister –2009: Bernd Hombach (parteilos) 2009–2025: Hilko Redenius (CDU) ab 2025: Thomas Hellbusch (CDU)
Der Diplom-Verwaltungswirt Hilko Redenius war seit 2009 der Bürgermeister von Nümbrecht. Redenius war zu diesem Zeitpunkt der erste Bürgermeister in Nordrhein-Westfalen, der durch ein so genanntes Jamaika-Bündnis (CDU, Grüne, FDP) ins Amt gehoben wurde. Er konnte sich mit 38,7 Prozent der Wählerstimmen gegen seinen Kontrahenten Fabian Scheske von der SPD (38,2 Prozent) durchsetzen. Im September 2020 wurde er mit 74,4 % der Stimmen wiedergewählt.
Bei der Kommunalwahl 2025 trat Redenius nicht mehr an. Thomas Hellbusch wurde mit 51,3 % der Stimmen im ersten Wahlgang zu seinem Nachfolger gewählt. Hellbuschs Amtszeit beginnt am 1. November 2025.
Wappen Das Wappen zeigt die beiden weißen Türme mit Zinnen als Symbol des Schlosses auf rotem Grund. Während der linke Turm höher ist, wird über dem rechten als Zeichen der Verbundenheit der Gemeinde Nümbrecht mit dem Fürstenhaus Sayn-Wittgenstein das Schildlein mit vier Feldern, die jeweils zweimal den Homburger Löwen und schwarze Balken auf silbernem Grund dargestellt. In der Mitte ist unter einem Giebel ein silbernes Tor mit Fallgatter zu sehen.
Der Originaltext zum Wappen ist überliefert: „Die Gemeinde Nümbrecht führt in ihrem Wappen das Symbol des Schlosses und der Herrschaft Homburg, welches Graf Ludwig von Sayn-Wittgenstein, der Vertreter der jüngeren Linie des Hauses Sayn, im Siegburger Vergleich 1604, nachdem der letzte Graf von Sayn, Heinrich IV., auf seinen Anteil an der Herrschaft Homburg verzichtet hatte, aus dem Saynschen Wappen in das seine aufnahm“.
Anlässlich der Gebietsreform in den 1960er Jahren verfügte der Kölner Regierungspräsident am 6. August 1970, dass die jetzige Gemeinde Nümbrecht das historische Wappen weiter führen dürfe.
Gemeindepartnerschaften Gouvieux in Frankreich, seit 1960 Mateh Jehuda in Israel, seit 8. November 2008
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Moderne Kunstwerke mini|Haus der Kunst Seit 1983 besteht der Nümbrechter Kunstverein. Diverse Ausstellungen finden im Haus der Kunst in Nümbrecht statt. Die Skulpturen sind ein Geschenk des Kunstvereins von Nümbrecht an die Gemeinde Nümbrecht zur Verschönerung des Kurortes.
1983 Der Knabe mit Stecken genannt Helmut. Diese Skulptur wurde von Paschke aus Düsseldorf geschaffen. Sie steht auf dem Weiherplatz. 1996 Die Skulptur Die Vergänglichkeit steht seit 1996 auf dem Kirchplatz der Ev. Kirche. Sie wurde von dem Mülheimer Bildhauer Georg Weber (1951–2014) erstellt. 2003 Der Eckstein, Altarkreuz in der Ev. Kirche. Stein, Bronze, Blattgold von Kabukii Kaa (Kassiel Kaehler), Berlin [gestiftet von Gliedern der Ev. Kirchengemeinde] 2005 Ein Traum Das Kunstwerk der Bildhauerin Rosa Gilissen-Vanmarcke wurde am Samstag, dem 4. Juni 2005 eingeweiht. Die Skulptur steht auf dem kleinen Platz in der Alten Poststraße. 13. Mai 2006 Skulptur Natur – Erinnerungen an einen Baum von dem Bildhauer Michael Schwarze in der Marktstraße vor dem geschichtsträchtigen 1746 erbauten Haus Mehlau des Haushofmeisters Johann Georg Milchsack in Nümbrecht. 19. April 2008 Kraft II Diese Skulptur wurde von dem Künstler Peter Rübsam geschaffen, sie steht vor dem neugestalteten Rathausplatz. 26. September 2009 Freude von Rosa Gilissen-Vanmarcke. Diese Skulptur ist eine Leihgabe an die Gemeinde Nümbrecht. Sie steht im Kurpark von Nümbrecht unterhalb des Säulenbrunnens.
Bauwerke
mini|Schloss Homburg Schloss Homburg Die 1000-jährige Kirche in Nümbrecht ist baugeschichtlich einer der interessantesten Sakralbauten des Oberbergischen Kreises: Wuchtiger romanischer Turm, schwere mittelalterliche Pfeiler und Gurtbögen im Innenraum, zartgegliederter gotischer Chor, flache Gewölbe aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, barocke Turmhaube und bemerkenswerte, ebenfalls barocke Prinzipalstücke. Der über 150 Jahre alte „Waisensaal“ am heutigen Dorfplatz wurde 1856 als Ergänzung des bereits 1850 an der Hauptstraße neben dem historischen Pfarrhaus gegründeten Waisenhauses der ev. Kirchengemeinde gebaut. Er diente als Versammlungsraum der Waisenhausfamilie und wurde auch nach der Auflösung des Waisenhauses 1909 weiter für Presbyteriumssitzungen und Konfirmandenunterricht genutzt. Er beherbergte seit 1987 die Teestube des örtlichen CVJMs und seit 2002 die Diakoniestation der ev. Kirchengemeinde.