Der Landeshuter Kamm () ist das östlichste Teilgebirge der Westsudeten in Polen. Es bedeckt eine Fläche von etwa 90 km² und schließt nordöstlich an das Riesengebirge an. Im Süden geht es über die zum Riesengebirge gehörigen Bergrücken Schmiedeberger Kamm und Kolbenkamm in das kleine Rehorngebirge über. Nördlich liegt das Bober-Katzbach-Gebirge und östlich das Waldenburger Bergland.

Namen Der deutsche Name leitet sich von der südöstlich des Gebirges gelegenen Stadt Kamienna Góra (Landeshut) ab, während der polnische Name auf die nördlich gelegene Ortschaft Janowice Wielkie (Jannowitz) verweist und wörtlich „Jannowitzer Erzgebirge“ bedeutet. Zahlreiche Orts- und Flurnamen im Landeshuter Kamm nehmen auf Metallvorkommen Bezug. So wurde beispielsweise nach 1945 nahe Miedzianka (Kupferberg) im Nordosten des Massivs in Bergwerken Uran abgebaut, ebenso in Kowary (Schmiedeberg) an seiner Westflanke. In vergangenen Jahrhunderten wurde hier erfolgreich nach Gold, Blei, Kupfer und Arsen geschürft.

Geografie 300px|mini|Der Landeshuter Kamm innerhalb der geomorphologischen Einteilung Polens mini|Kreuzberg (Krzyżna Góra), Falkenberge (Sokole Góry) Der Landeshuter Kamm scheidet das Hirschberger Tal im Westen vom Landeshuter Tal im Osten. Östlich und nördlich wird er in einem großen Bogen vom Bober umflossen, der Kamienna Góra, Janowice Wielkie und Jelenia Góra (Hirschberg i. Rsgb.) miteinander verbindet.

Der Hauptkamm des Gebirges erstreckt sich auf 16 Kilometern Länge in nord-südlicher Richtung von Janowice Wielkie im Norden bis zum Schmiedeberger Pass (poln. Przełęcz Kowarska) (727 m), einem Gebirgspass im Süden, der die Grenze zum Riesengebirge bildet. Die Przełęcz Rudawska (Pass, 740 m) teilt den Hauptkamm in einen südlichen und einen nördlichen Abschnitt. Die höchste Erhebung des Gebirges ist der Skalnik (945 m) mit der Felsgruppe der Friesensteine (Ostra Mała und Konie Apokalipsy) im südlichen Abschnitt, während Dzicza Góra (891 m) und Wołek (878 m) die höchsten Punkte im Norden des Massivs darstellen. Seitlich zweigen mehrere Nebenkämme ab, von denen dem nordwestlichen die größte Bedeutung zukommt. Dieser ist durch die tief eingeschnittene Karpnicka Przełęcz (Pass, 475 m) vom Rest des Gebirges getrennt und bildet die so genannten Falkenberge (poln. Sokole Góry). Als höchste Erhebungen sind hier die Zwillingsberge Krzyżna Góra (Kreuzberg), 654 m, und Sokolik (Forstberg), 642 m, zu nennen, die eine markante, im ganzen Hirschberger Tal sichtbare, fast symmetrische Doppelformation bilden.

Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Fischbach und die Zwillingsberge – Landsitz der preußischen Könige um 1860, Sammlung Alexander Duncker 1989 wurde der Landschaftsschutzpark Landeshuter Kamm (Rudawski Park Krajobrazowy) mit einer Ausdehnung von 88 km² geschaffen. Seither steht nahezu das gesamte Gebirge unter Naturschutz.

Vor allem der Norden des Gebirges und die malerischen Falkenberge weisen zum Teil dramatische, bis zu 60 Meter hohe Felsen und Felsformationen auf. Am bekanntesten sind Most Skalny („Felsbrücke“), Skalne Bramy („Felsentore“) und Starościńskie Skały („Mariannenfels“). Nach der Hohen Tatra ist der Landeshuter Kamm das beliebteste Kletterrevier in Polen. Ferner gibt es im Osten des Massivs, in der Nähe der Ortschaft Wieściszowice (Rohnau), die Kolorowe Jeziorka („Farbige Seen“) – drei Seen, die auf natürliche Weise durch Sickerung in den alten Schürfgruben Hoffnung, Gustav und Neues Glück aus dem 18. Jahrhundert entstanden sind. Metalloxide bewirken, dass ihr Wasser jeweils purpurrot, grün und azurblau schimmert. Im Landeshuter Kamm steht die älteste Bergbaude der Sudeten, die Schweizerei (poln. Szwajcarka) von 1823. Die touristische Erschließung ist umfassend, das Netz der Wanderwege ausgesprochen dicht. Die Gipfel und Pässe bieten einige der schönsten Aussichten auf das Riesengebirge im Südwesten und das Waldenburger Bergland im Osten.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Stary Trakt Kamiennogórski, eine alte, für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrte und kühn angelegte Landstraße über die Przełęcz pod Bobrzakiem (Pass, 805 m) im südlichen Hauptkamm, die 1778 erbaut wurde und sich bis heute in ihrem historischen Zustand erhalten hat. Einst fuhren hier die Postkutschen von Breslau über Schweidnitz (Świdnica) nach Hirschberg (Jelenia Góra) entlang. Die bekannteste Ortschaft des Landeshuter Kamms ist Karpniki (Fischbach) an der Süd-Westflanke der Falkenberge, wo sich ein Schloss (ehemalige Sommerresidenz des preußischen Prinzen Wilhelm von Preußen) befindet. Ganz in der Nähe liegt Bukowiec (Buchwald), einst Sitz der Familie von Reden, mit idyllischem Landschaftspark sowie Kowary (Schmiedeberg) mit den Sanatorien in Hohenwiese (Wojków).

Berge und Felsformationen

Über den Landeshuter Kamm führt der Grzbietowa Droga (Kammweg), im nördlichen Abschnitt mit blauer Markierung, im südlichen Abschnitt mit gelber Markierung.Messtischblatt Nr.5161, Kupferberg (abgerufen am 29. Juli 2016)

Berge / Felsformationen Höhe Lage Bild Berge Bielec – Röhrberg 871 m 100px Bobrzak – Bibers Berg, im südlichen Teil des Kamms 839 m 100px Dzicza Góra – Sauberg 881 m 100px Jańska Góra – Hennings Berg 865 m 100px Kowarska Czuba (oder Chubatka) – Spitzberg, im südlichen Teil des Kamms 731 m 100px Mały Wołek – Kleiner Ochsenkopf 774 m 100px Ostra Mała – Freie Koppe 935 m 100px Rudnik – Leuschner Berg, im südlichen Teil des Kamms 853 m 100px Siodlak – Sattelberg, im südlichen Teil des Kamms 610 m 100px Skalica – Felsberg 748 m 100px Skalnik 945 m 100px Sucha Góra – Dürre Berg 595 m 100px Świnia Góra – Saukamm 751 m 100px Wilczysko – Wolfsberg 100px Wołek – Ochsenkopf 878 m 100px Felsformationen Czartówka (Teufelsfels) 670 m 100px Diabelski Kościół – Teufelskirche 620 m 100px Fajka (Pfeife) 530 m 100px Gąsienica (Raupe) 100px Głaziska Janowickie – Jannowitzer Felsen 100px Kazalnica (Kanzel) 100px Konie Apokalipsy – Friesensteine 930 m 100px Krowiarki – Kuhkeller 100px Malinowa (Himbeere) 100px Miedziane Skaly – Kupferberger Steine 721 m 100px Orzech (Nuss) 100px Owczarek – Schäferstein, im südlichen Teil des Kamms 100px Piec – Backofenstein oder Friedrich-Wilhelm-Stein, benannt nach Prinz Wilhelm von Preußen 570 m 100px Pieklisko (Hölle oder Schmiede) 650 m 100px Poziomkowa (Erdbeere) 100px Rylec (Nadel) 100px Skalne Bramy – Pfortenklippe 620 m 100px Skalny Most (Felsbrücke) 590 m 100px Skały Ścianki – Minzenstein 550 m100px Starościńskie Skały mit Lwia Góra (Löwenberg) 718 m 100px - mit Starościańska Igła (Bürgermeisterin-Nadel) 100px - mit Starościańska Skała – Mariannenfels, benannt nach Prinzessin Marianne von Preußen 100px Strużnickie Skały (Strużnica- oder Neudorfer Felsen) 100px

Weblinks

www.sudety.wroclaw.pl/index/gory/regiony/ID,14 – Landeshuter Kamm: Informationen, Beschreibung und Bilder (polnisch) Landeshuter Kamm (polnisch Rudawy Janowickie)

Einzelnachweise

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