Das Bergwerk Ibbenbüren der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH war eines der zwei letzten deutschen Steinkohlenbergwerke, neben der Zeche Prosper-Haniel. Am 17. August 2018 wurde im Bergwerk zum letzten Mal Kohle gefördert. Das Bergwerk befindet sich im Ibbenbürener Steinkohlenrevier in der Region Tecklenburger Land auf dem Gebiet der Stadt Ibbenbüren und unter der Gemeinde Mettingen (Westfalen) in Nordrhein-Westfalen. Neben dem ehemaligen Abbaugebiet unter der Stadt Ibbenbüren und der Gemeinde Mettingen zählen noch die Ortschaften Hopsten, Hörstel, Recke und Westerkappeln zu den Bergbaugemeinden der Region. Diese Orte waren aufgrund ihrer Wirtschaftsstruktur sehr stark mit dem Bergbau verbunden. Im Bergwerk Ibbenbüren wurde ausschließlich Anthrazitkohle abgebaut, die als Kraftwerks- und Hausbrandkohle geeignet ist. Als besonders stellte sich die positive Identifikation und Verbundenheit der Menschen in der Region mit ihrem Bergwerk dar, die sich auch im täglichen Leben niederschlug.
Geschichte Zusammenschluss der Gruben Das Bergwerk Ibbenbüren geht auf einen Zusammenschluss der Grube Glücksburg mit der Grube Schafberg im Jahr 1846 zurück. Das Bergwerk war bis 1924 in preußischem Staatsbesitz. Zu Beginn umfasste die zusammengelegte Grube Glücksburg den Morgensternschacht und den Beustschacht, beide mit zugehörigen Stollen und Lichtlöchern. Der Name Grube Glücksburg wandelte sich mit der Zeit zum Ostfeld und später dann zu Bergwerk Ibbenbüren.
Als 1852 bekannt wurde, dass die Hannoversche Westbahn durch Ibbenbüren gebaut wird, wurde das Bergwerk auf den erwarteten Absatz von Kohlen an und durch die Eisenbahn ausgerichtet. Schon 1851 wurde mit Bauarbeiten am Von-der-Heydt-Schacht in Erwartung des Bahnbaus begonnen. Dieser Schacht lag im Taleinschnitt der Plane, nur wenige hundert Meter von der späteren Bahnstrecke entfernt, von dort aus entstand eine Kohlenbahn zum nahen Bahnhof Ibbenbüren.
Schachtanlage von Oeynhausen 1858 erkannte man, dass die vorhandenen Anlagen den zukünftigen Bedarf an Kohle nicht decken können, so dass eine Tiefbauanlage projektiert wurde. 1860 wurde mit dem Abteufen des von-Oeynhausen-Schachtes 1 begonnen. Gleichzeitig wurde mit dem Vortrieb des Ibbenbürener Förderstollens vom Bahnhof Ibbenbüren aus begonnen.
Aufgrund starker Schwierigkeiten der Wasserhaltung beim Abteufen des Schachtes wurde der Schachtbau dem britischen Ingenieur William Coulson übertragen. Nach großen Schwierigkeiten erfolgte der Durchschlag zum Ibbenbürener Förderstollen 1865 bei 73 Meter Teufe. Die Probleme bei der Wasserhaltung forderten auch bei der Endteufe Tribut. So wurde das Füllort nicht, wie ursprünglich vorgesehen, im Flöz Glücksburg angesetzt, sondern bei geringerer Schachtendteufe von 205,58 m. Da die Wasserhaltung fast den gesamten Schacht einnahm und für die Kohlenförderung kein Platz blieb, entschloss man sich, einen weiteren Schacht nur für die Förderung anzulegen. Dieser wurde 1872 mit einer Teufe von 202,25 m fertiggestellt.
Der Beust-Schacht wurde, nachdem der von-Oeynhausen-Schacht sich selbst mit Kohlen versorgen konnte, 1870 stillgelegt. Die Stilllegung des von-der-Heydt-Schachts erfolgte 1885. Er war überflüssig geworden, da er bereits mit den von-Oeynhausen-Schächten durchschlägig war und ein Tieferteufen nur unnötige Geldmittel verschlungen hätte.
Theodorschacht Mit der Wanderung der Abbaubetriebe im Flöz Glücksburg in Richtung Osten wurden die Anmarschwege für die Belegschaft länger. Um diese wieder zu verkürzen und die Bewetterung zu verbessern, wurde 2,5 km östlich der von-Oeynhausenschächte der Theodorschacht angelegt. Teufbeginn war der 21. August 1888. Benannt wurde der Schacht nach dem Oberberghauptmann Theodor Freund, dem Leiter der Preußischen Bergverwaltung.
Seine ursprüngliche Teufe war 135 m. 1924 wurde der Schacht auf die II. Tiefbausohle tiefergeteuft, 1934 auf die III. Tiefbausohle. Die Schachtanlage erhielt als erste im Ibbenbürener Revier eine Waschkaue.
Ersaufen und Sümpfen des Bergwerks Die schwerste Katastrophe im Ibbenbürener Bergbau ereilte das Bergwerk im Jahr 1894, als sich auf der I. Tiefbausohle in 150 m Teufe ein Wassereinbruch ereignete. In einem bereits abgebauten Bereich in der Nähe der Feldesgrenze des Bergwerks drang durch eine Kluft, die mit der Erzzeche Perm in Verbindung stand, Wasser ein. Diese Wasserzuflüsse waren so gewaltig, dass das Bergwerk innerhalb weniger Wochen bis zur Stollensohle absoff.
Sofort wurden Maßnahmen zur Sicherung der Kohlenförderung unternommen. Der Abbau wurde komplett auf das Flottwellflöz verlagert, das über der Stollensohle lag. Hierzu wurde der Flottwell-Hilfsschacht 100 m nördlich der v. Oeynhausenschächte geteuft. Auch das zweite Ibbenbürener Bergwerk Westfeld wurde ausgebaut.
Zunächst wurde vom Handelsministerium in Berlin die Stilllegung favorisiert. Dies wurde mit der damals nur regionalen Bedeutung gerechtfertigt. Eine Petition auf Initiative des Ibbenbürener Reichstagsabgeordneten Heinrich Wattendorff konnte jedoch erreichen, dass das Bergwerk doch gesümpft wurde.
Zur Sümpfung wurde das gesamte Bergwerk umgebaut und neu gestaltet. Der bisherige Wasserhaltungsschacht von Oeynhausen 1 wurde Förderschacht, der Förderschacht von Oeynhausen 2 Wasserhaltungsschacht. Für die damalige Zeit riesige Pumpen wurden am Schacht 2 eingebaut. Noch heute ist im Bergbaumuseum Ibbenbüren der Haspel zum Einhängen der Pumpengetriebe zu sehen.
Die Tagesanlagen wurden komplett erneuert. Am Bahnhof Ibbenbüren wurde die schon vor dem Wassereinbruch projektierte Kohlenwäsche errichtet, welche über den Ibbenbürener Förderstollen mit dem Bergwerk in Verbindung stand. Die Wasserlösung erfolgte bis dahin über den Dickenberger Tiefenstollen, musste aber wegen dessen zu geringer Leistungsfähigkeit auf den Ibbenbürener Förderstollen umgelegt werden. Neue Klärteiche mussten am Püsselbürener Damm angelegt werden. Diese klärten bis zuletzt das Grubenwasser des Bergwerks.
Die eigentliche Sümpfung begann am 9. Dezember 1896 und dauerte bis zum 12. September 1898 an. Die erste wieder aus Flöz Glücksburg geförderte Kohle wurde am 18. Oktober 1898 durch jubelnde Menschenmassen am Ibbenbürener Förderstollen in Empfang genommen. Die Kohlenwäsche und die Brikettfabrik gingen jedoch erst 1899 in Betrieb. 1905 erfolgte der Bau eines Zechenkraftwerkes, 1912 die Inbetriebnahme des Nike-Kraftwerk Ibbenbüren an der Kohlenwäsche.
Übernahme durch die Preussag mini|Haupteingang mit Gebäuden aus den Jahren 1925 (rechts) bzw. 1927 (Hintergrund) Durch die Verträge von Versailles und die Ruhrbesetzung war die Kohlenförderung in Deutschland 1923 auf einen Tiefstpunkt gefallen. Auch die Lage des Ibbenbürener Ostfeldes war mehr als trostlos. Zwar war die Belegschaft von 1000 Mann in der Kriegszeit auf 1600 im Jahr 1923 angewachsen, trotzdem sank die Förderquote von 300.000 Tonnen pro Jahr auf 200.000 t/a herab. Hauptgrund war die in der Kriegszeit vernachlässigte Aus- und Vorrichtung neuer Kohlenfelder.
Aufgefangen werden konnte der Förderrückgang durch Pachtgruben, die überall im Revier entstanden. Die größte Bedeutung hatten die Zeche Mathilde und Grube Mieke. In Spitzenzeiten waren über 100 dieser Klein- und Kleinstbergwerke in Ibbenbüren aktiv.
Die beiden Zechen Ost- und Westfeld wurden am 1. November 1924 der 1923 gegründeten Preussag übertragen. Diese leitete sofort umfangreiche Modernisierungsschritte ein und begann, neue Flöze für das Bergwerk zu erschließen. Die von Oeynhausenschächte 1 & 2 wurden bis zur III. Tiefbausohle tiefergeteuft. Die Tagesanlagen wurden völlig umgestaltet, eine neue Kohlenwäsche und Brikettfabrik wurde direkt auf dem Gelände der v. Oeynhausenschachtanlage in Betrieb genommen. Eine Zechenbahn zum Bahnhof Esch und ein neues Kesselhaus wurden errichtet. Die Fördermaschine sowie das Schachtgerüst des von Oeynhausen-Schachtes 1 wurden erneuert. Diese Arbeiten zogen sich bis 1928 hin.
Nachdem die Kohlenwäsche und die Zechenbahn fertiggestellt waren, wurden die Aufbereitung, Brikettierung und Verladung im Ibbenbürener Bahnhof stillgelegt. Zeitgleich wurde der Betrieb des Ibbenbürener Förderstollens eingestellt, der seither nur noch der Entwässerung der Grube dient. Statt der bisherigen hölzernen Förderwagen mit 39 cm Spurweite wurden nun eiserne mit 60 cm Spurweite eingesetzt.
mini|Fördergerüst des von Oeynhausenschachtes 3 Schon 1920 wurde der Nordschacht projektiert, jedoch zugunsten eines dritten von Oeynhausenschachtes fallengelassen. Im Februar 1930 wurde der erste Spatenstich für den neuen von Oeynhausenschacht 3 gemacht. Dieser wurde bis zur III. Tiefbausohle mit 6,20 m Durchmesser geteuft und mit 338 m am 5. September 1931 durchschlägig.
Der von Oeynhausenschacht 3 erhielt eine Dampffördermaschine mit 1500 PS Leistung. Als er im Mai 1932 die Förderung aufnahm, wurde auch die Seilfahrt hierher verlegt. Ein 1896 gebauter Schornstein wurde mit dem noch heute prägenden Wasserbehälter zum Wasserturm umgebaut.
Unter Tage wurden die Flöze Reden und Theodor neu vorgerichtet.
Erfindung des Schälschrappers und des Kohlenhobels mini|Denkmal des auf dem Bergwerk erfundenen Kohlenhobels am Bahnhof Ibbenbüren Die mechanische Kohlegewinnung wurde auf dem Bergwerk Ibbenbüren entscheidend weiterentwickelt. Bei Versuchen wurden erste Erfolge mit der schälenden Gewinnung erzielt. Infolgedessen wurde 1941 in der Betriebswerkstatt des Oeynhausenschachtes der erste Kohlenhobel gebaut und erfolgreich unter Tage erprobt.
Nachdem der Kohlenhobel ständig verbessert wurde, wurde er am 24. März 1942 in Berlin zum Patent angemeldet. Der Strebfortschritt konnte von 1,49 m/Tag auf 3,00 m/Tag gesteigert werden. Die Schichtleistung stieg von 3,6 t auf 7,6 t je Mann und Schicht. An der Entwicklung des Kohlenhobels hatte der Maschinenfahrsteiger Konrad Grebe maßgeblich mitgewirkt. Der gebürtige Saarländer war seit 1931 auf dem Bergwerk Ibbenbüren angelegt.
Auch der Schälschrapper, ein weiterentwickelter Kohlenhobel mit Schrapperanbau, wurde in Ibbenbüren entwickelt. Er wurde speziell auf Flöze geringer Mächtigkeit ausgerichtet.
Das Bergwerk wurde von direkten Kriegshandlungen nicht betroffen. Durch den Stromausfall in den letzten Kriegstagen soffen einige Tiefbaue in den Flözen Reden und Glücksburg ab. Einzig das Turmfördergerüst des Morgensternschachtes wurde von herannahenden britischen Streitkräften beschossen, weil sie es für eine Radarstation hielten.
Nordschacht und Sprung in die Teufe mini|Das auf Mettinger Gebiet liegende Nordschacht-Gelände In den 1950er Jahren setzte sich der Aufwärtstrend des Bergwerkes weiter fort. Der von Oeynhausenschacht 1 wurde weitere 60 Meter bis zu seiner heutigen Endteufe tiefergeteuft. Der von Oeynhausenschacht 3 wurde bis 1962 in Schritten bis zu seiner Endteufe 832 m (−672 m NN) auf der 4. Sohle geteuft. Die Flöze 1, 1a und 2 wurden so erschlossen. Am Standort der von Oeynhausenschachtanlage wurde 1954 das Preussag Ballastkraftwerk Ibbenbüren zur Verstromung der Ballastkohlen in Betrieb genommen.
1951 wurde in der Nähe der ehemaligen Schachtanlage Perm des Erzbergbaus in Laggenbeck der Notbergbau Perm eröffnet. Über einen Schrägstollen wurde hier bis 1960 Kohle gefördert, um den Kohlenmangel in Westdeutschland zu mildern.
Das umfangreichste Projekt der 50er Jahre war die Anlegung des Nordschachtes bei Mettingen. Der Abbau der Kohle verlagerte sich immer weiter nach Norden und in immer größere Teufe, da die Flöze nach Norden hin einfallen. Für die Förderung, Fahrung, Wetterführung und Wasserhaltung ergaben sich mittlerweile große Probleme.
1953 wurde mit dem Teufen des Nordgesenks von der 3. Sohle aus begonnen. Von über Tage aus wurde mit dem Teufen des Nordschachtes am 9. Juli 1956 begonnen. Dieser wurde mit dem Nordgesenk im November 1957 durchschlägig. Das Gesenk hatte mittlerweile das Niveau des Flözes Theodor erreicht. Die vorläufige Endteufe wurde im Flöz 2a 1960 mit 807,65 m erreicht.