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] } mini|Staatstheater am Saarufer bei Nacht mini|Saarländisches Staatstheater, Position im Stadtmodell Das Saarländische Staatstheater ist ein Mehrspartentheater in der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken mit jährlich rund 30 Premieren und Neuproduktionen, über 700 Veranstaltungen und mehr als 200.000 Besuchern. In den Spielstätten Staatstheater (Großes Haus), Alte Feuerwache, Congresshalle und sparte4 werden Opern, Schauspiele, Ballettvorführungen sowie Konzerte aufgeführt.
Geschichte des Saarländischen Staatstheaters mini|Saarbrücken, Das im Jahr 1786 von Balthasar Wilhelm Stengel errichtete klassizistische Komödienhaus am Ludwigsplatz Ancien Régime Vor der Französischen Revolution bestanden in Saarbrücken drei verschiedene Spielstätten für Theateraufführungen: das Schlosstheater im Saarbrücker Schloss, das im Jahr 1786 neuerrichtete Komödienhaus am Ludwigsplatz sowie das Freilichttheater auf dem Malstatter Ludwigsberg (Ehemalige Parkanlage Schloss Ludwigsberg).
Das Komödienhaus am Ludwigsplatz orientierte sich an den Formen des modernen französischen Theaterbaues. Waren Theaterbauten vorher in bestehende Häuserfluchten eingebunden gewesen, so wurden sie nun als monumentale Baukörper gestaltet. Theaterfassaden, die sich vorher gestalterisch an Wohnbauten anlehnten, griffen nun die architektonischen Würdeformen hochrangiger Bauaufgaben auf. Tempelfronten mit kolossalen Säulen wiesen die neuen Theater als antike Tempel und quasi sakrale Heimstätten Apolls und der Musen aus. Die Innenräume wurden als monumentale Auditorien gestaltet.Michael Hesse: Klassische Architektur in Frankreich; Kirchen, Schlösser, Gärten, Städte, 1600–1800. Darmstadt 2004, S. 141. Das Saarbrücker Komödienhaus entsprach in seiner Gestaltung ganz dieser Reformidee und zitiert in vereinfachten Formen die Architektur des Pariser Théâtre de la Comédie-Française (heute Odéon – Théâtre de l’Europe), das König Ludwig XVI. im Jahr 1779 in Auftrag gegeben hatte.
Zu dieser Zeit amtierte als Theaterdirektor August Wilhelm Iffland. Die Stadt Saarbrücken verlieh ihm am 5. Februar 1790 das Ehrenbürgerrecht. Die Bühnenbauten oblagen dem Saarbrücker Hofarchitekten Balthasar Wilhelm Stengel. Als Schauspieler fungierten die Mitglieder der Hofgesellschaft. Durch die Französische Revolution brach das höfische Theaterwesen zusammen und das im klassizistischen Stil errichtete Komödienhaus wurde im Jahr 1800 abgerissen.Peter Burg: Saarbrücken im revolutionären Wandel (1789–1815). In: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 1: Von den Anfängen zum industriellen Aufbruch (1860). Saarbrücken 1999, S. 455–518, hier: S. 504–505.
Preußische Zeit mini|Saarbrücken-St. Johann, Apollo-Theater, um 1900 In der preußischen Folgezeit übernahmen bürgerliche Vereine, Bergmannskapellen sowie Militärmusikkorps das Musik- und Theaterleben an der Saar, das durch mehrere Besuche des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. sowie des Prinzen bzw. Prinzregenten Wilhelm, des späteren deutschen Kaisers, gefördert wurde. Allerdings existierte zu dieser Zeit kein eigenes Theatergebäude, so dass Aufführungen in der ehemaligen fürstlichen Reitbahn neben dem Hofbräuhaus in der Talstraße stattfanden. Ein Versuch zur Errichtung eines neuen Theaters im Jahr 1849 scheiterte. Da die Reitbahn ab den 1850er Jahren zunehmend militärisch genutzt wurde, behalf man sich durch die Anmietung von Tanzsälen. Im Jahr 1859 entstand der Wilhelmssaal, der den Theatervereinen „Thalia“ und „Ibicus“ als Spielstätten diente. Seit dem Jahr 1819 fanden jährlich im Sommer Aufführungen von Theaterensembles aus allen Teilen des deutschsprachigen Raumes und des Auslandes statt, die dadurch die spielfreie Zeit ihrer eigenen Häuser nutzten.Peter Burg: Saarbrücken im Aufstieg zum Zentrum einer preußischen Industrieregion (1815–60). In: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 1: Von den Anfängen zum industriellen Aufbruch (1860). Saarbrücken 1999, S. 519–616, hier: S. 596–600. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden in den beiden Saarstädten zahlreiche private Gaststätten mit großen Theatersälen, so etwa das Apollo-Theater in der Kohlwaagstraße.Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken. Dillingen/Saar 2009, S. 357.
Städtischer Saalbau mini|Saarbrücken, Der im Jahr 1897 errichtete Saalbau am Neumarkt, links die Markthalle Einen Aufschwung erlebte das Saarbrücker Musikleben mit dem Bau des städtischen Saalbaues am Saarbrücker Neumarkt im Jahr 1897 mit seinen 1400 Plätzen. Ab dem Jahr 1884 wurden regelmäßige Gastauftritte des Darmstädter Hoftheaters veranstaltet. Auf private Initiative hin wurde im Jahr 1897 das Thalia-Theater/Stadttheater Saarbrücken im alten Kasinogarten nahe der Eisenbahnstraße erbaut. Es unterhielt erstmals ein ständiges Ensemble.Rolf Wittenbrock: Die drei Saarstädte in der Zeit des beschleunigten Städtewachstums (1860–1908). In: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 2: Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart. Saarbrücken 1999, S. 11–130, hier: S. 105–107.
Im Jahr 1922 erfolgte auf Initiative des Saarbrücker Bürgermeisters Hans Neikes die Gründung der „Gemeinnützigen Theater- und Musikgesellschaft“, die die bisherigen bürgerlichen Privatinitiativen weitgehend in kommunale Hand überführte.Paul Burgard und Ludwig Linsmayer: Von der Vereinigung der Saarstädte zum Abstimmungskampf (1909–35). In: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 2: Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart. Saarbrücken 1999, S. 131–242, hier: S. 225–227. Träger der Gesellschaft waren die Stadt Saarbrücken, der Deutsche Bühnenverein, der Theaterverein, die Besitzer des Theatergebäudes, der Bühnenvolksbund sowie die Vereinigung Freie Volksbühne. Der Theaterbetrieb erhielt Zuschüsse aus städtischer Hand sowie beachtliche Fördermittel der Reichsregierung in Berlin, um Saarbrücken als Bastion deutscher Kulturpolitik zu positionieren und das Saargebiet gegen Französisierungsbestrebungen der Regierung in Paris sowie der Regierungskommission des Saargebietes abzuschotten. Die beiden Besucherorganisationen Bühnenvolksbund (gegründet 1920) und Freie Volksbühne (gegründet 1921) rekrutierten zu dieser Zeit annähernd 10.000 Mitglieder.Paul Burgard und Ludwig Linsmayer: Von der Vereinigung der Saarstädte zum Abstimmungskampf (1909–35). In: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 2: Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart. Saarbrücken 1999, S. 131–242, hier: S. 225–227.
Stadttheater in der Stengelstraße mini|Saarbrücken, Stadttheater in der Stengelstraße Zentraler Spielort war das Theatergebäude in der Stengelstraße, wo sich heute der rückwärtige Teil der Saarländischen Staatskanzlei befindet. Das Theatergebäude war im Jahr 1897 von Hans Peter Weszkalnys in einem historistischen Mischstil aus Formen der Gotik und der Renaissance errichtet worden und verfügte über 500 Plätze. Der Theaterneubau wurde am 18. Februar 1897 mit der Oper Mignon von Ambroise Thomas feierlich eröffnet. Ab dem Jahr 1899 nannte sich das Saarbrücker Theater Thalia-Theater nach der altgriechischen Muse des Glücks und der Feste, Thalia.Paul Peters: Saarländisches Staatstheater. hrsg. vom Ministerium für Kultus, Bildung und Wissenschaft des Saarlandes und dem Saarländischen Staatstheater, Saarbrücken 1989 (Festschrift zur Wiedereröffnung des Großen Hauses des Saarländischen Staatstheaters am 29./30. April 1989), S. 36. Bald stellten sich an dem Gebäude technische und platzmäßige Mängel ein, sodass im Jahr 1906 erstmals Planungen zum Neubau eines Theaters begannen. Hinsichtlich der Standortfrage gab es Streitigkeiten: Die Stadt Saarbrücken wollte einen Neubau zwischen dem Ludwigsplatz und der Saar errichten, die Stadt St. Johann an der Saar präferierte einen Standort am späteren Beethovenplatz, während der Ortsverein des Bundes Deutscher Architekten den Standort des heutigen Staatstheaters auf der alten St. Johanner Bleiche vorschlug. Nach der Vereinigung der drei bis dahin selbständigen Saarstädte Saarbrücken, St. Johann a. d. Saar und Malstatt-Burbach im Jahr 1909 erweiterte Architekt Hans Peter Weszkalnys nochmals seinen Theaterbau von 500 auf 700 Plätze.Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken. Dillingen/Saar 2009, S. 337–340. Von 1919 bis 1922 war Heinz Tietjen am Saarbrücker Theater als Intendant tätig.Festschrift Gautheater Saarpfalz Saarbrücken. 9. Oktober 1938, Sonderheft der `Blätter des Gautheaters Saarpfalz´, hrsg. vom Intendant des Gautheaters Saarpfalz, Saarbrücken 1938, S. 29. Mit der Eröffnung des Baumgartenschen Gau-Theaters am St. Johanner Saarufer wurde das Thalia-Theater/Stadttheater in der Saarbrücker Stengelstraße ab dem Jahr 1938 zu einem Varieté-Theater umgewidmet.Paul Peters: Saarländisches Staatstheater. hrsg. vom Ministerium für Kultus, Bildung und Wissenschaft des Saarlandes und dem Saarländischen Staatstheater, Saarbrücken 1989 (Festschrift zur Wiedereröffnung des Großen Hauses des Saarländischen Staatstheaters am 29./30. April 1989), S. 36.
Einflussnahme der NSDAP Konzerte fanden im Städtischen Saalbau am Neumarkt statt. Nachdem die NSDAP seit dem Jahr 1931 Ensemble- und Orchestermitglieder sowie den Intendanten Georg Pauly und den Generalmusikdirektor Felix Lederer aufgrund ihrer jüdischen Herkunft zunehmend angriff, verließen diese ihre Positionen. Lederer musste im Jahr 1935 nach dem Anschluss des Saargebietes an das Deutsche Reich wie alle übrigen jüdischen Theatermitglieder Saarbrücken verlassen. In der Festschrift zur Eröffnung des Saarbrücker Theaters im Jahr 1938 heißt es diesbezüglich:Festschrift Gautheater Saarpfalz Saarbrücken. 9. Oktober 1938, Sonderheft der `Blätter des Gautheaters Saarpfalz´, hrsg. vom Intendant des Gautheaters Saarpfalz, Saarbrücken 1938, S. 29.
Zusätzlich zu seiner Entlassung erhielt Lederer von der Reichstheaterkammer ein Berufsverbot. Nur die Ehe mit seiner „arischen“ Frau Dora ermöglichte ihm in Berlin das Überleben der NS-Judenverfolgung unter schwierigen Bedingungen. Im Jahr 1952 dirigierte Felix Lederer schließlich im Alter von 75 Jahren das Jubiläumskonzert zum vierzigjährigen Bestehen des Saarbrücker Orchesters.Ursula Thinnes: Aufbruch nach 1945. In: Dagmar Schlingmann, Harald Müller (Hrsg.): Grenzenlos. 75 Jahre Saarländisches Staatstheater. Berlin 2013, S. 50–57, hier S. 53.
Adolf Hitler hatte am 1. Mai 1935, dem Tag des Anschlusses des Saargebietes/Saarlandes an das Deutsche Reich einen Theaterneubau als Anerkennung der „Treue des Saarvolkes“ in Aussicht gestellt. Mit der Umsetzung des Unternehmens beauftragte er Paul Baumgarten.Hans-Walter Herrmann: Saarbrücken unter der NS-Herrschaft. In: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 2: Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart. Saarbrücken 1999, S. 243–338, hier: S. 318–320. mini|Dessau, Anhaltisches Theater, Seitenansicht, NS-„Parallelbau“ des Saarbrücker Theaters Der Baumgartensche Theaterbau in Saarbrücken und das Theater Dessau wurden zur gleichen Zeit geplant, gebaut sowie eröffnet und weisen eine sich stark ähnelnde Formensprache auf. Allerdings sind die runden Formen des Saarbrücker Theaterbaues in Dessau ins Rechteckige umgeformt. Ebenso fehlen in Dessau die Schieferdächer, die das Saarbrücker Theater in fast behäbig-biedermeierlicher Manier in das altstädtische Umfeld St. Johanns einbinden.