Unter der Österreichischen Energiewirtschaft versteht man den Energieverbrauch, die Energieumwandlung, den Energiehandel sowie Abbau von und Reserven an Energieträgern, welche für die Republik Österreich von Bedeutung sind.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betrug der Bruttoinlandsverbrauch im Jahre 2010 genau 404.906 GWh oder 1.458 Petajoule, wovon rund 502 PJ im Inland erzeugt wurden. Der Anteil erneuerbarer Energie am Bruttoinlandsverbrauch beträgt 30,8 %.

Österreich ist auf den Import von Energie und Energieträgern angewiesen, vor allem bedarf es zum Betrieb fast aller Verbrennungskraftmaschinen Erdgas und Erdöl. Im internationalen Energiehandel kommt dem Land innerhalb Europas eine bedeutende Rolle als Transitland zu, da ein großer Teil der Importe Westeuropas aus dem Nahen Osten, den Vorkommen in der Kaukasus-Region und den Vorkommen in Russland Österreich durchqueren, insbesondere durch die Transalpine Ölleitung.

Im Jahr 2016 betrug die inländische Erdgasgewinnung 1,25 Milliarden Kubikmeter und die Erdölförderung 0,81 Millionen Tonnen.

Geschichte Eine große Rolle spielte das Erdöl. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland (1938) wurde umgehend die Erdölaufsuchung und -förderung intensiviert, wodurch die Erdölförderung in den Jahren des Zweiten Weltkriegs auf ein in Österreich seither nicht mehr da gewesenes Ausmaß zunahm. Zu dieser Zeit gab es diverse Kleinraffinerien wie die in KorneuburgGasolin (Tankstellenkette)#In Österreich oder auch die Raffinerie Vösendorf. Erst von 1958 bis 1961 wurde die OMV-Raffinerie Schwechat zu einer Großraffinerie ausgebaut. Auch in der Besatzungszeit nach dem Krieg durch die Alliierten Großmächte wurde heimisches Erdöl zum Politikum, da die Sowjetunion die großteils in ihrer Zone befindlichen Erdölvorkommen auch für die Zeit nach der Besatzung der sowjetischen Wirtschaft eingliedern wollte.

Rechtliche Grundlagen

Seit Beginn der 2020er werden vermehrt Gesetze beschlossen, die die rechtlichen Grundlagen der Energiewirtschaft verändern. Dies geschieht unter dem Eindruck und dem Ziel der Energiewende. Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz 2021 sollte den Ausbau erneuerbarer Energien in Österreich verstärken. Seit Februar 2024 ist durch das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG) der Einbau von Heizungen auf Basis von Öl, Kohle oder Flüssiggas in Neubauten nicht mehr zulässig. Mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz wurde im Dezember 2025 ein Rechtsrahmen beschlossen, in dem Endkunden im Strommarkt neue Rechte zugeschrieben wurde. Einspeiser wurden verpflichtet, einen Versorgungsinfrastrukturbeitrag zu leisten.

Energieverbrauch

mini|Anteil der Energieträger am Bruttoinlandsverbrauch (inkl. Importe) von 1974 bis 2006Abbildung 1: Energieträgermix des Bruttoinlandsverbrauchs von 1974 bis 2004, Austrian Energy Agency lang=de|mini|Anteil der Energieträger am energetischen Endverbrauch (2004) Österreich hat sich im Rahmen des EU Klima- und Energiepaketes 2020 verpflichtet, den Anteil erneuerbarer Energie im nationalen Energiemix auf 34,0 % zu steigern. Der Anteil erneuerbarer Energie gemäß EU-Richtlinie 2009/28/EG reduzierte sich in Österreich im Jahr 2017 laut Statistik Austria (2018) jedoch um 0,5 Prozentpunkte auf 32,6 %, da der Verbrauch an fossiler Energie in diesem Jahr deutlich stärker wuchs, als das Aufkommen an erneuerbarer Energie. Der gesamte Energieverbrauch in Österreich betrug 2017 400.515 GWh oder 1.442 PJ und war damit um 2,0 % höher als im Jahr 2016.

Der Energiemix des gesamten Energieverbrauchs setzte sich wie folgt zusammen: + Energiemix des gesamten Energieverbrauchs Energieträger Anteil 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Bruttoinlands­verbrauchin GWh 404.906 396.474 394.662 395.804 383.559 391.527 398.716 400.515 395.098 Erdöl 37 % 35,9 % 35,4 % 36,2 % 36,6 % 36,1 % 36,2 % 35,7 % 36,8 % Erdgas 24,5 % 23,3 % 22,0 % 20,6 % 19,5 % 20,4 % 20,9 % 22,6 % 21,9 % Kohle 9,7 % 10,2 % 9,7 % 9,7 % 9,1 % 9,6 % 8,8 % 9,1 % 8,3 % Holz und brennbare Abfälle 6,4 % 6,7 % 6,3 % 6,2 % 5,9 % 6,3 % 6,4 % 5,9 % 5,9 % Biogene Brenn- und Treibstoffe 10,9 % 11,8 % 13,1 % 12,8 % 13,3 % 13,0 % 13,1 % 12,4 % 11,3 % Wasserkraft 9,5 % 8,6 % 11,1 % 10,6 % 10,7 % 9,5 % 10,0 % 9,6 % 9,6 % andere Erneuerbare 1,4 % 1,5 % 1,7 % 2,0 % 2,3 % 2,6 % 2,8 % 3,2 % 3,9 %

+ Energiemix des Bruttoinlandsverbrauchs Energieträger Anteil 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Bruttoinlandsverbrauchin Petajoule 1 451,1 1 347,8 1 426,4 1 355,0 1 332,0 1 310,1 Öl 37,1 % 34,1 % 34,5 % 35,0 % 35,7 % 35,5 % Gas 22,1 % 22,7 % 22,7 % 21,3 % 18,5 % 18,6 % Kohle 8,3 % 7,6 % 7,6 % 7,5 % 7,7 % 7,6 % Brennbare Abfälle 1,8 % 2,2 % 1,9 % 2,2 % 2,1 % 2,1 % Biogene Energien 15,8 % 17,4 % 17,3 % 17,4 % 18,8 % 18,2 % Umgebungswärme 1,7 % 1,9 % 1,9 % 2,1 % 2,4 % 2,6 % Wasserkraft 10,1 % 11,2 % 9,8 % 9,2 % 11,0 % 12,6 % Wind 1,8 % 1,8 % 1,7 % 1,9 % 2,2 % 2,5 % PV 0,4 % 0,5 % 0,7 % 1,0 % 1,6 % 2,1 % Nettostromimporte 0,8 % 0,6 % 1,9 % 2,3 % 0 % 0 %

Die österreichische Primärenergieerzeugung setzte sich 2024 wie folgt zusammen: 42,4 % Biogene Energien 29,1 % Wasserkraft 6,0 % Umgebungswärme 5,9 % Wind 4,9 % Brennbare Abfälle 4,9 % PV 3,5 % Öl 3,4 % Gas 0 % Kohle (Kohleförderung wurde 2005 eingestellt)

Der Anteil erneuerbarer Energien im Bereich der österreichischen Primärenergieerzeugung betrug 2023 87,6 %.

Im Zeitraum 1970 bis 2004 hat sich der österreichische Energieverbrauch (im Verkehr, zur Stromerzeugung, zur Wärmeerzeugung...) beinahe verdoppelt. Der Erdgasverbrauch hat sich im selben Zeitraum vervierfacht, jener von elektrischer Energie fast verdreifacht. Erneuerbare Energie stieg um 157 % und Öl um 62 %. Nach einem Verbrauchsrückgang in den 1980er Jahren und einer Stagnation bis Anfang der 1990er Jahre stieg der Ölverbrauch seit 1973 vor allem aufgrund des starken Anstiegs um die Jahrtausendwende noch um rund 30 %. Dagegen ging der Kohleverbrauch um 74 % zurück., Austrian Energy Agency

2004 betrug der Anteil russischen Erdgases in der österreichischen Versorgung 58,6 %. Knapp ein Fünftel (19,7 %) konnte Österreich selbst fördern, 12,6 % stammten aus Deutschland, und die restlichen 9,1 % wurden aus Norwegen importiert. Im Falle eines Lieferausfalls von ausländischem Erdgas kann Österreich laut Angaben der OMV und RAG die Gasversorgung für zwei bis drei Monate durch eigene Erdgasspeicher sicherstellen.

Der energetische Endverbrauch – der Inlandsstromverbrauch – betrug 2003 59.354 Gigawattstunden (GWh). Dieser war um 5,3 Terawattstunden (TWh) oder rund 10 % höher als noch 2002, was nach einem 7,1%igen Anstieg von 2000 auf 2001 den zweitgrößten Anstieg innerhalb eines Jahres ausmachte. Dies ist fast ausschließlich auf Verbrauchsanstiege im produzierenden Wirtschaftssektor zurückzuführen, der im Vergleich zu 1970 allerdings immer noch um 23 % weniger Anteil am gesamten Stromverbrauch Österreichs hat, da der Verbrauch in der Industrie nicht so stark anstieg, wie der Verbrauch in Privathaushalten und Dienstleistungsunternehmen.

Stromerzeugung mini|hochkant=1.3|Entwicklung der Stromproduktion nach Energieträger Zwischen 59 und 67 % der österreichischen Stromerzeugung können aus Wasserkraft erzeugt werden (2017–2021). Ende 2021 existieren 3107 Wasserkraftwerke (2992 Laufkraftwerke und 115 Speicherkraftwerke) mit einer installierten Gesamtleistung von rund 14,7 GW. Rund 13 % der Erzeugung aus Wasserkraft tragen Kleinstwasserkraftwerke (bis 10 MW) bei, welche fast 95 % der Kraftwerke ausmachen, aber weniger als 10 % zur installierten Gesamtleistung beitragen.

Zudem deckt die Windenergie einen immer größeren Anteil am Strombedarf. Insgesamt waren Ende 2023 1.426 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 3.885 MW in Betrieb. Näheres zur Verteilung der Windkraftanlagen in Österreich und zu ihrem Beitrag zur Stromversorgung siehe im Artikel Windenergie.

Auch die Sonnenenergie (PV-Anlagen) trägt einen immer größeren Anteil zur Stromerzeugung bei. 2021 waren es bereits 2,45 %.

Feste oder flüssige Biomasse (Ökostrom) trug 2021 4,56 % zur Stromerzeugung bei, Biogas (ebenfalls Ökostrom) 1,40 %.

Die letzten Steinkohlekraftwerke wurden 2020 abgeschaltet und haben deshalb keinen Anteil mehr in der österreichischen Stromerzeugung, wobei das Fernheizkraftwerk Mellach infolge der Russischen Invasion in die Ukraine 2022 wieder Betriebsbereit gemacht wird. Das Kraftwerk Voestalpine Linz wird mit Gichtgas und Kokereigas aus der eigenen Kokerei (und zusätzlich mit Erdgas) betrieben, also Weiterverarbeitungsprodukte von Kohle. Da dieser Strom aber zur Gänze im eigenen Voestalpine-Werk in Linz verbraucht wird, scheint er im österreichischen Strommix nicht auf.

Erdöl und dessen Produkte (Heizöl) werden hauptsächlich als Reserveenergieträger zur Versorgungssicherheit eingesetzt und hatten 2021 keinen Anteil in der österreichischen Stromerzeugung. Das OMV-eigene Heizkraftwerk der Raffinerie Schwechat verwendet flüssige und gasförmige Mineralölprodukte aus der eigenen Raffinerie. Da dieser Strom aber zur Gänze im eigenen Werk in Schwechat verbraucht wird, scheint er im österreichischen Strommix nicht auf.

Erdgas trägt je nach Schwankungen in der Stromproduktion der Laufkraftwerke rund 10 bis 20 % zur heimischen Stromerzeugung bei.

Auf Grund des Atomsperrgesetzes sind in Österreich keine Kernkraftwerke in Betrieb.

Österreichischer Strommix Der nationale Strommix setzt sich aus den eingesetzten Herkunftsnachweisen zusammen und weicht daher von der Stromerzeugung in Österreich ab. Einen Überblick über die erneuerbare Stromerzeugung in Österreich findet man hier (Erneuerbare Energien in Österreich). + Durchschnittlicher Strommix Österreich Energieträger Anteil 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 20202021202220232024 Bekannte erneuerbare Energieträger 67,40 % 64,43 % 74,53 % 78,58 % 89,10 % 86,73 % 86,74 % 83,71 % 76,57 % 81,38 % 85,88 % 85,39 % 83,72 % 84,73 % 86,52 % Bekannte fossile Energieträger 17,60 % 21,41 % 17,91 % 14,35 % 10,36 % 12,89 % 12,86 % 16,11 % 23,00 % 18,16 % 13,51 % 14,28 % 15,98 % 15,22 % 13,42 % Bekannte sonstige Primärenergieträger 0,30 % 0,27 % 0,31 % 0,27 % 0,26 % 0,38 % 0,40 % 0,19 % 0,42 % 0,47 % 0,61 % 0,33 % 0,28 % 0,05 % 0,06 % Bekannte Nuklearenergie — — — — 0,00 % 0,00 % 0,00 % 0,00 % 0,00 % 0,00 % 0,00 % 0,00 % 0,02 % 0,00 % 0,00 % Strom aus unbekannter Herkunft, ENTSO-E 14,70 % 13,89 % 7,25 % 6,80 % 0,27 % — — — — — — — — — —

Der Stromanteil unbekannter Herkunft setzt sich aus folgenden Posten zusammen: +Stromanteil unbekannter Herkunft Energieträger Anteil 2010 2011 2012 2013 2014 Wasserkraft 16,94 % 15,35 % 16,76 % 17,84 % 18,51 % Fossile Brennstoffe 48,92 % 48,81 % 46,14 % 43,25 % 40,51 % Nuklearenergie 26,61 % 26,74 % 25,80 % 26,11 % 26,35 % Erneuerbare Energieträger 7,21 % 8,77 % 10,95 % 12,48 % 14,33 % Sonstige Primärenergieträger 0,32 % 0,33 % 0,35 % 0,32 % 0,30 %

Damit ergibt sich näherungsweise folgende detaillierte Auflistung des österreichischen Strommixes: