mini|Patrick Cramer (2024) Patrick Cramer (* 3. Februar 1969 in Stuttgart) ist ein deutscher Chemiker, Strukturbiologe und Molekularbiologe. Am 23. Juni 2022 wurde er für die Amtsperiode 2023 bis 2029 zum Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft gewählt. Er trat das Amt am 22. Juni 2023 an.Patrick Cramer übernimmt als Max-Planck-Präsident
Leben Patrick Cramer studierte von 1989 bis 1995 Chemie an den Universitäten Stuttgart und Heidelberg.Leopoldina: Curriculum Vitae Patrick Cramer. Abgerufen am 23. Januar 2017. Einen Teil des Studiums absolvierte er als Erasmus-Stipendiat an der University of Bristol in Großbritannien. Die Forschungsarbeiten für seine Diplomarbeit führte er bei Alan Fersht in Cambridge, Großbritannien, durch, wo er die Strukturbiologie und das Laboratorium für Molekularbiologie (LMB) kennen lernte. 1995 schloss er sein Studium an der Universität Heidelberg mit dem Diplom ab. Von 1995 bis 1998 war Cramer als Doktorand in der Arbeitsgruppe von Christoph Müller am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Grenoble, Frankreich tätig. Er promovierte 1998 als Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) an der Universität Heidelberg mit der Dissertation Structure of the human transcription factor NF-κB [NF-kappaB] P52 homodimer DNA complex. In den Jahren 1999–2001 war Cramer als Postdoktorand und Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Labor des späteren Nobelpreisträgers Roger D. Kornberg an der Stanford-Universität in den USA tätig.
Im Jahr 2001 kehrte Patrick Cramer nach Deutschland zurück, wo er eine Tenure-Track-Professur für Biochemie am Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München erhielt. Dort wurde er 2004 zum Ordentlichen Professor für Biochemie und Leiter des Genzentrums ernannt. Cramer leitete das Genzentrum der Universität München für 10 Jahre, von 2004 bis 2013. Cramer war an der Universität München zudem von 2007 bis 2009 als Dekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie, 2010 bis 2013 als Direktor des Fachbereichs Biochemie, 2007 bis 2013 als Mitglied des Forschungsausschusses und 2008 bis 2013 als Sprecher des Sonderforschungsbereiches 464 der Deutschen Forschungsgemeinschaft tätig.
Zum 1. Januar 2014 wurde Patrick Cramer als Direktor an das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen berufen, wo er seither die Abteilung "Molekularbiologie" leitet. Von 2014 bis 2020 war er Mitglied der Perspektivenkommission der Biologisch-Medizinischen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft und zeitweise deren Vorsitzender. Im Jahr 2022 war Cramer auch als geschäftsführender Direktor des neuen Max-Planck-Instituts für Multidisziplinäre Naturwissenschaften tätig, des größten Instituts der Max-Planck-Gesellschaft.
Wirken Patrick Cramer ist vor allem als Grundlagenforscher, Hochschullehrer und Wissenschaftsmanager tätig. Als Postdoktorand in Stanford ermittelte Cramer die dreidimensionale Struktur der RNA-Polymerase II, eines der größten Enzyme im Zellkern. Für „fundamentale Forschungen der molekularen Basis der eukaryotischen Transkription“ erfolgte einige Jahre später die Vergabe des Nobelpreises für Chemie an Roger Kornberg im Jahr 2006.
Das Labor von Patrick Cramer untersucht zum einen die molekularen Mechanismen der Gentranskription in eukaryontischen Zellen. Dazu werden strukturbiologische Methoden verwendet, insbesondere die Röntgenkristallographie und die Kryo-Elektronenmikroskopie. Zum anderen erforscht die Arbeitsgruppe von Patrick Cramer die systemischen Prinzipien der Genregulation in lebenden Zellen mit Hilfe von funktionaler Genomik und Bioinformatik. Cramers Arbeitsgruppe erzeugte die ersten molekular aufgelösten Filme der Transkriptions-Initiation und -Elongation. Patrick Cramer gelang es, sehr große und transiente Multiprotein-Komplexe der Gen-Transkription strukturell aufzuklären, darunter auch Komplexe mit Nukleosomen, den Bausteinen des Chromatins. Zudem entwickelte Cramer Methoden, um fundamentale Aspekte des RNA-Stoffwechsels in Zellen zu analysieren. Cramer trägt zur Entwicklung der molekularen Systembiologie bei, indem er Ansätze der Molekular- und Systembiologie integriert. Das Langzeitziel von Cramer ist es, die Expression und die Regulation des menschlichen Genoms zu verstehen.
Zudem widmet sich Cramer der Entwicklung der Naturwissenschaften in Deutschland und Europa und ist dazu auch in wissenschaftlichen Gremien und Beiräten aktiv. In seiner Zeit in München trug er zum Ausbau der Lebenswissenschaften bei, indem er den Exzellenzcluster "Center for Integrated Protein Science (CIPSM)" mitgründete und den Forschungsneubau "Munich Research Center for Molecular Biosystems (BioSysM)" initiierte. Zudem war Cramer im wissenschaftlich-technischen Beirat der bayerischen Staatsregierung und im Bereich der Bioethik am Institut TTN tätig. Von 2016 bis 2019 hatte Cramer den Vorsitz im Rat (Council) des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL). Von 2017 bis 2022 war Cramer Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Max-Delbrück-Centrums in Berlin. Patrick Cramer ist seit 2018 Vizesprecher des Exzellenzclusters 'Multiscale Bioimaging' an der Universitätsmedizin Göttingen. Von 2020 bis 2022 war Patrick Cramer auch Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Instituto Gulbenkian de Ciência in Lissabon und als Vorsitzender des Kuratoriums der Bayer Science and Education Foundation tätig.
2020 klärte Cramers Gruppe die Struktur der RNA-Polymerase des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 auf und visualisierte, wie das Covid-19-Virus seine aus rund 30.000 Bausteinen bestehende RNA vervielfältigt. In Zusammenarbeit mit der Gruppe von Claudia Höbartner konnte Cramer zudem zeigen, wie die Corona-Medikamente Remdesivir und Molnupiravir die Vervielfältigung der RNA des Covid-19-Virus stören.Warum Remdesivir das Coronavirus nicht vollständig ausschaltet, MPG, 13. Januar 2021Goran Kokic, Hauke S. Hillen, Dimitry Tegunov, Christian Dienemann, Florian Seitz, Jana Schmitzova, Lucas Farnung, Aaron Siewert, Claudia Höbartner, Patrick Cramer, Mechanism of SARS-CoV-2 polymerase stalling by remdesivir, Nature Communications, 12. Januar 2021, Abstract Diese Forschung bietet Ansatzpunkte für die weitere Entwicklung antiviraler Medikamente.
Wirken als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft
Bei Amtsantritt formulierte Cramer drei Handlungsfelder: „Menschen gewinnen und fördern“, „Prozesse und Strategien erneuern“ und „Gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen“.Transformative Wissenschaft für eine Welt im Wandel, Antrittsrede Patrick Cramer, 22.06.2023, Lokhalle Göttingen auf mpg.de abgerufen am 30. Juni 2026
Für die Graduiertenausbildung wurden drei bundesweite Max Planck Schools im Jahr 2025 langfristig gesichert.Dieter Schwarz Stiftung fördert langfristig anwendungsorientierte Grundlagenforschung und innovative Talentschmiede, 13. März 2025 Im April 2025 rief Cramer ein Postdoc-Programm ins LebenSeite Max-Planck-Postdoc-Programm auf mpg.de, das eine Mindestvertragslaufzeit von drei Jahren vorsieht. Betreuungsleitlinien Max-Planck-Postdoc-Programm, PDF Die Zahl der Gruppenleiterinnen im Lise-Meitner-Programm wurde erhöht. Rede des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Professor Dr. Patrick Cramer - Anlässlich der Betriebsräteversammlung der Max-Planck-Gesellschaft 21.03.2024, PDF Im Jahr 2026 wurde die Max Planck School of Biomedical Artificial Intelligence etabliertMax Planck School of Biomedical Artificial Intelligence in den Startlöchern, März 2026 und ein zentrales Alumni-Programm gestartet. Alumnibetreuung in der Max-Planck-Gesellschaft, abgerufen am 30. Juni 2026 In Dresden wurde 2024 das Forschungsprogramm Biomedizinische Künstliche Intelligenz gestartet.„Kräfte weiter bündeln“ - In Dresden entsteht ein neuer Forschungsbereich, der künstliche Intelligenz und Biomedizin verknüpft, 27. November 2024 auf mpg.de Für die Anwendung von KI in der Wissenschaft wurde das Forschungsnetzwerk MP-AIX ins Leben gerufen.Max Planck Artificial Intelligence Network ai.mpg.de
Drei Max-Planck-Institute wurden neu ausgerichtet. Das MPI für Eisenforschung in Düsseldorf wurde zum MPI für nachhaltige MaterialienDie Umbenennung des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung auf wissensregion-duesseldorf.de, das MPI für Gemeinschaftsgüter in Bonn zum MPI für VerhaltensökonomikMax-Planck-Institut mit neuem Fokus und Axel Ockenfels in der Direktion, bei ockenfels.uni-koeln.de 14. Januar 2026 und das MPI zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften wurde zum MPI für Politik- und Sozialwissenschaft. Max-Planck-Institut erforscht nun Gefahren für die Demokratie, 3. April 2026 auf hna.de
Im November 2023 wurden „Handlungsempfehlungen für die Zusammenarbeit mit China“ verabschiedet. Handlungsempfehlungen für die Zusammenarbeit mit China - Ausgestaltung von Prozessen und Strategien zum Risikomanagement in der Max-Planck-Gesellschaft, Senatsbeschluss vom 24. November 2023, PDF Die Zusammenarbeit mit asiatischen Ländern wurde ausgebaut,Special Call for Applications for International Max Planck Centers in Asian Countries, Deadline November 2024, PDF unter anderem durch die Etablierung neuer Max Planck Center in Südkorea,Neues Max Planck Center mit Südkorea vertieft Forschung in der Biomedizin auf IDW-Online, 28. Juli 2025 TaiwanMax Planck-IAS-NTU Center for Particle Physics, Cosmology and Geometry, September 2025, SingapurMit den ersten beiden Max Planck Centern in Singapur ist Max-Planck nun auch in Südostasien präsent, 20. April 2026 auf www.mpg.de und China.Zwei neue Max Planck Center stärken die Forschungspartnerschaft mit China, 14. April 2026 auf www.mpg.de Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 besuchte Cramer Israel.Solidarity trip to Israel - President Patrick Cramer and a small delegation from the Max Planck Society and the Minerva Stiftung traveled to Israel at the End of November 2023, 4. Dezember 2023 auf minerva.mpg.de Im September 2024 wurde ein Büro der Max-Planck-Gesellschaft in Israel eingerichtet.Max-Planck-Gesellschaft eröffnet Präsenz in Israel, 3. Dezember 2024 Das Dioscuri-Programm für Mittel- und Osteuropa wurde 2024 auf Tschechien erweitert.Max-Planck-Gesellschaft fördert junge Wissenschaftler in Tschechien, 14. Dezember 2023, Radio Prague International Den Europäischen Forschungsraum stärken - Von Brain-Drain zu Brain-Gain: Die ersten drei Dioscuri-Zentren in Tschechien feierlich eröffnet, 17. Mai 2024 auf www.mpg.de Im Herbst 2024 reiste Cramer als Teil einer Wissenschaftsdelegation nach Kiew, um der Ukraine Unterstützung zu versichern.Post von Patrick Cramer auf LinkedinBis neue Zeiten anbrechen - Grußwort des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft Professor Dr. Patrick Cramer anlässlich der Auftaktveranstaltung zu den deutsch-ukrainischen Exzellenzkernen, 22. Oktober 2024, im ukrainischen Bildungs- und Forschungsministerium, Kiew, PDF Im April 2025 rief Cramer in Washington das "Transatlantic Program" aus, das die Zusammenarbeit mit US-Institutionen verstärkt und exzellenten Forschern einen sicheren Hafen bietet, die die USA verlassen müssen oder wollen."Selbstzensur darf es nicht geben", Interview mit Cramer 23. Oktober 2025, www.spektrum.deMax Planck Transatlantic Program - Unterstützung für die US-amerikanische Wissenschaft, auf www.mpg.de, 1. August 2025A new chapter in transatlantic partnership - Speech of the President of the Max Planck Society Professor Dr. Patrick Cramer - At the Reception on invitation of the German Ambassador to the United States, Andreas Michaelis, April 7, 2025, Washington, PDF Um die Zusammenarbeit mit Lateinamerika zu vertiefen, wurde u. a. eine Kooperationsvereinbarung mit dem brasilianischen Forschungsrat CNPq geschlossen. Neue Vereinbarungen mit Argentinien und Brasilien unterzeichnet - Max-Planck-Gesellschaft vertieft wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Lateinamerika, 24. Oktober 2025 auf www.mpg.de