mini|200px|Verbrüderungsfeier zwischen Franzosen und der Basler Bevölkerung um den Freiheitsbaum auf dem Basler Münsterplatz am 20. Januar 1798 im Verlauf der Helvetischen Revolution. Kolorierte Radierung von Friedrich Kaiser Friedrich Kaiser (* 21. Januar 1815 in Lörrach; † 13. Oktober 1889siehe „Todtenschau“ in der Illustrirten Zeitung Nr. 2417 vom 26. Oktober 1889, S. 422 im Internet Archive in Charlottenburg) war ein deutscher Historien- und Schlachtenmaler sowie Lithograf.

Leben Kaiser war der zweite Sohn des Landchirurgen Johann Friedrich KaiserDigitalisat der Badischen Landesbibliothek. († 1846) und dessen Ehefrau Frederike geb. Autenrieth († 1854). Der Arzt und Abgeordnete Eduard Kaiser war sein älterer Bruder. Kaiser wurde wahrscheinlich von Christian Meichelt am Lörracher Pädagogium im Zeichnen unterrichtet.Belegt ist, dass sein zwei Jahre älterer Bruder Eduard von Meichelt unterrichtet wurde. Friedrich wollte zunächst Lithograf werden und begann 1833 die Ausbildung in Karlsruhe. Es wird angenommen, dass er 1837 nach Paris kam, wo er durch die Schlachtenbilder Horace Vernets so gefesselt wurde, dass er sich diesem Zweig der Malerei zu widmen beschloss.

Von 1845 bis zur Fertigstellung 1848 dokumentierte Kaiser den Bau des Abschnitts der Rheintalbahn zwischen Schliengen und Efringen in zwölf Zeichnungen.XII Ansichten aus der Umgebung des Isteiner Klotzes längs der Eisenbahn zwischen Schliengen & Efringen im badischen Oberlande. Nach der Natur und auf Stein gezeichnet von Fr. Kaiser. Carlsruhe, Verlag der P. Wagner’schen Lithographie. mini|250x250px|Arbeiter im Tunnel beim Isteiner Klotz Nach einem Aufenthalt in München ging er 1848 zurück nach Karlsruhe. Kaisers Zeichnungen und Gemälde prägen bis heute unsere Vorstellung von den revolutionären Ereignissen in Baden. Einige dieser Werke wurden schon 1848 im Rheinischen Kunstverein in Karlsruhe ausgestellt.

Im Juni 1849 wurde er bei der preußischen Belagerung der Festung Rastatt beim Zeichnen militärischer Aktionen von den Freischaren gefangen und beinahe als Spion erschossen.Eine knappe Schilderung des Vorgangs findet sich bei Eduard Kaiser, S. 273/274.

Kaiser arbeitete für den Verleger Johann Jacob Weber und gehörte zu den Pionieren der Bildberichterstattung. Von 1848 bis 1871 erstellte er Zeichnungen für die Leipziger illustrierten Zeitung – die erste illustrierte Zeitung Deutschlands – über die Badische Revolution 1848/49, den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864, den Deutschen Krieg von 1866 und den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Diese Zeichnungen dienten ihm später auch als Vorlagen für seine Gemälde. Kaiser fertigte seine Zeichnungen auf Papier, aber er übertrug sie teilweise auch selbst auf Holz.Siehe Capdeville/Pollakowski, S. 264. Xylografen machten dann die Holzschnitte oder Holzstiche die als Druckstock dienten.

Werke miniatur|Einzug einer Freischärlerkolonne unter Josef Weißhaar in Lörrach am 20. April 1848 auf dem Weg zur Unterstützung des Heckerzugs beim Gefecht von Kandern.Gustav Struve: Geschichte der drei Volkserhebungen in Baden 1848/1849; Freiburg, 1980, S. 67f., Zitat: „Um so schnell als möglich die Verbindung mit der Heckerschen Schar herzustellen, zog die Weißhaar-Struve’sche Colonne, etwa 700 Mann stark, am folgenden Morgen, Gründonnerstag, den 20. April, nach Lörrach. Daselbst sollte Rast gehalten werden.“Willy Real: Die Revolution in Baden 1848/49 (Stuttgart, 1983), Abb. 3 (zw. S. 64 u. 65) Das Ölgemälde wurde schon wenige Monate später, nämlich im Oktober 1848, im Rheinischen Kunstverein in Karlsruhe ausgestellt. mini|Tempo der Gründerjahre, Bauarbeiten in der Grenadierstraße (heute: Almstadtstraße), um 1875

Einzug der Freischaaren unter Weißhaar in Lörrach (20. April 1848), Ölgemälde, ausgestellt im Oktober/November 1848 in Karlsruhe Einnahme von Staufen (24. September 1848), Zeichnung, ausgestellt im November 1848 in Karlsruhe

Vertreibung der Türken aus Korfu durch Feldmarschall v. d. Schulenburg 1716, Preußische Husaren ziehen über das Schlachtfeld von Belle-Alliance, Das erste Garderegiment in der Schlacht vor Paris (1862), Konradin in der Schlacht bei Tagliacozzo (1863), Lager der Preußen vor Schanze IV bei Düppel (1864, Aquarell), Verwundung des Prinzen Friedrich Karl bei Wiesenthal. Tempo der Gründerjahre (um 1875, Öl auf Leinwand) Kaiser Wilhelm inspiziert eine Geschützposition vor Paris (1879 ausgestellt) Kavallerieattacke preußischer Kürassiere bei Rezonville (1886 ausgestellt)

Sammlung und Würdigung Das Dreiländermuseum beherbergt in seiner Sammlung 88 Werke, darunter Zeichnungen, Ölbilder und Lithographien. Zum 100. Todestag des Malers zeigte das Museum am Burghof (heute Dreiländermuseum) erstmals in einer Sonderausstellung (1. August 1990 – 24. Januar 1991) die Werke des Künstlers. Gerhard Moehring: Friedrich Kaiser der Historien- und Schlachtenmaler. Zu seinem 100. Todestag am 13. Oktober 1990. Sonderdruck, Lörrach 1990. Zum 200. Geburtstag würdigte das Dreiländermuseum Friedrich Kaiser mit der Sonderausstellung Friedrich Kaiser – Zeitzeuge eines unruhigen Jahrhunderts. In der Ausstellung kam auch der ältere Bruder des Künstlers, der Lörracher Arzt und Politiker Eduard Kaiser (1813–1903), mit seinen (1910 publizierten) Lebenserinnerungen über das Großherzogtum Baden im 19. Jahrhundert, zu Wort.Ausstellung 2015: Website Dreiländermuseum. Abgerufen am 24. Dezember 2015.

Das Stadtmuseum Rastatt würdigte seinem Andenken und seiner Berichterstattung über die Badische Revolution 1848/49 mit einer Ausstellung vom 11. November 2017 bis 2. April 2018. Kaiser war zur Zeit der Revolutionsereignisse in Rastatt anwesend und dokumentierte das Geschehen.

Literatur Carola Hoécker: Friedrich Kaiser (1815–1889). Ausstellen in Revolutionszeiten. In: Elisabeth Thalhofer, Andrej Bartuschka (Hrsg.): Es lebe die Freiheit! Menschen in der Revolution 1848/49. Biografiegeschichtliche Porträts. (Schriften des Bundesarchivs; 84). Gebr. Mann, Berlin 2025, ISBN 978-3-7861-2937-0, S. 129–145. Carola Hoécker: Vom Freischärler zum Parlamentarier. Briefe des Reichstagsabgeordneten Marcus Pflüger (1824–1907). Info-Verlag, Bretten 2019, ISBN 978-3-96308-064-7, vor allem S. 15, 18–20, 25–32. Sara Capdeville, Esther Pollakowski: Friedrich Kaiser im Auftrag der Druckmedien. Der Künstler als Bildberichterstatter der Leipziger Illustrirten Zeitung. In: Badische Heimat, Heft 2/2016, S. 260–266 pdf. Sara Capdeville, Esther Pollakowski: Der Lörracher Künstler Friedrich Kaiser – Eine Spurensuche. In: Stadt Lörrach (Hrsg.): Lörrach 2015. Lörracher Jahrbuch, S. 66–71. René Hartmann: Kaiser, Friedrich. in: Bénédicte Savoy, France Nerlich (Hrsg.): Pariser Lehrjahre. Ein Lexikon zur Ausbildung deutscher Maler in der französischen Hauptstadt. Bd. 1: 1793–1843, De Gruyter, Berlin / Boston 2013, S. 135–136. online in der Google-Buchsuche. Gerhard Moehring: Friedrich Kaiser der Historien- und Schlachtenmaler. Zu seinem 100. Todestag am 13. Oktober 1990. In: Das Markgräflerland, Heft 1/1991, S. 67–76 Digitalisat der UB Freiburg Thomas Cathiau: Friedrich Kaiser. In: Friedrich von Weech (Hrsg.): Badische Biographien. Bd. 4, Karlsruhe 1891, S. 214 online in der Badischen Landesbibliothek. Eduard Kaiser: Aus alten Tagen – Lebenserinnerungen eines Markgräflers 1815–1875. Gutsch, Lörrach 1910, Reprint Resin, Weil am Rhein 1981. ISBN 3-923066-07-4.

Weblinks

Objekte von Friedrich Kaiser in der Sammlungsdatenbank Dreiländermuseum 10. Juli - 15. November 2015. Friedrich Kaiser – Zeitzeuge eines unruhigen Jahrhunderts, Homepage des Dreiländermuseums Lörrach Historienmaler aus Lörrach - Friedrich Kaiser im Dreiländermuseum auf www.swr.de/landesschau-aktuell, abgerufen am 9. August 2015 Roswitha Frey: Mit Stift in die Schlacht. Dreiländermuseum zeigt Bilder von Friedrich Kaiser, der vor 200 Jahren in Lörrach zur Welt kam. In: Badische Zeitung vom 10. Juli 2015; abgerufen am 9. August 2015 https://www.badische-zeitung.de/friedrich-kaisers-gemaelde-entpuppt-sich-als-revolutionstheater--171434056.html#embedcode Homepage Arbeitskreis Regionalgeschichte Freiburg e. V. - Friedrich Kaiser – Maler und Zeitzeuge; abgerufen am 3. Januar 2020

Einzelnachweise/Anmerkungen

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