Der Schwan (lateinisch Cygnus) ist ein Sternbild am Nordsternhimmel.
Beschreibung 256px|mini|Das Sternbild Schwan, wie man es an sehr klaren Winter- oder Herbstabenden von Mitteleuropa aus im Südwesten sieht
Der Schwan gehört mit Adler und Leier zu den markantesten Sommersternbildern, ist aber wegen seiner nördlichen Position auch noch im Herbst und an frühen Winterabenden zu sehen. Seine zwei hellen Sternreihen bilden ein markantes Kreuz am Himmel, weshalb er auch als Kreuz des Nordens oder Nördliches Kreuz (Gegenstück zum Kreuz des Südens) bezeichnet wird.
Das Sternbild soll einen fliegenden Schwan darstellen, wobei der hellste Stern Alpha Cygni (Deneb) die breiten Schwanzfedern symbolisiert, während die Sterne Eta und Beta (Albireo) den langen, im Flug vorgestreckten Hals bilden. Im zentralen Stern Gamma Cygni (Sadr) setzen die weit ausgebreiteten Flügel an (deren Innenteile dem Querbalken des Kreuzes entsprechen). Beide Schwingen sind leicht nach hinten geknickt, wie es dem tatsächlichen Flugbild entspricht.
Deneb ist der nordöstliche Eckpunkt des großen Sommerdreiecks, das er mit den Sternen Wega in der Leier und Altair im Adler bildet.
Durch den Schwan zieht sich das helle Band der Milchstraße, weshalb das Sternbild reich an besonderen Sternen und nebligen Objekten ist. Wenn man freiäugig oder mit dem Feldstecher hin und her streift, erkennt man Strukturen der Milchstraße und südlich zum Adler hin ihre Teilung. Interessant ist der mehrfache Wechsel zwischen äußerst sternreichen und dunklen Gebieten sowie mehreren hellen Sternhaufen.
Im Sternbild befindet sich die zweitstärkste kosmische Radioquelle des Himmels. Die Radiostrahlung wird von einer aktiven Galaxie emittiert, die den Namen Cygnus A erhielt. Die Galaxie ist 650 Millionen Lichtjahre entfernt und wird optisch erst auf langbelichteten Teleskopaufnahmen sichtbar.
Ferner beherbergt der Schwan die kosmische Röntgenquelle Cygnus X-1. Ihre Röntgenstrahlung geht von einem 7.200 Lichtjahre entfernten Doppelstern aus. Der Hauptstern hat einen kleinen, aber sehr massereichen Begleiter, der sich offenbar in ein Schwarzes Loch verwandelt hat. Gas aus der Hülle des Hauptsterns strömt mit hoher Geschwindigkeit auf dieses über, wobei durch Reibung extrem hohe Temperaturen auftreten und Röntgenstrahlen freigesetzt werden.
Geschichte Der Schwan gehört zu den 48 Sternbildern der antiken griechischen Astronomie, die bereits von Claudius Ptolemäus beschrieben wurden.
An dem Stern 61 Cygni gelang dem Astronomen Friedrich Wilhelm Bessel im Jahre 1838 erstmals die genaue Messung der Entfernung eines Sterns anhand der Parallaxe. Mit nur 11,4 Lichtjahren Distanz ist 61 Cygni einer der nächsten Nachbarn unserer Sonne.
Mythologie mini|Aufnahme des Sternbildes Schwan
Der Schwan ist am Sommer- und Herbsthimmel zu sehen. In der griechischen Mythologie verkörperte der Schwan den Gott Zeus, der in dieser Gestalt unerkannt jungen Frauen nachstellte.
Eine andere Deutung bringt ihn mit der Sage um den Halbgott Phaethon in Verbindung. Phaethon hatte sich den Sonnenwagen seines Vaters Helios geborgt. Bei der übermütigen Fahrt über den Himmel geriet der Wagen jedoch außer Kontrolle und richtete ein Chaos an, bei dem die Welt zu verbrennen drohte. Um eine gänzliche Vernichtung der Welt zu verhindern und um die Hybris des Phaeton zu strafen, wurde er von Zeus mit einem Blitz getötet und stürzte in den Fluss Eridanos. Phaetons Freund Kyknos, der König der Ligurer, war über dessen Tod untröstlich und wanderte unentwegt am Ufer des Eridanus entlang. Schließlich wurde er in Gestalt des Schwans an den Himmel versetzt.
Bei Ovid wird Cygnus als Bundesgenosse der Trojaner im Trojanischen Krieg erwähnt. Mit dem Meeresgott Neptun als Vater und einer Nereide (Wassergottheit, Tochter des Nereus) als Mutter ist er durch Waffen unverwundbar. Erst als Achilles ihn mit den Händen erwürgt, stirbt er. Neptun verwandelt seinen toten Leib in einen Schwan.
Einer weiteren Deutung nach handelt es sich bei den Sternbildern des Sommerdreiecks (Adler, Leier und Schwan) um die Stymphalischen Vögel.
Meteorströme Vom 3. bis zum 25. August jeden Jahres können die Kappa-Cygniden beobachtet werden, deren Radiant beim Stern κ Cygni liegt.
Himmelsobjekte Sterne B F Namen o. andere BezeichnungenGröße Lj Spektralklasse 50 Deneb 1,25m (var) 1.400 A2 Iae 37 Sadr, Schedir 2,20m 1.800 F8 Iab 53 Gienah 2,48m 57 K0 III 18 Fawaris 2,87m 109 B9 III + F1 V 6 Albireo A 3,08m 328 ± 20 K3 II + B8:p + B8 Ve 64 HR 8115 3,21m 161 ± 3 G8 III–IIIaBa0,5 + D 62 HR 8079 3,73m 909 ± 106 K5 Ib + A2 V 65 HR 8130 3,73m (var) 65,8 ± 0,6 F2 IV + G0 V + M2,5 Ve 10 3,755m 120,5 ± 1,5 A5 V 1 3,76m 120,6 ± 0,9 G9 III 31 HR 7735 3,80m (var) 750 ± 60 K4 Ib + B4 V + B9 21 3,88m 137,3 ± 1,3 K0 III 58 HR 8028 3,94m 193 ± 17 A1 Vne 32 HR 7751 3,98m (var) 1.540 ± 200 K5 Iab + B7 V 41 HR 7834 4,01m 770 ± 50 F5 Ib–II 73 HR 8252 4,02m 127,1 ± 1,1 G8 IIIFe0,5 81 HR 8335 4,18m (var) 1.066 ± 121 B3 III 52 HR 7942 4,23m 196 ± 3 K0 IIIa 67 HR 8143 4,24m 1.554 ± 214 B9 Iab Chi Cygni 4,24m (var) 520 ± 23 S6–9/1–2e 33 HR 7740 4,27m 147,9 ± 1,3 A3 IV–Vn 66 HR 8146 4,42m (var) 610 ± 54 B2 Vne 39 HR 7806 4,44m 259,6 ± 4,5 K2,5 IIIFe0,5 13 HR 7469 4,48m 60,1 ± 0,2 F3 V + M3 V + M2–3 78 HR 8309 4,50m 72,1 ± 0,4 F7 V + F3 V 63 HR 8089 4,51m 1.228 ± 123 K4 Ib–IIa 54 HR 7963 4,54m (var) 654 ± 45 B5 V 47 HR 7866 4,636m (var) 4.300 ± 1.300 K6: Ib + B2,5: 80 Azelfafage 4,66m 1.045 ± 111 B3 III 12 HR 7478 4,673m 241 ± 3 K0 III + K0 III 8 HR 7426 4,72m 739 ± 33 B3 IV 59 HR 8047 4,75m (var) 1.300 ± 167 B1,5 Vnne 57 HR 8001 4,77m 488 ± 17 B5 V + B5 V 30 HR 7730 4,819m 645 ± 23 A5 IIIn 34 P Cygni 4,82m (var) 4.400 ± 1.100 B1–2 Ia–0ep 55 HR 7977 4,86m (var) 3.839 ± 609 B4 Ia 15 HR 7517 4,89m 296 ± 3 G8 III 72 HR 8255 4,91m 229 ± 2 K0,5 IIIFe0,5 + M5 24 HR 7619 5,02m 278,6 ± 3,4 A4 Vn + F4 28 HR 7708 4,93m (var) 616 ± 26 B2,5 Ve HR 7956 4,93m (var) 387 ± 6 K3 III 45 HR 7844 4,936m (var) 1.260 ± 80 B2,5 IV 22 HR 7613 4,946m 1.072 ± 84 B5 IV HR 7633 4,96m 818 ± 22 K4,5 IIIa 2 HR 7372 4,977m 915 ± 43 B3 IV 17 HR 7534 4,99m 68,2 ± 0,2 F5,5 IV–V + K6 V: + K5 V + K5 V 29 HR 7736 4,99m (var) 131 ± 1 A2 V 68 HR 8154 5,00m (var) 1.900 ± 200 O7,5 IIIn((f)) 20 HR 7576 5,03m 198,9 ± 1,7 K3 IIICN2 74 HR 8266 5,035m 249,1 ± 5,5 A3 Vn 26 HR 7660 5,048m 451,3 ± 5,3 G8 III 56 HR 7984 5,05m 559 ± 13 A6 V HR 7495 5,06m 165,3 ± 1,4 F5 II–III 75 HR 8284 5,09m 434 ± 10 M1 IIIab 19 HR 7566 5,12m (var) 800 ± 42 M2 III 23 HR 7608 5,132m 551 ± 16 B5 V 4 HR 7395 5,15m (var) 559 ± 13 B8pSi(FeII) 35 HR 7770 5,162m 2.800 ± 350 F6 Ib + B6,5 HR 7468 5,169m 134,6 ± 0,5G8,5 IIIbFe0,5 25 HR 7647 5,19m (var) 1.350 ± 95 B3 IVe 61 61 Cygni (Bessel-Stern) 5,21m (var) 11,406 ± 0,004 K5 V + K7 V 71 HR 8228 5,217m 211,7 ± 1,5 K0 III HR 7759 5,24m 506 ± 30 K3 IIIaFe1 70 HR 8215 5,293m 1.309 ± 69 B3 V HR 8216 5,31m 391 ± 5 A4 VpSiCrHg HR 7444 5,34m 565 ± 11 A2 V 27 HR 7689 5,36m (var) 78,1 ± 0,2 G8,5 Va W Cygni 5,38m (var) 660 ± 50 M4–6 IIIe 14 5,40m 636 ± 22 B9 III 51 5,401m 1.375 ± 83 B2 V 9 HR 7441 5,407m 594 ± 10 G8 III + A2 III: 60 HR 8053 5,432m (var) 1.600 ± 100 B1 Ve 46 HR 7851 5,44m 462,0 ± 7,6 M2 III HR 7628 5,46m 1.142 ± 41 B5 V HR 8003 5,46m 1.000 K0 II HR 8005 5,47m 600 K5 III HR 7640 5,50m 470 B9 Vn 49 5,51m 800 G8 IIb HR 8306 5,51m 600 M2 IIIbCa1 HR 7427 5,54m 460 K1 III HR 8035 5,55m 260 K0 III:Fe0,5 HR 7969 5,56m 600 K5 III HR 7798 5,57m 410 K0 IIIv 36 5,58m 200 A2 V V1942 5,60m (var) 500 A0 IV HR 8040 5,60m 1.100 B7 Vn + B7 V HR 8208 5,60m 109 F0 V 40 5,62m 270 A3 V HR 7589 5,63m 4881 ± 532 O9,5 Iab HR 8020 5,64m (var) 10.200 ± 2.200 B8 Iae HR 7678 5,65m (var) 9.600 ± 2.600 B1,5 Ia+ HR 7926 5,667m 1.369 ± 53 B8 II–III HR 8185 5,671m 310,9 ± 2,7 K0 III HR 7904 5,673m 364,3 ± 3,5 K2 III HR 7567 5,680m (var) 3.460 ± 340 B1,1 III + B2,5–3 V: HR 8094 5,69m (var) 399 ± 5 B9 V 79 5,695m 277,7 ± 2,4 A0 V HR 7743 5,698m 300,5 ± 1,6 G8 III HR 7451 5,70m 82,67 ± 0,12 F7 V Gliese 777 5,71m 52 G7 IV–V + M4,5 V 43 HR 7828 5,715m (var) 127,6 ± 0,3 F0 V: 77 HR 8300 5,726m 330(?) A0 V + A0 V + F2 V HR 8161 5,74m 550 ± 12 B6 V HR 8220 5,74m 145,7 ± 0,4 F0 V + M3,5 HR 8106 5,747m 509 ± 14 B9 III 7 HR 7408 5,75m 386,8 ± 4,0 A1 V HR 7781 5,76m 300 A2 IV + F3 V HR 8246 5,76m 490 A0 V V2015 5,78m (var) 430 B8pSi HR 7606 5,78m 1.200 G1 Ib–IICH2Fe1 HR 8403 5,78m 1.000 B5 III DT 5,82m (var) 2.000 F7 II HR 7543 5,82m 470 B8 Vn HR 8025 5,82m 170 F0 III HR 7767 5,84m 2.400 O8,5 III + B2,5 V + O9 Vnn + B1,5 V HR 7514 5,84m 600 M0 III V460 (DS Pegasi) 5,84m (var) 2.000 C6,3 HR 7697 5,85m 119 F5 V HR 7756 5,86m 112 F5 V: V1143 5,88m (var) 133 F5 V + F5 V V1334 5,88m (var) 2.300 F1 II + B7,0 V V1762 5,89m (var) 230 K1 IV V2119 5,90m (var) 1400 B2 Vne 42 5,90m 3800 A2 Iab–Ib HR 7591 5,90m 1.700 B2 III HR 7843 5,91m 900 B8,5 V HR 8026 5,91m 800 G8 II–III HR 8078 5,92m 370 K0 III HR 7646 5,93m 450 A5 III HR 7502 5,93m 2.000 A5 III HR 7800 5,93m 800 K7 III 69 V2157 5,94m (var) 8.000 B0 Ib 16 A HR 7503 5,95m 68,988 ± 0,048 G1,5 Vb + G3 + M V HR 8023 5,96m 4.000 O6,5 V((f)) + B1–2 V V1743 5,96m (var) 1.300 M 4,5 III HR 7919 5,97m 450 K2 III HR 8218 5,99m 450 B7 III HR 8051 6,00m 600 G5 III HR 7322 6,00m 138 F6I V: + M2,5 V Deneb (Alpha Cygni) ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 1,25m der hellste Stern im Schwan. Seine Entfernung ist nicht genau bekannt. Zwei unabhängige Entfernungsbestimmungen (beide aus dem Jahr 2008) ergaben Werte von 2.600 ± 200 sowie 1.550 ± 300 Lichtjahren.Gerundete Werte. Die genauen Entfernungsangaben lauten 802 ± 66 pc (Schiller, Przybilla, 2008, ) und 475 +90−75 pc (Apellániz, Alfaro, Sota, 2008, ). Es handelt sich um einen sehr leuchtkräftigen, bläulich-weiß leuchtenden Überriesen vom Spektraltyp A2 mit der 20-fachen Sonnenmasse, dem 200-fachen Sonnendurchmesser sowie der 200.000-fachen Sonnenleuchtkraft. Seine Oberflächentemperatur beträgt 8.500 K. Der Name Deneb ist eine Verkürzung des arabischen Namens ḏanab al-daǧāǧa („Schwanz der Henne“).
Epsilon Cygni (Gienah, aus arab. ǧanāḥ „Schwinge“) ist mit 73 Lichtjahren Entfernung wesentlich näher. Es ist ein gelblich leuchtender Riesenstern der Spektralklasse K0.
Dem Stern 61 Cygni kommt eine gewisse Bedeutung in der Geschichte der Astronomie zu, da dies der erste Stern war, bei dem eine Entfernungsmessung gelang. Sie wurde von Friedrich Wilhelm Bessel im Jahr 1838 zu 10,3 und ein Jahr später zu 9,3 Lichtjahren bestimmt (der moderne Wert beträgt 11,4 Lichtjahre).
Der Himmelsausschnitt, der für das Weltraumteleskop Kepler als Zielgebiet zur Suche nach extrasolaren Planeten ausgewählt wurde, liegt hauptsächlich im Sternbild Schwan (die zwei weiteren Sternbilder sind Leier und Drache). Folglich befinden sich viele der bisher entdeckten Exoplaneten in diesem Sternbild. Besonders interessant sind die Sterne Kepler-11, bei dem gleich sechs Planeten nachgewiesen wurden, und Kepler-22, dessen Planet in der habitablen Zone liegt und ein Ozeanplanet sein könnte.
Weitere für die Forschung interessante Sterne bzw. Sternsysteme im Schwan sind unter anderem die Röntgendoppelsterne Cygnus X-1 und Cygnus X-3, der Hyperriese und LBV-Stern P Cygni, der blaue Hyperriese Cyg OB2#12, der rote Hyperriese NML Cygni und der anomale veränderliche Stern KIC 8462852.
Doppelsterne System Größen Abstand β 3,2m / 5,8m / 5,1m 0,4″ / 34,6″ δ 2,9m / 6,3m 2,7″ ε 2,5m / 12,0m / 14,7m 74,8″ / 93,4″ λ 4,7m / 6,3m 1,1″ μ 4,7m / 6,2m 1,5″ ο1 3,8m / 7,0m / 4,8m 108,6″ / 336,7″ τ 3,8m / 6,6m / 12,2m / 13,8m 89,5″ / 1,0″ / 0,4″ υ 4,4m / 10,8m / 10,0m 15,2″ / 22,1″ ψ 5,0m / 7,5m 2,8″ ω2 5,4m / 6,6m 257″ b3 5,0m / 6,6m 215,3″ e 5,2m / 8,0m 41,6″ 16 6,0m / 13,0m / 6,2m 3,2″ / 40,0″ 17 5,0m / 9,3m / 8,5m / 8,6m 792″ / 25,9″ / 3,0″ 44 6,2m / 9,0m 2,5″ 48 6,4m / 6,5m 182,7″ 49 5,8m / 8,1m 2,7″ 52 4,3m / 9,5m 6,6″ 61 5,2m / 6,0m 31,4″ 77 6,3m / 6,7m / 8,1m / 8,6m 159,1″ / 0,2″ / 0,4″ 79 5,7m / 11,1m / 7,0m 1,8″ / 149,5″ mini|Albireo