Reporter ohne Grenzen (ROG; , RSF) ist eine international tätige Nichtregierungsorganisation und setzt sich weltweit für die Pressefreiheit und gegen Zensur ein. Unter Berufung auf Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung) engagiert sich die Organisation unter anderem für aus politischen Gründen inhaftierte Journalisten.
Geschichte Die Organisation wurde im Jahr 1985 in Montpellier von vier französischen Journalisten gegründet.Henri-Nannen-Preis 2009: Nervensäge im Dienst der Demokratie. Stern.de, 3. Mai 2009; abgerufen am 1. Januar 2014. Einer von ihnen war Robert Ménard, der die Organisation leitete, bis Jean-François Julliard im September 2008 das Amt des Generalsekretärs von ihm übernahm. Nachdem im Mai 2013 bekannt wurde, dass Ménard als Kandidat bei den Kommunalwahlen im März 2014 im südfranzösischen Béziers nach einem Treffen mit Marine Le PenEuronews, Von „Reporter ohne Grenzen“ zu Marine Le Pen, abgerufen am 10. März 2022. die Unterstützung der rechtsextremen Partei Front National erhalten sollte,Geoffroy Clavel: Robert Ménard soutenu par le FN pour les municipales à Béziers. In: Le Huffington Post vom 30. Mai 2013, abgerufen am 1. Januar 2014 (französisch). distanzierten sich sowohl der internationale Dachverband von Reporter ohne Grenzen in Paris„Reporter ohne Grenzen“ distanziert sich von rechtsextremem Ex-Chef. DerStandard.at, 6. Juni 2013; abgerufen am 1. Januar 2014.Lettre d’ex de RSF à Robert Ménard. Offener Brief mehrerer ROG-Verantwortlicher an Robert Ménard. In: Libération, 4. Juni 2013; abgerufen am 1. Januar 2014 (französisch). als auch beispielsweise die Sektionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz öffentlich von dem fünf Jahre zuvor ausgeschiedenen langjährigen Leiter der Organisation.Rubina Möhring: Meinungsfreiheit tut weh. DerStandard.at, 11. Juni 2013; abgerufen am 1. Januar 2014. Presseerklärung auf der Website von ROG Schweiz vom 14. Juni 2013; abgerufen am 1. Januar 2014.
Anfang März 2021 erstattete Reporter ohne Grenzen im Kontext der Ermordung von Jamal Khashoggi beim Bundesgerichtshof Anzeige gegen Mohammed bin Salman wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Reporter ohne Grenzen kündigte im November 2023 eine digitale Nachrichtenplattform namens Swoboda (russisch, übersetzt: Freiheit) für die russische Bevölkerung an, um dieser Nachrichten von unabhängigen russischen Exil- und internationalen Medien zugänglich zu machen. Ein Satellitennetzwerk von Eutelsat übernimmt die Ausstrahlung von Swoboda. Laut Tweet von Reporter ohne Grenzen (ROG), berichtet von ORF.at, startete ROG am 5. März 2024 mehrere Satellitenrundfunkprogramme auf Russisch für Russland, Belarus, die besetzten Gebiete der Ukraine und das Baltikum.Reporter ohne Grenzen starten Sendebetrieb in Russland orf.at, 5. März 2024, abgerufen am 6. März 2024.
Organisation und Finanzierung mini|Paris « Beijing 2008 »
ROG verfügt über ein internationales Sekretariat in Paris, neun europäische Ländersektionen und fünf Länderbüros in Nordamerika und Asien. Darüber hinaus arbeiten ROG mit 130 Korrespondenten auf allen Kontinenten sowie 14 regierungsunabhängigen Partnerorganisationen zusammen.
Mitglied kann auch werden, wer kein Reporter oder Journalist ist. Der Name wurde in Anlehnung an die Organisation Ärzte ohne Grenzen gewählt, die ebenfalls weltweit tätig ist.
Die Organisation verfügt über ein jährliches Budget von rund 12,6 Millionen Euro (Stand 2023) und gibt die Zusammensetzung ihrer Einkünfte im Jahre 2023 folgendermaßen an: 10 Prozent kamen aus selbstgenerierten Quellen wie den Erlösen dreier Bildbände. 22 Prozent des Haushaltes stammten von Stiftungen. 54 Prozent stammten aus öffentlichen Institutionen, darunter das Französische Außenministerium (MEAE) und die Französische Entwicklungsagentur. Aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden kamen 11 Prozent. Die sonstigen Einnahmen betrugen 3 Prozent.
Im Jahr 2003 stammte das Jahresbudget zu rund 10 Prozent vom französischen Staat und zu weiteren 15 Prozent von der EU.Jörg Becker: Weder NGO noch kritisch, abgerufen am 10. März 2022 Die Öffentlichkeitsarbeit, die ROG für ihre politischen Ziele betreibt, verdankt sie den unentgeltlichen Diensten der bekannten New Yorker Werbeagentur Saatchi & Saatchi, einer Werbeagentur mit 134 Filialen in 84 Ländern. Deutsche Sektion
Die deutsche Sektion ist ein eigenständiger eingetragener Verein mit Sitz in Berlin. Er ist seit 1994 tätig und finanziert sich überwiegend über Spenden, welche fast 40 Prozent der Gesamteinnahmen des Vereins ausmachen. Außerdem tragen Mitgliedsbeiträge, Zuschüsse/Drittmittel und Erlöse aus den jährlich publizierten Bildbänden Fotos für die Pressefreiheit zu den Einnahmen des Vereins bei. Im Jahr 2013 konnte die deutsche Sektion Erlöse in Höhe von rund 611.000 Euro verzeichnen, was dem höchsten Einnahmenstand der Vereinsgeschichte entspricht. Seit Juni 2013 ist Reporter ohne Grenzen e. V. Träger des Spendensiegels des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), welches die satzungsgemäße und wirksame Mittelverwendung des Vereins zertifiziert.Reporter ohne Grenzen, deutsche Sektion e. V. DZI-Datenbank; abgerufen am 29. Oktober 2014
Der ehrenamtlich tätige Vorstand besteht aus Katja Gloger, Michael Rediske (beide geschäftsführende Vorstände), Martin Kaul, Gemma Pörzgen und Matthias Spielkamp.Vorstand. Webseite ROG Deutschland, abgerufen am 27. Februar 2017 Dem beratenden Kuratorium gehören an: Thomas Bellut, Klaus Brinkbäumer, Wolfgang Büchner, Peter-Matthias Gaede, Giovanni di Lorenzo, Hans-Jürgen Jakobs, Lorenz Maroldt, Georg Mascolo, Bascha Mika, Jan-Eric Peters, Andreas Petzold, Heribert Prantl, Jörg Quoos, Patricia Schlesinger und Karola Wille (Stand: Februar 2017).Kuratorium. Webseite ROG Deutschland, abgerufen am 27. Februar 2017 DW-Intendant Peter Limbourg verließ das Kuratorium wegen eines Streits um den China-Kurs der Deutschen Welle. Er kam damit einer Aufforderung von Reporter ohne Grenzen nach.DW-Chef verlässt ROG. DeutschlandRadio, 4. Dezember 2014DW-Chef muss raus. TAZ, 5. Dezember 2014
Anstoß für die Gründung der deutschen Sektion war die Ermordung des Journalisten Egon Scotland im Kroatienkrieg 1991. Die formale Gründung erfolgte in Anwesenheit von 40 Journalisten am 18. Juni 1994 in Berlin. Den ersten Vorstand bildeten Rediske, Pörzgen und Andreas Artmann. In der Anfangszeit gewährte die Berliner Tageszeitung (taz) den ehrenamtlichen Mitarbeitern Arbeitsmöglichkeiten in den eigenen Redaktionsräumen. 1995 eröffnete ROG in Berlin eine professionelle Geschäftsstelle, inzwischen hatten sich in verschiedenen Städten bereits erste Regionalgruppen konstituiert.Chronik. Website von ROG; abgerufen am 29. September 2014 Am 25. September 2014 beging die Deutsche Sektion in der Akademie der Künste in Berlin den 20. Jahrestag ihrer Gründung mit Informationen über die Arbeit der Organisation. Die Festrede hielt der Journalist Thomas Roth.Pressemitteilung 20 Jahre ROG. Website von ROG; abgerufen am 21. Mai 2014
Reporter ohne Grenzen arbeitet im Bündnis F5 mit AlgorithmWatch, der Open Knowledge Foundation Deutschland, Wikimedia Deutschland und der Gesellschaft für Freiheitsrechte zusammen.
Fotoband Fotos für die Pressefreiheit Seit 1994 veröffentlicht die deutsche Sektion von Reporter ohne Grenzen jährlich zum Internationalen Tag der Pressefreiheit den Fotoband „Fotos für die Pressefreiheit“. Die Fotobände dokumentieren jeweils Ereignisse des vorangegangenen Jahres in Bildern und Essays. In einem Faktenteil wird der Fokus auf verschiedene Länder gelegt, in denen in diesem Jahr die Pressefreiheit besonders unter Beobachtung stand. Außerdem werden im Fotoband Bilderserien bekannter Fotografen gezeigt. In dazugehörigen Essays werden die Geschichten zur Entstehung der Bilder oder Berichte und die in den Bildern dargestellten Ereignisse beschrieben. Die im Buch veröffentlichten Bilder werden von den Fotografen kostenlos zur Verfügung gestellt. 2010 erhielt das Fotoband einen kress Award für den besten Relaunch des Jahres., abgerufen am 30. Oktober 2014. Im Jahr 2014 wurde das Fotobuch von der Jury des Deutschen Fotobuchpreis mit dem Prädikat „Nominiert 2015“ ausgezeichnet., abgerufen am 26. November 2024. Die Einnahmen aus dem Verkauf des Fotobandes machen rund 19 Prozent der Gesamteinnahmen des Vereins aus.
Media Ownership Monitor Der Media Ownership Monitor – kurz MOM – ist ein Projekt der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen, das seit 2015 mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) weltweit durchgeführt wird. In ausgewählten Ländern entsteht so ein öffentlich zugänglicher Überblick, wem die Massenmedien in den Gattungen TV, Radio, Print und Online gehören und welche wirtschaftlichen und politischen Interessen dahinter stehen. Die Datenerhebung und -auswertung geschieht mit einer standardisierten Methodik, die sich an dem EU-finanzierten MPM (‘Media Pluralism Monitor’) des European University Institutes in Florenz orientiert. Im Ergebnis entsteht so eine online-Datenbank in Englisch und in der jeweiligen Landessprache, die vor allem die Medienkompetenz der Bevölkerung fördern soll. Außerdem kann Transparenz in diesem Sektor dazu dienen, Medienkonzentration und damit einhergehende Gefahren für die Meinungsvielfalt und -freiheit aufzudecken. MOM wird zusammen mit lokalen Partnerorganisationen veröffentlicht und ist bislang in Kambodscha, Kolumbien, Albanien, Peru, Tunesien, den Philippinen, der Türkei, der Ukraine, der Mongolei, Serbien, Marokko, Brasilien, Ghana und Mexiko durchgeführt worden.
Österreichische Sektion ROG Österreich ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Wien, der im Jahr 1998 gegründet wurde und rund 230 Mitglieder hat.Eckdaten. Website von ROG Österreich, abgerufen am 27. Februar 2017 Präsidentin war bis zu ihrem Tod im März 2022 Rubina Möhring. Zu ihrem Nachfolger wurde im April 2022 Fritz Hausjell gewählt, der im Zuge seiner Amtsführung in diverse Skandale rund um parteipolitische Nähe und Malversationen verwickelt war (siehe Fritz Hausjell#Kritik).
Seit 2002 verleiht ROG Österreich einen Press Freedom Award mit dem Schwerpunkt der Auszeichnung von ost- und südosteuropäischen Journalisten. Der Preis ist mit 8000 Euro dotiert. Die österreichische UNESCO-Kommission hat den Ehrenschutz über die Verleihungen.
Mitglieder der internationalen Jury sind: Freimut Duve, ehem. Beauftragter für Medienfreiheit der OSZE Dunja Mijatović, Beauftragte für Medienfreiheit der OSZE Eva Nowotny, Präsidentin der österreichischen UNESCO-Kommission Albert Rohan, früherer Generalsekretär des österreichischen Außenministeriums Wolfgang Petritsch, österreichischer Botschafter bei der OECD in Paris
Preisträger waren bisher: 2002 – Petr Uhl, Tschechien 2003 – Željko Peratović, Kroatien – Milorad Vesić, Serbien – Jelena Bjelica, Serbien 2004 – Alina Anghel, Republik Moldau – Andriy Shevchenko, Ukraine – Anca Paduraru, Rumänien 2005 – Makarios Drousiotis und Sevgül Uludag, Zypern – Demet Bilge Ergün, Türkei 2006 – Svetlana Lukić und Svetlana Vuković, Serbien -Migjen Kelmendi, Kosovo 2008 – Svetlana Batalova und Kristina Koleva-Tuntcheva, Bulgarien – Ovidiu-Mihai Vanghele Rumänien 2009 – Eynulla Fatullayev und Ganimat Zahidov, Aserbaidschan 2010 – Olga Bobrova und Michail Beketow, Russland„Press Freedom Award“ an Olga Bobrova und Michail Beketow im Standard, 10. Dezember 2010 2011 – Rényi Pál Dániel und Maria Vásárhelyi, Ungarn 2012 – Emanuela Zuccalá und Alessia Cerantola, Italien 2013 – Kommunikations- und Nachrichtenplattform Bianet, Türkei Webseite von ROG Österreich; abgerufen am 1. Januar 2014.
Schweizer Sektion Die Schweizer Sektion wurde 1990 gegründet und hat ihren Sitz in Genf.
Press Freedom Index
mini|Press Freedom Index 2026