Feistritz an der Gail (Slowenisch: Bistrica na Zilji) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Villach-Land in Österreich, im Bundesland Kärnten.
Geographie Feistritz liegt im Unteren Gailtal nahe dem Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien. Die Gail bildet die nördliche Gemeindegrenze, im Süden reicht das Gemeindegebiet bis auf den Hauptkamm der Karnischen Alpen. Die südöstliche Grenze bildet über weite Strecken der Feistritzgraben.
Quarzkonglomerat – ein Geschenk der Eiszeit Dieser im Feistritzgraben gefundene, fast 15 Tonnen schwere Gesteinsblock beeindruckt schon allein wegen seiner Größe. Er besteht aus zentimetergroßen Quarzgeröllen, umgeben von einer glimmerreichen Grundmasse. Die Glimmer sind stark verwittert und daher braun gefärbt. Sie und die weißen Quarze geben dem Stein seine einzigartige Struktur. Die Quarze sind vorwiegend gerundet, weswegen der Stein als Quarz-Konglomerat bezeichnet wird.
Neben seiner Schönheit und Größe hat der etwa 310 Millionen Jahre alte Stein noch eine Besonderheit aufzuweisen: sein Vorkommen hier. Denn solche Gesteine kommen nur zwischen dem Plöckenpass und dem Nassfeld vor. Der Feistritzbach kann den Stein also nicht hierher transportiert haben. Es gibt jedoch eine plausible Erklärung.
Während der letzten Eiszeit war das gesamte Gailtal bis in eine Seehöhe von rund 2.000 Metern von einem Gletscher bedeckt. Und ein Gletscher kann im Gegensatz zu Wasser über Pässe und Berge fließen. Er brachte das Quarz-Konglomerat aus den westlichen Karnischen Alpen vor rund 20.000 Jahren in die Gegend von Feistritz.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus der einzigen Katastralgemeinde und Ortschaft Feistritz an der Gail (Bistrica na Zilji).
Nachbargemeinden
mini|Quarzkonglomerat-Gesteinsblock und der Dobratsch im Hintergrund mini|hochkant|Ritt des Burschen in Gailtaler Tracht auf dem ungesattelten Norikerpferd mit der Eisenkeule in der Hand zum Kufenstechen in Feistritz. mini|Gailtaler Frauentracht beim Kufenstechen in Feistritz/Gail (2006)
Geschichte Feistritz wurde 1119 erstmals urkundlich erwähnt. Nach dem Dobratsch-Bergsturz 1348 versumpften die Ackerflächen, sodass sich die Bauern auf die Zucht von Noriker-Pferden spezialisierten. Bis 1849 war das heutige Gemeindegebiet auf sechs Herrschaften aufgeteilt, danach gehörte Feistritz zur Gemeinde Hohenthurn. Von 1906 bis 1973 war Feistritz selbständige Gemeinde, danach bis 1990 wieder Teil von Hohenthurn und wurde 1991 wiederum selbständig.
Bevölkerung Nach der Volkszählung 2001 ist Feistritz an der Gail mit 661 Einwohnern, von denen 98,3 % die Österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, die kleinste Gemeinde Kärntens. 7,9 % der Bevölkerung gehören der slowenischsprachigen Volksgruppe an.
Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 94,3 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 2,7 %, ohne religiöses Bekenntnis sind 2,0 %.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Feistritz an der Gail
Katholische Pfarrkirche Feistritz an der Gail hl. Martin: Urkundlich 1182 erwähnt, seit 1424 Pfarre, ist ein spätgotischer Bau aus dem 15. Jahrhundert. Sie liegt auf dem Berg oberhalb des Ortes und ist von dem Friedhof umschlossen. Die Filialkirche hl. Magdalena, Feistritz an der Gail aus 1501 liegt westlich von Feistritz an der Gail und weist einige kulturgeschichtliche Besonderheiten auf, so ein slowenischsprachiges barockes Chronogramm. Bekannt ist Feistritz vor allem durch das alljährliche Kirchfest am Pfingstmontag. An diesem Tag wird die Gailtaler Tracht von den unverheirateten Burschen und Mädchen, die älter sind als 15 Jahre, getragen. Nach der Messe in der Kirche und nach dem traditionellen Mittagessen mit der Festtagssuppe findet am Nachmittag erst im Oberfeistritz und dann im Unterfeistritz das Kufenstechen mit Lindentanz statt. Am folgenden Tag treffen sich die Verheirateten des Dorfes in ihrer Erwachsenentracht zur Messe in der Kirche, zum Umtrunk in verschiedenen Häusern und zum Lindentanz.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftssektoren Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Anzahl der Betriebe und der Beschäftigten in den Wirtschaftssektoren: WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige20212011 200120212011 2001Land- und Forstwirtschaft 1)3270 753427 17Produktion94 412842 17Dienstleistung2516 167453 31 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999, Arbeitsstätten im Jahr 2021
Verkehr Straße: Die Verkehrserschließung erfolgt über die Gailtal Straße (B 111) sowie die Landesstraßen L 27 und L 27a. Eisenbahn: Der nächste Bahnhof liegt rund 2 Kilometer nordwestlich des Hauptortes in Nötsch. Von dort gibt es stündliche Schnellbahnverbindungen nach Hermagor und nach Villach.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Feistritz hat 11 Mitglieder.
Nach der Gemeinderatswahl 2015 hatte er folgende Verteilung: 7 ÖVP, 3 SPÖ, 1 FPÖ Nach der Gemeinderatswahl 2021 hat er folgende Verteilung: 9 ÖVP, 2 SPÖ.
Bürgermeister Direkt gewählter Bürgermeister ist Dieter Mörtl (ÖVP).
Wappen Das Wappen von Feistritz ist an den örtlichen Brauch des Kufenstechens angelehnt und zeigt in einem roten Schild einen goldenen Pfahl mit aufgesetzter Kufe, der schräglinks von einer spitz zulaufenden Keule („koleč“) überdeckt ist. Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 8. Oktober 1992 verliehen, die Fahne ist Rot-Gelb mit eingearbeitetem Wappen.
Partnergemeinde Partnergemeinde von Feistritz an der Gail ist die italienische Gemeinde Malborghetto Valbruna. Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde Adolf Scherwitzl (1938–2026), Biathlet Hans Wallner (* 1953), Skispringer Tomaž Druml (* 1988), Nordischer Kombinierer
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten Birgit Hebein (* 1967), Politikerin (Die Grünen) und Sozialarbeiterinhttps://gailtal-journal.at/leute/ich-vergesse-nie-woher-ich-komme/, abgerufen am 13. Juni 2020. Edwin Wiegele (* 1954), Maler, Grafiker, Kunsterzieher, Galerist und Musiker Peter Wiesflecker (* 1965), Historiker und Archivar Sepp Gratzer (* 1955), Skisprung-Funktionär
Literatur Herbert Michor: Geschichte des Dorfes Feistritz/Gail und Hofchronik. Feistritz-Nötsch 1950/1951.online als PDF: , Peter Wiesflecker: Ein Dorf im Schnittpunkt dreier Kulturen. Chronik Feistritz an der Gail. Hrsg. von der Gemeinde, o. J. Peter Wiesflecker: Festschrift: 100 Jahre Pferdezuchtverein K 15 Feistritz an der Gail. Selbstverlag, Feistritz an der Gail 2004.
Weblinks
Gemeinde Feistritz an der Gail
Einzelnachweise
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