Burg Bentheim ist eine Höhenburg deren Bau im Frühen Mittelalter begann. Sie gilt als eine der größten und schönsten Burganlagen Nordwestdeutschlands und ist das Wahrzeichen der Stadt Bad Bentheim. Erste Erwähnungen gehen auf Dokumente aus dem 11. Jahrhundert zurück.

Burg Bentheim ist bis heute Eigentum des Fürstenhauses zu Bentheim-Steinfurt.

Lage mini|hochkant|Luftbild (2014) Die Burg befindet sich auf inmitten der Stadt Bad Bentheim in Niedersachsen; etwa acht Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt. Sie steht auf einem großen Felsen aus Bentheimer Sandstein hoch über der Stadt; dieser auch Bentheimer Höhenrücken genannte Berg ist der letzte Ausläufer des Teutoburger Waldes. Der Batterieturm zum Beispiel war im Stande, durch die erhöhte Lage der Burg eine Verteidigung nach Süden und Westen hin zu sichern.

Geschichte mini|hochkant|Wehranlage, Turm der Katharinenkirche und oberes Burgtor Geschichte bis zum 15. Jahrhundert Die Anfänge der Festung, welche auf den Resten einer germanischen Fliehburg errichtet wurde, lassen sich historisch nicht genau belegen; erstmals urkundlich wurde die mächtige Burganlage der Grafen von Bentheim um 1050 im zweiten Werdener Heberegister erwähnt. Dort werden als Abgaben aus Binedheim 10 Maß Weizen, 3 Krüge Honig und 2 Solidi aufgelistet. Graf Otto von Northeim wird 1020 als Eigentümer der Burg genannt. Dieser zählte zu den einflussreichsten sächsischen Adeligen.

Im Jahr 1116 nahm Herzog Lothar von Süpplinburg in der Auseinandersetzung mit Kaiser Heinrich Burg und Flecken Bentheim – damals Binitheim – ein, brandschatzte und zerstörte sie vollkommen, wobei man annimmt, dass es sich zu der Zeit bei der Burg noch um einen hölzernen Wehrbau handelte. Im Annalista Saxo wird beschrieben: „Herzog Lothar von Sachsen belagert Binitheim, eine vortreffliche und feste Stadt, und verbrennt sie nach ihrer Eroberung“. Hieraus könnte man annehmen, dass die Burg schon zu dieser Zeit von Bedeutung war, wenn man die Wortwahl egregiam et firmam (lat.: vortrefflich/vorzüglich und fest) bedenkt.

Bei dieser Belagerung fand wahrscheinlich der letzte Northeimer Graf, Otto der Jüngere, den Tod. Die zerstörte Burg wurde offenbar bald danach wieder aufgebaut und gelangte in den Besitz von Lothars Schwager, den Grafen Otto I. von Salm-Rheineck. Seine Frau Gertrud von Northeim (Gertrudis Palatina) nutzte die Burg Bentheim nach dem Tode Ottos I. (1150) als Witwensitz; sie wird in einer Urkunde des Bischofs von Münster aus dem Jahre 1154 als comitissa de Benetheim bezeichnet. Dies stellt zugleich eine der ersten Erwähnungen des Bentheimer Geschlechts dar.

1146 kam es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Ottos und Gertruds Sohn, Otto II. von Salm-Rheineck, und dem Bischof Hartbert von Utrecht um Besitzrechte in der Twente. Im Verlauf dieses Streits wurde Otto II. mit seinem Ritterheer bei Ootmarsum geschlagen. Daraufhin unterstand seine Burg bis 1190 dem Bistum Utrecht als Lehen; den Palas der Burg sowie eine errichtete Kapelle nahm der Bischof für sich in Anspruch.

Otto I. und Otto II. von Salm-Rheineck erhoben ab 1140 Ansprüche auf die Pfalzgrafschaft bei Rhein gegen Hermann von Stahleck. Otto II. fiel diesem im Jahre 1148 in die Hände, wo er in der Gefangenschaft auf der Schönburg bei Oberwesel im darauffolgenden Jahr erdrosselt wurde.

Über das Erbe der Tochter Ottos I., Sophie von Salm-Rheineck, die mit dem holländischen Grafen Dietrich VI. von Holland vermählt wurde, gelangten daraufhin die Burg und die Herrschaft Bentheim um 1154 bzw. 1165 in den Besitz der Grafen von Holland. Der Begründer des Hauses Bentheim-Holland war der Sohn von Sophie und Dietrich, Otto der Jüngere, welcher in einer von Heinrich dem Löwen ausgestellten Urkunde von 1171 als comes de Binetheim Erwähnung findet. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts starben die Bentheimer Grafen aus dem holländischen Hause aus und 1421 erlosch das Geschlecht der Edelherren von Steinfurt im Mannesstamm. Das Erbe ging auf einen Neffen, den Edlen Eberwin IV. von Götterswick (auch Everwyn von Güterswyk), über. Das adlige Haus Götterswick brachte die Herren von Götterswick hervor (heutiger Name: Götterswickerhamm; heute ein Stadtteil von Voerde). Durch die ebenfalls 1421 erfolgte Erbschaft der Grafschaft Bentheim wurde er der Stammvater der heutigen Linie zu Bentheim-Steinfurt. Die Herrschaft Steinfurt erwarb er endgültig nach der Heirat seiner Tochter gegen ein angemessenes Entgelt von ihr und ihrem Gemahl.

Um 1374 gab es häufig Fehden mit den Bistümern Utrecht und Münster, die Missfallen an der Selbständigkeit der Grafschaft fanden.

Ab dem 15. Jahrhundert bis heute mini|Die Burg im 19. Jahrhundert Ab 1421 nannten sich die Herren Grafen von Bentheim. Im Jahre 1486 wurde Graf Eberwin II. von Kaiser Friedrich III. mit Bentheim belehnt; somit war die Grafschaft als unabhängiges Territorium erstmals als Reichslehen anerkannt. Im Jahr 1489 wurde mit dem Bau des Pulverturms begonnen. Zwischen den Jahren 1588 und 1593 führte Graf Arnold II., Sohn von Eberwin III., die reformierte Lehre Johannes Calvins und Huldrych Zwinglis ein. Arnold II. war der bedeutendste Landesherr der Grafschaft Bentheim. Durch Erbschaften und Heirat hatte er eine beachtliche Anzahl kleiner Territorien in seiner Hand vereinigen können. Es waren die Grafschaften Bentheim, Tecklenburg, Steinfurt, Limburg an der Lenne, niederrheinische Besitzungen und die Vogteirechte im Kurfürstentum Köln.

Der Dreißigjährige Krieg, Erbstreitigkeiten sowie eine fremde Verwaltung durch das Bistum Münster ließen die Grafschaft finanziell ausbluten. Um 1626 wurde sie mehrfach besetzt und geplündert; die folgenden Jahre brachten Missernten. Im Jahre 1636 fielen Tausende Menschen der Pest zum Opfer, welche im Jahr 1664 erneut Einzug hielt. Schließlich verpfändete 1752 Graf Friedrich Carl Philipp die Grafschaft an das Kurfürstentum Hannover, wodurch die Eigenständigkeit des Landes erlosch. Die Wirren des Krieges hatten der Grafschaft sowie der Burg großen Schaden zugefügt: Die Burg Bentheim wurde teilweise zerstört, die Dörfer und Städte nach mehrfachen Beutezügen spanischer Truppen zu zwei Dritteln vernichtet; Bürger sowie Bauern flohen in die Niederlande oder starben an der Pest. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der militärische Nutzen der Burg zunehmend bedeutungsloser; sie fungierte fortan als Verwaltungszentrum, Gerichtsort und Gefängnis der Grafschaft.

Während des Siebenjährigen Krieges von 1756 bis 1763 wurde die Burg von Franzosen und Engländern mehrfach belagert und eingenommen. Im Krieg gegen die französische Revolutionsarmee 1795 diente sie als Lazarett und wurde von den Truppen des französischen Generals Dominique Joseph Vandamme in Brand geschossen und ebenfalls eingenommen: Am 13. März 1795 wurde die Burganlage von zwei Seiten beschossen; die stationierten Soldaten mit ihren Kanonen befanden sich wohl auf dem heutigen Mühlenberg und an der heutigen Müst. Noch heutzutage kann man an der Ostseite des Pulverturms zwei im Gemäuer stecken gebliebene Kanonenkugeln jener Zeit entdecken. Als die Franzosen sich am nächsten Tag vor den anrückenden Preußen zurückziehen mussten, sollte auf Geheiß des Generals die Burganlage in die Luft gesprengt werden; dafür wurde wohl das Verlies des Pulverturms mit Sprengpulver aufgefüllt, dessen Spuren und Reste fand man angeblich noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts dort. Sie ließen Bentheim evakuieren und die Bürger mussten sich eine halbe Stunde Wegs vom Ort entfernen. Der Überlieferung nach misslang dieses Vorhaben jedoch, da ein Windstoß die eiserne Eingangstür zum Pulverturm zuwarf und die schon brennende Lunte der Sprengladung abklemmte. Dadurch blieb die Burg erhalten, wenn auch stark beschädigt.

mini|Marstall 1804, das Jahr von Napoleons Kaiserkrönung, gelangte die Grafschaft wieder in den Besitz der Grafen von Bentheim. Auf dem Wiener Kongress erhielt die Familie den Status eines Standesherrn des Deutschen Bundes. 1817 wurden die Grafen durch den preußischen König gefürstet. Die Burg war zu diesem Zeitpunkt in großen Teilen in einem verwüsteten Zustand und folglich unbewohnbar, woraufhin ab 1848 spärlich damit begonnen wurde, sie wieder aufzubauen. Die Kronenburg – der mittelalterliche Palas – wurde unter Fürst Alexis II. zu Bentheim und Steinfurt (1845–1919) zur repräsentativen Residenz ausgebaut. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 wurden auch die Renovierungsarbeiten an der Burg vorläufig eingestellt.

Heutige Nutzung mini|Weihnachtsmarkt im Innenhof der Burg Bentheim (2024)

Die Burg ist heute ein Museum, das von Oskar Prinz zu Bentheim und Steinfurt mit eingerichtet wurde. Im Advent findet im Innenhof ein Weihnachtsmarkt statt, zusätzlich zu dem Weihnachtsmarkt in der Innenstadt.

Wegen akuter Einsturzgefahr wurde die Burg Anfang 2026 für den Besucherverkehr geschlossen. Die Sanierungskosten werden auf 40 Millionen Euro geschätzt.Bis zu 40 Millionen: Wer zahlt die Sanierung der Burg Bentheim? bei ndr.de vom 2. Februar 2026 Da die Finanzierung nicht zeitnah geklärt werden konnte, wurde die „Besichtigungen Burg Bentheim GmbH“ von der „Stiftung Fürst zu Bentheim und Steinfurt“ aufgelöst und der Besichtigungsbetrieb bis auf Weiters eingestellt.Bentheim: Darum bleibt die Burg bis 2027 geschlossen | GN-Online, 5. Februar 2026 auf YouTube (3:4 Min.)

Anlage Unteres und oberes Burgtor mini|Prinzessinnengarten Will man die Burg betreten, so muss man zuerst durch das untere Burgtor gehen, welches noch aus dem 13. Jahrhundert stammt. Dort kann man links und rechts im Sandstein eingemeißelte, heidnische und christliche Symbole wie etwa Sonnenräder, Schwerter, Kreuze, Drudenfüße oder auch einmal das Christusmonogramm IHS erkennen. Im unteren Burgtor befindet sich heute ein Café.

Danach gelangt man linker Hand zum oberen Burgtor; der rechts liegende Prinzessinnengarten – oder auch Krautgarten – ist durch ein Tor abgesperrt und für Besucher unzugänglich. Das Burgtor, durch die Jahrhunderte bereits dunkel verfärbt, wurde im 17. Jahrhundert vom niederländischen Baumeister Philipp Vingboom (1614–1679) in einer Rustika-Quaderung gestaltet.

Die Katharinenkirche Geht man auf das obere Burgtor zu, so befindet sich auf der rechten Seite des Tores die gotische Kapelle mit ihrem noch aus romanischer Zeit stammenden Bingelturm, auch Katharinenkirche genannt. Sie besteht aus einem einschiffigen Langhaus mit davor liegendem Chor und wurde 1406 (anderen Angaben zufolge 1415) erstmals erwähnt.

1544 ließ Graf Arnold von Bentheim die Kirche für den evangelischen Gottesdienst herrichten. Sie wurde unter Graf Ernst Wilhelm jedoch auch für gewisse Zeit den Katholiken gegeben, aber nach Errichtung der katholischen Kirche in Bentheim bekam die reformierte Gemeinde das Gotteshaus zurück. Schon 1767 wurde die Katharinenkirche nicht mehr für kirchliche Zwecke verwendet; die Ausstattung war damals nicht mehr vorhanden und der Boden verschmutzt. Im Jahre 1778 zerstörte ein Orkan den barocken Turmhelm und man errichtete ihn danach in der heutigen Form wieder.

Die Katharinenkirche kann man heute als Museum besichtigen. Ihr Ausstellungsraum ist eher schlicht gestaltet. Auf Dauer befinden sich in ihm eine große hölzerne Empore sowie eine kleine steinerne Kanzel. Von der Decke hängt eine hölzerne Madonnenstatue aus dem 16. Jahrhundert, die von Evert van Roden geschaffen wurde. Außerdem finden sich dort zahlreiche alte Grabsteine und Wappen aus Sandstein der Grafen von Bentheim und deren Verwandtschaft. Seit August 2016 befindet sich im Chor der Katharinenkirche die romanische Skulptur des „Herrgotts von Bentheim“. Sie stand vorher am Fuße des Pulverturms (Beschreibung siehe dort). Im Ausstellungsraum der Katharinenkirche finden auch zeitlich begrenzte Wechselausstellungen statt.

Der Besuch der Kirche war bis zur Errichtung des neuen Kassenhauses kostenlos.

Die Kronenburg