Eine Kennzeichnung von Leitungen und Kabeln mit aufgedruckten Buchstaben- und Zahlenkürzeln dient der leichten Erkennung der Bauart und des Verwendungszwecks der elektrischen Leitung oder des Kabels in der Elektroinstallation.

In Europa gibt es unterschiedliche Arten der Kennzeichnung: Zum einen nach nationalen Normen, bei denen in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Kennzeichnungsschemata verwendet werden, und eine europaweit harmonisierte Kennzeichnung. Die harmonisierte Kennzeichnung sollte eigentlich die nationalen Normen zügig ablösen, jedoch sind bei manchen Leitungstypen weiterhin nationale Kennzeichnungen üblich.

Begriffsdefinition Kabel/Leitung Die Begriffe Kabel und Leitung werden häufig synonym verwendet.

Je nach Einsatzgebiet und Fachrichtung wird jedoch zwischen Kabeln und Leitungen nach verschiedenen Kriterien unterschieden: Oft werden Kabel als isolierte elektrische Leiter definiert, welche in der Erde oder unter Wasser verlegt werden. Leitungen sind ebenfalls isolierte Leiter, welche demgegenüber jedoch oberirdisch verwendet werden., abgefragt am 28. November 2011 Freileitungen stellen in diesem Schema eine Besonderheit dar, da hier der elektrische Leiter keine feste Isolierung aufweist und stattdessen die umgebende Luft als Isolator dient. Kabel können alternativ auch als Oberbegriff angesehen werden, wobei Leitungen als oberirdisch verlegte Kabel einen Sonderfall darstellen.

Im Einzelfall richtet sich die Verwendung der Begriffe Kabel und Leitung nach der anzuwendenden Produktnorm.

Kennzeichnung von harmonisierten Kabeln und Leitungen nach DIN VDE 0292 und HD 361 S2/S3

Zur einheitlichen Kennzeichnung von elektrischen Starkstromkabeln und isolierten Starkstromleitungen wurde 1976 von CENELEC ein innerhalb Europa harmonisiertes Kurzzeichensystem entwickelt und im Harmonisierungsdokument HD 361 S2/S3 festgelegt.Technischer Anhang und Stichwortverzeichnis, Seite 16.009. In: TKD-Kabel.de

An der Kennzeichnung lässt sich der Aufbau und mögliche Verwendung wie zum Beispiel die maximal zulässige Spannung ablesen.

Beispiel Beispiel für eine harmonisierte Kennzeichnung: H 07 RR – F 3 G 1,5

H = Harmonisierte Leitung 07 = zugelassen für 450 V Spannung zwischen Außenleiter (L1, L2, L3) und Schutzerde (PE) und 750 V Spannung zwischen den Außenleitern (L1, L2, L3) R = Isolierung der Adern aus Natur- und synthetischem Kautschuk R = Mantel der Leitung aus Natur- und synthetischem Kautschuk F = feindrähtig (Leitung flexibel) 3 = Anzahl der Adern G = mit grün-gelbem Schutzleiter 1,5 = Leiterquerschnitt in mm2

Typenkurzzeichen

Kennzeichnung der Bestimmung A: Anerkannter nationaler Typ H: Harmonisierter Typ CH-N: Anderer nationaler Typ (hier: ein Schweizer Typ)

Bemessungsspannung 01: 100 V / 100 V 03: 300 V / 300 V 05: 300 V / 500 V 07: 450 V / 750 V 11: 600 V / 1000 VIn HD 361 S3 und VDE 0292 nicht enthalten Die erste Spannung (U0) ist der maximal zulässige Effektivwert zwischen Außenleiter und Erde, die zweite Spannung (U) ist der maximal zulässige Effektivwert zwischen zwei Außenleitern derselben Leitung. Die Bemessungsspannung für Gleichspannung ist somit um Faktor Wurzel 2 (ca. 1,4) größer. H 07 entspricht es somit etwa 635 VDC / 1060 VDC.

Isolierwerkstoff der Ader B: Ethylen-Propylen-Gummi für eine Dauer-Betriebstemperatur von 90 °C G: Ethylen-Vinylacetat J: Glasfaserbeflechtung M: Mineralisch N: Polychloropren-Gummi (oder gleichwertiger Werkstoff) N2: Spezial-Polychloropren-Gummi-Mischung für Mäntel von Schweißleitungen nach HD 22.6 N4: Chlorsulfiniertes oder chloriertes Polyethylen N8: Spezial-Polychloropren-Gummi-Mischung, wasserbeständig Q: Polyurethan (PU), Q2: Polyethylenterephthalat (PET), Q3: Polystyrol (PS), Q4: Polyamid (PA), Q5: Polyimid (PI), Q6: Polyvinylidenfluorid (PVDF) R: Ethylenpropylen-Gummi oder gleichwertiges synthetisches Elastomer für Temperaturen/Dauerbetriebstemperatur von +60 °C S: Silikon-Gummi, +180 °C T: Textilgeflecht über die verseilten Adern T6: Textilgeflecht, über jede einzelne Ader einer mehradrigen Leitung V: PVC, +70 °C V2: PVC, wärmebeständig, +90 °C V3: PVC, kältebeständig, −25 °C V4: PVC, vernetzt V5: PVC, ölbeständig Z: vernetzte Polyolefin-Mischung für Leitungen, die im Brandfall wenig korrosive Gase und wenig Rauch entwickeln Z1: Thermoplastische Polyolefin-Mischung für Leitungen, die im Brandfall wenig korrosive Gase und wenig Rauch entwickeln

Aufbauelemente (optional) C: Schirm konzentrisch aus Kupfer C4: Kupferschirm als Geflecht über den Adern Q4: Zusätzliche Polyamid-Aderumhüllung T: Zusätzliches Textilgeflecht über verseilten Adern T6: Zusätzliches Textilgeflecht über Einzelader H: flache, aufteilbare Leitung H2: flache, nicht aufteilbare Leitung H6: flache Leitung nach EN 50214 (flache PVC-ummantelte Steuerleitungen) mit 3 oder mehr Adern H7: Leitung mit extrudierter zweischichtiger Isolierhülle H8: Wendelleitung (F): Längswassergeschützt

Mantelwerkstoff wie bei Isolierwerkstoff, zusätzlich: J: Glasfasergeflecht N4: Chloropren-Kautschuk, wärmebeständig Q: Polyurethan T: Textilgewebe T2: Textilgeflecht, flammwidrig

Aufbauart (optional) D3: Zugentlastungselemente D5: Kerneinlauf (kein Tragelement) FM: Fernmeldeadern in Starkstromleitungen H: flache, aufteilbare Leitung (Zwillingsleitung) H2: flache, nicht aufteilbare Leitung (zweiadrige Mantelleitung) H6: flache, nicht aufteilbare Leitung (mehr- oder vieladrige Mantelleitung) H7: Isolierhülle zweischichtig H8: Wendelleitung

Leiterwerkstoff ohne Kennzeichen: Kupfer A: Aluminium

Leiterart Folgt in der Bezeichnung nach dem Bindestrich D: feindrähtig, für Schweißleitungen E: feinstdrähtig, für Schweißleitungen F: feindrähtig, Leitungen flexibel H: feinstdrähtig K: feindrähtig, bei Leitungen für feste Verlegung R: mehrdrähtig, rund U: eindrähtig, rund Y: Lahnlitze (Leiter aus Metallgespinst um Trägerfaden für hohe mechanische Beanspruchung)

Aderzahl Zahl = Anzahl der insgesamt vorhandenen Adern

Schutzleiter G: mit grün-gelbem Schutzleiter X: ohne grün-gelben Schutzleiter

Aderquerschnitt Zahl = Querschnittsfläche der Ader in mm²

Häufig verwendete Leitungstypen Gummischlauchleitungen mini|Gummischlauchleitung H07RN-F 5G6 abgesetzt und vorbereitet mit Aderendhülsen für den Anschluss einer CEE Steckverbindung H05RR-F für geringe mechanische Belastung, nicht für die Verwendung im Freien H05RN-F für geringe mechanische Belastung, ölbeständig, auch für die dauerhafte Verwendung im Freien mit einer Bemessungsspannung von 500 V (Leiter gegen Leiter; 300 V gegen Erde) H07RN-F für hohe mechanische Belastung, auch für die dauerhafte Verwendung im Freien mit einer Bemessungsspannung von 750 V (Leiter gegen Leiter; 450 V gegen Erde)

Kunststoffschlauchleitung H03-VV-F  PVC-Schlauchleitung für geringe mechanische Beanspruchung H05-VV-F  PVC-Schlauchleitung für mittlere mechanische Beanspruchung H05-V2V2-F  wärmebeständige PVC-Schlauchleitung für mittlere Beanspruchung

Normen Auf europäischer Ebene ist das System für die Kurzzeichen von isolierten Leitungen in HD 361 S3:1999 + A1: 2006 festgelegt. In Deutschland ist die HD 361 S3 in der DIN VDE 0292:2007-05 System für Typkurzzeichen von isolierten Leitungen umgesetzt.

Kennzeichnung gemäß deutschen Normen Der erste Buchstabe der Kennzeichnung ist ein „N“, was bedeutet, dass es sich um eine Normenleitung handelt. Durch Anfügen weiterer Buchstaben ergibt sich das Bauartkurzzeichen. Die Reihenfolge der Kurzzeichen gibt den Aufbau des Kabels von innen, ausgehend vom Leiter (Ader), nach außen an.

Beispiel mini|Leitung NYM-J 3x1,5 Beispiel für eine Leitungsbezeichnung nach nationaler Norm: NYM-J 3x1,5

N = Normenleitung Y = Isolierung der Adern aus Polyvinylchlorid (PVC) M = Mantelleitung -J = mit grün-gelbem Schutzleiter 3 = Anzahl der Adern x = "mal" 1,5 = Leiterquerschnitt in mm2

Typenkurzzeichen Die einzelnen Kurzzeichen bedeuten:

1. Block für Leitungen

1. Block für Kabel

2. Block: Leiterquerschnitt

Genormte Querschnittsangaben sind (in mm²): 0,50 • 0,75 • 1,0 • 1,5 • 2,5 • 4 • 6 • 10 • 16 • 25 • 35 • 50 • 70 • 95 • 120 • 150 • 185 • 240 • 300 • 400 • 500 Zusätzlich werden in der Nachrichtentechnik Adern von 0,6 mm und 0,8 mm verwendet, wobei diese Angaben angenäherte Werte der Leiterdurchmesser, somit also keine Querschnitte darstellen.

3. Block: Leiteraufbau RE: eindrähtiger Rundleiter RF: feindrähtiger Rundleiter RM: mehrdrähtiger Rundleiter SE: eindrähtiger Sektorleiter SM: mehrdrähtiger Sektorleiter

4. Block: Schutzleiter -J: Leitung hat grün-gelb gekennzeichnete Ader -O: Leitung hat keine grün-gelb gekennzeichnete Ader

Häufig verwendete Leitungstypen Stegleitung mini|Stegleitung NYIF-J 5x1,5 mm² NYIF-J (nur noch in trockenen Räumen zulässig) NYIF-O (nur noch in trockenen Räumen zulässig)

Installationsleitung für Telekommunikation J-Y(St)Y-2x2x0,6 (Fernmeldeinnenkabel, entspricht nicht Leistungskategorie 3 (CAT 3) wegen falscher Impedanz, abgerufen am 19. Juli 2020.) J: InstallationskabelY: Leiterisolierung aus PVCSt: Elektrostatischer Schirm (Metallband, auch kunststoffkaschiert)Y: Mantel/Schutzhülle aus PVC2x2x0,6: 2 Paare in Sternviererverseilung mit Leiterdurchmesser 0,6 mm

Gummischlauchleitungen NSSHöu-O für sehr hohe mechanische Beanspruchungen NSSHöu-J für sehr hohe mechanische Beanspruchungen

Kabel mini|PVC-Erdkabel mit Aluminiumleitern NAYY NYY-J: Erdkabel mit Isolierung und Schutzhülle aus PVC NYCY: PVC-Erdkabel, Aufbau wie NYY, jedoch mit konzentrischem, gewendelten Kupferleiter und Querleitwendel NYCWY: PVC-Erdkabel, Aufbau wie NYY, jedoch mit konzentrischem, wellenförmigen (auch ceanderförmig, d. h. mit wechselnder Schlagrichtung aufgebrachten Einzeldrähten) Kupferleiter und Querleitwendel NAYY: PVC-Erdkabel mit Aluminiumleitern zur Gebäudeinstallation und Festverlegung

Mantelleitung NYM-J Norm-Mantelleitung kunststoffisoliert mit Schutzleiter NYM-O Norm-Mantelleitung kunststoffisoliert ohne Schutzleiter NYM(ST)-J Norm-Mantelleitung kunststoffisoliert mit Folien-Abschirmung und Schutzleiter NHXMH (halogenfreie Installationsleitung mit verbessertem Verhalten im Brandfall, jedoch wegen Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlung problematisch bei Einsatz als Anschlussleitung für LeuchtstoffröhrenH.-J. Slischka: Schäden an halogenfreier Mantelleitung NHXMH, Erforderliche Maßnahmen zum Personen- und Brandschutz, Elektropraktiker, Berlin 67 (2013), abgerufen am 5. April 2022 (pdf))

Kurzschlussfeste Aderleitung NSGAFöu Flexible Einzeladergummileitung mit 1,8/3 kV Nennspannung Geeignet für den Einsatz als Verbindung zwischen Verteilerstromkreisen und nachgeschalteten Überstromschutzeinrichtung. Gemäß DIN VDE 0100-520:2013-06 Abschnitt 521.11 wird dafür eine erdschluss- und kurzschlusssichere Verlegung verlangt, die mit NSGAFÖU Leitungen mit flammwidriger Isolierung nach VDE 0250-602 bis zu einer Länge von 3 m erfüllt werden kann.

Normen In Deutschland sind die Kurzzeichen für harmonisierte Leitungen genormt in DIN VDE 0292 System für Typkurzzeichen von isolierten Leitungen DIN VDE 0293-308 Kennzeichnung der Adern von Kabeln/Leitungen und flexiblen Leitungen durch Farben Kurzzeichen für nationale Normenkabel sind in DIN 57250-1 VDE 0250-1:1981-10 Isolierte Starkstromleitungen genannt. Normenreihe DIN VDE 0281 für PVC-isolierte Leitungen Normenreihe DIN VDE 0282 für Gummi-isolierte Leitungen

Kennzeichnung gemäß österreichischen Normen In Österreich werden traditionelle Zeichen und harmonisierte Zeichen verwendet.

Typenkurzzeichen

E Energieleitung F Fernmeldeleitung Y PVC-Isolierung G Gummiisolierung S Silikonisolierung A Aluminiumleiter e eindrähtig m mehrdrähtig f feindrähtig ff feinstdrähtig u flammwidrig v Leiter verzinnt ö ölfest fl flache Ausführung . W wetterfest .Zw Zwillingsleitung .M Mantelleitung ..L leichte Ausführung ..S schwere Ausführung ..T mit Tragseil