mini|Susanne Gaschke, 2025 Susanne Gaschke (* 19. Januar 1967 in Kiel) ist eine deutsche Journalistin, Publizistin und Autorin. Von 1997 bis 2012 war sie Redakteurin der Wochenzeitung Die Zeit. Von 2015 bis 2022 war sie für Die Welt und die Welt am Sonntag tätig. Seit 2022 schreibt sie für die Neue Zürcher Zeitung. 2012 wurde sie als SPD-Kandidatin zur Oberbürgermeisterin von Kiel gewählt. Am 28. Oktober 2013 trat sie wegen der Kontroverse um einen rechtswidrigen Steuererlass und den damit verbundenen staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen sie zurück.

Gaschke ist Autorin und Herausgeberin mehrerer Sachbücher.

Leben Nach ihrem Abitur 1986 an der Kieler Gelehrtenschule studierte Gaschke Anglistik, Pädagogik und Öffentliches Recht an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo sie 1995 mit ihrer Dissertation über Kinderliteratur (Bewertung: summa cum laude) bei Konrad Groß promoviert wurde.Der wahre Doktorvater. In: unizeit, Nr. 43, 22. Juli 2007.

Sie absolvierte ein Volontariat bei den Kieler Nachrichten und war ab 1997 Redakteurin der Wochenzeitung Die Zeit.Jochen Bittner: Tschüs, Susanne. In: Die Zeit, Nr. 47, 15. November 2012, S. 6. Dort leitete sie den Bereich „Junge Leser“, zu ihren Schwerpunkten gehörten die Sozial-, Jugend-, Frauen- und Bildungspolitik.Daniel Kummetz: Gebildete für mehr Bildung. In: Die Tageszeitung, 12. November 2012, abgerufen am 27. August 2014. Später wandte sie sich insbesondere den Themen der digitalen Moderne und dem Urheberrechtsschutz zu, wobei sie die Position des Heidelberger Appells einnahm.Susanne Gaschke: Auf dem Rücken des Autors. In: Die Zeit, Nr. 15, 4. April 2009, abgerufen am 27. August 2014. Gaschke war außerdem Herausgeberin des Kindermagazins Zeit Leo.Sport- und Kochunterricht mit Susanne Gaschke. In: Zeit Online, abgerufen am 27. August 2014. Ab dem 1. Januar 2015 bis Herbst 2022 war sie Autorin der Welt und Welt am Sonntag, wo sie u. a. für die Kolumne Das echte Leben verantwortlich war.Susanne Gaschke, VisitenkarteListe der Welt-Artikel von Susanne Gaschke Seit Herbst 2022 ist sie für die Neue Zürcher Zeitung tätig.

Als Journalistin und Publizistin beschäftigt sie sich u. a. mit gesellschaftlichen Themen wie Digitalisierung, Manieren und Erziehung und kommentiert das aktuelle politische Geschehen und die Lage der SPD. Außerdem verfasst sie Reportagen.

Gaschke ist mit Hans-Peter Bartels verheiratet, einem ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten, der von 2015 bis 2020 Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages war.Markus Decker: Aus der Redaktion ins Rathaus. In: Frankfurter Rundschau, 13. Juli 2012, S. 40. Das Ehepaar hat eine Tochter. Es lebt in Berlin.

Politische Laufbahn Bereits während des Studiums war Gaschke politisch aktiv, unter anderem als Vorsitzende des Allgemeinen Studentenausschusses.

Von 1987 bis 2020 war sie Mitglied der SPD und sammelte erste Erfahrungen bei den Jusos.

Wahl zur Kieler Oberbürgermeisterin Als der Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig 2012 zum Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gewählt wurde, wurde dessen Amt im Kieler Rathaus frei. Gaschke setzte sich auf einer parteiinternen Mitgliederversammlung durch und erhielt die Parteiunterstützung für ihre Kandidatur bei der Direktwahl.Zeit-Journalistin Gaschke Bürgermeister-Kandidatin der Kieler SPD. In: Bild, 11. August 2012, abgerufen am 27. August 2014. Sie begründete ihren Wechsel in die Politik mit dem Interesse, „die Verhältnisse zu ändern“.Ulf Poschardt: Journalistin, Genossin. In: Die Welt, Nr. 162, 13. Juli 2012, abgerufen am 27. August 2014. Sie wolle nicht länger nur Berichterstatterin sein, sondern selbst Verantwortung übernehmen. Im Wahlkampf thematisierte Gaschke vor allem den Ersatz für das Kohlekraftwerk an der Förde, Investitionen in Schulen und Sporthallen und die Verschuldung der Stadt.Nachfolger für Albig im Kieler Rathaus gesucht. In: Die Welt, 24. Oktober 2012, abgerufen am 27. August 2014.

Bei der Wahl erhielt Gaschke im Oktober 2012 mit einem Stimmenanteil von 43,2 Prozent die meisten Stimmen vor Gert Meyer (CDU) und Andreas Tietze (Bündnis 90/Die Grünen)Ulrich Exner: Union auch in Kiel ohne Aussicht auf Wahlsieg. In: Die Welt, Nr. 254, 30. Oktober 2012, S. 30., verfehlte aber die absolute Mehrheit. In der Stichwahl wurde sie zusätzlich von den Grünen unterstützt und gewann mit 54,1 Prozent der Stimmen.Kieler Grüne unterstützen Gaschke. In: Kieler Nachrichten, 31. Oktober 2012, abgerufen am 31. Oktober 2012.Journalistin Gaschke gewinnt in Kiel Bürgermeisteramt bleibt bei der SPD. In: Der Tagesspiegel, 12. November 2012, abgerufen am 27. August 2014. Gaschke trat ihr Amt als 18. Oberbürgermeisterin der Stadt Kiel am 1. Dezember 2012 an.Kiels neue Oberbürgermeisterin Gaschke vereidigt. In: Die Welt, 26. November 2012, abgerufen am 27. August 2014.

Kontroverse und Rücktritt als Oberbürgermeisterin 2013 Vor Gaschkes Amtsantritt hatte die von Torsten Albig geführte Stadtverwaltung mehrere Jahre mit einem Unternehmer über die Begleichung titulierter Steuerbescheide verhandelt, ohne diese zu vollstrecken – was 2008 gerichtlich angeordnet, 2011 aber wieder ausgesetzt worden war. Die Forderungen hatten ihren Ursprung in der Besteuerung von Immobiliengeschäften des Betroffenen in den 1990er Jahren. In: NDR, 14. Mai 2014, abgerufen am 27. August 2014. Susanne Gaschke verließ sich auf ihre Beamten, den Stadtkämmerer und auf die Sachkenntnisse Albigs. Dieser war Auftraggeber des Vertragsentwurfs, auch die SPD-Fraktion war unterrichtet und hatte zugestimmt. Daher erließ Gaschke im Juli 2013 im Wege eines Eilentscheids ohne vorherige Beteiligung der Ratsversammlung Zinsen und Gebühren in Höhe von 3,7 Millionen Euro. In: Hamburger Abendblatt, 23. April 2014. Der Unternehmer sollte lediglich Gewerbesteuer in Höhe von 4,1 Millionen Euro in Raten abführen. Die Eilbedürftigkeit wurde mit der Abwendung der Insolvenz des Steuerschuldners und der Sicherung zumindest eines Teils der Forderung begründet.Kieler Oberbürgermeisterin Gaschke gibt Amt auf. In: Handelsblatt, 28. Oktober 2013, abgerufen am 27. August 2014.Jasper von Altenbockum: Was ist falsch am Kieler Steuerdeal? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Oktober 2013, abgerufen am 27. August 2014.

Gaschkes Entscheidung löste eine kontroverse Diskussion in der Öffentlichkeit aus, Beobachter bezeichneten sie als „Steuergeschenk für einen Reichen“.Jürgen Dahlkamp: Kiel: Steuergeschenk für einen Reichen? In: Spiegel Online, 7. September 2013, abgerufen am 27. August 2014. Die Kommunalaufsicht im Innenministerium von Schleswig-Holstein beanstandete den Erlass als rechtswidrig, da dieser unter anderem ohne die notwendige Zustimmung der Ratsversammlung erfolgt sei.Kieler Steuerdeal: Kommunalaufsicht rüffelt Oberbürgermeisterin Gaschke. In: Spiegel Online, 26. Oktober 2013, abgerufen am 27. August 2014. Sie wies die Stadt an, den Bescheid umgehend aufzuheben, was aus rechtlichen Gründen aber nicht mehr möglich war.Deal ist Deal. In: Der Spiegel, Nr. 44, 28. Oktober 2013, abgerufen am 27. August 2014. Die Ratsmehrheit hatte bereits am 22. August 2013 darauf verzichtet, von ihrem Rückholrecht der Entscheidung Gebrauch zu machen.Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung der Ratsversammlung. In: Infosystem Kommunalpolitik, Landeshauptstadt Kiel, 22. August 2013, abgerufen am 3. September 2014. Außerdem wurden später Fehler im Bericht der Kommunalaufsicht bekannt, unter anderem die Falschzuordnung einer Unterschrift im Aktenvorgang zu einer bestimmten Person. In: NDR, 8. November 2013, abgerufen am 3. September 2014. Im Oktober 2013 leitete die Staatsanwaltschaft Kiel Ermittlungen gegen Gaschke wegen des Verdachts der Untreue ein, In: NDR, 19. Oktober 2013. die im Mai 2014 wegen nicht hinreichenden Tatverdachts eingestellt wurden.Beschluss der Staatsanwaltschaft: Ermittlungen gegen Kieler Ex-Oberbürgermeisterin Gaschke eingestellt. In: Spiegel Online, 14. Mai 2014, abgerufen am 27. August 2014.

Im Zuge der Kontroverse gab Gaschke Ende Oktober 2013 ihren sofortigen Rücktritt bekanntKiels Oberbürgermeisterin Gaschke tritt zurück. In: Zeit Online, 28. Oktober 2013, abgerufen am 27. August 2014. und beantragte in der Folge ihre Entlassung aus dem Zeitbeamtenverhältnis. Sie begründete das auch mit der anhaltenden medialen Debatte um ihre Person und bemängelte eine „pseudoneutrale Schiedsrichterei“ der Journalisten.Kiels Ex-OB Gaschke kritisiert zu viel journalistisches Übermenschentum. In: Meedia, 10. Mai 2014, abgerufen am 27. August 2014. Später kritisierte sie ein „journalistisches Übermenschentum“.Sind die Medien noch vierte Gewalt? In: die tageszeitung, 10. Mai 2014, abgerufen am 27. August 2014. Mit diesem Begriff hatte zuvor Frank Schirrmacher die Überspannung der Erwartungen in der journalistischen Berichterstattung umschrieben. Andere Beobachter attestierten Gaschke AbgehobenheitChristiane Hoffmann: Rücktritt von Kiels OB Susanne Gaschke: Die testosterongesteuerte Frau. In: Spiegel Online, 28. Oktober 2013, abgerufen am 27. August 2014. und „Bockigkeit“ (Björn Engholm),Umstrittener Steuerdeal: Kieler Oberbürgermeisterin Gaschke tritt zurück. In: Spiegel Online, 28. Oktober 2013, abgerufen am 27. August 2014. sie sehe sich als Opfer.Ansgar Siemens: Kieler Oberbürgermeisterin Gaschke: Krawallrede zum Abschied. In: Focus Online, 28. Oktober 2013, abgerufen am 27. August 2014. Vor ihrem Rücktritt bezeichnete Gaschke ihre Entscheidung im Steuerverfahren als Fehler und entschuldigte sich bei Parteifreunden und Ratsmitgliedern.Gaschke entschuldigt sich. In: Holsteinischer Courier, 1. Oktober 2013, 27. August 2014.

Ende 2014 meldete der betreffende Unternehmer trotz des Steuerschulderlasses Insolvenz an. Dies könnte dazu führen, dass die Stadt wesentlich weniger Geld erhält, als der von Gaschke initiierte Erlass vorgesehen hatte.Ein ziemlich schlechtes Geschäft. In: Neues Deutschland, 31. Dezember 2014, abgerufen am 3. Januar 2015. Der von der Gläubigerversammlung im November 2016 angenommene Insolvenzplan sieht eine Insolvenzquote von 30 Prozent vor.Martina Drexler zum Fall Uthoff.

Parteiaustritt 2020 Im Mai 2020 trat Gaschke nach 33 Jahren aus der SPD aus und begründete den Schritt in der Welt unter anderem mit „ehrlosem Verhalten“ der Partei gegenüber ihrem Ehemann Hans-Peter Bartels, der als Wehrbeauftragter nicht wieder nominiert und durch Eva Högl ersetzt worden war. Von einer Aufstiegs- habe sich die SPD zu einer Versorgungspartei entwickelt, bei der es nur noch um Jobs, Ämter und Dienstwagen gehe. Qualifikation spiele im Gegensatz zu parteiinterner Binnenlogik keine Rolle mehr:

Sie benannte ferner politische Fehler in der Bildungspolitik (Bologna), der Schulreform nach PISA und in der Familienpolitik. In der Abkehr von der bürgerlichen Mitte, dem Verharren in der Großen Koalition lägen die Gründe für den Abstieg der SPD zur „15-Prozent-Partei“.Frust über Karriere-Aus ihres Manns: Kieler Ex-OB Gaschke verlässt SPD.

Pandemiemaßnahmen 2021 Zu den Pandemiemaßnahmen schrieb Gaschke am 11. April 2021 in einem Meinungsbeitrag der Welt, die Regierung habe den Bezug zur Wirklichkeit verloren. Im Kanzleramt regiere „eine ‚No Covid‘-Sekte“, die das fiktive Ziel verfolge, in einem globalisierten Land keine Ansteckungen zuzulassen. Sie bedauerte, dass viele Medien dieser „Fiktion“ Schützenhilfe geleistet hätten und appellierte an den Bundestag, dem „Corona-Wahnsinn des Kanzleramtes“ Einhalt zu gebieten. Besonders bedenklich sah sie das Streben der Bundesregierung nach Aushebelung des Föderalismus:

In der Neuen Zürcher Zeitung schrieb sie in einem Kommentar, die Politik sei nun „endgültig durchpädagogisiert“. Gerade die Deutschen gefielen sich „in 150-prozentigem Corona-Gehorsam“.