mini|Ehemaliger Sitz der größten Bank Österreichs, der Erste Bank, in Wien In Österreich besteht eines der dichtesten Bankennetze Europas, in dem Ende 2012 809 Kreditinstitute insgesamt 4.468 Zweigstellen betrieben. Die Zahl der Banken und Zweigstellen nimmt aufgrund von Fusionen und Einsparungen seit den 1990er-Jahren kontinuierlich ab. mini|Sitz der Sparkasse Oberösterreich, in Linz-Urfahr In Österreich wird zwischen Banken mit einstufigen und mehrstufigen Sektoren sowie nach ihrer Rechtsform und nach ihrer Zugehörigkeit zum jeweiligen Fachverband unterschieden.

Einstufige Sektorbanken: Aktienbanken, Landes-Hypothekenbanken, Bausparkassen und Sonderbanken

Zweistufige Sektorbanken: Sparkassen und Volksbanken

Dreistufigen Sektorbanken: Raiffeisenbanken

Innerhalb dieser mehrstufigen Sektoren koordiniert existiert jeweils ein Zentralinstitut (Spitzeninstitut), welches für den angeschlossenen Bereich die Koordinierungs- und Geldausgleichsfunktion wahrnimmt. Sie sind somit auch Drehscheibe für Geschäfte mit den anderen Sektoren.

Gesetzesbestimmungen Seit der Einführung des Kreditwesengesetzes (KWG) 1979 haben sich die Grenzen zwischen den einzelnen Kreditinstitutarten nach und nach verwischt. Viele Banken entwickelten sich zu Universalbanken, die eine umfassende Palette an Bankdienstleistungen anbieten. Vor dem KWG von 1979 galt für das österreichische Kreditwesen noch immer das seit dem 1. Oktober 1938 in Nazi-Deutschland und im angeschlossenen Österreich gültige Kreditwesengesetz. Das KWG 1979 entstand aufgrund der zunehmenden Liberalisierung des Bankensystems sowie wegen des allgemeinen Trends zu Universalbanken. Durch das rasche Wachstum und vermehrte Tätigkeit der österreichischen Banken im Ausland wurde eine Anpassung an internationale Standards notwendig, was in der Gesetzesnovelle von 1986 geregelt wurde. Per 1. Jänner 1994 wurde das KWG durch das neue Bankwesengesetz (BWG) abgelöst, welches in Hinblick auf EU-Konformität verfasst wurde und auch verbesserte Bestimmungen zum Gläubiger- und Konsumentenschutz enthält. Im Jahr 2002 wurde die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) gegründet, welche den österreichischen Bankensektor überwacht.

Bankgeheimnis Die österreichischen Banken profitieren lange Zeit vom sehr strengen österreichischen Bankgeheimnis. Nach der Erweiterung der Europäischen Union wurde zwar die Anonymität bei Sparkonten abgeschafft, aber Kontoinhalte dürfen bis heute ohne richterliche Anordnung nicht preisgegeben werden. Im Oktober 2014 haben sich alle OECD-Länder und G20-Länder auf neue Standards hinsichtlich Transparenz und Informationsaustausch geeinigt. Seit 2017 werden die neuen Standards umgesetzt. Die Grundlage ist das multilaterale Übereinkommen zur gegenseitigen Amtshilfe in Steuersachen. Stark profitieren konnten die österreichischen Banken auch vom Aufbau eines dichten Bankennetzes in den mittel- und osteuropäischen Ländern, welches großteils durch Ankäufe ehemals staatlicher Banken erreicht wurde. Große Anteile des Gewinns der größten österreichischen Banken stammen heute aus dieser Region.

Banken Die Erste Bank bildet mit den 53 österreichischen Sparkassen einen gemeinsamen Haftungsverbund. Daher sind im unten stehenden Verzeichnis die Geschäftszahlen der Sparkassen in den Zahlen der Erste-Bank enthalten und es scheinen auch große Bundesländersparkassen nicht mehr gesondert in der Aufstellung der größten österreichischen Kreditinstitute auf.

+ Die größten österreichischen Kreditinstitute nach der Bilanzsumme (2023/24) konsolidiert Rang2022 Kreditinstitut Bilanzsummein Mrd. Euro 1 Erste Group Bank AG 373,155 2 Raiffeisen Bank International AG - RBI 198,241 3 UniCredit Bank Austria AG 102,745 4 BAWAG Group AG 55,448 5 Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG 47,838 6 Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG 35,078 7 Oberbank AG 27,834 8 Steiermärkische Bank und Sparkassen AG 21,294 9 Raiffeisen-Landesbank Steiermark 17,114 10 Allgemeine Sparkasse Oberösterreich Bank AG 15,726

Geschichte

Mittelalter und frühe Neuzeit Mit dem Aufblühen des Fernhandels im Hochmittelalter wie auch den Pilgerfahrten wurde der unbare Geldverkehr mittels Kreditbriefen (Wechsel) populär. Damit fanden insbesondere der Templerorden (die Templerniederlassungen im heutigen Österreich gehörten zur böhmisch-österreichischen Kommende des Ordens) und vermehrt norditalienische Kaufleute (sog. Lombarden) einen Weg, faktisch Kredite gegen Zins zu vergeben, ohne formell gegen das religiös bedingte Zinsverbot zu verstoßen. In Folge traten ab etwa 1240 vermehrt diese norditalienischen Kaufleute auch als Bankiers und Geldverleiher in den damals bedeutenden Städten Europas auf und finanzierten über Kredite den Handel, so etwa auch in Innsbruck. Gewerbliche Geldangelegenheiten wurden aber auch innerhalb der jeweiligen Zünfte abgewickelt. Privatpersonen wiederum konnten etwa in den Pfarrhäusern Geld deponieren und ab 1707 im ersten Versatzamt (heute Dorotheum) der Monarchie gegen Verpfändung von Gebrauchsgegenständen Darlehen aufnehmen, daneben existierten weiterhin die traditionellen privaten Geldverleiher.

Kreditwesen in Österreich bis zum 19. Jahrhundert Als wichtigste Geldgeber des Kaiserhauses dienten lange Zeit „Hofjuden“ genannte jüdische Bankiers, da für Christen das Zinsverbot galt. Diese dienten oft verschiedenen Herrscherhäusern, manchmal aber auch nur einem, wodurch sie auch von diesem abhängig waren. Diese Hoffaktoren samt Hausstand und Gefolgschaft sowie Handelskorrespondenten zählten nach der Wiener Gesera von 1421 (siehe auch Geschichte der Juden in Österreich) lange Zeit zu den wenigen per Schutzpatent „geduldeten“ Juden in einer christlich-antisemitisch gesinnten Gesellschaft. Ein solcher Hoffaktor und auch Heereslieferant war ab 1672 bis zu seinem Tod 1703 der auch für deutsche Fürsten tätige Samuel Oppenheimer. In diesem Zeitraum war er der wichtigste Kreditgeber und ein wichtiger Heereslieferant der österreichischen Armee. Er finanzierte für Kaiser Leopold I. unter anderem den Holländischen Krieg und beschaffte Heeresausstattung aus vielen europäischen Ländern unter anderem für den großen Türkenkrieg. Die als Kredite bereitgestellten Gelder kamen jedoch keineswegs aus seiner eigenen Kasse alleine. Über Mittelsmänner und Lieferanten waren an den Geschäften in der Regel auch in großem Umfang (christlicher) Adel und Hochadel beteiligt.

Nach Oppenheimers Tod 1703 entstand eine schwere Finanzkrise, da das Kaiserhaus sich nicht mehr zur Rückzahlung der fünf Millionen Gulden betragenden Schulden verpflichtet fühlte. Die zahlreichen Geldgeber Oppenheimers blieben somit auf ihren Krediten sitzen und gerieten in finanzielle Schwierigkeiten. Um den finanziellen Forderungen der Gläubiger zu entgehen, erklärte die Regierung über Oppenheimers Nachlass den Bankrott. Es kam zu einer großen Kapitalflucht, die Kredite an Österreich kamen zum Erliegen. Der Präsident der Hofkammer, Gundaker Thomas Graf Starhemberg, soll diese Angelegenheit als derart schädlich für die Habsburgermonarchie bezeichnet haben, dass „Frankreich für sich und gegen den Kaiser nichts Kräftigeres [hätte] ersinnen konnen“. Die Forderungen der Gläubiger mussten schließlich anerkannt werden. Zu diesem Zwecke wurde 1703 nach dem venetianischen Vorbild die Banco del Giro als erste Bank Österreichs gegründet. Als rein dem Schuldendienst dienende Bank mit finanzieller Unterausstattung ging sie jedoch 1705 bereits bankrott. Als Nachfolger der Banco del Giro wurde 1706 die Wiener Stadtbank gegründet, die ebenfalls ausschließlich der Finanzierung der Vorhaben der absolutistischen Herrscher diente.Christoph Lind: Juden in den habsburgischen Ländern 1670-1848. In: Herwig Wolfram (Hrsg.): Österreichische Geschichte. Band 15: Geschichte der Juden in Österreich. Ueberreuter Verlag, Wien 2006, S. 341–343.

Zum Nachfolger Oppenheimers als Hoffaktor wurde am 29. August 1703 dessen Neffe Samson Wertheimer ernannt. Dieser betätigte sich ausschließlich im Geldgeschäft. Ihm folgte 1708 sein Sohn Wolf Wertheimer nach.Lind, 2006, S. 343–346.

Erst im Zuge der industriellen Revolution nahmen die Banken zunehmend die Rolle des Vermittlers zwischen Privatpersonen und Wirtschaft an, sodass privates Vermögen nun nicht mehr ungenützt in den Haushalten herumlag, sondern an Kreditnehmer verliehen werden konnte. Im 19. Jahrhundert begann sich das Bankenwesen allmählich in verschiedene Sektoren aufzuspalten, von denen sich jeder auf eine bestimmte Kundengruppe spezialisierte.

Zeitalter der Industrialisierung und 20. Jahrhundert mini|Sitz der ehemaligen Creditanstalt am Schottenring und ehemalige Zentrale der Bank Austria (ehemals größte Bank Österreichs) Als Salomon Meyer Freiherr von Rothschild, Mitglied der bedeutenden deutschen Bankiers-Familie Rothschild, im Jahr 1819 nach Wien übersiedelte und 1820 eine Bank eröffnete, begann damit die Geschichte des bedeutendsten Kreditinstitutes der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und darüber hinaus. Das Haus fungierte als Wirtschaftsbank und finanzierte große Projekte der Industrialisierung Österreichs, wie z. B. den Ausbau der Nordbahn ab 1830, und diente böhmischen und westungarischen grundbesitzenden Adeligen als großer Kreditgeber. 1855 gründete sein Sohn aus diesem Bankhaus die k. k. privilegierte Österreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe, kurz Creditanstalt, welche während der gesamten Zeit der Donaumonarchie die bedeutendste Wirtschaftsbank bleiben sollte.

Größter Konkurrent war die 1880 als Tochter einer französischen Bank gegründete Länderbank, und mit der „Österreichischen Alpine Montangesellschaft“ 1881 auch den größten Industriekonzern des Alpenraums gründete. Bereits 1882 löste sich die Länderbank von ihrer französischen Mutter.

Bereits 1863 erfolgte mit englischem und österreichischem Kapital die Gründung der Anglo-Österreichischen Bank, deren Niederlassungen in Österreich 1926 die Creditanstalt übernahm. Ebenfalls 1863 wurde mit französischem Kapital die „Allgemeine k. k. privilegierte Boden-Credit-Anstalt“ gegründet, welche im Vorfeld der Weltwirtschaftskrise von 1929 in schwere finanzielle Nöte geriet, und auf Anordnung der damaligen Bundesregierung 1930 in die Creditanstalt eingegliedert wurde.

Andere Bankgründer – neben den eben erwähnten sowie weiteren ausländischen Investoren – waren zur Zeit des „Bankenbooms“ in der Monarchie, welcher durch die liberale Regierungspolitik gefördert wurde, zumeist heimischer Hochadel oder Persönlichkeiten des Großbürgertums. Diese sicherten sich somit Einfluss auf Wirtschaft und Politik.

Durch den Ersten Weltkrieg hatte sich die gesamte Bankenlandschaft freilich komplett verändert, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die bedeutendsten Banken per Gesetz verstaatlicht.

Privatisierungen und Übernahmen (1990er-Jahre)