mini|hochkant=1.5|Metzer Dom
Der Dom St. Stephan zu MetzDehio (1911), S. 263. (), kurz der Metzer Dom (Cathédrale de Metz), ist ein römisch-katholischer Sakralbau in der lothringischen Stadt Metz. Er wurde in den Jahren 1220 bis 1520 errichtet und gilt als eines der schönsten und größten gotischen Kirchengebäude in Frankreich. Mit mehr als 41 Meter Gewölbehöhe hat der Metzer Dom nach den Kathedralen von Amiens und Beauvais den dritthöchsten Innenraum; die Fläche seiner Glasmalereien ist mit etwa 6500 m² die größte in einer französischen Kathedrale, daher sein umgangssprachlicher Name La lanterne du Bon Dieu („die Laterne des Lieben Gottes“).Baudaten zum Metzer Dom. fr.structurae.de Er ist damit auch eines der Meisterwerke des Gothique Rayonnant. Der Dom ist die Bischofskirche des Bistums Metz. Seit 1930 steht er als Monument historique („historisches Denkmal“) unter Denkmalschutz.
Geschichte
Das Stephanusoratorium (5.–10. Jahrhundert) Metz, eine alte gallische Stadt, wurde im 3. Jahrhundert Bischofssitz. Wie man aus einem Abschnitt der „Geschichte der Franken“ (Decem libri historiarum) des Gregor von Tours erfahren kann (lib. II, c. 6), war ein dem heiligen Stephan geweihtes Oratorium das einzige Gebäude der Stadt, das der Plünderung durch die Hunnen am 7. April 451 entging.
Der „wunderbaren Auffindung“ der Reliquien des Erzmärtyrers in Jerusalem im Jahr 415 war ein Aufschwung des Kultus des Heiligen im Westen gefolgt. Mehrere andere französische Kathedralen sind ihm ebenfalls geweiht (Agen, Auxerre, Besançon, Bourges, Cahors, Châlons-en-Champagne, Limoges, Meaux, Sens, Toul, Toulouse) und tauchen zumeist im 5. Jahrhundert auf.
Gegen 784 schrieb Paulus Diaconus, ein Benediktiner aus der Lombardei, der sich am Hof Karls des Großen aufhielt, eine Geschichte der Bischöfe von Metz, nach der Pippin der Jüngere Bischof Chrodegang finanziell half, Arbeiten an Altarbaldachin,Anstelle eines fest stehenden Altarziboriums kann, um die Gaben auf der Mensa vor Staub zu schützen, über dem Altar ein Tuch ausgespannt oder ein Baldachin mit Seilen oder Ketten an der Decke befestigt werden. Kanzel, Presbyterium und Chorumgang zu realisieren. Über die Baugestalt des Stephanusoratoriums ist daraus kaum etwas zu entnehmen.
Die ottonische Basilika Erst von dem in ottonischer Zeit begonnenen Neubau kennen wir wenigstens den Grundriss. Seine Hauptachsen decken sich mit denen des gotischen, heute bestehenden Baus. Bischof Dietrich I. veranlasste zwischen 965 und 984 diesen Neubau mit finanzieller Hilfe der Kaiser Otto I. und Otto II. Es war eine dreischiffige Basilika mit Querhaus, drei Apsiden und der Krypta unter dem heutigen Chor. Die neue Basilika wurde unter Bischof Dietrich II. von Luxemburg vollendet und 1039/1040 geweiht. Der Bau steht wie schon sein Vorgänger nicht in Ost-West-Richtung, sondern ist am antiken Straßennetz der Stadt ausgerichtet (siehe unten). Der Chor zeigt ungefähr nach Norden, genauer: nach Nordnordost.Entsprechend vereinfacht sind zur besseren Orientierung die folgenden Bezeichnungen zur Himmelsrichtung angegeben.
1186 wurde an die Südseite der ottonischen Basilika die Kollegiatkirche Notre-Dame-de-la-Ronde (St. Maria Rotonda) – ursprünglich ein achteckiger Zentralbau – angebaut, deren Achse im rechten Winkel zum Längsschiff der Kathedrale stand, so dass ihr Chor ungefähr nach Osten zeigte. Obwohl die beiden Kirchen Wand an Wand standen, bestand zwischen ihnen zunächst keine Verbindung.Baugeschichte der Kathedrale von Metz. architecture.relig.free.fr
Die gotische Kathedrale mini|Metzer Dom, Ansicht von Norden mini|Innenraum mini|Vierung und Chor mini|Metzer Dom, Grundriss mini|Blick in die Krypta mini|Die große Fensterrose
Bischof Konrad III. von Scharfenberg legte 1220 den Grundstein zum Bau einer neuen, gotischen Kathedrale aus Jaumont-Stein, die auf dem Grundriss der romanischen Vorgängerkirche errichtet wurde. Die Ausführung scheint zunächst gestockt zu haben. Unter Bischof Jakob von Lothringen (1239–1260) wurden die Langhausarkaden und der westliche Turm errichtet, wohl von einem Baumeister aus Reims. Inzwischen war auch die gotische Umgestaltung der Stiftskirche im Gange. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts einigten sich die Kapitel von Dom und Stift, dass die beiden Neubauten in gleichen Formen und Dimensionen, unter einem Dach und nur durch eine Trennwand voneinander geschieden, errichtet werden sollten. 1380 ersetzte man diese Wand durch ein Gitter und seitdem erleben wir heute das Bauwerk als einheitlichen Raum von beeindruckender Länge. Doch sind beide Bauabschnitte gut zu unterscheiden: Zum Dom gehören fünf, zur Marienkirche drei Joche; den Arkadenpfeilern des Doms sind Dienste vorgelegt, die Stiftskirche erhebt sich auf Säulen. Das Triforium ist dagegen bereits einheitlich gestaltet.
Nach Jacobs Tod 1260 scheint es wieder eine längere Unterbrechung gegeben zu haben. Am Außenbau gut erkennbar sind dieser Bauphase die doppelten Strebebögen und zwei Kapellen zuzuordnen: die Chapelle de Sacre-Coeur, die Bischofskapelle (1441) und die Chapelle du Mont Carmel, ehemals Chorapsis der 1348 geweihten Stiftskirche. Gleich daneben, an der Südostecke des ganzen Baus befindet sich der Haupteingang, seine schräge Position erinnert daran, dass die Stiftskirche ursprünglich ein runder Zentralbau (Rotonde) gewesen war.
Von den um 1240–1250 für das Portal dieser Marienkirche geschaffenen Skulpturen hat die Revolution von 1795 wenig verschont. Einige Figuren sind zurzeitStand: Mai 2023. außen an der Langhausostwand hinter Glas aufgestellt, anderes befindet sich im Museum.
Zwischen 1326 und 1380 stellte der Baumeister Pierre Perrat (dessen Grabmal man im westlichen Schiff findet) das Langhaus fertig und 1381 war auch der nach seiner Glocke, der Mütte benannte Turm bis auf seine Spitze vollendet.
Am Ende des 15. Jahrhunderts standen im Norden immer noch Chor und Querhaus aus ottonischer Zeit. Zwischen 1487 und 1520 ging man auch hier an die Modernisierung. Der linke Querhausarm, die „deutsche“ Kapelle (Notre-Dame la Tierce) wurde 1486, der rechte, die Nikolauskapelle, 1504 begonnen; 1497 ersetzte man die alten Chortürme durch schlanke Treppentürmchen und 1503–1520 baute man den Umgangschor mit seinen drei Kapellen. Spätere Gesamtweihen von 1540 und 1552 zeigen, dass, wie so oft, ein Kathedralbau nie endgültig vollendet ist.
In Metz lieferte Valentin Bousch aus Straßburg 1521 bis 1539 der Kathedrale Glasmalereien, die sich den Werken des 1392 gestorbenen Hermann von Münster würdig anschließen.
Nach Fertigstellung der Kathedrale wurde die trennende Wand zur mittlerweile ebenfalls gotisierten Kollegiatkirche abgetragen. Aus diesem Grund hat die Kathedrale kein westliches Hauptportal, sondern nur zwei Seitenportale unterhalb der beiden Türme. Auch die ungewöhnliche Lage der Türme ist so zu erklären: Sie markieren das Ende des Hauptschiffes der Kathedrale, dort wo sie auf die ältere Kapelle stößt. Als Hauptportal diente das schräg zur Hauptachse der Kirche angelegte Portal am Ende des südöstlichen Langhauses zum Place d’Armes hin.Link zum Grundriss auf der Disk-Seite. Westlich (hier: unterhalb) der Türme deutlich erkennbar die Kollegiatkirche.
18. Jahrhundert
mini|Metzer Dommodell, klassizistische Umbauung der Kathedrale durch Blondel im 18. Jahrhundert
Nachdem das Kapitel der Stiftskirche St. Maria im Jahr 1728 aufgelöst worden war, entfernte man auch das im Jahr 1381 installierte Gitter, das Dom und Stiftskirche voneinander getrennt hatte.
Mit dem Ausbau der Stadt Metz als gegen das Heilige Römische Reich gerichtete französische Festungsstadt wurde auch die Innenstadt den militärischen Erfordernissen angepasst. So ließ der Gouverneur von Metz, Charles Louis Auguste Fouquet de Belle-Isle, ab dem Jahr 1728 einen Paradeplatz neben dem Dom anlegen. Darüber hinaus sollten im Umfeld des Metzer Domes ein neues Rathaus, ein Parlamentsgebäude, ein Bischofspalast sowie weitere Gebäude entstehen, die das neue repräsentative Zentrum der Stadt bilden sollten. Unter dem Nachfolger von Belle-Isle, Marschall d’Estrées (1695–1771), wurde durch den Pariser Hofarchitekten, Städteplaner und Akademieprofessor Jacques-François Blondel ein klassizistisches Portal eingefügt, das die Kathedrale architektonisch mit der umgebenden Platzanlage verbinden sollte. Der Metzer Stadtbaumeister Gardeur le Brun leitete die Arbeiten, die im Jahr 1764 begannen.
Dabei wurde anstelle der alten Bischofsresidenz, die an der Südwest-Front der Kathedrale lag, ein axial auf den Dom ausgerichteter Vorplatz angelegt. Um dem Dom nun einen angemessenen Haupteingang zu verschaffen, blendete Blondel der neuen Hauptfront einen monumentalen klassizistischen Portikus vor. Das Kirchenportal war von je einem Säulenpaar flankiert, die einen Segmentbogen als Giebel trugen. Seitlich schlossen sich Fassaden an, in deren Nischen links und rechts zwei große Statuen aufgestellt wurden. Die Portalvorblendung verdeckte den unteren Teil des großen gotischen Südwestfensters, dessen Verglasung dadurch teilweise zerstört wurde. Das untere Fensterregister aus dem 14. Jahrhundert ist seitdem verloren. Die Errichtung des Portals von Blondel war die Votivgabe König Ludwigs XV., der im Jahr 1744 in Metz von einer lebensbedrohlichen Krankheit befallen worden war und nach seiner, der göttlichen Hilfe zugeschriebenen Genesung die Umgestaltung der Kathedrale feierlich gelobt hatte.
Zur Anlage des heutigen Paradeplatzes zwischen Dom und Rathaus wurden unter Protest des Metzer Klerus ein Kreuzgang, der Kapitelsaal, ein Refektorium und ein Dormitorium sowie insgesamt vier Kirchen (Alt-St. Peter, Groß-St. Peter, St. Paul, St. Gorgonius) und zwei Kapellen (Chapelle des Lorrains, Chapelle des Foës) abgerissen. Der untere Teil der Kathedrale wurde nun mit eingeschossigen Vorbauten verblendet, die dem Erdgeschoss des gegenüberliegenden Rathauses entsprachen. Bei dieser Maßnahme wurde das Liebfrauenportal des Domes überbaut und sein mittelalterlicher Skulpturenschmuck weitgehend zerstört. An der Nordwestseite des Domes zur Mosel hin wurden ebenfalls mehrere bestehende Gebäude abgerissen und eine monumentale Treppenanlage angelegt. Das Domportal, das zum Kammerplatz (Place de Chambre) führte, wurde zugemauert. Damit umgaben die Kathedrale nun drei klassizistische Platzanlagen und eine kulissenartige, klassizistische Architektur verstellte – zumindest teilweise – den Blick des Betrachters auf die als barbarisch empfundene mittelalterlich-gotische Architektur des Domes. Die Arbeiten waren im Jahr 1768 weitgehend abgeschlossen. Im Jahr 1785 begann der Bau des neuen Bischofspalastes, der allerdings durch den Beginn der Französischen Revolution im Jahr 1789 unvollendet blieb und dessen Untergeschoss seit dem Jahr 1831 als Markthalle der Stadt Metz dient.
Während der Revolution war der Metzer Dom in den Jahren 1791 bis 1793 heftigsten Zerstörungsorgien der revolutionären Religionsfeinde ausgesetzt, die nahezu alle Altäre und historischen Grabstätten demolierten. Nur aus Kostengründen waren damals die Heiligendarstellungen der Fenster des Domes der Zerstörungswut der Jakobiner entgangen. Erst mit dem Konkordat von 1801 konnte im Folgejahr 1802 die Metzer Kathedrale wieder dem christlichen Kultus übereignet werden.Marie-Isabelle Soupart, Philippe Hiegel: Die Kathedrale von Metz. Übersetzung von Susanna Prause. Metz 2003, S. 10.Niels Wilcken: Architektur im Grenzraum. Das öffentliche Bauwesen in Elsaß-Lothringen (1871–1918). Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 2000, S. 306–308 (Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 38).
19. bis 21. Jahrhundert mini|links|Der Ausbruch des Dachstuhlbrandes während des Besuches Kaiser Wilhelms I. im Jahr 1877 mini|Das Liebfrauenportal Der seit dem Mittelalter unvollendet gebliebene Kapitelturm wurde in den Jahren 1839 bis 1844 auf seine aktuelle Höhe gebracht. Dabei unterblieb allerdings eine Angleichung auf die Höhe des Mütteturmes.