Der Tunesienfeldzug in Nordafrika war eine militärische Auseinandersetzung im Zweiten Weltkrieg zwischen alliierten und deutsch-italienischen Truppen (November 1942 – 13. Mai 1943). Der Feldzug endete mit der Kapitulation von fast 250.000 deutschen und italienischen Soldaten bei Tunis. Sie wurde in Anspielung auf die Niederlage der Wehrmacht in der Schlacht von Stalingrad Ende Januar 1943 von vielen Deutschen insgeheim als Tunisgrad bezeichnet.Alexander Lüdeke: Der Zweite Weltkrieg. Ursachen, Ausbruch, Verlauf, Folgen. Berlin 2007, S. 105.

Hintergrund Nach der entscheidenden Niederlage der Achsenmächte bei El Alamein (November 1942) und der Landung alliierter Truppen in Marokko und Algerien (Operation Torch, November 1942) zogen sich die deutschen und italienischen Verbände der Panzerarmee Afrika aus Libyen nach Tunesien zurück, um sich dort dem anglo-amerikanischen Vormarsch aus dem Westen und auch der von Osten aus Libyen vorrückenden britischen 8. Armee General Montgomerys in den Weg zu stellen.

Verlauf Anfangsphase mini|links|Anfangsphase der Kämpfe im Nordwesten Im November 1942 wurden mehrere deutsche und italienische Divisionen aus Frankreich und Italien nach Tunesien verlegt, wo sie in der 5. Panzerarmee unter dem Befehl von General Hans-Jürgen von Arnim zusammengefasst wurden. Sie standen von Ende November bis Dezember 1942 im Nordwesten Tunesiens in Abwehrkämpfen mit den aus Westen vorrückenden westalliierten Truppen, die nach Anfangserfolgen der Angreifer zunächst zum Rückzug der Alliierten führten. Diese bauten ihre Kräfte im Westen weiter auf und fassten sie zum Jahreswechsel unter dem Kommando der britischen 1. Armee unter General Kenneth Anderson zusammen, die später auf insgesamt vier Korps anwuchs (zwei britische, ein amerikanisches und ein französisches).

Am 23. Januar besetzten britische Einheiten Tripolis. Anfang Februar 1943 besetzte die vor der britischen 8. Armee zurückweichende italienische 1. Armee (ehemals Panzerarmee Afrika) unter General Giovanni Messe gemeinsam mit dem Deutschen Afrikakorps den südlichen Teil Tunesiens und insbesondere die an der tunesisch-libyschen Grenze gelegene Mareth-Linie. Diese Linie hatte Frankreich von 1936 bis 1940 stark ausgebaut, um seine Kolonie Französisch-Nordafrika gegenüber der italienischen Kolonialmacht in Italienisch-Libyen zu schützen. Am 23. Februar 1943 wurde Rommel Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Afrika (die aus den beiden genannten Armeen bestand).

Kasserine-Pass

mini|Amerikanische Truppen am Kasserine-Pass, Februar 1943 Als die britische 8. Armee ihren Vormarsch an der Mareth-Linie wegen Nachschubproblemen vorübergehend einstellte, griff Rommel seinerseits umgehend die alliierten Angriffsspitzen im Westen an. Nach Rommels Planungen sollte der Angriff an der Nahtstelle zwischen britischen und amerikanischen Verbänden durchgeführt werden, mit dem Ziel, über den Kasserinpass auf Tebessa vorzustoßen, um dann in der algerischen Ebene die alliierten Verbände zu umfassen, die die 5. Panzerarmee von Arnims bedrohten. Die 5. Panzerarmee sollte ihrerseits in Richtung Sidi Bouzid und Bir El Hafey vorstoßen („Unternehmen Frühlingswind“), die deutsch-italienische Panzerarmee auf Gafsa („Unternehmen Morgenluft“).

Am 14. Februar griffen die 10. und die 21. Panzer-Division Sidi Bouzid an und zerstörten dort innerhalb weniger Stunden etwa 50 US-Panzer. Ein Gegenangriff der amerikanischen 1. Panzerdivision scheiterte am folgenden Tag an deutschen 88-mm-Flugabwehrgeschützen und Panzerverbänden, wobei etwa 100 weitere US-Panzer vernichtet wurden und 1400 Amerikaner in Gefangenschaft gerieten. Am 20. Februar nahmen Verbände der 10. Panzer-Division und der Kampfgruppe Deutsches Afrikakorps sowie italienische Bersaglieri den Kasserinpass nach schweren Kämpfen ein. Das unzureichende Ineinandergreifen der Angriffe Rommels und von Arnims gab den Alliierten jedoch die Gelegenheit, sich von den Rückschlägen am Kasserine-Pass zu erholen und mit Verstärkungen einen Gegenangriff zu starten. Rommel musste sich in dieser Lage zurückziehen, um der völligen Vernichtung seiner Truppen zu entgehen. Am 25. Februar nahmen die Alliierten den Pass wieder ein. Bei diesen Kämpfen verloren die Alliierten über 10.000 Mann (6500 davon das II. US-Korps). Deutsche und Italiener verloren nur etwa 2000 Mann.

Medenine und Mareth mini|Schlacht von Médenine, 6. März 1943 Nach den Kämpfen am Kasserinpass konzentrierte sich Rommel wieder auf die Mareth-Linie. An dieser 35 Kilometer langen Verteidigungslinie zwischen den Matmata-Höhen und dem Meer standen Anfang März 1943 vier deutsche Divisionen (90. und 164. leichte Afrika-Division, 15. und 21. Panzer-Division, dazu die Brigade Ramcke, ab Februar 1943 Luftwaffen-Jäger-Brigade 1) und fünf italienische Divisionen (die Panzerdivisionen 131. „Centauro“ und 136. „Giovani Fascisti“, 101. motorisierte Division „Trieste“ sowie die Infanteriedivisionen 16. „Pistoia“ und 80. „La Spezia“). Mit der „Operation Capri“ sollten die Kräfte des britischen XXX. Korps zwischen Medenine und der Mareth-Linie vernichtet werden, bevor das X. Korps eingetroffen war. Diese Pläne waren jedoch den Briten dank Ultra genauestens bekannt.

Am 4. März schlug Rommel in einem ausführlichen Funkspruch an Hitler vor, die Frontlinie drastisch zu verkürzen und sich auf einen kleinen Brückenkopf um Tunis zurückzuziehen.

Am frühen Morgen des 6. März griffen drei deutsche Panzerdivisionen die britischen Stellungen an. Der geplante Vormarsch auf Medenine scheiterte aber an den von den Briten hier konzentrierten 400 Panzern und 500 Panzerabwehrkanonen. Nach elf Stunden hatte Rommel 50 seiner insgesamt 150 Panzer verloren und stellte den Angriff ein. Einige Tage danach fand man bei einem gefangenen britischen Unteroffizier eine Karte, auf der der geplante deutsche Angriff genau eingezeichnet war (Datumsangabe: 4. März; die Briten hatten die Verschlüsselungsmaschine Enigma geknackt). Rommel glaubte nun nicht mehr an die Möglichkeit eines Sieges.

Am 7. März erhielt Rommel vom Führerhauptquartier die kategorische Ablehnung seines Vorschlags vom 4. März; Hitler äußerte sich wütend. Darauf entschloss sich Rommel, nunmehr seine Kur anzutreten. Am 9. März flog Rommel von Sfax aus nach Deutschland (er betrat Afrika nicht wieder).Paul Bruppacher: Adolf Hitler und die Geschichte der NSDAP Teil 2: 1938 bis 1945 (2008, 3. Aufl. 2018), Seite 407 Rommel redete mit Hitler im Führerhauptquartier 'Klartext' (was sich damals nicht viele der Generäle trauten, unter anderem weil Hitler sie vor Dritten 'herunterputzte' und anschrie).Guido Knopp: Hitlers Krieger (2013). Blick ins Buch

Am 9. März wurde Hans-Jürgen von Arnim zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Afrika ernannt.

Am 15. März stand die italienische 1. Armee (Messe) in folgender Aufstellung an der Mareth-Linie:

XX. Korps (Gen. Orlando) 136. Panzerdivision „Giovani Fascisti“ (Gen. Sozzani) 10. motorisierte Division „Trieste“ (Gen. La Ferla) 90. Leichte Division (Gen. Sponeck)

XXI. Korps (Gen. Berardi) 80. Infanteriedivision „La Spezia“ (Gen. Pizzolato) 16. Infanteriedivision „Pistoia“ (Gen. Falugi) 164. leichte Division (Gen. Liebenstein) Sahara-Verband (Gen. Mannerini)

Im Raum Gafsa befand sich die 131. Panzerdivision “Centauro” (Gen. Calvi di Bergolo).

Montgomerys 8. Armee bestand aus nachstehenden Verbänden:

XXX. Korps (u. a. 50. Division) X. Korps (1. und 7. Panzerdivision) neuseeländisches Korps 8. Panzerbrigade französischer Verband des Generalmajors Leclerc

Im Südwesten stand das II. US-Korps des Generals George Patton, das auf Gafsa vorstoßen sollte.

Am 16. März griffen die Alliierten sowohl im Süden als auch im Westen an. Die Verbände der britischen 8. Armee versuchten an der Mareth-Linie beim Wadi Zig-Zaou einen Durchbruch. Obwohl 620 britische gegen nur 91 italienische Panzer zum Einsatz kamen, scheiterte der Angriff des britischen XXX. Korps am zähen italienischen Widerstand. Auch der Vormarsch von Pattons II. Korps biss sich zwölf Tage an der italienischen 131. Panzerdivision „Centauro“ fest, die bei diesen Kämpfen fast völlig aufgerieben wurde. Ein alliierter Versuch (neuseeländische, französische und amerikanische Verbände), die italienische 1. Armee von der 5. Panzerarmee zu trennen, scheiterte bei El Hamma unter schweren Verlusten.

mini|Umgehung der Mareth-Linie durch das britische X. Korps, 21. bis 26. März 1943 mini| Crusader-Panzer in El Hamma, 29. März 1943 Die Briten nahmen die Mareth-Linie erst am 26. März 1943 ein, nachdem das britische X. Korps unter Brian Horrocks unter westlicher Umgehung der Matmata-Höhen in den Rücken der Mareth-Linie gelangt war und sich v. Arnim und Messe daher dazu entschlossen hatten, ihre Verbände auf die Akarit-Linie (15 km nördlich von Gabès) zurückzunehmen. Der Rückzug erfolgte unter schweren alliierten Bombardements. Mehrere Tausend Italiener gerieten dabei in Gefangenschaft, weil sie ohne Transportmittel zurückgelassen wurden.

Akarit Der alliierte Angriff auf die deutsch-italienischen Stellungen beim Wadi Akarit begannen in der Nacht vom 5. zum 6. April 1943 mit starkem Artilleriebeschuss durch drei britische Divisionen. Danach griff Montgomery mit 500 Panzern an, denen nurmehr etwa 20 Panzer der 15. Panzer-Division gegenüberstanden. Die schweren Kämpfe bei Akarit endeten mit beträchtlichen Verlusten auf beiden Seiten nach einem Tag. Der italienische Befehlshaber vor Ort, General Messe, fragte beim Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Afrika, Generaloberst von Arnim, nach Verstärkungen an, da er ansonsten die Linien nicht würde halten können. Nachdem von Arnim eingeräumt hatte, dass keine Reserven mehr zur Verfügung stünden, gab er die Erlaubnis an Messe, dass dieser sich mit seinen Truppen auf die Verteidigungslinie Enfidaville-Mansour/Pont du Fahs zurückziehen dürfe.Janusz Piekałkiewicz: Der Wüstenkrieg in Afrika 1940 – 1943. Bechtermünz Verlag. Augsburg 1999, S. 276. In der Folge löste sich die italienische 1. Armee am Abend des 6. April 1943 aus den Stellungen um Akarit und zog sich auf die 240 Kilometer nördlich gelegene Linie Enfidaville-Mansour zurück, wobei der Großteil der italienischen Soldaten die Distanz zu Fuß und in Eilmärschen zurücklegen musste. Von den etwa 24.000 italienischen und deutschen Soldaten, die bei Akarit gestanden hatten, erreichten rund 17.000 Mann die neue Stellungslinie. Die Ausfälle beliefen sich folglich auf rund 7.000 Mann, wobei der Großteil in Gefangenschaft geraten war. Die letzten Einheiten trafen am 11. April 1943 nahe Enfidaville-Mansour/Pont du Fahs ein. Die alliierten Verluste vor Akarit beliefen sich auf knapp 1.300 Mann und 32 Panzer.Ken Ford: The Mareth Line 1943: The End in Africa. Osprey Publishing. Oxford 2012, S. 91.

Enfidaville mini|Endphase der Kämpfe von April bis Mai Dieser deutsch-italienische Rückzug war am 13. April abgeschlossen. Die Verbände (Divisionen hatte inzwischen nur noch die Stärke von Brigaden oder Regimentern) standen entlang der nördlich von Enfidaville gelegenen Hügel, von denen der Garci und der Takrouna besondere Bedeutung hatten. Die 1. Armee bestand damals aus:

XX. Korps 90. Leichte Division Division „Giovani Fascisti“ Division „Trieste“

XXI. Korps 16. Division „Pistoia“siehe auch :en:16th Infantry Division "Pistoia" 164. leichte Afrika-Division

Die 15. Panzer-Division mit ihren verbliebenen 15 Panzern wurde zusammen mit den Resten der 131. Panzerdivision „Centauro“ in Reserve gehalten. Insgesamt standen den Achsentruppen zu diesem Zeitpunkt nur mehr 48 Panzer und etwa 300 Geschütze zur Verfügung.Piekałkiewicz: Der Wüstenkrieg, S. 277.