mini|Basler Münster und Münsterpfalz, bis zur Reformation 1529 Kathedrale des Bistums und Residenz des Fürstbischofs mini|Schloss Pruntrut, 1527 bis 1792 Residenz der Basler Fürstbischöfe mini|Karte der Entwicklung des Fürstbistums bis ins 16. Jahrhundert

Das Fürstbistum BaselHochstift und Fürstbistum sind zwei Ausdrücke, die eigentlich dasselbe bedeuten, aber in nicht ganz deckungsgleichen Zusammenhängen genutzt werden. Im vorliegenden Fall der territorialen Besitztümer des damaligen Fürstbischofs von Basel ist insbesondere in der Schweiz der Terminus Fürstbistum gebräuchlich, während in der deutschen Geschichtsliteratur der Begriff Hochstift verwendet wird. war der weltliche Herrschaftsbereich der Bischöfe von Basel, die hier als Fürstbischöfe auch Reichsfürsten waren. Das Herrschaftsgebiet deckte sich nicht mit dem Gebiet der Diözese Basel, sondern war wesentlich kleiner; Teile des Herrschaftsgebietes gehörten jedoch zu anderen katholischen Diözesen.Die Landvogtei Schliengen gehörte zur Diözese Konstanz; der Elsgau mit dem späteren Bischofssitz Pruntrut gehörte lange zum Erzbistum Besançon. Nicht nur deshalb war das Fürstbistum ein äusserst komplexes Gebilde. Je nach Teilgebiet wurde Deutsch oder Französisch gesprochen und war die reformierte oder die katholische Konfession vorherrschend. Zudem wurden Teile des Fürstbistums seit dem Spätmittelalter zur Eidgenossenschaft gerechnet.

Das Fürstbistum existierte von 999 bis zur Säkularisation 1803.

Geschichte

In Basel ist 749 mit Baldobert der erste Bischof sicher bezeugt.Reto Marti: Zwischen Römerzeit und Mittelalter. Forschungen zur frühmittelalterlichen Siedlungsgeschichte der Nordwestschweiz. Liestal 2000, ISBN 978-3-905069-36-5, S. 298. Die Geschichte des Fürstbistums als eines weltlichen Herrschaftsgebiets beginnt 999 mit der Schenkung der Abtei Münster-Granfelden durch König Rudolf von Hochburgund an das Bistum Basel, dessen Bischof damals Adalbero II. war. König Rudolf trat 1006 Basel als Pfand an seinen Neffen, den deutschen König Heinrich II., ab, der die Stadt – bis dahin zu Hochburgund gehörig – in das Heilige Römische Reich eingliederte. Heinrich II. wiederum vergab die hohe Gerichtsbarkeit über Basel und das Münzrecht an Bischof Adalbero. Obwohl Urkunden fehlen, wird davon ausgegangen, dass der Bischof „um das Jahr 1000 die vollständige geistliche und weltliche Herrschaft über die Stadt Basel erlangt hatte.“Martin Alioth, Ulrich Barth, Dorothee Huber, Historisches Museum Basel (Hrsg.): Basler Stadtgeschichte 2 – vom Brückenschlag 1225 bis zur Gegenwart. S. 19.

Bereits der römisch-deutsche König Friedrich II. verlieh der Stadt das Recht, einen von bischöflicher Wahl oder Genehmigung unabhängigen Rat zu bestimmen. Allerdings wurde dieses Recht auf Protest des Bischofs Heinrich von Thun von Reichsfürsten und König 1218 wieder aufgehoben. Gleichwohl erlangten Stadt und Bürger in der Folgezeit schrittweise die Selbstverwaltung. 1263 gab Bischof Heinrich von Neuenburg der Stadt eine Verfassung. 1273 wurde aus der bischöflichen Stadtvogtei eine Reichsvogtei. Geldnöte brachten spätere Bischöfe dazu, ihre Regalien nach und nach der Stadt gegen Darlehen zu verpfänden, so dass 1386 die tatsächliche Herrschaft des Bischofs über die Stadt erlosch.Martin Alioth, Ulrich Barth, Dorothee Huber, Historisches Museum Basel (Hrsg.): Basler Stadtgeschichte 2 – vom Brückenschlag 1225 bis zur Gegenwart. S. 20. Formal leistete die Stadt dem Bischof allerdings noch bis zur Reformation (1521) einen jährlichen Treueid.

Franz Xaver von Neveu war 1794–1803 der letzte Fürstbischof von Basel. 1803 wurde das Fürstbistum wie nahezu alle geistlichen Fürstentümer im Zuge der Säkularisation aufgelöst, nachdem es schon seit 1792 weitgehend von Frankreich besetzt gewesen war. 1815 teilte der Wiener Kongress mit dem Vereinigungsurkunden den französischsprachigen Teil und das Laufental dem Kanton Bern zu. Das Birseck wurde dem Kanton Basel angeschlossen.

Reichsrechtliche Stellung Das Fürstbistum Basel hatte Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat. Es hatte dort eine mit dem Fürstbistum Brixen alternierende Virilstimme und nahm einen Sitz auf der geistlichen Fürstenbank ein.

Im Kreistag des oberrheinischen Reichskreises hatte das Fürstbistum ebenfalls eine Virilstimme.

Der auf dem Reichstag zu Worms 1521 festgelegte Beitrag zu den Römermonaten betrug zwei Berittene und fünfzehn Fusssoldaten oder 94 Gulden.

Die Stände des Fürstbistums bestanden aus vier Bänken: Klerus, Adel, Städte und Vogteien. Der Abt von Kloster Bellelay übte das Amt des Präsidenten der Stände aus.

Das Fürstbistum Basel bestand juristisch aus zwei Teilen:

Das Gebiet nördlich der Klus von Court und Pichoux war Teil des Heiligen Römischen Reiches und gehörte zum Oberrheinischen Reichskreis. Das Gebiet südlich der Klus von Court und Pichoux war der Rechtsordnung des Reiches entzogen und mit der Schweizer Eidgenossenschaft verburgrechtet.

Damit wurde die zum Fürstbistum Basel gehörende Propstei Moutier-Grandval (dt. Münster-Granfelden), deren Territorium sich sowohl nördlich als auch südlich der Klus ausdehnte, politisch-religiös in die katholische Prévôté sous-les-roches (Propstei unter der Klus) und die protestantische Prévôté sur-les roches (Propstei über der Klus) geteilt.

Wappen mini|Wappen des Bistums Basel unter Bischof Johann V. von Venningen, r. 1458–1478, aus dem Wappenbuch des St. Galler Abtes Ulrich Rösch (1474)

Der Bischof von Basel führte als Wappen den roten bischöflichen Krummstab (Baselstab) auf weissem Feld.Artikel Basel In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Bd. 1, Neuenburg 1921, S. 578. Der rote Krummstab im weissen Feld erscheint als Banner in der Zürcher Wappenrolle (um 1340). Der stilisierte, in drei Zipfeln auslaufende Baselstab erscheint erstmals auf dem Stäbler, einer 1370 von der Stadt Basel (nicht dem Bischof) geprägten Halbpfennig-Münze. Ebenfalls ab etwa 1370 zeigte Johann von Vienne als erster Bischof den Baselstab in einem zweiten Wappenschild neben seinem Familienwappen in seinem Siegel. Im 15. Jahrhundert zeigten die Bischöfe den roten Baselstab auch im Geviert mit ihren jeweiligen Familienwappen.

Das Territorium + Teil des Oberrheinischen Reichskreises im Heiligen Römischen Reich mit katholischer KonfessionVgl. Paul-Otto Bessire: Histoire du Jura Bernois et de l’ancien Évêché de Bâle. Préface de François Lachat, Postface de Bernard Prongué. Éditions de la Prévôté, Moutier 1977, S. 43–49. Französischer Name Deutscher Name Erwerbung Diözese Bemerkungen Wappen Avouerie d’Ajoie Landvogtei Elsgau 1270Erzbistum Besançon1779 zur Diözese Basel 50px|Wappen der Ajoie Ville de Porrentruy Stadt Pruntrut 1270Erzbistum BesançonSeit 1527 Residenz des Bischofs, 1779 zur Diözese Basel 50px|Wappen der Stadt Porrentruy La Baroche La Baroche 1270Bistum BaselPolitisch Teil der Ajoie, bestehend aus den Dörfern Charmoille, Miserez, Miécourt, Fregiécourt, Pleujouse und Asuel 50px|Wappen der Baroche Seigneurie d’Asuel Herrschaft Hasenburg 1241Bistum Basel 50px|Wappen der Asuel SoyhièresSaugern 1234Bistum Basel 50px|Wappen der Gemeinde Soyhières Avouerie de DelémontLandvogtei Delsberg 1234Bistum Basel 50px|Wappen der Landvogtei Delémont Ville de DelémontStadt Delsberg 1234Bistum BaselNebenresidenz des Bischofs, Sitz des Propstes von Moutier-Grandval 50px|Wappen der Stadt Delémont Prévôté de Saint-Ursanne Propstei Sankt Ursitz 999Bistum BaselSchutzvögte waren die Ritter von Asuel 50px|Wappen der Propstei Saint-Ursanne Seigneurie de Muriaux Herrschaft Spiegelberg 1315Bistum BaselDie Franches-Montagnes wurden vom Schloss Muriaux regiert 50px|Wappen der Herrschaft Muriaux Franches-Montagnes Freiberge 1315Bistum BaselDie Franches-Montagnes wurden vom Schloss Muriaux regiert 50px|Wappen der Freiberge Bailliage de Laufon Landvogtei Laufen 1141Bistum Basel 50px|Wappen der Landvogtei Laufen Bailliage de Pfeffingen Landvogtei Pfeffingen 1005Bistum BaselSchenkung von König Heinrich II. 50px|Wappen der Landvogtei Pfeffingen Bailliage de Zwingen Landvogtei Zwingen 1005Bistum Basel 50px|Wappen der Landvogtei Zwingen LiesbergLiesberg 1271Bistum BaselErwerb im Rahmen eines Tauschgeschäfts mit den Grafen von Pfirt und von Neuchâtel 50px|Wappen der Gemeinde Liesberg Seigneurie de la BourgHerrschaft Burg im Leimental 1271Bistum BaselVon den Erzherzogen von Österreich an die Grafen von Neuchâtel verkauft 50px|Wappen der Herrschaft Burg im Leimental Avouerie de BirseckLandvogtei Birseck 1245Bistum Basel 50px|Wappen der Landvogtei Birseck Courtine d’ArlesheimOrt Arlesheim 1245Bistum BaselSeit 1679 Sitz des Domkapitels 50px|Wappen der Gemeinde Arlesheim Seigneurie de SchliengenLandvogtei Schliengen um 1000Bistum KonstanzMit der Feste Istein 50px|Wappen der Landvogtei Schliengen Prévôté de Moutier-Grandval sous-les-roches Propstei Münster-Granfelden unter der Klus 999Bistum BaselJuristisch waren die vier Gemeinden im Birstal (Châtillon, Courrendlin, Rossemaison, Vellerat) und die drei Gemeinden im Val Terbi (Corban, Courchapoix, Mervelier) in das Burgrecht mit Bern einbezogen 50px|Wappen der Propstei Moutier-Grandval Couvent de BellelayAbtei Bellelay 1136Bistum BaselGründung durch die Propstei Moutier-Grandval. Juristisch waren die zwei Gemeinden der Courtine de Bellelay (Lajoux, Les Genevez) in das Burgrecht mit Bern einbezogen 50px|Wappen der Abtei Bellelay

+ Unter dem Schutz der Eidgenossenschaft mit protestantischer Konfession Französischer Name Deutscher Name Erwerbung Diözese Bemerkungen Wappen Prévôté de Moutier-Grandval sur-les-roches Propstei Münster-Granfelden über der Klus 999Bistum Basel, 1527 protestantischSchutzvögte waren die Grafen von Soyhières, dann die Grafen von Pfirt. 1486 Burgrechtsvertrag mit Bern, seit der Reformation Sitz des Propstes in Delémont 50px|Wappen der Propstei Moutier-Grandval Prévôté de Saint-Imier Propstei Sankt Immer 999Bistum Lausanne, 1527 protestantischSchutzvögte waren die Herren von Erguel. 1479 Burgrechtsvertrag mit der Stadt Biel 50px|Wappen der Propstei Saint-Imier Avouerie d’ErguëlLandvogtei Erguel 999Bistum Lausanne, 1527 protestantischSchutzvögte waren die Grafen von Fenis-Neuchâtel. Seit 1393 hatte die Stadt Biel das Bannerrecht im Erguel, 1555 Burgrechtsvertrag mit Solothurn 50px|Wappen der Herrschaft Erguel OrvinIlfingen 999Bistum Lausanne, 1527 protestantisch 50px|Wappen der Gemeinde Orvin Seigneurie de NugerolHerrschaft Schlossberg 999Bistum Lausanne, 1527 protestantischAbgegangener Ort zwischen Le Landeron und La Neuveville Ville de Bienne Stadt Biel 1142Bistum Lausanne, 1527 protestantischSeit 1478 Zugewandter Ort der Eidgenossenschaft 50px|Wappen der Stadt Biel Ville de La Neuveville Stadt Neuenstadt 1312Bistum Lausanne, 1527 protestantischBurgrechtsverträge mit Bern (1388), mit Biel (1395), mit Solothurn (1448) 50px|Wappen der Stadt La Neuveville Avouerie de La Neuveville/Montagne de Diesse Landvogtei Neuenstadt/Tessenberg 1112Bistum Lausanne, 1527 protestantischKondominium des Fürstbischofs von Basel mit dem Grafen von Neuchâtel, Linie zu Nidau (von Bern beerbt) 50px|Wappen der Vogtei Tessenberg

Erwerb und Verlust der Grafschaft Pfirt (Ferrette) 1271 verkaufte Graf Ulrich von Pfirt die Grafschaft Pfirt dem Basler Bischof Heinrich von Neuenburg und empfing die Grafschaft zurück als Lehen. Dieses Lehen ging mit der Heirat von Johanna von Pfirt mit dem Habsburger Albrecht dem Weisen 1324 und ihrem Tod 1351 an das Haus Österreich über. Nach dem Dreißigjährigen Krieg betrachtete der französische König alle österreichischen Gebiete als sein Eigentum und die Rechte des Bischofs von Basel wurden gänzlich missachtet.Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. 2. Bd. 1924, S. 20.

Dinghöfe