mini|Neues Schloss und Burg Meersburg Meersburg ist eine Kleinstadt im baden-württembergischen Bodenseekreis und ist staatlich anerkannter Erholungsort. Sie liegt am Bodensee zwischen Friedrichshafen und Überlingen.

Geographie Geographische Lage mini|Schiffsanlegestelle (unten), Unter- und Oberstadt

Meersburg liegt am nördlichen Ufer des Bodensees, am Übergang vom Obersee zum Überlinger See auf einer Höhe von 400 bis 500 Metern. Allein zwischen Unter- und Oberstadt besteht ein Höhenunterschied von 40 Metern.Verschönerungsverein 1872 Meersburg e. V.: Wanderkarte rund um die Stadt Meersburg und die Gemeinde Daisendorf. September 1999, Beschreibung von Meersburg

Stadtgliederung Die Stadt Meersburg besteht aus den Stadtteilen Meersburg und Baitenhausen, Baitenhausen bildet eine Ortschaft. Auf dem Stadtgebiet liegen ferner die Orte Riedetsweiler und Schiggendorf. Die Wallfahrtskirche Baitenhausen ist gleichzeitig Kirche von Baitenhausen.

In Riedetsweiler wohnte Franz Anton Mesmer ab 1814. Von der Ortsmitte von Riedetsweiler erreicht man über einen Fußweg den Aussichtspunkt „Schüssel“ mit weiter Sicht auf den Obersee.

Im nordwestlich gelegenen Ortsteil Schiggendorf befindet sich die Alte Schmiede am Rande des Ortes am Weg nach Gebhardsweiler und Unteruhldingen.Joachim Faitsch, Volker Caesar: Fünf vor Zwölf für die ehemalige Schiggendorfer Schmiede, Meersburg-Schiggendorf, Gebhardsweiler Straße 18. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. 33. Jg. 2004, Heft 2, S. 114–120 Dieses Fachwerkhaus wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum „Denkmal des Monats Mai 2005“ ernannt, wird privat bewohnt und ist nur von außen zu besichtigen.Ehemalige Schmiede in Meersburg-Schiggendorf Ferner sind 400 Meter südwestlich von Schiggendorf im waldigen aufsteigenden Gelände Wallreste der Burg Schiggendorf erkennbar.

Klima

Geschichte mini|Blick durchs Obertor zum Marktplatz mit den Hotels „Löwen“ und „Bären“ Die Burg Meersburg geht vielleicht auf eine merowingische Befestigung am Fähr-Übergang der wichtigen Straßenverbindung von Oberschwaben über Konstanz nach Rätien zurück. Die Königsburg, zu der vermutlich bereits eine kleine Siedlung gehörte, war seit der Mitte des 11. Jahrhunderts in der Hand von königlichen Lehnsträgern, die sich nach ihr nannten, und ging dann in den Besitz der Bischöfe von Konstanz über, die sie als Lehen an die Grafen von Rohrdorf ausgaben. Aus dieser Zeit stammen wohl auch die ältesten erhaltenen Teile des Baus. 1071 wurde Mersburg urkundlich erwähnt; 1113 der adelige Liopoldus de Merdespurch, 1142 Mercesburc.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII. Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, S. 583.

Fürstbischöfliche Zeit mini|Unterstadtstraße

Nach dem Aussterben der Grafen 1210 blieben Burg und Siedlung von 1211 bis 1802 im unmittelbaren Besitz des Bischofs. Der 1268 in Neapel hingerichtete letzte Stauferkönig Konradin hatte zuvor mehrere Jahre in der Burg Meersburg seines Onkels, des Bischofs von Konstanz, verbracht.

Die Siedlung entwickelte sich zunächst vor allem oberhalb der Burg, im Bereich der späteren Oberstadt, die 1233 Marktrecht, vor 1260 eine Mauer und 1299 unter dem Konstanzer Bischof Heinrich von Klingenberg das Stadtrecht nach Ulmer Vorbild erhielt. Im selben Jahr wurde die unterhalb der Burg gelegene Siedlung am Seeufer durch Aufschüttung erweitert, so dass Raum für einen großen Marktplatz und für die Erweiterung der Siedlung zur Unterstadt entstand.

Bei der Wahl eines neuen Bischofs wollten Domkapitel und Kaiser teilweise unterschiedliche Personen mit dem Amt betrauen. Während der „Bischofsfehde“ im Jahr 1334 wurde die Stadt vom Reichsheer des Kaisers Ludwig des Bayern mit Feuergeschützen erfolglos belagert.Albert am Zehnthoff: Bodensee. Hallwag Verlag, Bern / Stuttgart 1978, ISBN 3-444-10233-X, S. 71.

Auseinandersetzungen der Bürgerschaft mit dem Stadtherren Bischof Heinrich IV. von Hewen um die freiere Ausgestaltung der Stadtverfassung durch „Stadtrechtskämpfe“ endeten 1458 mit der Rückkehr des Bischofs auf die Burg und der Niederlage der Bürger. Der Bürgermeister Simon Weinzürn wurde als Wortführer des Protestes 1461 ohne richterliches Urteil im Bodensee ertränkt.Albert am Zehnthoff: Bodensee. Hallwag Verlag, Bern / Stuttgart 1978, ISBN 3-444-10233-X, S. 72. Ein Konstanzer Chronist schildert die Tötung Weinzürns so: Das Amt des Bürgermeisters von Meersburg wurde abgeschafft.Simon Weinzürn, der ertränkte Bürgermeister. In: Museumsverein Meersburg (Hrsg.): Meersburger Spuren. Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen 2007, ISBN 978-3-86136-124-4, S. 45–48.Meersburg Tourismus (Hrsg.): Meersburger Infos und Termine. August 2008, Stadtchronik, S. 10. Simon Weinzürn war der erste Bewohner des heute Hotel Weinstube Löwen genannten Gebäudes am Marktplatz.

1509 wurden das Alte Schloss ausgebaut und in der Unterstadt der Getreidespeicher („Gredhaus“) sowie der Hafen gebaut.

Während des Deutschen Bauernkrieges 1524/25 gehörte das Linzgau zum Kerngebiet des Seehaufens. Im April 1525 marschierten die Bauern des Bermatinger Haufens unter Leitung des Hauptmanns Eitelhans Ziegelmüller in Meersburg ein, „wo die Bürger ihnen entgegenzogen mit Wein und Brot und die Stadt übergaben“, wie ein Salemer Mönch in seiner Chronik berichtet. Die Einnahme verlief friedlich. Kurze Zeit darauf übergab der Bischof das Schloss Meersburg „samt 600 Gulden, 6 Fuder Wein und das im Schloss liegende Geschütz“ an die Bauern. Der Vertrag von Weingarten, mit dem der Aufstand in der Region beendet wurde, trägt in Vertretung der Bauern unter anderem das Siegel der Stadt Meersburg. Für den „Merspurger Platz“ unterschrieben hat der Seehaufen-Hauptmann Hans Hagen.

Fürstbischöfliche Residenzstadt

mini|Fachwerkhäuser an der Steigstraße Im Jahr 1526 siedelte der bischöfliche Hof des Bischofs Hugo von Hohenlandenberg ins Alte Schloss von Meersburg über, weil sich Konstanz als Freie Reichsstadt 1519/1523 der Reformation angeschlossen hatte. Meersburg hingegen lag im Territorium des Hochstifts Konstanz, wo die Fürstbischöfe zugleich Landesherren waren und die weltliche Macht ausübten.Infotafel im Neuen Schloss von Meersburg Das Hochstift Konstanz und somit auch Meersburg gehörten nahezu 300 Jahre lang (vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts) dem Schwäbischen Reichskreis an, in dem die Konstanzer Fürstbischöfe eine führende Position innehatten und insbesondere die katholischen Interessen und Gebiete in Schwaben vertraten. So fand am 10. Mai 1527 auch der Prozess gegen den evangelisch gesinnten Sernatinger Frühmessner (Pfarrer) Johann Hüglin in Meersburg statt, ebenso dessen anschließende Hinrichtung. Meersburg blieb weiterhin bischöfliche Residenz, als Konstanz wieder katholisch wurde. 1575 wurde das Amt des Bürgermeisters in Meersburg wieder eingeführt. Die Pestepidemien des 16. Jahrhunderts im Bodenseeraum erfassten in den Jahren 1529, 1575, 1588, 1595 und 1611/12 auch Meersburg.Vgl.: Karl Heinz Burmeister: Der Bodensee im 16. Jahrhundert. In: Montfort. Vierteljahreszeitschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs. Jahrgang 2005, Heft 3, S. 243.

Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 plünderten Schweden und Württemberger Meersburg (siehe Seekrieg auf dem Bodensee 1632–1648). Durch die Pest in den Jahren 1635/36 und 1646 schrumpfte die Meersburger Bevölkerung auf ein Sechstel. An diese Zeit erinnert der Fasnachtsbrauch des „Schnabelgiere“ sowie die „Gesellschaft der Hundertein Bürger“. Ein Gedenkstein an Kaspar Miller, den Meersburger Pestarzt, der selber an der Pest starb, befindet sich an der Ostseite der Stadtkirche.Stadtchronik auf der Internetseite von Meersburg, Stand 13. September 2008Karl J. Baumeister: Die Pest im Jahre 1635. In: Franz Schwarzbauer (Hrsg.): Meersburg. Spaziergänge durch die Geschichte einer alten Stadt. Ein Lesebuch. Gessler, Friedrichshafen, 1999, S. 41–45.

Die Burg Meersburg war bis zur Fertigstellung des Neuen Schlosses 1750 ständiger Wohnsitz des Konstanzer Bischofs. Vor allem das 18. Jahrhundert prägte mit dem Bau aus Neuem Schloss (ab 1710–1712), Priesterseminar (1725/29–34) und Reit- oder Stallhof (um 1760) das barocke Panorama Meersburgs am Steilufer zum Bodensee („Seefassade auf dem Meersburger Höhenrücken“).

Kardinal Franz Konrad von Rodt und sein Nachfolger (und Bruder) Maximilian Christoph von Rodt residierten bereits im Neuen Schloss. Im Herbst 1802 besetzten zwei markgräfliche Kommissare mit 100 Mann eines Rastatter Füsilierbataillons Meersburg. Durch Anschlag wurde verkündet, dass Markgraf Karl von Baden nun zuständig sei. Der Konstanzer Fürstbischof Karl Theodor von Dalberg in Konstanz wurde zwei Wochen vorher in Kenntnis gesetzt.Torsten Schöll: Als Rom das Bistum Konstanz auslöschte. In: Südkurier, 15. August 2020. Meersburg blieb Residenz des Bischofs bis zur Aufhebung des Bistums 1803.

Thomas Warndorf weist darauf hin, dass die amtierenden Fürstbischöfe sich durch die Familiensitze ihrer Vorfahren, durch Sommersitze, durch die Konstanzer kirchlichen Einrichtungen, durch die weiteren Besitztümer im Hochstift Konstanz sowie durch finanzielle Engpässe nicht dauerhaft in Meersburg aufhielten.Thomas Warndorf: Meersburg zwischen 1526 und 1802: Eine bischöfliche Residenz? In: Festmagazin 1000 Jahre Meersburg. Frank Siegfried Verlag, Konstanz 1988, S. 16–19.

Badische Zeit mini|Panorama (um 1800)

Bedeutungsverlust Nach Auflösung des Hochstiftes Konstanz und dem Übergang an Baden im Reichsdeputationshauptschluss 1803 war Meersburg nur noch bis 1807 Hauptstadt des Oberen Fürstentums am See, von 1803 bis 1857 Hauptort des Amtsbezirks Meersburg und von 1814 bis 1836 Sitz des Hofgerichts des badischen Seekreises (in der Burg).

Das Alte Schloss wurde 1838 durch den Freiherr Joseph von Laßberg vom Land Baden erworben und so vor dem Abriss bewahrt. Er bewahrte dort seine berühmte Bibliothek mittelalterlicher Schriften auf, die nach seinem Tod zur fürstlichen Hofbibliothek Donaueschingen kam.Albert am Zehnthoff: Bodensee. Hallwag Verlag, Bern / Stuttgart 1978, ISBN 3-444-10233-X, S. 73. Von Laßberg und seine Frau Jenny von Droste zu Hülshoff beherbergten im Alten Schloss viele namhafte Gäste, darunter vor allem die jüngere Schwester seiner Frau, die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die dort am 24. Mai 1848 nach längerem Aufenthalt starb, sowie Ludwig Uhland, Gustav Schwab und Justinus Kerner. Heute beherbergt die Burg ein Museum mit spätgotischen und barock stuckierten Innenräumen und einer im 20. Jahrhundert zusammengetragenen Einrichtung. Sie gilt als „älteste, vollständig erhaltene und bewohnte Burg Deutschlands“.

Das Fürstenhäusle, ein ehemaliges, um 1600 erbautes Rebhaus, gehörte Annette von Droste-Hülshoff von 1843 bis 1848, diente deren Verwandten bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Wohnsitz und wurde als Droste-Gedenkstätte Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Es befindet sich wenige Schritte vom Obertor in den Weinbergen.

Badische Revolution 1848/1849 In Meersburg fanden die Forderungen der Badischen Revolution von 1848/1849 Gehör. Es gab am 2. April 1848 eine Meersburger Volksversammlung. Vier Wahlmänner wurden zur Ernennung der Mitglieder der Deutschen Volksversammlung am 10. April 1848 entsandt. Wenige Meersburger Bürger beteiligten sich am Heckerzug von Konstanz aus. Die politischen Forderungen wurden von den Meersburger Bürgern ohne Gewalt vertreten. Die Großherzogliche Regierung wurde nach der Niederlage der Badischen Revolution wieder eingesetzt. Als Strafen für die revolutionären Teilnehmer wurden Vermögensstrafen und auch eine Amtsenthebung und Zuchthausstrafe für den Bürgermeister ausgesprochen.Gerhard K. Sanktjohanser: „Einstimmig für Republik.“ Die badische Revolution 1848/49 in Meersburg In: Meersburg. Spaziergänge durch die Geschichte einer alten Stadt. Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen 1999, ISBN 3-86136-045-4. S. 165–177.

Teilabriss der Stadttore