mini|Altstadt: vorne das Imaret-Hotel, oben die byzantinische Festung mini|Zweistöckiger Aquädukt aus römischer Zeit in Kavala mini|Geburtshaus von Mehmet Ali Pascha Kavala ( ) ist eine Handels- und Hafenstadt sowie Gemeinde () in Nordgriechenland in der Verwaltungsregion Ostmakedonien und Thrakien unmittelbar am Golf von Thasos (Golf von Kavala) des Thrakischen Meers. Die nach Drama zweitgrößte Gemeinde der Region hat etwa 70.500 Einwohner. Sie besitzt den Haupthafen Ostmakedoniens und verfügt über einen etwa 30 km östlich der Stadt gelegenen Verkehrsflughafen, der hauptsächlich für Inlandsflüge und den touristischen Charter-Verkehr genutzt wird.
Geschichte Gegründet wurde Kavala im 7. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Bewohnern der benachbarten Insel Thasos als Neapolis. Dieser Siedlung und ihrem Umland fiel innerhalb der thasischen Peraia eine besondere Rolle zu. Nach Westen war es im Küstenbereich begrenzt durch die befestigte thasische Ansiedlung von Antisara, dem heutigen Stadtteil Kalamitsa/Kavala und im Osten durch die ummauerte thasische Niederlassung von Nea Karvali. Neapolis war die einzige thasische Ansiedlung auf dem Festland, welche sich die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Thasos im Jahre 411 v. Chr. erstritt. Zu Wohlstand kam Neapolis durch Silber- und Goldgewinnung im Lekanis-Gebirge. Damit verbunden war die frühe Einführung einer eigenen Währung, was seine politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Metropole Thasos beförderte. 168 v. Chr. wurde Neapolis zur Stadt (civitas) erhoben. In der byzantinischen Epoche wurde sie in Christopolis (Christusstadt) umbenannt. Die Venezianer befestigten während ihrer kurzen Besetzung die Halbinsel Panaghia mit einer Burg. Der heutige Name Kavala stammt von der Bedeutung als wichtige Poststation, an der die Pferde (italienisch „cavallo“) auf der Via Egnatia gewechselt wurden.
Im Jahr 49 ging Paulus von Tarsus im heutigen Kavala an Land und gründete in Philippi die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden. Noch um 1900 war Kavala eine eher unbedeutende Siedlung mit ca. 6000 Einwohnern. Kavala war von 1371 bis 1912 Teil des Osmanischen Reiches.
Muhammad Ali Pascha, der Begründer jener Dynastie, die bis 1953 Ägypten regierte (→ Dynastie des Muhammad Ali), wurde hier um 1770 geboren. Er stiftete 1817 den Bau des Imaret, ein Ensemble aus Moschee, Koranschule und Armenspeisehaus gelegen an der Stadtmauer der Halbinsel Panaghia mit Blick auf den darunter liegenden Hafen. Das historische orientalische Gebäude mit seinen Kuppeldächern, Kaminen, Gewölben, Zisternen und Innenhöfen wurde 2004 originalgetreu renoviert und stellt heute eine architektonische Sehenswürdigkeit dar, die ein Hotel beherbergt.
Der aus der römischen Zeit stammende Aquädukt prägt ebenso wie die Burg die Silhouette der Stadt. Das zweigeschossiges Bogenwerk wurde im 16. Jh. von Süleyman I. dem Prächtigen restauriert.
Nach dem Griechisch-Türkischen Krieg 1922 siedelten griechische Aussiedler aus Kleinasien in Kavala und gründeten Dörfer in der Umgebung, wo sie auch mit dem Tabakanbau begannen. Durch die Verarbeitung und Verschiffung des Tabaks erlangte Kavala eine gewisse Bedeutung.
Zwischen 1941 und 1944 befand sich in Kavala das Hauptquartier der bulgarischen Ägäisflotte.Atanas Panajotow, M. Krastewa: Българските военноморски сили 1879–2006 г. (dt. Geschichte der bulgarischen Marine), Warna, 2006, S. 172ff.
Gliederung Seit der Verwaltungsreform 2010, bei der die Nachbargemeinde Filippi eingemeindet wurde, gliedert sich die Gemeinde Kavala in zwei Gemeindebezirke und diese in insgesamt zwölf Ortschaften, wobei solche über 2000 Einwohner als städtische Gemeinschaft (dimotiki kinotita), kleinere als lokale Gemeinschaft (topiki kinotita) bezeichnet werden. Die Einwohnerzahlen stammen aus dem Ergebnis der Volkszählung von 2011.
Gemeindebezirk Kavala – Δημοτική Ενότητα Καβάλας – 58.790 Einwohner Stadtbezirk Kavala – Δημοτική Κοινότητα Καβάλας – 56.371 Einwohner Kavala Καβάλα – 54.027 Einwohner Agios Syllas – Άγιος Σύλλας – 101 Einwohner Aspri Ammos – Άσπρη Άμμος – 48 Einwohner Palio Tsifliki – Παλιό Τσιφλίκι – 2.195 Einwohner Sanatorio – Σανατόριο – unbewohnt Stadtbezirk Nea Karvali – Δημοτική Κοινότητα Νέας Καρβάλης – 2.225 Einwohner Nea Karvali – Νέα Καρβάλη – 2.160 Einwohner Ano Lefki – Άνω Λεύκη – 17 Einwohner Lefki – Λεύκη – 48 Einwohner Ortsgemeinschaft Chalkero – Τοπική Κοινότητα Χαλκερού – 194 Einwohner Gemeindebezirk Filippi – Δημοτική Ενότητα Φιλίππων – 11.711 Einwohner Stadtbezirk Krinides – Δημοτική Κοινότητα Κρηνίδων – 3.365 Einwohner Stadtbezirk Zygos – Δημοτική Κοινότητα Ζυγού – 2.057 Einwohner Zygos – Ζυγός – 2.057 Einwohner Neo Zygos – Νέο Ζυγός – 572 Einwohner Ortsgemeinschaft Amygdaleon – Τοπική Κοινότητα Αμυγδαλεώνος – 2.724 Einwohner Ortsgemeinschaft Filippi – Τοπική Κοινότητα Φιλίππων – 894 Einwohner Ortsgemeinschaft Koryfes – Τοπική Κοινότητα Κορυφών – 38 Einwohner Ortsgemeinschaft Kryoneri – Τοπική Κοινότητα Κρυονερίου – 690 Einwohner Ortsgemeinschaft Limnia – Τοπική Κοινότητα Λιμνιών – 182 Einwohner Limnia – Λημνιά (Λιμνιά) – 35 Einwohner Vounochori – Βουνοχώρι – 106 Einwohner Lykostomo – Λυκόστομο – 41 Einwohner Ortsgemeinschaft Lydia – Τοπική Κοινότητα Λυδίας – 808 Einwohner Ortsgemeinschaft Palea Kavala – Τοπική Κοινότητα Παλαιάς Καβάλας – 108 Einwohner Ortsgemeinschaft Polynero – Τοπική Κοινότητα Πολυνέρου – 25 Einwohner Polynero – Πολύνερο – 18 Einwohner Kranochori – Κρανοχώρι – 7 Einwohner Ortsgemeinschaft Polystylo – Τοπική Κοινότητα Πολυστύλου – 820 Einwohner Polystylo – Πολύστυλο – 420 Einwohner Dato – Δάτο – 310 Einwohner Mikrochori (Ano Dato) – Μικροχώρι (Άνω Δάτο) – 90 Einwohner
Die Kernstadt Kavala gliedert sich in folgende Stadtviertel: Zentrum (Κέντρο) Agia Varvara (Αγία Βαρβάρα) Agios Athanasios (Άγιος Αθανάσιος) Agios Ioannis (Άγιος Ιωάννης) Agios Loukas (Άγιος Λουκάς) Chilia (Χιλια) Dexameni (Δεξαμενή) Kalamitsa (Καλαμίτσα) Neapoli (Νεάπολη) Panagia (Παναγία) Perigiali (Περιγιάλι) Profitis Ilias (Προφήτης Ηλίας) Timios Stavros (Τίμιος Σταυρός) Vyrona (Βύρωνας) Kipoupoli (Κηπούπολη)
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Veränderung Städtische Einwohner Veränderung 1981 56.705 1991 56.571 −136 / −0,24 % 60.187 2001 63.774 3,587/5,96 %
Partnerstädte x20px Gabrowo, Bulgarien, seit 1975 x20px Gradiška, Bosnien und Herzegowina, seit 1994 x20px Nürnberg, Deutschland, seit 1999
Freundschaftsverträge bestehen mit Agadir, Marokko, seit 2001 Martuni, Armenien, seit 2001 Tekirdağ, Türkei, seit 2003 x20px Goze Deltschew, Bulgarien, seit 2003 Vranje, Serbien, seit 2009
Söhne und Töchter der Stadt
Muhammad Ali Pascha (1770–1849), ägyptischer Vizekönig Marika Zagorisiou (1921–2013), Architektin, Bauforscherin und Autorin Vasilis Vasilikos (1933–2023), Schriftsteller Giorgos Krommidas (1936–2021), griechisch-deutscher Schriftsteller Sakis Papadimitriou (* 1940), Musiker und Publizist Ivan Anguélov (* 1942), Dirigent Evripidis Garantoudis (* 1964), Neogräzist Theodoros Zagorakis (* 1971), Fußballspieler Georgios Georgiadis (* 1972), Fußballspieler Zisis Vryzas (* 1973), Fußballspieler Johnny Challah (* 1979), Komiker Charilaos Pappas (* 1983), Fußballspieler Konstantinos Mitroglou (* 1988), Fußballspieler Athina Dimitriadis (* 2000), deutsch-griechische Volleyballspielerin
Touristische Sehenswürdigkeiten
mini|Das Aquädukt mini|Marienkirche mini|In Panagia, dem alten Türkenviertel mini|Maßnahmen zur räumlichen Distanzierung während der COVID-19-Pandemie auf dem Kastro Heilige-Nikolaus-Kirche mit Paulusdenkmal Hafen mit Fährverbindungen nach Thasos und Limnos Zweistöckiger römischer Aquädukt (die Kamares), rekonstruiert durch Süleyman I. den Prächtigen im 16. Jahrhundert Kastell (Zitadelle) aus byzantinischer Zeit (ca. 16. Jahrhundert) an Stelle der antiken Akropolis Imaret ehemaliges Alten- und Studentenheim, Bad (Hamam), Moschee und Armenspeisung mit Kuppeln und mehreren Innenhöfen, zu einem Luxus-Hotel umgebaut Geburtshaus des Paschas Mehmet Ali, Gründer der letzten ägyptischen Königsdynastie Marienkirche aus dem 15. Jahrhundert Panagia das alte Türkenviertel mit steilen Gassen Nestos Via Egnatia – einer der besterhaltenen Abschnitte der Römerstraße in Griechenland
Verkehr Kavala ist ein Verkehrsknotenpunkt im Straßen-, See- und Luftverkehr.
Straßenverkehr Die Nationalstraße 2 durchquert die Stadt von Westen (Thessaloniki) nach Osten (Xanthi, Komotini, Alexandroupoli). Die Nationalstraße 12 führt nordwestlich nach Drama und Serres. Die Europastraße 90, welche früher deckungsgleich mit der Nationalstraße 2 verlief, verläuft jetzt mit der Autobahn 2 (Egnatia Odos) um Kavala herum. Im Landkreis Kavala fällt bislang nur eine Mautstelle an (Moustheni auf dem Streckenverlauf der Egnatia Odos Autobahn, die Mautgebühr für PKW beträgt 2,40 EUR).
Luftverkehr Südöstlich der Stadt (etwa 25 km vom Stadtzentrum und 15 km vom Hafen- und Badeort Keramoti) liegt in der Nestos Ebene bei Chrysoupolis der internationale Flughafen Alexander der Große (auf Griechisch Megas Alexandros).
Der Flugplatz Kavala-Amygdaleónas „Lydia“ ( ICAO: LGKM), der acht Kilometer nordöstlich der Stadt bei Amygdaleónas liegt, wurde 1938 eröffnet und war von 1952 bis 1981 der kommerzielle Flughafen von Kavala (Nationaler Flughafen Kavala). Die asphaltierte Start- und Landebahn mit einer Ausrichtung von 13/31 ist 1.330 m lang und 28 m breit. Der Flugplatz liegt auf einer Höhe von 61 m über dem Meeresspiegel.
Schiffsverkehr Der malerische Hafen von Kavala dient unter anderem dem Fährverkehr zu den Inseln Thasos und Limnos, beherbergt traditionell einen kleinen Fischerhafen und inzwischen auch eine größere Anzahl von Segelbooten und Yachten. Er ist nach dem Apostel Paulus benannt.
Der neue Handelshafen wurde schrittweise ortsauswärts östlich ausgegliedert und nach Philipp II. von Makedonien benannt. Er ist über den Autobahnknoten (Nr. 32) der Egnatia Odos Autobahn erreichbar (Kreuz Kavala-West, Nea Karvali, Phillip B).
Kavala besitzt keinen Eisenbahnanschluss. Wie in vielen Regionen Griechenlands gewährleisten Überlandbusse (KTEL Kavalas) den öffentlichen Fernverkehr.
Wirtschaft Kavalas Wirtschaft war lange Zeit vom Fischfang bestimmt. Das Griechische Fischereiforschungsinstitut hat heute seinen Sitz in der Stadt.Website des Griechischen Fischereiforschungsinstitut Im Verlauf der Industrialisierung wurde die Stadt ein Zentrum der Tabakindustrievisitkavala.gr, wovon das 1910 errichtete städtische Tabaklagerhausvisitkavala.gr und ein Tabakmuseumvisitkavala.gr noch heute zeugen. Die vor der Küste in den 1970er Jahren gefundenen reichen Erdöl und Erdgasfelder werden seitdem ausgebeutet.
Klimatabelle
Weblinks
Public Benefit Organisation of the City of Kavala (DIMOFELIA)
Einzelnachweise
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