mini|Stefan Rahmstorf (2013)

Stefan Rahmstorf (* 22. Februar 1960 in Karlsruhe) ist ein deutscher Klimaforscher. Er ist Leiter der Abteilung für Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und ist außerdem Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind Ozeanographie und Paläoklimatologie. Er gehört zu den Leitautoren des 2007 veröffentlichten Vierten Sachstandsberichtes des Weltklimarates (IPCC),IPCC: , 2007. wird von Clarivate Analytics zu den meistzitierten Forschern seines Fachgebietes gezählt, Pressemitteilung des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Abgerufen am 11. Dezember 2018.Highly Cited Researchers 2018. Clarivate Analytics. Abgerufen am 11. Dezember 2018. gilt als einer der weltweit führenden OzeanographenDamian Carrington: Avoid Gulf stream disruption at all costs, scientists warn. In: TheGuardian.com, 13. April 2018. Abgerufen am 13. April 2018. und befasst sich mit der globalen Erwärmung und ihren Folgen.Rahmstorfs Publikationsliste

Beruflicher Werdegang Rahmstorf studierte als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen VolkesStudienstiftung des deutschen Volkes: Jahresbericht 2017. S. 86. Physik in Konstanz und Ulm sowie physikalische Ozeanographie an der University of Wales, Bangor. 1990 wurde er an der Victoria University of Wellington in Ozeanographie promoviert. Nach weiteren Stationen am New Zealand Oceanographic Institute und am Institut für Meereskunde Kiel ist er seit 1996 am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung tätig.Ute Kehse: In: Financial Times Deutschland. 9. Januar 2005. Abgerufen am 3. März 2013. Dort forscht er vor allem zu Wechselwirkungen zwischen Ozeanen und der globalen Erwärmung sowie natürlichen Klimaveränderungen. 1998 erfolgte seine Habilitation an der Universität Kiel. Im Jahr 2000 übernahm er die Professur für das Fach Physik der Ozeane an der Universität Potsdam, wo er Vorlesungen zu den Themenfeldern Paläoklimatologie und Ozeanzirkulation hält. Außerdem bietet er Online-Videovorlesungen im Rahmen der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit im E-Learning-Programm der Universität Bremen an.

Rahmstorf ist seit 2006 Mitglied der Academia EuropæaEintrag auf der Internetseite der Academia Europaea und des wissenschaftlichen Beirats von National Geographic Deutschland. 2010 wurde er zum Fellow der American Geophysical Union gewählt. Er war außerdem von 2004 bis 2013 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. 2019 wurde er als Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin kooptiert.

Wissenschaftliche Arbeit Rahmstorf ist Autor oder Co-Autor von rund 110 wissenschaftlichen Publikationen in internationalen Fachzeitschriften, davon mehr als 40 in Nature, Science und PNAS. Sein h-Index beträgt 90 (Stand Dezember 2025).Stefan Rahmstorf. Google Scholar. Abgerufen am 27. Dezember 2025.

Nach anfänglicher Arbeit zur GravitationsphysikB. Rose, S. Rahmstorf, H. Dehnen: Propagation of self-gravitating density waves in the deDonder gauge on a gravitational background field. In: General Relativity and Gravitation. November 1988, Vol. 20, Issue 11, S. 1193–1201. (allgemeine Relativitätstheorie) wurde Rahmstorf in den 1990er Jahren durch eine Reihe von Studien zur Stabilität des Nordatlantikstroms international bekannt, die eine Erklärungshypothese für abrupte eiszeitliche Klimawechsel in der nördlichen Hemisphäre wie die Dansgaard-Oeschger-Ereignisse lieferten.Stefan Rahmstorf: Rapid climate transitions in a coupled ocean–atmosphere model. In: Nature. 372, S. 82–85 (3. November 1994), doi:10.1038/372082a0Stefan Rahmstorf: Bifurcations of the Atlantic thermohaline circulation in response to changes in the hydrological cycle. (PDF; 692 kB). In: Nature. 378, S. 145–149 (1995). 1998 war er an der ersten erfolgreichen Ozean-Atmosphärensimulation des Klimas auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit beteiligt.Andrey Ganopolski, Stefan Rahmstorf, Vladimir Petoukhov, Martin Claussen: Simulation of modern and glacial climates with a coupled global model of intermediate complexity. In: Nature. 391, S. 351–356 (22. Januar 1998), doi:10.1038/34839 Im Jahr 1999 publizierte er Szenarien über mögliche zukünftige Änderungen der Strömungen im Nordatlantik infolge der globalen Erwärmung.Stefan Rahmstorf, Andrey Ganopolski: Long-Term Global Warming Scenarios Computed with an Efficient Coupled Climate Model. In: Climatic Change. Oktober 1999, Volume 43, Nr. 2, S. 353–367. In der Fachzeitschrift Nature Climate Change berichtete Rahmstorf im März 2015 gemeinsam mit Klimaforscher-Kollegen über neue Erkenntnisse bezüglich einer Abschwächung des Nordatlantikstroms. Die Warmwasserströmung habe sich in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu 30 Prozent verlangsamt, wobei die relativ schwächste Strömung zu Anfang der 1990er Jahre aufgetreten sei. Seit über 1000 Jahren habe es ein solches Nachlassen nicht mehr gegeben.In: Die Zeit, 26. März 2015, S. 35; Der Tagesspiegel, 25. März 2015, S. 22; tagesspiegel.de vom 12. April 2018: Golfstrom schwächt sich ab – Folgen nicht absehbar

Seit 2007 hat Rahmstorf vor allem zu Veränderungen des Meeresspiegels in Vergangenheit und Zukunft geforscht.Stefan Rahmstorf: A Semi-Empirical Approach to Projecting Future Sea-Level Rise. In: Science. 19. Januar 2007: Vol. 315, no. 5810, S. 368–370, doi:10.1126/science.1135456Martin Vermeer, Stefan Rahmstorf: Global sea level linked to global temperature. In: PNAS. Vol. 106, No. 51. 2009. Seit 2009 war er zudem an mehreren Studien beteiligt, die den Zusammenhang von Extremwetter und Klimawandel erhärten.Stefan Rahmstorf, Dim Coumou: Increase of extreme events in a warming world. In: PNAS. 2011.Dim Coumou, Stefan Rahmstorf: A decade of weather extremes. In: Nature Climate Change. (2012) 2, S. 491–496, doi:10.1038/nclimate1452

Als Mitglied des WBGU war Rahmstorf an mehreren Gutachten beteiligt, die breite Diskussionen ausgelöst haben, unter anderem zu den Meeren (2006), zur Bioenergie (2008) und zum Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation (2011). So riet das Bioenergie-Gutachten wegen deren mangelnder Effizienz und deren Bedrohung für die Ernährungssicherheit von einer Förderung von Biotreibstoffen ab, was zur späteren Kehrtwende der EU-Bioenergiepolitik beitrug.. Presseerklärung des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) vom 1. Oktober 2012. Abgerufen am 8. Februar 2013. Die Universität Flensburg stellte fest, dass Rahmstorf für die Jahre 1994–2013 der deutsche Klimaforscher mit den meisten Top-Publikationen in der Fachliteratur ist.

Publizistische Tätigkeit mini|Stefan Rahmstorf veranschaulicht Kipppunkte bezüglich des menschengemachten Klimawandels bei einem Vortrag über „Alexander von Humboldt und der Klimawandel – Mythen und Fakten“ am 9. Mai 2023 in der Humboldt-Bibliothek Zum Thema globale Erwärmung engagiert sich Rahmstorf auch öffentlich. Er ist ein Mitbegründer des RealClimate-Blogs, der 2006 von der Fachzeitschrift Nature unter die Top 5 der Wissenschaftsblogs gewählt und vom Time Magazine 2008 zu den 15 besten Umweltseiten gezählt wurde. Er ist Mitbegründer des deutschen Klimablogs KlimaLounge, der 2013 zum Wissenschaftsblog des Jahres nominiert wurde.Wissenschaft kommuniziert | Prosit 2014 – Der Wissenschafts-Blog des Jahres 2013 ist gewählt. 2. Januar 2014.

Rahmstorf hat, teils mit Ko-Autoren, vier populärwissenschaftliche Bücher zu Wetter, Klima und Meeren geschrieben, von denen einige in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Sein Buch Wolken, Wind & Wetter (DVA 2011), wurde im Februar 2012 auf die Deutschlandfunk-Bestenliste für junge Leser gewählt und von der Deutschen Umweltstiftung zum Umweltbuch des Jahres gekürt.

In den Medien hat sich Rahmstorf vielfach zu Klimathemen geäußert.Die Kernaussage bleibt. Interview vom 16. Februar 2010, nano, 3sat (Video, 17:24 min, abgerufen am 7. Oktober 2012). Seine in Tageszeitungen veröffentlichten Artikel zu Klimathemen werden gelegentlich über Project Syndicate international vertrieben. In der Umweltzeitschrift Zeo2 schrieb er zeitweise eine regelmäßige Kolumne. Die Verleihung des UmweltMedienpreises an Rahmstorf 2007 wurde in den ARD-Tagesthemen ausführlich gewürdigt. Die Financial Times bezeichnete ihn im Jahr 2009 als führenden Klimatologen.

Für seine Klimakommunikation wurde er immer wieder angegriffen und erhielt u. a. Morddrohungen gegen sich und seine Familie. Rahmstorf rät anderen Wissenschaftlern, sich durch solche Anfeindungen nicht unterkriegen zu lassen, sondern für die Wissenschaft einzustehen, selbst wenn sie dafür angefeindet werden.Klimaforscher Rahmstorf im Interview: „Unsere ganz frühen Prognosen treten ziemlich genau ein“. In: Tagesspiegel.de, 27. Juni 2026. Abgerufen am 27. Juni 2026.

Im Juli 2026 machte er Urlaub in Lacanau und war dadurch selbst von den schweren Waldbränden bei Bordeaux betroffen. Auf Social Media teilte er seine Erlebnisse, beschrieb diese in Interviews und lieferte klimatologische Erläuterungen."Wir können das nicht mehr zurückdrehen". In: T-Online.de, 28. Juli 2026. Abgerufen am 29. Juli 2026.»Die Bademeister hissten die grüne Flagge, vom Himmel rieselte Asche«. In: Die Zeit, 28. Juli 2026. Abgerufen am 29. Juli 2026.

Auszeichnungen 1999: Centennial Fellowship Award der James-Smith-McDonnell-Stiftung, dotiert mit einer Million Dollar an Forschungszuschüssen.Website der James S. McDonnell Foundation: Funded Grants 2007: Honorary Fellow der Bangor University in Wales „in Anerkennung seiner Verdienste um die Umweltforschung“.Bangor University: 2007: Verleihung des DUH-Umwelt-Medienpreises der Deutschen Umwelthilfe „für unermüdliche Aufklärungsarbeit zum Klimawandel“.Deutsche Umwelthilfe: Preisträger 2007scinexx: Auszeichnung für streitbaren Klimaforscher: Stefan Rahmstorf erhält Medienpreis der Deutschen Umwelthilfe, 12. Dezember 2007. 2010: Wahl zum Fellow der American Geophysical Union als „besondere Würdigung herausragender wissenschaftlicher Beiträge“.PIK: US-Geoforscherverband ehrt Stefan Rahmstorf, 17. Februar 2010. 2017: Climate Communication Prize der American Geophysical Union. 2019: Zeit-Wissen-Preis Mut zur Nachhaltigkeit in der Kategorie „Wissen“.Preisträger 2019. Zeit Wissen. Abgerufen am 30. März 2019. 2022: Stephen H. Schneider Award for Outstanding Climate Science CommunicationClimate One Honors Dr. Stefan Rahmstorf. Pressemitteilung von Climate One. Abgerufen am 22. Juni 2022.Stefan Rahmstorf mit Stephen Schneider Preis ausgezeichnet. Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Abgerufen am 22. Juni 2022. 2024: Alfred Wegener Medal der European Geosciences Union 2024: Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Schriften Eigene Titel Treibhauseffekt und Klimawandel. Mayer Jena-Erlangen, Marloffstein 2001, ISBN 3-925978-71-2. Wolken, Wind und Wetter. mit Bildern von Klaus Ensikat. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2011, ISBN 978-3-8389-0226-5. Von der Deutschen Umweltstiftung zum Umweltbuch des Monats Januar 2012 gewählt.

Mitwirkungen (Auswahl) mit Thomas F. Stocker: Thermohaline Circulation: Past Changes and Future Surprises? In: Will Steffen, Angelina Sanderson, Peter Tyson, Jill Jäger, Pamela Matson, Berrien Moore III, Frank Oldfield, Katherine Richardson, Hans Joachim Schellnhuber, B. L. Turner II, Robert J. Wasson: Global change and the earth system. A planet under pressure. Springer, Berlin u. a. 2004, ISBN 3-540-40800-2, S. 240–241 (PDF; 402kB) mit Frank Sirocko: Modes of Oceanic and Atmospheric Circulation during the Quaternary. In: Hans Joachim Schellnhuber, Paul J. Crutzen, William C. Clark, Martin Claussen und Hermann Held (Hrsg.): Earth System Analysis for Sustainability. The MIT Press, 2004, ISBN 0-262-19513-5, S. 129–142 (PDF, 188 kB)