mini|298px|Schloss und Kirche in Heilbronn-Klingenberg
Klingenberg ist ein Stadtteil von Heilbronn in Baden-Württemberg und liegt im Südwesten der Stadt, etwa 10 km Luftlinie vom Stadtzentrum entfernt. Der Ort war vom 15. bis ins frühe 19. Jahrhundert im Besitz der Herren bzw. Grafen von Neipperg, war dann selbstständige Gemeinde und wurde am 1. Januar 1970 nach Heilbronn eingemeindet.
Geographie Der Stadtteil Klingenberg liegt am Südwestende des Heilbronner Gemeindegebietes auf Böckinger Gemarkung, links des hier in nordöstlicher Richtung fließenden Neckars und beidseits des von Westen in diesen mündenden Klingenbachs. Der Stadtteil erstreckt sich über den Talboden und die beidseitigen Hänge des Bachs, auf der Spitze des nach Osten laufenden Mündungssporns zum Neckar liegt in schon niedrigerer Lage das Schloss Klingenberg. In der linken Talaue des abfließenden Neckars zieht sich eine Straßenzeile von der Bachmündung längs der L 1109 in Richtung Böckingen. Über ihr am Hang und weiter südwestlich am Neckarhang des Mündungssporns stehen Weinberge.
Benachbarte Orte Nordöstlich von Klingenberg liegt Böckingen, südöstlich jenseits des Neckars Horkheim, beide ebenfalls im Stadtkreis von Heilbronn. Südwestlich liegen Gemeinde und Ort Nordheim, nordwestlich das zu Leingarten gehörende Großgartach, diese gehören zum Landkreis Heilbronn.
Verkehrsanbindung Aus Richtung Westen von ihrer Abzweigung von der L 1105 Großgartach–Nordheim auf dem Landturmbacken führt den linken Bachhang herab die K 9553 in Tal und Stadtteil und stößt in dessen Mitte an die L 1109, die Nordheim im Südwesten mit Böckingen im Nordosten verbindet. Diese Landesstraße läuft in ihrem südwestlichen Abschnitt fast oben auf dem Neckarhang, in ihrer Fortsetzung nach Nordosten dann im Neckartal, dort rechts eng begleitet von der Frankenbahn, die früher eine Haltestelle im Bereich der Talmündung hatte. Von dort führt auch ein Steg über den Neckar auf die Horkheimer Insel zwischen dem Fluss und seinem Schifffahrtskanal, von wo aus Verkehrsverbindung zu den südlichen Heilbronner Stadtteilen rechts des Flusses besteht. Klingenberg wird von der Stadtbus-Linie 1 der Stadtwerke Heilbronn, die über Böckingen und den Heilbronner Hauptbahnhof zur östlichen Kernstadt fährt, an das Stadtbusnetz der Stadt angebunden. Dazu verkehren noch die Regionalbus-Linien 661, mit der man über Nordheim, Dürrenzimmern, Brackenheim, Güglingen und Zaberfeld nach Ochsenburg fahren kann, und 662, mit der man über Nordheim, Hausen und Dürrenzimmern nach Brackenheim fahren kann, der OVR.
Geologie In der Neckartalaue bei Klingenberg wie im unteren Klingenbachtal steht Unterkeuper an, auf dem linken Talhang neckarabwärts liegen teilweise alte Schotterterrassen des Neckars. Oben auf den Hügeln links des Neckars und beidseits des zumündenden Baches bedecken Lößschichten die Landschaft.
Geschichte Frühe Besiedlung und Namensherkunft Der Ortsname Klingenberg, „Berg mit Klinge“, bezieht sich auf die Lage des Ortskerns an einem Berg, der im Osten zum Tal des Neckars schroff abfällt und im Norden zu einem schmalen Kerbtal, einer Klinge. Durch diese fließt der Klingenbach seiner Mündung in den Neckar am Ostrand des Stadtteils zu.Namensherkunft nach: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 19.
Der an einer Neckarfurt gelegene Ort war schon in der Jungsteinzeit um etwa 5000 v. Chr. besiedelt. Auf dem Schlossberg haben sich sowohl Siedlungsspuren der damaligen Bandkeramiker wie auch die der Michelsberger Kultur aus der Zeit um 3500 v. Chr. erhalten. Auch auf der Nordheimer Höhe wurde eine bandkeramische Siedlung ausgemacht, weitere Funde aus dieser Epoche stammen aus einer Höhle im Fuchsloch und aus dem Gewann Elltich. Auf der Kuppe eines Geländerückens in Klingenberg wurde 1996 ein Grab der Mittelbronzezeit mit Frauenschmuck entdeckt.Frauenschmuck der Bronzezeit in einem Grab in Klingenberg. Der Frauenschmuck umfasste zwei Radnadeln sowie eine Kette mit drei Reihen von Bronzespiralröllchen und mit einer Perle aus Bernstein. Andere Perlen aus Bernstein bereicherten das Geschmeide. Später haben die Kelten in Klingenberg gesiedelt.
In der Römerzeit stand im Gewann Bruch ein römischer Gutshof. Bei Klingenberg trafen sich mehrere Römerstraßen, deren Verlauf jedoch nur noch teilweise nachvollziehbar sind. In groben Zügen noch erkennbar ist eine Straße von Meimsheim über Nordheim und Klingenberg nach Böckingen. Eine weitere führte auf die Neckarfurt zu. Auch in der Zeit der Franken lief eine Fernstraße durch die Neckarfurt.Schrenk/Weckbach 1993, S. 10.
Sitz der Herren von Klingenberg im hohen Mittelalter mini|Klingenberg im Kieserschen Forstlagerbuch von 1684 mini|Schloss Klingenberg, Ölgemälde 1851 Clingenberg wurde 1291 erstmals erwähnt, als ein Angehöriger des Ortsadels, der Herren von Klingenberg, eine Urkunde über Belehnung des Markgrafen Hermann VII. von Baden vonseiten des Klosters Weißenburg bezeugte.wubonline.de Die Herren von Klingenberg hatten den Ort als Lehen der Markgrafschaft Baden, die ihn wiederum vom Kloster Weißenburg erhalten hatte. Der Ort entstand vermutlich im Hochmittelalter unterhalb der Burg als Burgweiler im Tal des Klingenbachs.
1293 bezeugte ein Reinbot von Klingenberg die Schenkung des Dorfes Schwaikheim durch Albrecht von Ebersberg an den Deutschen Orden in Heilbronn.Eugen Knupfer: Urkundenbuch der Stadt Heilbronn. Band 1, Heilbronn 1904, S. 20/21, Nr. 53. Wohl derselbe Reinbot erscheint auch in Urkunden von 1295wubonline.de und 1297.wubonline.de
Die Herren von Klingenberg hatten auch Besitz und Rechte in einigen umliegenden Orten. Vermutlich geriet ihr Besitz in Böckingen zum Zankapfel mit der aufstrebenden Stadt Heilbronn, die im 14. Jahrhundert Rechte in Böckingen erwarb. Ein Reinbot von Klingenberg, der als gleichnamiger Sohn des 1293 bezeugten Reinbot gilt,Schrenk/Weckbach 1993, S. 11. wurde zum Raubritter und Wegelagerer und stellte sich auf die Seite der Grafen Eberhard der Greiner und Ulrich IV. in ihrer Fehde gegen die Städte. Die Städte gingen aus der Auseinandersetzung siegreich hervor, die Burg in Klingenberg wurde eingenommen und geschleift. Kaiser Karl IV. erlaubte am 31. Oktober 1360 der Stadt Heilbronn, die Steine der Burg zu verwenden,Urkundenbuch der Stadt Heilbronn, Band 1, S. 106, Nr. 150. die diese 1392 zum Bau des Heilbronner Götzenturms verwendet haben soll. 1361 erging nochmals ein kaiserliches Verbot, die Burg wieder aufzubauen. Ritter Reinbot durfte sich nurmehr eine hölzerne Behausung errichten.Urkundenbuch der Stadt Heilbronn, Band 1, S. 106, Nr. 150a.
In der Folgezeit verkauften die Herren von Klingenberg einen großen Teil des Familienbesitzes. Konrad (Kunz) von Klingenberg verkaufte 1405 Rechte in Böckingen, die er als Ebersteinsches Lehen besessen hatte, an den bürgerlichen Sohn seiner Schwester,Urkundenbuch der Stadt Heilbronn Band 1, S. 184, Nr. 407. und 1409 einen Hof in Nordheim an das Heilbronner Klarakloster. Seine Tochter Anna von Klingenberg, die schon 1399 weiteren Besitz in Tamm und Talhausen veräußert hatteDer Ministeriale Rudolf Kamrer und seine Frau Anna von Klingenberg überlassen am 5. September 1399 Graf Eberhard III. von Württemberg ihren Wein- und Kornzehnten zu Tamm und ihren Teil an Talhausen gegen ein Leibgeding. Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 602 Nr. 8746 = WR 8746 LABW online. und im Februar 1411 in zweiter Ehe den Edelfreien Sifried von Riexingen heiratete,HStA Stuttgart, Württembergische Regesten, A 602 Nr. 6534 LABW Online. verkaufte 1433 alle von ihrem Vater geerbten Rechte in Nordheim.Heilbronner Urkundenbuch Band 1, S. 269, Nr. 545.
Neippergsche Ortsherrschaft 1407 bis 1805 Ab 1407 erhielt der in Schwaigern residierende Eberhard II. von Neipperg in zwei Schritten das markgräfliche Lehen der Herren von Klingenberg. Die Herren von Neipperg hatten danach bis zum Ende der Reichsritterschaft 1805 die Ortsherrschaft inne. Sie erbauten auf den Überresten der Burg einen neuen Herrensitz, der abwechselnd als Hofstatt, Schloss oder Burgstall bezeichnet wurde.
Die Herren von Neipperg führten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Reformation in Klingenberg ein. Der erste reformierte Pfarrer in Klingenberg war der 1546–60 predigende Georg Röder.Schrenk/Weckbach 1993, S. 12.
Im Ort wurde insbesondere Weinbau betrieben, der durch das Ausbleiben der badischen Weinhändler nach dem Bau des Württembergischen Landgrabens 1482 längs der südlichen Klingenberger Markungsgrenze einen Aufschwung erfuhr. Eine Kelter gab es sicher bereits früh, erstmals erwähnt wurde sie 1539.
Ab 1577 ließen die Herren von Neipperg das Schloss Klingenberg mit Nebengebäuden neu herrichten. Bis zur Errichtung des Schlosses in Schwaigern 1702 war Klingenberg Hauptsitz der Familie. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort nach der Schlacht bei Wimpfen 1622 verwüstet. Die meisten Einwohner flohen, die Kirche wurde bis 1656 nicht mehr genutzt. Auch in der nachfolgenden Zeit der Franzoseneinfälle hatte Klingenberg zu leiden. Die Franzosen drangen bei Klingenberg bis an den Neckar vor. Die Neipperger erlangten bis 1679 den Blutbann über den Ort und konnten 1726 das bisherige Lehen als Allodialbesitz erwerben.
Der Ort blieb bis in die jüngere Vergangenheit sehr klein. 1590 gab es 13 Wohnhäuser, 1682 waren es 18, im Jahr 1734 zählte Klingenberg deren 21, 1750 waren es 30.
mini|Blick über das Klingenberger Unterdorf
Selbstständige Gemeinde 1805 bis 1969 Durch die Mediatisierung der Reichsritterschaft kam Klingenberg 1805 als selbstständige Gemeinde zunächst an Baden, im Folgejahr dann per Staatsvertrag an Württemberg. Der Ort, der 1813 etwa 300 Einwohner hatte, blieb weiterhin von Landwirtschaft und Weinbau geprägt. Aufgrund der topografischen Verhältnisse siedelte sich keine Industrie an. Die Industrialisierung der nahen Orte Heilbronn und Sontheim führte aber zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerungszahl und damit auch zu einer baulichen Ausdehnung des Ortes. Ab 1848 war die württembergische Nordbahn (heute Frankenbahn) auf dem schmalen Ufersaum zwischen dem Ort und dem Neckar in Betrieb, jedoch erhielt der Ort erst 1895 einen Haltepunkt und 1921 einen Bahnhof.
1906 gab es in Klingenberg 18 selbstständige Gewerbe- oder Handeltreibende sowie etwa 50 selbständige Landwirte und Weingärtner.Schrenk/Weckbach 1993, S. 46 und S. 63.
Die 1921 bei Klingenberg begonnene Neckarkanalisierung brachte dem Ort bedeutende Veränderungen. Die Kanalbauarbeiten boten Arbeit für die örtlichen Erwerbslosen und führten auch zu einem Zuzug von Arbeitern. 1925/26 entstand auch ein erster Neckarsteg, der Klingenberg nun ohne die zuvor genutzten Fähren mit dem auf dem anderen Neckarufer gelegenen Sontheim verband. Der Neckarsteg wurde im Wesentlichen von Sontheim finanziert, da man dort eine Anbindung an den Klingenberger Bahnhof wünschte. Im Oberdorf wohnten und wirtschafteten nun vor allem die Bauern, im Unterdorf dagegen fanden hauptsächlich Arbeiter Unterkunft, die es von dort näher zu ihren Arbeitsorten in Heilbronn oder Sontheim hatten.
Im Zweiten Weltkrieg richteten um die Zeit der Luftangriffe auf Heilbronn Bomben zahlreiche Schäden im Dorf an. 1939 zählte man 761 Einwohner, Ende 1945 waren es 840.Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 1: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordwürttemberg Nach dem Krieg strömten zahlreiche Heimatvertriebene oder Ausgebombte nach Klingenberg, zu deren Unterbringung man die Siedlung auf der westlichen Hochfläche erschloss. 1949/50 entstand das Neubaugebiet Neipperger Höhe, von 1963 bis 1969 folgten die Siedlungen Wolfsglocke im Norden und Schlossäcker im Süden.
Heilbronner Stadtteil seit 1970