mini|hochkant|Die Stadtpfarrkirche St. Michael mini|Stadtkern mit St. Michael mini|Kirche in Steinbach Lohr am Main (amtlich: Lohr a.Main) ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Sie liegt am Main im Spessart etwa auf halber Strecke zwischen Würzburg und Aschaffenburg. Lohr ist ein Mittelzentrum und der Sitz, aber kein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Lohr am Main.
Geographie Geografische Lage Lohr liegt am Ostabhang des Spessarts an einer Flussbiegung des Mains, der hier nach Süden schwenkt. Damit beginnt das Mainviereck (Südteil des Spessarts). In Lohr münden die Lohr und der Rechtenbach in den Main. Der topographisch höchste Punkt des Stadtgebietes befindet sich mit am Gipfel der Steckenlaubshöhe, der niedrigste liegt im Main auf .
Geologie Der Untergrund besteht im Wesentlichen aus Sedimentgesteinen. Im Spessart findet sich viel Buntsandstein, im Osten schließt sich die fränkische Platte an, die überwiegend aus Muschelkalk besteht.
Stadtgliederung Es gibt elf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Halsbach (Stadtteil) Lindig (nicht amtlich benannt) Lohr (Hauptort) Pflochsbach (Stadtteil) Rodenbach (Stadtteil) Ruppertshütten (Stadtteil) Sackenbach (Stadtteil) Sendelbach (Stadtteil) mit Mariabuchen (Wallfahrtskirche) Steinbach mit Buchenmühle (beides Stadtteile) Wombach (Stadtteil)
Es gibt folgende Gemarkungen: Gemarkung Einwohner Flächeha Einw./km² Eingemeindung Halsbach 346 698 50 1972Kernstadt und Lindig 6788 3900 174 –Pflochsbach 475 193 246 1978Rodenbach 779 979 80 1972Ruppertshütten 747 429 174 1972Sackenbach 1151 815 141 1972Sendelbach 2695 575 469 1939Steinbach 898 851 106 1972Wombach 1957 583 336 1972 Einwohnerzahlen Stand: 1. Januar 2020
Außerdem besitzt die Stadt Lohr am Main Flächen in den Gemarkungen anderer Gemeinden (Partenstein, Gemünden und Rechtenbach).
Die Gemarkung Lohr a.Main hat eine Fläche von 38,886 km². Sie ist in 4842 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 8031,11 m² haben.
Nachbargemeinden An Lohr, mit den eingemeindeten Stadtteilen, grenzen folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn von Norden beginnend): Partenstein, Fellen, Neuendorf, Gemünden am Main, Karlstadt, Steinfeld, Neustadt am Main, Rechtenbach.
Name Etymologie Ihren Namen hat die Stadt Lohr vom gleichnamigen Fluss Lohr,Harald Bichlmeier/Wolfgang Vorwerk: Zum Gewässer- und Ortsnamen Lohr – bisherige Forschungen und neue Ideen (Bayerisch-österreichische Orts- und Gewässernamen aus indogermanistischer Sicht, Teil 5). In: Wolf-Arnim Frhr. v. Reitzenstein (Hrsg.), Blätter für oberdeutsche Namenforschung Bd. 51, 2014. Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern e. V. München 2015, S. 15–85.Theodor Ruf: Quellen und Erläuterungen zur Geschichte der Stadt Lohr am Main bis zum Jahr 1559. Lohr am Main 2011, ISBN 978-3-00-035963-7, S. 46–47. der dem Main im Stadtgebiet zufließt. Der Zusatz am Main unterscheidet sie von weiteren gleichnamigen Orten.
Am 30. April 1952 wurde der heute gültige Gemeindename Lohr am Main festgelegt.Statistisches Bundesamt - Gebietsänderungen 1.1.-31.12.1952 (eingesehen am 12. Dezember 2023)
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: (Jedes Jahr sollte mit einem separaten Hinweis deklariert werden). 1295 LareTheodor Ruf, Quellen und Erläuterungen zur Geschichte der Stadt Lohr am Main bis zum Jahr 1559, Lohr a. Main 2011, S. 174–175 1331 Lore 1333 zu oberen Lore 1342 Lor 1526 Lohr 1573 Loarn 1747 Lahr 1831 Lohr 1946 Lohr am Main
Geschichte mini|hochkant|Der Bayersturm mini|Hauptstraße mit Rathaus in Lohr am Main mini|Kirchplatz in Lohr am Main mini|Lohrtorstraße in Lohr am Main
Bis zum 18. Jahrhundert Die Stadt Lohr am Main ist wahrscheinlich seit dem 8. Jahrhundert besiedelt, schriftliche Hinweise existieren jedoch nicht. Das jetzige Altstadtgebiet sei auf jeden Fall zur Römerzeit besiedelt gewesen.So Theodor Ruf in der Main-Echo vom 13. November 2010 Allerdings gibt es keinerlei Beweise dafür.So Theodor Ruf im Main-Echo vom November. 2010, Redakteur Thomas Josef Möhler, Artikel: Lohrer Raum schon zur Römerzeit besiedelt. Bei einer urkundlichen Nennung im Jahr 1295 soll Lohr als „Lare“ schon Kernort der Grafschaft Rieneck gewesen sein und dies, obwohl es 1366 als Lore und auch in dem Buch von Theodor Ruf auf der Titelseite als LAHR erwähnt wurde.Wie alt ist Lohr - wann war die Erstnennung? Im Jahrbuch 2023 des Heimat- und Geschichtsverein Kreuzwertheim ist Lohrs Eintritt in die Geschichte, Alter und erste urkundliche Erwähnung von angeblich 1295, von Klaus Weyer widerlegt. 1333 erhielten die Grafen von Rieneck für ihre „Stat zu oberen Lore“, neben Wertheim und Freudenberg, von Kaiser Ludwig IV. (der Bayer), ein Wittelsbacher, das Stadtrecht Gelnhausens, erklärbar aus den Auseinandersetzungen um das Erbe der ausgestorbenen Linie der Grafen von Rieneck-Rothenfels. Kaiser Ludwig der Bayer wollte jedoch in dieser Auseinandersetzung den Rienecker Stadtherren aus Dank für ihrerseits geleistete Dienste politisch den Rücken stärken. Das Stadtrecht schützte allerdings nicht vor der wohl schon seit langem bestehenden Lehenshoheit durch das Erzstift Mainz, auch wenn der Erzbischof von Mainz erst seit 1366 als Lehnsherr nachweisbar ist. Als Sühne für die Teilnahme am Bauernkrieg wurden den Lohrer Bürgern von 1525 bis 1535 die Privilegien entzogen.
1559, nach dem Tod des letzten Rienecker Grafen Philipp III., kam Lohr daher als heimgefallenes Lehen an das Erzstift Mainz. Lohr erlebte in der Folgezeit eine Blütezeit, die sich noch heute im Stadtbild zeigt. Die Reformation wurde in Lohr noch von Philipp III. eingeleitet. Er hatte im Rahmen seines Besetzungsrechts 1543 Martin Luther und Philipp Melanchthon um Entsendung eines geeigneten Theologen gebeten. Der von ihnen empfohlene Schaffhausener Reformator Johann Konrad Ulmer traf noch im selben Jahr in Lohr ein und wirkte hier bis 1566. Obwohl Lohr seit 1559 mainzisch war, wurde erst unter dem Erzbischof Johann Adam von Bicken 1603 die Rekatholisierung in Angriff genommen und im Wesentlichen bis 1605 abgeschlossen.
Zwischen 1611 und 1629 fielen etwa 70 Bürger in der Lohrer Region der Hexenverfolgung zum Opfer, unter ihnen die Spitalmeisterin Margreth Scherchen aus Lohr am Main 1756. In dem Secret, dem Kerker im Alten Rathaus, waren die Angeklagten inhaftiert, die durch Folter zu Geständnissen gezwungen wurden.Erinnerung an den Hexenwahn in Lohr a.Main
Nach Daten der Gesellschaft für Leprakunde existierte in Lohr ein mittelalterliches Leprosorium, dessen Gründung allerdings nicht genauer datiert werden kann. Der Flurname „Siechenwiese“ weist auf das Leprosorium hin.siehe Daten unter
Den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) hat Lohr zunächst unbeschadet überstanden; 1632 fielen jedoch Schweden ein. Zur Drangsal des Krieges kam die Pest. Bis zu ihrem Erlöschen verlor die Stadt „mehr als die halbe Bürgerschaft durch die grassierende Infection“. Nach 1648 erholte sich die Stadt langsam. Das handwerkliche Leben auf den vier Lohrer Schiffbauplätzen erblühte. Die Gründung der kurmainzischen Spiegelmanufaktur im Herbst 1704Loibl 2016 S. 779 brachte für damalige Verhältnisse eine Großinvestition in die Stadt.
Durch Johann Jost Schleich (um 1645–um 1707Bayerisches Musikerlexikon Online) und seine Familie war Lohr ein Zentrum des Orgelbaus, das „den mainfränkischen Orgelbau des 17. und 18. Jahrhunderts entscheidend prägte“.Pfarrei St. Nikolaus Wörth
19. bis 21. Jahrhundert Friedrich Stein errichtete 1817 in der leerstehenden Spiegel-Manufaktur ein Eisenwalzwerk, das 1850 von den Brüdern Rexroth erworben wurde. Politisch wurde das Oberamt Orb und Lohr des Erzstiftes Mainz 1803 zugunsten des Fürstentums Aschaffenburg (Fürstprimas von Dalberg) säkularisiert und fiel mit ihm 1814 (damals ein Departement des Großherzogtums Frankfurt) an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Stadtgemeinde. 1862 wurde Lohr Sitz des Bezirksamts für den neugebildeten Bezirk Lohr.
1875 wurde die alte Mainbrücke gebaut. Im August 1895 legte in Lohr zum ersten Mal ein sich von Mainz aus mit einer Eisenkette flussaufwärts ziehendes Schiff an. Im Jahr 1900 wurde die bis 1938 im Main befindliche Kette für Schlepper bis Kitzingen, 1911 bis Schweinfurt und 1912 bis BambergMartin Droschke: Lohr am Main […]. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 9. August. verlängert.
Während der Revolution 1918/19 nach dem Ersten Weltkrieg kam es am 8. April 1919 in Lohr zur Ausrufung der Räterepublik durch Anhänger der USPD, unterstützt von aufständischen Soldaten der Würzburger Garnison. Nach der Niederschlagung der Würzburger Räterepublik und einem Ultimatum des Würzburger Armee-Generalkommandos sahen die Initiatoren in Lohr die Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens ein und gaben auf. Die Räterepublik endete am 12. April unblutig.Karl Anderlohr: Vor 90 Jahren in Lohr: Unblutiges Ende der Räterepublik, In: Main-Post, 8. April 2009 (abgerufen am 3. November 2018)
1936 erfolgte die Gründung der Lindigsiedlung, 1939 die Eingemeindung von Sendelbach.
Juden konnten sich in der Rienecker und Kurmainzer Zeit in Lohr, wenn überhaupt, nur vereinzelt und nie dauerhaft niederlassen. Eine jüdische Gemeinde konnte erst ab 1862 mit Liberalisierung des Zuzugsrechts für Bewohner jüdischen Glaubens in Bayern entstehen (s. Bayerisches Judenedikt von 1813 und Wegfall des sog. Matrikelparagraphen). Um 1867 war die Gemeinde mit ca. 40 Mitgliedern bereits so zahlreich, dass sie einen vorläufigen Betsaal wohl im Eckhaus der heutigen Kellereigasse 6 anmietete (gegenüber dem südlichen Eingang der Tiefgarage). 1871 erwarb sie dann ein Haus in der Fischergasse als Gemeindehaus und Synagoge. Im Jahre 1890 gab es 91 Lohrer Einwohner jüdischen Glaubens. 1933 waren in Lohr einschließlich der etwa 25 jüdischen Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt (heute „Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie“) noch 70 Personen jüdischen Glaubens gemeldet. Während der Novemberpogrome 1938 wurde am 10. November 1938 auch in Lohr das Innere der Synagoge und verschiedener Häuser jüdischer Bürger verwüstet. Die Gemeinde löste sich danach faktisch durch Wegzug der meisten Mitglieder und Aufgabe des Gemeindehauses in der Fischergasse 1939 auf. Von den weggezogenen jüdischen Mitbürgern wurden fünfzehn vorwiegend von anderen Orten deportiert und ermordet (→ Holocaust).Hans Schlumberger, Cornelia Berger-Dittscheid: Lohr mit Steinbach. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff in Verbindung mit Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine…Synagogen-Gedenkband Bayern Band III/1 Unterfranken. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2015, ISBN 978-3-89870-449-6. S. 257–271.
Aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt (s. o.) wurden in der Zeit der NS-Gewaltherrschaft im Rahmen der „Euthanasie“-Tötungsaktion T4 im September 1940 20 jüdische Patientinnen und Patienten in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz deportiert und ermordet.Schlumberger, ebenda, S. 266. Im Oktober/November 1940 folgten 451 nichtjüdische Kinder, Frauen und Männer. Sie wurden in die Tötungsanstalten Pirna-Sonnenstein und Grafeneck deportiert und ebenfalls ermordet. Im Frühjahr 1944 wurden 18 Frauen und Männer aus dem Maßregelvollzug der damaligen Heil- und Pflegeanstalt in die Konzentrationslager Auschwitz und Mauthausen verlegt, von denen drei Männer und zwei Frauen überlebten.Raoul Posamentier: Heil- und Pflegeanstalt Lohr am Main. In: Micael von Cranach und Hans-Ludwig Siemen (Hrsg.): Die Bayerische Heil- und Pflegeanstalten zwischen 1933 und 1945. München 1999, S. 55–87. Seit 1993 erinnert ein in die Straße eingelassenes Bronzerelief des Künstlers Rainer Stoltz an diese Opfer des NS-Regimes.