mini|hochkant=1.55|Die ehemalige Benediktinerabtei Sacra di San Michele im Susatal, offizielles Symbol der Region Piemont

Das Piemont ([], , von ) ist eine Region im Nordwesten Italiens mit Einwohnern (Stand ) und mit 25.399,83 km² flächenmäßig die größte Region des italienischen Festlandes.

Im Norden grenzt das Piemont an die Schweiz, im Westen an Frankreich, italienische Binnengrenzen finden sich im Süden an die Region Ligurien, im Südosten an die Emilia-Romagna, im Osten an die Lombardei und im Nordwesten an das Aostatal. Die Region ist Teil der italienisch-französischen Euroregion Alpi-Mediterraneo/Alpes-Méditerranée.

Hauptstadt des Piemonts ist Turin, andere bekannte Städte sind Vercelli, Novara, Biella, Alessandria, Asti und Cuneo. Ferner ist das Piemont die westlichste und hinsichtlich der Einwohnerzahl die sechstgrößte Region Italiens.

Die ehemalige Benediktinerabtei Sacra di San Michele ist offizielles Symbol der Region.

Begriff Das Gebiet, das man heute unter dem Namen „Piemont“ versteht, entstand als Region der Italienischen Republik – infolge der Abtrennung des Aostatals als autonomer Region – erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Dieses Gebiet hieß nicht immer so und definiert keineswegs einen von Natur aus einheitlichen Raum, sondern ist das Ergebnis einer langen Reihe politischer Entwicklungen.Alessandro Barbero: Storia del Piemonte. Dalla preistoria alla globalizzazione. Einaudi, Turin 2008. Introduzione, S. XIV.

Der Begriff „Piemont“ erscheint in den Quellen erstmals 1193, als in einem Vertrag zwischen der Stadt Asti und dem Markgrafen von Saluzzo der „Burgherr des Piemont“ erwähnt wird. Der Name stammt aus dem mittellateinischen Pedemontium oder Pedemontis, d. h. ad pedem montium, was in Bezug auf die Alpen „am Fuße der Berge“ bedeutet. Die neue Bezeichnung verbreitete sich schnell, und man verband mit ihr meist mehr oder weniger das heute damit gemeinte Gebiet. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich jedoch die Bedeutung, so wurden etwa, nachdem Amadeus VIII. seinem Sohn 1424 den offiziellen Titel eines „Fürsten von Piemont“ verliehen hatte, lange Zeit nur noch die der Herrschaft des Hauses Savoyen unterliegenden Gebiete diesseits der Alpen damit bezeichnet.Alessandro Barbero: Storia del Piemonte. Dalla preistoria alla globalizzazione. Einaudi, Turin 2008. Introduzione, S. XV.

Geographie mini|hochkant=1.55|Monte Rosa-Massiv mit dem höchsten Berg des Piemont Das Piemont umfasst eine Fläche von etwa 25.400 Quadratkilometern und ist damit nach Sizilien die flächenmäßig größte der insgesamt 20 Regionen Italiens. Das Aostatal im Nordwesten der Region zählt historisch und naturgeographisch zum Piemont, bildet aber als autonome Region mit Sonderstatut eine eigene Verwaltungseinheit. Im Aostatal leben Menschen auf einer Fläche von 3263 Quadratkilometern.

Naturgeographisch gliedert sich die Region in drei Teile: Die Alpenregion, die Po-Ebene und die Hügellandschaften im Südosten des Piemont.

Die Alpenregion zieht sich am Rande der Alpen entlang der Süd-, West- und Nordgrenze des Piemont. Hier liegen die okzitanischen Täler (Stura, Maira, Varaita, Po, Pellice, Chisone), die Valle di Susa, die drei Valli di Lanzo, das Valle dell’Orco, das Aostatal, die Valsesia und die Gegend rund um das Westufer des Lago Maggiore. Der höchste Berg des Piemont ist der Monte Rosa (im Grenzgipfel 4617 m), gefolgt vom Gran Paradiso mit 4061 Metern und dem Monviso mit 3841 Metern. Die Alpenregion nimmt 43,3 % des piemontesischen Gesamtterritoriums ein. Das Piemont hat Anteil an den Seealpen, Cottischen Alpen, Grajischen Alpen und Walliser Alpen.

In der Po-Ebene befinden sich die großen Städte des Piemont; hier leben auch die meisten Menschen. Im Piemont gibt es zahlreiche Flüsse und Bäche, die fast alle in den Po fließen, der am Pian del Re im Valle Po unterhalb des Monviso entspringt. Die Poebene ist mit 26,4 % des Gesamtgebiets die drittgrößte geographische Teilregion.

Das Hügelland im Südosten der Region (Monferrato, Langhe, Roero) wird in erster Linie landwirtschaftlich und touristisch genutzt und nimmt 30,3 % der Fläche des Piemont ein; hier wachsen die berühmten Weine (Barolo, Barbera, Barbaresco) des Piemont. Das Hügelland befindet sich in einer Höhe zwischen 150 m und 750 m.

Sprachen

Haupt- und Amtssprache ist Italienisch. Weiterhin wird von vielen Einwohnern die Regionalsprache Piemontesisch verwendet. In den abgelegeneren Winkeln der Westalpentäler spricht man außerdem Okzitanisch und Frankoprovenzalisch. Eine weitere Minderheitensprache des Piemont ist Walserdeutsch – ein alemannischer Dialekt, der im oberen Tal der Sesia, im Anzascatal und im Pomatt gesprochen wird.

Im nordwestlich angrenzenden Aostatal sind Italienisch und Französisch Amtssprachen, wobei Frankoprovenzalisch in dieser autonomen Region die einheimische Varietät ist.Minderheitensprachen in Italien (Italienisch). In drei Ortschaften wird auch hier Walserdeutsch gesprochen.

Geschichte Die Menschheitsgeschichte im Piemont beginnt in der Altsteinzeit und unterscheidet sich in einigen Punkten, nicht zuletzt wegen der besonderen Lage der Region, von der Geschichte des übrigen Oberitalien. So war die Zäsur, die die dunklen Jahrhunderte nach dem Untergang des Römischen Reiches bedeuteten, im Piemont besonders stark ausgeprägt. Als Eingang nach Italien war die Region nicht selten von mehreren Mächten besetzt und unter diesen hart umkämpft. Im Sinne einer Geschichte, die sich auch noch heute in der Architektur des Landes manifestiert, beginnt die Geschichte des Piemont jedoch erst im 10. Jahrhundert, da zuvor fast das ganze Land durch die aus Frankreich eingefallenen Sarazenen verwüstet worden war.Ida Leinberger, Walter Pippke: Piemont und Aosta-Tal. 4. Auflage. DuMont, Ostfildern 2013, S. 15.

Zeit vor der römischen Herrschaft Die ersten Spuren der Gattung Homo im Piemont gehen auf die frühe Altsteinzeit zurück. Der wichtigste Fundort von Zeugnissen, die aus dieser Zeit stammen, stellt der Hang von Montarolo in der Nähe Trinos dar. Auf dieser Anhöhe hielten sich als Jäger und Sammler lebende Nomaden auf, bei denen es sich vermutlich um Angehörige der Spezies Homo erectus handelte.Alessandro Barbero: Storia del Piemonte. Dalla preistoria alla globalizzazione. Einaudi, Turin 2008, S. 3.

Die frühesten archäologischen Quellen, die eine Anwesenheit des Neandertalers (Homo neanderthalensis) im Piemont bezeugen, wurden auf die Periode der Würm-Kaltzeit datiert und stammen einerseits erneut vom Hang von Montarolo, andererseits vom Monte Fenera in der Nähe Borgosesias.http://www.parks.it/parco.monte.fenera/par.php (aufgerufen am 28. März 2016 um 23:00 Uhr): «Attraverso i secoli, a partire dal Paleolitico Medio fino ai giorni nostri, si ha sul Fenera una continua presenza umana […]» (dt. „Über die Jahrhunderte hinweg hat es von der mittleren Altsteinzeit bis zu den heutigen Tagen eine fortlaufende menschliche Präsenz auf dem Monte Genera gegeben […]“) Vor etwa 30.000 bis 40.000 Jahren wurde dann der Neandertaler wie überall in Europa auch im Piemont nach und nach durch den anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) ersetzt. In der Grotte von Boira Fusca am Eingang des Valle dell’Orco wurden die eindrucksvollsten Zeugnisse aus mittelsteinzeitlicher Zeit gefunden, darunter Feuerstellen sowie Pfeil- und Lanzenspitzen aus Stein.Alessandro Barbero: Storia del Piemonte. Dalla preistoria alla globalizzazione. Einaudi, Turin 2008, S. 4 f.

Das Gebiet wurde dann in späteren Zeiten von den Ligurern bewohnt. Im fünften Jahrhundert vor Christus verdrängten die bis in die Poebene vordringenden Etrusker die Ligurer nach Westen.Ida Leinberger, Walter Pippke: Piemont und Aosta-Tal. 4. Auflage. DuMont, Ostfildern 2013, S. 37. Um 400 v. Chr. kam es zur großen Invasion keltischer Stämme und die Ligurer mussten sich in die Seealpen und an die Küste, ins heutige Ligurien, zurückziehen.

Die Stämme, die vor Beginn der römischen Herrschaft im Piemont lebten, betrieben Landwirtschaft und Schafzucht in den Berggebieten, Fischerei in Nähe der großen Flüsse und Seen, und eigneten sich nach und nach handwerkliche Fähigkeiten und die Kunst der Metallbearbeitung an.

mini|Augustusbogen in Susa, Südseite mini|Typische Landschaft im südlichen Piemont

Römische Antike In der römischen Antike gehörte das Piemont zur Provinz Gallia cisalpina. Die eigenständige Geschichte des Piemont beginnt mit dem Rückzug der Römer beim Zerfall des Römischen Reiches. Während der Völkerwanderung wurde die fruchtbare Gegend mehrfach von marodierenden Völkern durchzogen.

Mittelalter Im 10. Jahrhundert wurde die Region von Arabern aus Fraxinetum überfallen.

Im Laufe der Zeit unterwarf das Haus Savoyen die Markgrafschaften des Piemont. In wechselnden Bündnissen wurde das Piemont zum Zankapfel zwischen Frankreich und Habsburg.

Für die Waldenser, eine im 12. Jahrhundert durch den Lyoner Kaufmann Petrus Valdes ins Leben gerufene religiöse Minderheitsbewegung, wurden einige Täler in den Cottischen Alpen zu wichtigen Rückzugsgebieten. Obwohl sie auch hier verfolgt wurden, konnten die Waldenser durch die günstige strategische Lage der Alpentäler mehrere Angriffe savoyischer Truppen zurückschlagen, sodass sie eine gewisse Zeit lang nur hier überlebten, während sie andernorts, wie z. B. in Süditalien, grausam ausgerottet wurden. 1686 waren die Waldenser jedoch während eines erneuten Religionskrieges gezwungen, auch die Täler der Westalpen zu verlassen. Aus ihrem Schweizer Exil kehrten sie erst drei Jahre später im Zuge des sogenannten Glorioso Rimpatrio wieder zurück.Giorgio Tourn: Geschichte der Waldenser. 4. Auflage. kitab Erlanger Verlag, Klagenfurt / Wien 2013, S. 6, 139, 151. Noch heute bezeichnet man die Täler Chisone, Pellice und Germanasca als Waldensertäler.

Frühe Neuzeit Im Frieden von Utrecht, der 1713 den Spanischen Erbfolgekrieg beendete, musste Spanien u. a. das Königreich Sizilien an das Haus Savoyen abtreten, woraufhin der Herzog den sizilianischen Königstitel annahm. Schon 1720 tauschten die Savoyer Sizilien gegen Sardinien und nannten sich hinfort Könige von Sardinien.

Von der Französischen Revolution bis zur Gründung des Königreichs Italien (1789–1861) Französische Zeit (1789–1814) Die erfolgreiche Kanonade bei Valmy erlaubte Frankreich seit dem Herbst 1792 ein offensives Vorgehen seiner Armeen im Ersten Koalitionskrieg. So rückten französische Truppen in den savoyischen Landesteil des Königreichs Sardinien-Piemont ein, um ihn zu befreien und zu annektieren, nachdem ein Nationalkonvent das Volk Savoyens für souverän erklärt hatte. Ab 1794 drang Frankreich auch ins Piemont vor, wurde aber vorerst von Österreich zurückgeschlagen. Der siegreiche oberitalienische Feldzug von General Napoleon Bonaparte (Italienfeldzug) 1796 und 1797 zwang den König von Sardinien-Piemont zur Abtretung Savoyens und der Grafschaft Nizza an Frankreich. Zwar schlossen die zwei Staaten 1797 noch eine Allianz, doch veranlassten die bleibende Kriegsgefahr in Italien und die unsichere Lage der Cisalpinischen und Römischen Tochterrepublik Frankreich zu einer Ausdehnung seiner Macht; es zwang Sardinien-Piemont im Waffenstillstand von Cherasco zur Aufgabe Piemonts, das unter französische Militärverwaltung kam. Nach der ebenso furiosen wie überraschenden Winterüberquerung des St.-Bernhard-Passes durch Napoleon Bonaparte 1798 zog sich das Haus Savoyen auf seine Besitzung Sardinien zurück.

Am 10. Dezember 1798 wurde in der Hauptstadt Turin die Piemontesische Republik ausgerufen, die gemäß französischem Vorbild eine Direktorialverfassung erhielt. Nach dem Beginn des Zweiten Koalitionskriegs im Frühling 1799 führte der französische Zusammenbruch in Italien zu einem schnellen Vormarsch österreichisch-russischer Truppen, die am 20. Juni 1799 Turin besetzten und die Piemontesische Republik auflösten. Der König von Sardinien kehrte zurück.