Das Akkordeon (von französisch accordéon), auch Ziehharmonika, Handharmonika oder Schifferklavier genannt, ist ein Handzuginstrument, bei dem der Ton beim Öffnen oder Schließen eines Balges durch freischwingende, durchschlagende Zungen erzeugt wird und das nicht nur Einzeltöne hervorbringt, sondern auch (in seiner Version als Standardbassinstrument) (mechanisch voreingestellte) Akkorde. Der Name Akkordeon geht zurück auf den Wiener Instrumentenbauer Cyrill Demian, der sein Handbalginstrument durch Hinzufügen von Akkordtönen zu den wechseltönigen Melodietönen veränderte und unter dem Namen Accordion (1829) patentieren ließ.Etymologie Akkordeon. dwds.de

Das Akkordeon zählt somit zu den selbstklingenden Unterbrechungs-Aerophonen. Alle Handbalginstrumente, die auf der (aus Sicht des Spielers) rechten Seite, dem Diskant (Diskantteil, Melodieseite), die Tastatur (Klaviatur oder Knöpfe) in einer abgewinkelten Form angebracht haben, werden zu den diversen Akkordeonarten gezählt. Diese Anordnung der Tastatur geht auf die ersten Wiener oder die ersten französischen Instrumente zurück.

Die verschiedenen Typen der Konzertina, wie das Bandoneon, weisen im Gegensatz zum Akkordeon keine abgewinkelte Tastatur und keine voreingestellten Akkorde auf.

Das Akkordeon wurde zum Instrument des Jahres 2026 gekürt.

Terminologie

Es gibt eine Reihe von regionalen, teilweise umgangssprachlich-humoristischen Bezeichnungen für das Akkordeon oder spezielle Bauformen, wie: Handklavier, Maurerklavier, Ziehorgel, Handorgel (schweizerisch), Schweineorgel Zugin, Ziach (bairisch), Zerrwanst, Treckfidel (niederdeutsch für "Zieh-Fiedel") Quetschkommode, Quetschn (österreichisch), Quetschebüggel (rheinisch) Die vielfältigen Begriffe und besonders „Akkordeon“ und „Harmonika“ werden synonym, aber auch abgrenzend verwendet. Die regionalen Unterschiede in Bauart, Spielweise und Bezeichnung sind derart komplex, dass die folgende Darstellung lückenhaft bleibt.

Anfangs waren „Harmonika“ die größeren Handzuginstrumente, die immer mit der rechten Hand gespielt wurden, also die kleinere Bauart der Physharmonika. Sprachlich ist im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte ein gewisser Tausch der Bezeichnungen eingetreten, so wird eher das Akkordeon als die große Variante der Harmonika betrachtet, eine scharfe Begriffsabgrenzung gibt es nicht. Die Harmonika war ursprünglich chromatisch. Siehe dazu Geschichte des Pianoakkordeons.

Im volkstümlichen Bereich werden Begriffe exklusiv für bestimmte Sonderformen verwendet. Häufig wird von „Akkordeon“ gesprochen, wenn es sich um teurere, hochwertige und schwerere Produkte handelt, die auch für konzertantes Spiel verwendet werden. Der Begriff „Harmonika“ wird dagegen für leichtere Ausführungen verwendet. Es gibt Ausnahmen: so wurden in Wien gerade die größeren Instrumente als „Harmonika“ bezeichnet. Regional gibt es sprachliche Unterschiede in der Benennung. Grob kann gesagt werden, dass in Österreich Harmonika tatsächlich für das Akkordeon Verwendung findet, häufig aber auch als Kurzbezeichnung für die Steirische Harmonika, oft in der Form von Ziehharmonika. In der Schweiz wird eher der Ausdruck Handorgel verwendet. Im deutschsprachigen Raum wurde in letzter Zeit ein neuer Ausdruck geprägt, nämlich Zuginstrument oder in der verkürzten Form einfach Zugin oder Ziach (vor allem in Westösterreich und Bayern).

Unterscheidet man die Regionen genauer, kommen umgangssprachlich viele weitere Bezeichnungen hinzu. Es ist daher natürlich, dass Personen aus verschiedenen deutschsprachigen Regionen die verschiedenen Bezeichnungen für derartige Instrumente mit unterschiedlichen Instrumentvarianten verknüpfen. So sind die Benennungen für das Instrument in den verschiedenen Sprachen der Erde oft von Harmonika oder Akkordeon abgeleitet. Im englischen Sprachraum wird Accordion als Oberbegriff verwendet.

Um die regionalen Unterschiede in der Terminologie zu umgehen, wird im Artikel in erster Linie der Begriff „Akkordeon“ verwendet.

Bauarten mini|Ein einfach gebautes Akkordeon Ein Akkordeon besteht wie fast alle Handbalginstrumente aus zwei Teilen (Diskant und Bass), die durch einen Balg miteinander verbunden sind. Durch das Auseinanderziehen und Zusammendrücken der beiden Teile wird die Luft im Balg durch die Stimmstöcke in den beiden Seitenteilen geführt. Je nachdem, ob beim Öffnen und Schließen des Balges die gleichen Töne erklingen, kann grundsätzlich zwischen wechseltönigen und gleichtönigen Instrumenten unterschieden werden. Ein wesentlicher Unterschied bei den gleichtönigen Instrumenten besteht in der Struktur der Bassseite: Wenn über deren Knopftastatur ausschließlich Basstöne (Grundbässe) und Akkorde angesteuert werden, handelt es sich um ein Standardbassakkordeon. Wenn zusätzlich oder ausschließlich auch Einzeltöne über mehrere Oktaven gespielt werden können, handelt es sich um ein Einzeltonakkordeon. Weiterhin ist eine Klassifikation nach Art der Tastenbelegung im Diskant möglich. Neben den hier aufgezählten sind noch zahllose weitere Varianten bekannt. Die Vielfalt der Akkordeons in Gruppen einzuteilen, ist schwierig. Bei praktisch allen Klassifikationssystemen zeigen sich Vor- und Nachteile sowie mehr oder weniger zahlreiche Ausnahmen.

wechseltönig einreihig Cajun Accordion (Louisiana) Sanfona (Brasilien) Melodeon Langnauerli, Diskant und Bass wechseltönig diatonisch mehrreihig Wiener Modell (ursprünglich Wien) Club-Modell modifiziertes Wiener Modell mit zusätzlicher Hilfstonreihe (Deutschland) Steirische Harmonika (Österreich, Südtirol, Tschechien, Slowenien und Bayern) Organetto (Italien) Heligonka (Tschechien) Schwyzerörgeli, Diskant wechseltönig diatonisch, Bass gleichtönig diatonisch (weniger als zwölf Grundbässe) oder chromatisch (zwölf Grundbässe) Schottisches Akkordeon, Wiener Modell mit Stradella-Bass Irisches Akkordeon, Diskant chromatisch Trikitixa, Baskische Harmonika, Diskant diatonisch, Bass gleichtönig Französisches Akkordeon

gleichtönig Knopfakkordeon Schrammelharmonika (Vorläufer des chromatischen Knopfakkordeons) Chromatisches Knopfakkordeon (CBA) und sein russisches Pendant, das Bajan Garmon (russisches Knopfakkordeon mit diatonischem Diskant) Pianoakkordeon (PA) mit Klaviatur, sowie dessen Bass-Variante, das Bassakkordeon

Baugruppen

Balg Der Balg ist das stilbildende Element eines Akkordeons. Er befindet sich zwischen dem rechten und dem linken Manual und besteht aus gefalteten Lagen von Stoff und Pappe, denen Leder und Metall beigefügt sind. Er dient der Erzeugung von Über- oder Unterdruck, wodurch Luft über die Stimmzungen getrieben wird und deren Vibrationen den Luftstrom periodisch unterbrechen, wodurch Schall erzeugt wird. Die Lautstärke eines Tones wird von der Intensität des Luftdrucks bestimmt. Die Tasten eines Akkordeons sind nicht anschlagsdynamisch wie bei einem Klavier.

Die Steuerung der Lautstärke ist allerdings nicht die einzige Funktion des Balgs. Sondern durch die Möglichkeit des Balgwechsels (Änderung der Richtung von Druck oder Zug auf den Balg) bietet der Balg ein Artikulationsmittel, das mit dem Wechsel der Strichrichtung des Bogens einer Geige verglichen werden kann. Die Wiederholung eines gleichen Tones kann also auf zwei unterschiedliche Arten erfolgen. Einerseits durch erneutes Betätigen bzw. Drücken der jeweiligen Taste des Instrumentes. Andererseits aber auch durch Halten der Taste und Änderung der Zugrichtung des Balges (Bellowshakes). Die BalgtechnikCurt Herold: Schule der Balgtechnik. Josef Preissler Musikverlag, ISMN 979-0-2014-0380-9., d. h. der gezielt eingesetzte Balgwechsel, ist ein prägendes Charakteristikum akkordeonspezifischer Spieltechnik.

Stimmstöcke mini|Geklebte Stimmstöcke

Ein Stimmstock ist die Zusammenfassung von Kanzellen zu einer Gruppe. Die Kanzellen können direkt im Musikinstrument mit dem Gehäuse verleimt sein. Werden sie jedoch zu Stimmstöcken zusammengefasst, sind sie meistens mit dem Gehäuse verschraubt und ausbaubar.

Die Kanzellen sind meistens aus Holz gefertigt, andere Instrumente verwenden aber auch Spritzguss-Polymer-Stimmstöcke. Holz spielt beim Stimmstockbau als traditionell verwendetes Material eine große Rolle. Bei der Verarbeitung kommen im Wesentlichen zwei Verfahren zum Einsatz: Entweder werden die Trennwände der Kanzellen als Einzelteile mit einer Trennwand verleimt oder ein vorbereiteter Holzblock wird mittels CNC-Fräsmaschine in die gewünschte Form gebracht. Die obere Leiste ist meistens aus einem härteren Holz, die Grundplatte (Sohle) mit den Schallöffnungen ebenfalls. In manchen Instrumenten kommen auch Stimmstöcke zum Einsatz, die bereits die Registerschieber im Stimmstockfuß beinhalten. Polymer-Stimmstöcke bieten den Vorteil hoher Maßhaltigkeit bei gleichzeitig sicherer Befestigung der Stimmplatte und Unempfindlichkeit gegenüber Klimaschwankungen. Da in allererster Linie die Form der Kanzelle und die Qualität der Stimmplatten an der Tonbildung beteiligt sind, lässt sich daher ein Klangunterschied zwischen Polymer- und Holz-Stimmstock bei modernen Instrumenten subjektiv nicht mehr feststellen; Polymer- und Holzstimmstöcke können sogar problemlos in einem Instrument zusammen eingesetzt werden. Nachteilig bei Kunststoffstimmstöcken ist die Tatsache, dass das Wachs nicht so gut haftet wie bei Holzstimmstöcken. Die Anordnung der Stimmplatten auf den Stimmstöcken variiert sehr stark in Abhängigkeit von der jeweiligen Instrumentenvariante. Fast immer sind sie aber im Diskant an einem Ende kleiner als am anderen, aufgrund der kleiner werdenden Stimmzungen. Die Tonlöcher sind oft rechteckig ausgeführt, um den Einsatz von Registerschiebern zu ermöglichen. Die Stimmplatten sind bei den meisten Instrumenten auf den Stimmstöcken mit einer speziellen Wachsmischung, meist Naturwachs, aufgeklebt. Bei modernen französischen Konzertinstrumenten und bei alten Wiener Instrumenten findet man eine Befestigung mit Schrauben, Haken und/oder Nägeln, dabei wird die Stimmplatte mit einer Abdichtung aus Leder oder Kork auf den Stimmstock aufgelegt. Teilweise entfällt eine Zwischenlage. Besonders bei der französischen Musette-Stimmung wird eine obertonreiche Klangfarbe erwünscht und durch die spezielle Art der Befestigung und Konstruktion der Stimmstöcke gefördert. Bassstimmstöcke bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit.

Stimmstöcke für Bassakkordeons sind meist auf eine besondere Art konstruiert (Faltung), damit die Ansprache und das Klangbild optimiert werden. Bei alten Instrumenten wird das Wachs hart und Stimmplatten können locker werden, was zum Rattern des Tones führt.

Stimmplatten und Ventile