Die Straßenbahn Kassel wird heute von der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) betrieben und existiert seit 1877. Sie fuhr zunächst als Dampfstraßenbahn von Wilhelmshöhe zum Königsplatz, später folgten Pferdebahnen, um die Jahrhundertwende die elektrische Straßenbahn. Die Spurweite beträgt 1435 mm. Es existierte aber auch ein Meterspurnetz mit der Herkulesbahn und ein Oberleitungsbus zwischen Harleshausen, Kirchditmold und Wilhelmshöhe. Heute ist die Straßenbahn das Rückgrat des ÖPNV in Kassel und wird nach und nach ins Umland verlängert, weswegen das Netz mittlerweile eine Gesamtlänge von ca. 78 Kilometern aufweist. Neben der herkömmlichen Straßenbahn wurde nach der Jahrtausendwende ein Tram-Train-System nach dem „Karlsruher Modell“ etabliert; die RegioTram Kassel macht durchgehende Fahrten zwischen dem Schienennetz der Deutschen Bahn und dem innerstädtischen Straßenbahnnetz möglich.
Liniennetz Die nachfolgenden Tabellen beschreiben die Linien der Straßenbahn und RegioTram und deren Takt seit am 25. März 2018.
Straßenbahn Linie Linienweg Betriebsform Wilhelmshöhe – Bf. Wilhelmshöhe – Wilhelmshöher Allee – Königsplatz – Holländische Straße – Vellmar Nord Einrichtungslinie Baunatal – Mattenberg – Brückenhof (nur HVZ an Schultagen) Einrichtungslinie Mattenberg – Helleböhn – Bf. Wilhelmshöhe – Wilhelmshöher Allee – Königsplatz – Weserspitze – Klinikum Kassel – Ihringshäuser Straße Einrichtungslinie Druseltal – Bf. Wilhelmshöhe – Stadthalle – Bebelplatz – Königsplatz – Bettenhausen – Kaufungen – Helsa – Hessisch Lichtenau Ein- und Zweirichtungslinie Baunatal – Mattenberg – Auestadion – Königsplatz – Holländische Straße Ein- und Zweirichtungslinie Brückenhof – Auestadion – Königsplatz – Weserspitze – Ihringshäuser Straße Einrichtungslinie Mattenberg – Helleböhn – Bf. Wilhelmshöhe – Goethestraße – / (Hauptbahnhof –) Lutherplatz – (5/7 Königsplatz) – Weserspitze – Wolfsanger Zweirichtungslinie Hessenschanze – Teichstraße – Bebelplatz – Königsplatz – Bettenhausen – Kaufungen-Papierfabrik Einrichtungslinie
RegioTram
Details zum Takt LinieAbschnitt (HVZ)Sa Sa Tägl. Nachts Anmerkungen15151515–3030–151515153030Abfahrten Königsplatz 1:00 und 2:15 UhrNachtschwärmer N1, verknüpft mit N31515303030––––––––1515151530303030Abfahrten Königsplatz 1:00 und 2:15 UhrNachtschwärmer N3, verkehrt über Goethestraße, verknüpft mit N11515151530303030–15151515303030–1515151530303030Abfahrten Königsplatz 1:00 und 2:15 UhrNachtschwärmer N4, verknüpft mit N51530303030303030153030606030306060606060606060151515303030Abfahrten Königsplatz 1:00 und 2:15 UhrNachtschwärmer N5, verknüpft mit N4151515303015151515303015151515–––––15151515–3030––Einzelne Fahrten in der Früh über Klinikum Kassel1515–––––––––1515–3030––15151515–3030––––––––––15151515–3030–151515153030–15151515–3030–15151515303030–15151515–303030––––––30–15151515–––3030306060606060–6060606060606060–3030306060606060–3030306060606060 – Anmerkungen:
Geschichte Dampfstraßenbahn mini|Ein Zug der „Cassel Tramways Company“ Bereits im Sommer 1870 verkehrte in Kassel ein Pferdeomnibus, der die Stadt mit dem Bergpark Wilhelmshöhe verband. Der „Pferde-Omnibus-Verkehr“ wurde während der Dauer einer Industrie-Ausstellung vom 1. Juni bis 5. Oktober 1870 vom Verlagsbuchhändler Georg H. Wigand betrieben.
Das Wachstum der Stadt machte ab 1877 den Betrieb einer Dampfstraßenbahn rentabel. Vom 9. Juli 1877 an betrieb die englische Firma Jay & Comp. London die Cassel Tramways Company. Mit zunächst zwei Dampflokomotiven und vier Personenwagen wurde die Strecke vom Königsplatz nach Wilhelmshöhe befahren. Der Wagenpark wurde etappenweise um weitere Fahrzeuge erweitert, unter anderem durch einige Lokomotiven der Henschel-Werke.
Die Kasseler Dampfbahn gilt als die erste Straßenbahn Deutschlands, die aus eigener Kraft fuhr, also nicht von Pferden gezogen wurde. 1881 wurde die Gesellschaft von einer Berliner Aktiengesellschaft übernommen und in Casseler-Straßenbahn-Gesellschaft umbenannt. Die Dampfbahn wurde 1897 von der neu gegründeten Großen Casseler Straßenbahn Actiengesellschaft übernommen und ging in ihr auf. Am 10. Mai wurde der Betrieb der Dampfbahn eingestellt und durch elektrischen Straßenbahnverkehr ersetzt.
Pferdebahn mini|Wagen Nr. 8 der „Pferdebahn Cassel-Wolfsanger G.m.b.H.“ an der Endstation Wolfsanger 1897 mini|Aktie über 1000 Mark der Großen Casseler Straßenbahn vom 21. Juni 1897 Neben der Dampfbahn bestanden in Kassel anfangs auch zwei Pferdebahnen. Die Aktiengesellschaft Casseler-Stadteisenbahn betrieb drei Linien: Seit 1884 die Linien vom heutigen Hauptfriedhof zum Königsplatz, von der Hedwigstraße (Königsplatz) zum Bahnhof Bettenhausen und vom Kirchweg über den Hauptbahnhof zur Hedwigstraße. 1897 wurde auch dieser Betrieb von der Großen Casseler Straßenbahn Actiengesellschaft übernommen und auf elektrischen Betrieb umgestellt.
Die Pferdebahn Cassel-Wolfsanger G.m.b.H. wurde 1897 von einem Berliner Unternehmen gegründet und kam 1903 in Privathand. Der Betrieb verfügte über acht Wagen und verband den Altmarkt im Zentrum der Stadt mit dem Stadtteil Wolfsanger an der Fulda. Erst 1909 ging auch diese Bahn in der Großen Casseler Straßenbahn Actiengesellschaft auf und wurde elektrifiziert.
Elektrifizierung mini|Zweigleisiger Ausbau der Trasse am Weinberg, 1926 Am 24. September 1897 wurden die beiden bisher nebeneinander bestehenden Betriebe, Casseler-Stadteisenbahn und Casseler-Straßenbahn-Gesellschaft in der neu gegründeten Großen Casseler Straßenbahn Actiengesellschaft verschmolzen. Nun begann die Elektrifizierung des Straßenbahnnetzes. Am 14. Dezember 1898 fuhren die ersten elektrischen Straßenbahntriebwagen in Kassel. Zu diesem Zweck wurden zwei neue Betriebshöfe in Wilhelmshöhe und Bettenhausen gebaut sowie ein eigenes Elektrizitätswerk nahe der Kasseler Innenstadt im Königstor errichtet.
Herkulesbahn Hauptartikel: Herkulesbahn mini|Triebwagen der Herkulesbahn an der Endstation am Brasselsberg, 1962 Die Herkulesbahn war eine nebenbahnähnliche meterspurige Kleinbahn im Kasseler Habichtswald. Sie transportierte von 1902 bis April 1966 Güter und Personen. Seit 1927 war sie ein Bestandteil der Großen Kasseler Straßenbahn.
Entwicklung des Netzes 1877–1950 Am 9. Juli 1877 wurde zwischen Wilhelmshöhe und dem Königsplatz eine dampfbetriebene Straßenbahn eröffnet.
In den nächsten 25 Jahren wurden zusätzlich noch Pferdebahnen eröffnet: (heutige Ortsbezeichnungen) vom Kirchweg über Friedrich-Ebert-Straße zum Hauptbahnhof vom Hauptbahnhof über die Leipziger Straße nach Bettenhausen vom Hauptbahnhof in die Holländische Straße
Ab 1898 wurde das Netz elektrifiziert, 1911 die Linienkennfarben durch Liniennummern ersetzt:
Linie Linienweg Wilhelmshöhe – Bf Wilhelmshöhe – Wilhelmshöher Allee – Königsplatz Wilhelmshöhe – Stadthalle – Hauptbahnhof – Wolfsanger Kirchweg – Hauptbahnhof – Leipziger Platz Kirchweg – Friedrich-Ebert-Straße – Staatstheater – Leipziger Platz Mulang – Stadthalle – Kölnische Straße – Königsplatz – Holländische Straße Stadthalle – Rathaus – Königsplatz – Hauptfriedhof Aue Stadion – Rathaus – Rothenditmold Aue Stadion – Königsplatz – Kölnische Straße – Hauptbahnhof
Später, bis 1915, folgten die Linien nach Kirchditmold (Hessenschanze), zum Klinikum und nach Niederzwehren. Damit war das Netz bis auf einige Verlängerungen in dem Zustand angelangt, wie es bis in die 1990er Bestand haben sollte. Noch im Kriegsjahr 1941 wurde die Strecke von Niederzwehren zum (heutigen) VW-Werk in Baunatal gebaut, um die dortigen Flugmotorenwerke an den Straßenbahnverkehr anzubinden.
Bei der Zerstörung Kassels am 22. Oktober 1943 wurde auch der Straßenbahnbetrieb ganz erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Bis 1946 konnten die meisten Innenstadtstrecken nicht befahren werden, so dass der Betrieb auf zwei Teile aufgespalten war. Beim Wiederaufbau wurden mehrere Innenstadtstrecken zugunsten einer Führung durch die zentrale Obere Königsstraße und die neuerrichtete Strecke Am Stern–Altmarkt aufgegeben.
Linie Linienweg Wilhelmshöhe – Bf Wilhelmshöhe – Wilhelmshöher Allee – Königsplatz – Holländische Straße Teichstraße – Friedrich-Ebert-Straße – Rathaus – Staatstheater – Leipziger Platz Mulang – Bahnhof Wilhelmshöhe – Kirchweg – Hauptbahnhof – Leipziger Platz Hessenschanze – Friedrich-Ebert-Straße – Staatstheater – Wolfsanger Druseltal → Stadthalle → Kölnische Straße → Königsplatz → Rathaus → Stadthalle → Druseltal Rheinweg → Stadthalle → Rathaus → Königsplatz → Kölnische Straße → Stadthalle → Rheinweg Niederzwehren – Rathaus – Rothenditmold Auestadion – Staatstheater – Weserspitze – Eisenschmiede Niederzwehren → Königsplatz → Hauptbahnhof → Lutherplatz → Staatstheater → Niederzwehren Bettenhausen → Lutherplatz → Hauptbahnhof → Rathaus → Staatstheater → Bettenhausen Kirchweg – Hauptbahnhof – Eisenschmiede
1950–1962 + Straßenbahn-Liniennetz zwischen 1950 und 1962 Linie Linienweg / (Wilhelmshöhe –) Bf Wilhelmshöhe – Wilhelmshöher Allee – Königsplatz – Holländische Straßealle 5 Minuten bis Bf Wilhelmshöhe (Linien 1 und 11)alle 10 Minuten bis Wilhelmshöhe (nur Linie 1) Hessenschanze – Friedrich-Ebert-Straße – Hauptbahnhof – Lindenberg Druseltal – Bf Wilhelmshöhe – Goethestraße – Klinikum – Ihringshäuser Straße Hessenschanze – Friedrich-Ebert-Straße – Rathaus – Baunatal (VW-Werk) Bf Wilhelmshöhe – Goethestraße – Hauptbahnhof – Wolfsanger Mattenberg – Auestadion – Königsplatz – Rothenditmold Kurhausstraße – Friedrich-Ebert-Straße – Hauptbahnhof – Lindenberg Kirchweg – Luisenhaus (nahe Druseltal) – Brasselsberg Herkules – Luisenhaus (– Kirchweg)
1962–1971 mini|Ein Zug der Linie 1 am 24. September 1969 an der Oberen Königsstraße 1965 wurde die Herkulesbahn vom Kirchweg nach Brasselsberg stillgelegt, 1966 folgte die restliche Strecke vom Druseltal zum Herkules. Noch heute sind bei den Buslinien die alten Liniennummern erkennbar: vom Kirchweg nach Brasselsberg fuhr bis zum 24. März 2018 die Buslinie 12, zum Herkules lange die Buslinie 43 (statt der Straßenbahnlinie 13). Heute ist allerdings die Liniennummer 43 in 22 geändert worden, damit die beiden Buslinien, die den Bergpark Wilhelmshöhe bedienen, benachbarte Nummern (22 und 23) haben.
+ Straßenbahn-Liniennetz zwischen 1962 und 1971 Linie Linienweg / (Wilhelmshöhe –) Bf Wilhelmshöhe – Wilhelmshöher Allee – Königsplatz – Holländische Straßealle 5 Minuten bis Bf Wilhelmshöhe (Linien 1 und 11)alle 10 Minuten bis Wilhelmshöhe (nur Linie 1) Hessenschanze – Friedrich-Ebert-Straße – Hauptbahnhof – Lindenberg Druseltal – Bf Wilhelmshöhe – Goethestraße – Hauptbahnhof – Klinikum – Ihringshäuser Straße Kurhausstraße – Bf Wilhelmshöhe – Friedrich-Ebert-Straße – Rathaus – Baunatal (VW-Werk) Baunatal (VW-Werk) – Mattenberg – Auestadion – Hauptbahnhof – Ihringshäuser Straße Bf Wilhelmshöhe – Goethestraße – Hauptbahnhof – Wolfsanger Mattenberg – Auestadion – Königsplatz – Rothenditmold Kirchweg – Luisenhaus – Brasselsbergbis 1965 Herkules – Luisenhaus (– Kirchweg)bis 1966
1971–1984 1971 wurde die Strecke nach Rothenditmold (Linie 7) stillgelegt. Die Strecken nach Wolfsanger (6) und zur Hessenschanze (2/8) standen ebenfalls auf der Kippe.