mini|hochkant=1.3|Residenzschloss Weimar

Das Weimarer Stadtschloss, auch bekannt als Weimarer Residenzschloss, ist die ehemalige Residenz der Herzöge und Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach am Burgplatz in Weimar. Die klassizistische Vierflügelanlage wurde ab 1789 durch Herzog Carl August von Johann August Arens, Nikolaus Friedrich Thouret, Johann Heinrich Gentz und Clemens Wenzeslaus Coudray erbaut. Hervorzuheben sind die Dichterzimmer, der Festsaal und die Schlosskapelle. Als Teil des Ensembles Klassisches Weimar wurde das Schloss 1998 in die UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben.

Geschichte „Hus tu Wymar“ Möglicherweise hielten an diesem leicht erhöhten Ort am Ufer der Ilm schon die Könige der Thüringer im frühen 6. Jahrhundert Hof.Detlef Ignasiak: Das Stadtschloss in Weimar. In: Roswitha Jacobsen (Hrsg.): Die Residenzschlösser der Ernestiner in Thüringen. Bucha bei Jena 2009, S. 10. Urkundlich belegbar ist aber erst ein Graf Wilhelm von Weimar. Er fungierte als Gastgeber eines Conventus magnus, der im Hus tu Wymar unter Kaiser Otto II. abgehalten wurde. Ab dem 10. Jahrhundert ist an diesem Ort eine Wasserburg nachweisbar, die als Herrschaftssitz der Grafen von Orlamünde (früher Grafen von Weimar) genutzt wurde.

1299 brannte die vermutlich größtenteils hölzerne Burg ab.Detlef Ignasiak: Das Stadtschloss in Weimar. In: Roswitha Jacobsen (Hrsg.): Die Residenzschlösser der Ernestiner in Thüringen. Bucha bei Jena 2009, S. 11. Der Burgstall ging in den Besitz der Wettiner über, die hier eine neue Burganlage errichteten.

Beim großen Brand 1424 fiel nicht nur der größte Teil von Weimar, sondern auch die Burg ein weiteres Mal den Flammen zum Opfer. Wilhelm der Tapfere, der erste Wettiner, der hier längere Zeit Hof hielt, ließ die Burg nun als vollständig steinerne Anlage wieder aufbauen. 1439 wurde der Neubau bezogen. Aus dieser Zeit stammt der noch heute existierende Hausmannsturm und der daran anschließende Torbau, der später von den im Hofdamenhaus wohnenden Hofdamen spöttisch als die „Bastille“ bezeichnet wurde. Außerdem befindet sich unmittelbar neben dem Turm ein einstiges Gerichtsgebäude.Paul Lehfeldt, Georg Voß: Grossherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach, Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens Teil 1, Band 1, Gustav Fischer, Jena 1893, S. 374. Auch das Torhaus diente landesherrlichen Gerichtszwecken. Es besaß im Keller auch Arrestzellen.

„Hornstein“ mini|hochkant| Stadt und Schloss um 1650, mit Blick auf die Ilm und die Schlossbrücke 1485 wurde das Kurfürstentum Sachsen geteilt. Weimar und nahezu ganz Thüringen fielen an die in Torgau und Wittenberg residierende ernestinische Linie der Wettiner. Friedrich der Weise residierte ab dieser Zeit öfter in Weimar. 1513 richtete sich hier Johann der Beständige, Friedrichs verheirateter Bruder, eine eigene Hofhaltung ein. Damit wurde das Weimarer Schloss, das inzwischen den Namen Hornstein trug, offizielle Nebenresidenz der Ernestinischen Wettiner. Die Bezeichnung des Hornsteins stammt von der in der Nähe befindlichen Erhebung Horn.Art. Horn, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 216.

Von der Burg zum Schloss Ab 1535 wurde die spätgotische Burg durch die Baumeister Konrad Krebs und Nikolaus Gromann im Auftrag des Kurfürsten Johann Friedrich I. zum Renaissance-Schloss umgestaltet. Mit dem Grünen Haus war die Anlage 1604 fertiggestellt. Der im Stil der deutschen Renaissance gestaltete Gebäudekomplex war wie viele Residenzen der Zeit noch als wehrhafte Schlossanlage konzipiert und rings von Wassergräben umgeben, die aus der vorbeifließenden Ilm gespeist wurden. Seine Gebäude bildeten ein unregelmäßiges Oval um einen weitläufigen Innenhof.

Unter Herzog Johann von Sachsen-Weimar und dessen Ehefrau Dorothea Maria von Anhalt entwickelte sich die kleine Residenz zu einem Musenort von europäischer Bedeutung. Der Historiker Friedrich Hortleder war hier als Hauslehrer tätig und Melchior Vulpius, ein Vorfahr von Goethes Ehefrau, leitete die Schlossmusik. Der Reformpädagoge Wolfgang Ratke gründete hier 1612 eine Deutsche Schule, und am 24. August 1617 wurde hier auch die Fruchtbringende Gesellschaft gegründet. Am 2. August 1618 – zeitgleich mit dem Beginn des Dreißigjährigen Kriegs – brannte das Schloss zur Hälfte nieder. Den Gerüchten nach war an dem Unglück ein unvorsichtiger Goldmacher schuld.

mini|hochkant|Die ab 1619 errichtete Schlosskapelle mit der Orgel über dem Altar (Ölgemälde von Christian Richter um 1660) Herzog Johann Ernst d. J. verpflichtete zum Wiederaufbau den italienischen Baumeister Giovanni Bonalino, der bis dahin beim Bamberger Bischof unter Vertrag stand. Im Jahre 1619 war Baubeginn. Der immer noch burgähnliche Hornstein sollte einer aus Italien inspirierten Vierflügelanlage weichen, die allen repräsentativen Zwecken genügen konnte. Das Gebäude war durchgehend mit drei Geschossen geplant und gruppierte sich um einen rechteckigen Innenhof.Rolf Bothe: Dichter, Fürst und Architekten. Das Weimarer Residenzschloß vom Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Ostfildern-Ruit 2000.

Kapelle Ein herausragender Platz im Schlosskomplex war einer Kirche zugedacht, die auch als einziges Gebäude fertiggestellt wurde. Kriegsbedingt ruhte der weitere Bau nach der Weihe der Kirche 1630.

Die Innenausstattung der Kapelle brachte ihr den Namen Himmelsburg ein. Sie folgte einem lutherisch-theologischen Programm. Der Altar stand erhöht auf einem steinernen Podest mit Stufen. Darüber erhob sich auf vier Säulen ein Baldachin, der zugleich als Basis für die Kanzel diente. Von ihr stieg ein pyramidenförmiger Aufbau bis zur Decke auf; er war mit einem Bild vom Vermächtnis des Auferstandenen () und mit Putten, die an die Jakobsleiter erinnerten, geschmückt. Darüber öffnete sich, durch ein Oberlicht mit dem Kirchenraum verbunden, eine Capella, in der sich die Orgel befand. Von dort herab erklang die Musik in die Kirche. Ludwig Compenius (Erfurt) schuf dieses Instrument 1658 unter Verwendung des alten Werkes der Barfüßerkirche Erfurt. 1707/08 baute Johann Conrad Weißhaupt (Seebergen) das Instrument mit der Disposition von Hoforganist Johann Effler um.

Der junge Johann Sebastian Bach, der in den Jahren 1708 bis 1717 als Organist in dieser Kirche tätig war, komponierte, inspiriert von dieser außergewöhnlichen akustischen Situation, einige Werke für diesen Ort. Himmelskönig, sei willkommen ist eine dieser Kantaten. „Mit seinen zween Füßen,…konnte er auf dem Pedal solche Sätze ausführen, die manchem nicht ungeschickten Klavieristen mit fünf Fingern zu machen sauer werden dürften“, schrieb Paul von Bojanowski. 1712/13 baute Heinrich Nicolaus Trebs (Weimar) mit Dispositionsvorschlägen Johann Sebastian Bachs die Orgel um und integrierte ein Glockenspiel aus Leipzig. 1719/20 erfolgte ein weiterer Umbau. „Die Orgel in der Schlosskirche war nicht groß, muss aber nach der erhaltenen Disposition einen einheitlich schönen Klang gehabt haben,“ schrieb Albert Schweitzer und Philipp Spitta: „Die Orgel…, besaß aber ein kräftiges volles Pedal, worin sie die Orgel der Stadtkirche übertraf,…“. Viola-Bianka Kießling: Königin der Instrumente. Ein Orgel-Führer durch die Region Weimar und Weimarer Land. Hrsg. Landratsamt Weimarer Land, Fagott-Orgelverlag, Friedrichshafen 2007, ISBN 978-3-00-021071-6.

Die Kapelle wurde beim Schlossbrand 1774 bis auf die Außenmauern zerstört.

„Wilhelmsburg“ mini|hochkant|Der barocke Aufsatz des Turms nach Gottfried Heinrich Krohne Ab 1626 regierte in Weimar Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar. Er nahm sich 1651 der Bauruine an und beauftragte den thüringischen Baumeister Johann Moritz Richter d. Ä. Dieser konzipierte den Hornstein um nach französischen Vorbildern zu einem offenen dreiflügeligen Ensemble, das sich einem Park öffnet. Dieser Park entstand nach italienischen und französischen Vorbildern. Wegen Geldmangels kam es aber immer wieder zu Unterbrechungen des Baubetriebs. Als Herzog Wilhelm IV. 1662 starb, wurde der Bau ganz eingestellt. Seit dieser Zeit trägt aber das Schloss – nach seinem Bauherrn – den Namen Wilhelmsburg.

Turm Im Jahre 1728 bekam der ehemalige mittelalterliche Bergfried und Hausmannsturm eine barocke Schweifkuppel und Laterne nach einem Entwurf von Gottfried Heinrich Krohne. Der 53 m hohe Turm ist heute ein Wahrzeichen der Stadt. Beschreibung Residenzschloss Weimar, Ensemble Bastille. In: thueringerschloesser.de

Der Glockengießer Nicolaus Jonas Sorber schuf 1712 das fünfstimmige E0-Geläut des Schlossturms, das im Original erhalten ist und zu den bedeutendsten Großgeläuten des 18. Jahrhunderts zählt. Nur die kleinste Glocke wurde 1725 durch Glockengießer Nicolaus Jonas Sorber umgegossen.http://www.turmuhren-glocken.de/download/historisches.pdf, Seite 8, abgerufen am 8. Mai 2021 Viola-Bianka Kießling: Himmlische Instrumente. Ein Glocken-Führer durch die Region Weimar und Weimarer Land. Hrsg. vom Landratsamt Weimarer Land in Kooperation mit dem Kirchenkreis Apolda-Buttstädt, Weimar/Apolda 2012, .

Auch die beiden Uhrglocken sind nicht unbedeutend. Der Stundenschlag ist einer 1544 von Heinrich C[Z]ieg[e]ler (Erfurt) gegossenen Glocke und der Viertelstundenschlag einer 1525 gegossenen unbezeichneten Bronzeglocke, die über dem Stundenschlag hängt, zugewiesen.

Residenzschloss der Goethezeit mini|Luftbild mit Bastille, Schlossturm und Residenzschloss mini|Blick zum Haupteingang mit Schlossturm, links die Bastille (2009) Beim Schlossbrand vom 6. Mai 1774 wurde die barocke Wilhelmsburg bis auf Turm und Torbau sowie die Schlosskapelle vollständig zerstört. Die äußere Kubatur der Schlosskapelle blieb erhalten, jedoch verraten die Fassaden nichts von der Nutzung des Raumes im 17. Jahrhundert. Da ab 1788 immer teurere Sicherungsmaßnahmen der Schlossruine nötig wurden, zog Herzog Carl August schon einen Neubau in Betracht. Er gründete im März 1789 die Schlossbaukommission, in der von Anfang an Johann Wolfgang von Goethe tatkräftig mitarbeitete. Schließlich beschloss man aber einen Wiederaufbau unter Benutzung großer Teile der alten Bausubstanz. Mit dem Schlossbau wurden ab 1789 die klassizistischen Architekten Johann August Arens, Nikolaus Friedrich Thouret, Johann Heinrich Gentz und Clemens Wenzeslaus Coudray beauftragt.Dehio (1905), S. 314.

Goethe engagierte den Hamburger Architekten Johann August Arens, den er 1787 in Rom kennengelernt hatte und der vor allem den Grundriss zum Wiederaufbau entwarf. Doch 1791 machten sich die Auswirkungen der Französischen Revolution und finanzielle Engpässe bemerkbar, und Arens verlor auch Interesse an diesem Auftrag. Goethe war allerdings zu dieser Zeit schon derart mit dem Bau vertraut, dass er die Arbeiten nach den Plänen von Arens fortführen ließ und 1796 auch das Richtfest gefeiert wurde. Als die Burggräben dann im Zuge der Baumaßnahmen eingeebnet waren, verlor sich auch der Festungscharakter. Die jetzt nach Süden offene Dreiflügelanlage korrespondierte deutlich mit dem von Goethe mitgestalteten Landschaftsgarten.