(; ins Deutsche übertragen: „Lasst uns also fröhlich sein!“), auch bekannt unter dem Titel Dies ist auch der Titel des zehnten Buches aus Senecas Dialogi (lateinisch für „Über die Kürze des Lebens“), ist ein Studentenlied mit lateinischem Text. Es gilt als das berühmteste traditionelle Studentenlied der Welt und ist in vielen Ländern Europas, in der angelsächsischen Welt sowie in Teilen Asiens und Lateinamerikas bekannt. Öfter gibt es Übersetzungen in die jeweiligen Landessprachen. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es auch verschiedene deutschsprachige Versionen.

Die ersten Textspuren dieses Liedes finden sich im Mittelalter. In den nächsten Jahrhunderten tauchen weitere Hinweise auf dieses Lied in der Literatur auf, die vermuten lassen, dass zumindest Textpassagen über einen langen Zeitraum hinweg in der mündlichen Überlieferung weitergetragen worden sein müssen. Literarisch von Christian Wilhelm Kindleben bearbeitet, erscheint der Text im ersten gedruckten studentischen Liederbuch von 1781Studentensprache und Studentenlied in Halle vor hundert Jahren, Max Niemeyer, Halle a. S., 1894, Vorwort S. XXXII, und wird im 19. Jahrhundert zu einem prominenten Bestandteil studentischer Liederbücher im deutschen Sprachraum, aber auch in anderen Ländern.

Die Melodie erscheint 1788 erstmals im Druck und wird seitdem fest mit dem Text Gaudeamus igitur verknüpft. Text und Melodie bilden heute eine Einheit und erfreuen sich in vielen Ländern der Welt hoher Wertschätzung in akademischen Kreisen.

Als Johannes Brahms 1879 die Ehrendoktorwürde der Universität Breslau verliehen wurde, bedankte er sich mit der Akademischen Festouvertüre, in deren hymnischem Schluss er das Gaudeamus igitur im großen Orchester erklingen ließ.

mini|hochkant=1.5|Studentischer Umzug mit einem Zitat von „Gaudeamus igitur“ auf einer alten Postkarte

Liedtext Wortlaut und Übersetzungen

Lateinisches Original (Kindleben, 1781)Studentenlieder. – Aus den hinterlassenen Papieren eines unglücklichen Philosophen Florido genannt, gesammlet und verbessert von C. W. K. 1781, S. 56–58, Strophen abwechselnd lateinisch/deutsch, Digitalisat der SUB Göttingen Deutsche Nachdichtung (Kindleben, 1781)||:Gaudeamus igitur, Iuvenes dum sumus.:|| Post iucundam iuventutem, Post molestam senectutem, ||:Nos habebit humus.:||Laßt uns, weil wir jung noch sind, Uns des Lebens freuen, Denn wir kommen sehr geschwind Zu der Todten Reihen.Ubi sunt, qui ante nos In mundo fuere, Vadite ad superos, Transite ad inferos, Ubi iam fuere.Sagt mir doch, wo trift man an, Die vor uns gewesen? Schwingt euch zu dem Sternenplan. Gehet hin zu Charons Kahn, Wo sie längst gewesen.Vita nostra brevis est, Brevi finietur, Venit mors velociter, Rapit nos atrociter, Nemini parcetur.Kurz ist unsre Lebenszeit, Sie vergeht geschwinde, Unter Sorgen, Müh und Streit, :,: Wie der Rauch vom Winde.Vivat Academia, Vivant Professores, Vivat membrum quodlibet, Vivant membra quaelibet, Semper sint in flore!Blüh, o edler Musensitz, Blühet auch, ihr Lehrer, Es leb ein jeder Musensohn, :,: Er sey der Weisheit Mehrer.Vivant omnes virgines Faciles, formosae Vivant et mulieres, tenerae, amabiles, bonae, laboriosae.Hübsche Mädchen sollen hoch Gleich den Weibern leben, Die uns hold sind, und sich Müh :,: In der Wirthschaft geben.Vivat et respublica, Et qui illam regit, Vivat nostra civitas, Mecaenatum caritas, Quae nos hic protegit.Unser Herrscher lebe hoch, Und sein Staat gedeihe, Daß sich unser Vaterland :,: Seines Segens freue.Pereat tristitia, Pereant osores, Pereat diabolus, Quivis Antiburschius, Atque irrisores.Traurigkeit und Schwermuth, stirb, Gebt uns Wein für Wasser, Alles Widrige, verdirb! :,: Sterbet, Burschenhasser! Anmerkungen: Kindleben merkt an: „Ich weiß es sehr wohl, daß der Ausdruck Musensöhne, ein unschicklicher, komischer Ausdruck ist; denn die Musen werden uns in der Götterlehre als Jungfern beschrieben; als solche können und dürfen sie freylich keine Söhne haben. Aber diese Redart ist nun einmal gäng und gebe, wer kann sich helfen!“ „:,:“ in Strophe 5 bis 7 sind nicht im Original, aber im Nachdruck vorhanden.

Ein späterer lateinischer Text (1795)Johann Christian Christoph Rüdiger: Auswahl guter Trinklieder, oder Töne der Freude und des Weins, beym freundschaftlichen Mahle anzustimmen. – Aus den besten Dichtern gesammlet. Hendelscher Verlag, Halle 1795, S. 142–143 (Google) mit dem Titel: De brevitate vitae, carmen amoebaeum. Moderne deutsche Übersetzung (Wikipedia-Autoren) Deutsche Nachdichtung Kindlebens Nachdichtung verändert in Auswahl guter Trinklieder, 2. Aufl. Halle 1795 Altgriechische VersionDer Bettelmusikant. Herausgegeben von der Redaktion Bettelmusikant (Reinhold Brumberger, Claus Scheifele, Carl Maderner). Voggenreiter Verlag, Bonn-Bad Godesberg, Neubearb. Aufl. 1997. ISBN 3-8024-0086-0. S. 169.Gaudeamus igitur juvenes dum sumus, post jucundum juventutem, post molestam senectutem nos habebit humus.Wir wollen also fröhlich sein, solange wir noch jung sind. Nach angenehmer Jugendzeit, nach beschwerlichem Alter wird uns die Erde haben.Laßt uns, weil wir jung noch sind, uns des Lebens freuen, denn wir kommen doch geschwind wie ein Pfeil durch Luft und Wind zu der Todten Reihen.|: Φíλοι εὐϑυμώμεϑα νεανίαι ὄντες. :| Ἥβην καλὴν λείψομεν, τάχα τελευτήσομεν, |: γῆρας μετασχόντες. :|Ubi sunt qui ante nos in mundo fuere? vadit(a)e ad superos, transite ad inferos, ubi jam fuere?Wo sind jene, die vor uns auf der Welt gewesen sind? Geht zu denen da oben [geht zu den Göttern oder Lebenden], steigt hinunter zu denen da unten [geht hinüber zu den Toten], dort wo sie schon gewesen sind?Sagt mir doch, wo trifft man an, die vor uns gewesen? schwingt euch auf zur Sternenbahn, geht hinab zu Charons Kahn; wo sie längst gewesen!|: Ποῦ εἰσίν, οἳ πρὸ ἡμῶν ἤδη ἐγένοντο, :| βαίνετε εἰς οὐρανόν, ἔρχεσϑε εἰς τάρταρον, |: ποῦ εἰσίν; ᾤχοντο. :|Vita nostra brevis est, brevi finietur; venit mors velociter, rapit nos atrociter nemini parcetur.Unser Leben ist kurz, in Kürze wird es vorüber sein; der Tod kommt schnell, rafft uns in schrecklicher Weise hinweg, niemand wird verschont werden.Kurz ist unsre Lebenszeit, sie vergeht geschwinde, unter Sorgen, Müh’ und Streit schwindet Jugend Fröhlichkeit, wie der Rauch vom Winde.|: Βίος ἀνϑρώπων βραχύς, τάχα τελευτήσει, :| τάρταρος ἐφάπτεται καί ἡμᾶς ἐφέλκεται. |: Τίνος ἀμελήσει. :|Vivat Academia, vivant Professores! vivat membrum quodlibet! vivant Membra quaelibet! semper sint in flore!Es lebe die Akademie, es leben die Professoren! Es lebe jedes (Mit)Glied Es leben alle (Mit)Glieder. Sie sollen immer in Blüte stehen!Blüh’, du edler Musenthron, blühet auch ihr Lehrer! jedem braven Musensohn werde Ehr und Glück zum Lohn, ihm, der Weisheit Hörer.|: Ζήτω ἀκαδήμεια διδάσκοντες ζώντων. :| Ζήτω ὅστις κοινωνός, ἐστὶ μελετήματος. |: Ἀεὶ ἀκμαζώντων. :|Vivant omnes virgines Faciles, formosae Vivant et mulieres, tenerae, amabiles, bonae, laboriosae.Es sollen alle Mädchen [oder Jungfrauen] leben, die leichtlebigen und hübschen! Es leben auch die (erwachsenen) Frauen, die Zarten, die Lieblichen, die Guten, die Fleißigen.Hübsche Mädchen sollen hoch, gleich den Weibern leben, die uns hold sind, und sich Müh’ in der Wirthschaft spät und früh, uns zu dienen geben.|: Ζαῖεν πᾶσαι παρϑένοι ῥάδιαι καὶ κάλλισται. :| Ζαῖεν τε καὶ γυναῖκες φιλόστοργαι, ἡδεῖαι |: ἀγαϑαὶ καὶ ἐργάται. :|Vivat et respublica, et qui illam regit! vivat nostra civitas Maecenatum caritas quae nos hic protegit.Es lebe auch der Staat und wer ihn regiert! Es lebe unsere (Universitäts-)Bürgerschaft, die Fürsorge der Mäzene, die uns hier beschützt.Stadt und Städchen sey beglückt auch der Landesvater! Vivat wer uns Nummos schickt, wenn die Schuldenlast uns drückt, Vivat Freund und Rather!|: Ζήτω καὶ πολιτεία, βασιλεύς τε ζήτω. :| Ζήτω καὶ πόλις ἡμῶν καὶ χάρις κεδευμόνων. |: Ἑταῖρος πᾶς ζήτω. :|Pereat tristitia pereant osores pereat diabolus quivis Antiburschius atque irrisores.Nieder mit der Traurigkeit nieder mit den Hassern, nieder mit dem Teufel, mit jedem Burschenfeind und auch mit allen Spöttern.Gram und Sorgen fliehet jetzt, sterbet Burschenfeinde! Pereat wer uns verpetzt, uns belächelt und verhetzt mit dem besten Freunde.|: Λύπη δὲ ἀπολύσϑω φϑινέτω μισητός. :| Φϑινέτω διάβολος, ἕκαστος μισόλογος |: καὶ καταρρινήτης. :| Anmerkung: Es gibt zahlreiche jüngere Fassungen mit Abweichungen bei der Interpunktion, Groß- und Kleinschreibung und im Text. Beispiele: Leipziger Commersbuch. Bei Karl Tauchnitz, Leipzig, 1816, S. 106ff. (Google) Alle Wörter sind abgesehen vom Versanfang kleingeschrieben (academia, professores, membra, diabolus, antiburschius). In Strophe 1: „Post jucundam juventutem,“. Am Ende von Strophe 2: „Transeas ad superos,   Redeas ad inferos,   Hos si vis videre.“ Am Ende von Strophe 5: „Vivant omnes juvenes,   Vivant et mulieres   Bonae, laboriosae.“ Neues Allgemeines Commersbuch. Teutonia. – Auswahl von Commers- und Gesellschaftsliedern. Halle, 1816, S. 162f. (Google) Am Ende von Strophe 5: „Vivant et mulieres (bis)   Bonae, laboriosae! ::“. Berlinisches Commersbuch. Bey Theodor Joh. Chr. Fr. Enslin, Berlin, 1817, S. 27f. (Google) Alle Wörter sind abgesehen vom Versanfang kleingeschrieben, ausgenommen Diabolus in Strophe 7. Neues Commersbuch. Germania, 1818, S. 42f. (Google) In Strophe 1: „Post transactam iuventutem,“. Neues teutsches allgemeines Commers- und Liederbuch. 3. Aufl., Germania (Tübingen in der Osiander’schen Buchhandlung), 1820, S. 25f. (Google) Am Ende von Strophe 5: „Tenerae, amabiles!   Et laboriosae.“ In den USA, insbesondere Yale, wurden mitunter Strophen gestrichen und zwei weitere ergänzt.Siehe z. B.:

Songs of Yale. New Haven, 1853, S. 5 (Google) – ohne Strophe 6, aber mit 2 weiteren Songs of Yale. New Haven, 1858, S. 9f. (Google); New Haven, 1860, S. 1f. (Google) – mit 2 weiteren Strophen Songs of Yale: A New Collection of College Songs. Edited by Charles S. Elliot. New Haven, Conn., 1870, S. 6f. (Google) Yale Songs: A Collection of Songs in Use by the Glee Club and Students of Yale College. Compiled and edited by Francis B. Kellogg and Thomas G. Shepard. New Haven, Conn., 1882, S. 48 (Google); enlarged edition, New Haven, Conn., 1889, S. 48 (Google) Carmina Yalensia: A Complete and Accurate Collection of Yale College Songs with Piano Accompaniment compiled and arranged by Ferd. V. D. Garretson. New York, 1867, S. 10 (Google) Carmina Yalensia: A Collection of Yale College Songs with Music and Piano-Forte Accompaniment. Compiled by Ferd. V. D. Garretson. Enlarged Edition, with Popular New Songs. Arranged by J. O. Heald and S. T. Dutton. New York, S. 10 (Google)

The Yale Literary Magazine: Conducted by the Students of Yale College. Volume twentieth. New Haven, 1855, S. 135f. (Google) Triennial Meeting of the Class of 1864, Yale College, with the Biographical Record and Statistics. New Haven, 1868, S. 7 (Google) – ohne Strophe 5 bis 7, aber mit 2 weiteren

Selected Songs Sung at Harvard College, From 1862 to 1866. Privately Printed. Cambridge, 1866, S. 4f. (Google) Carmina Collegensia: A Complete Collection of the Songs of the American Colleges, with Piano-Forte Accompaniment. To which is added a Compendium of College History. Corrected and edited by H. R. Waite. Boston & New York, 1868, S. 37f. (Google) The Northwestern Song Book: A Collection of College and Other Music, Comprising Many Original Contributions, Designed Especially For the Use of the Students of the Northwestern University, Evanston and Chicago. Evanston, Ill., & New York, 1879, S. 78f. (Google) – mit 2 weiteren Strophen Franklin Square Song Collection: Two Hundred Favorite Songs and Hymns for Schools and Homes, Nursery and Fireside. No. 6. Selected by J. P. McCaskey. New York, S. 63 (Google)

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