Die Imprese ist ein personenkennzeichnendes Sinnbild, das einen kurzen persönlichen Wahlspruch (Devise), mit einem symbolischen Bildmotiv verbindet. Durch Analogie zu dem im Bild (pictura) dargestellten Sachverhalt (res significans) und zu dessen signifikanten Eigenschaften bezeichnet eine Imprese ideale Eigenschaften, die sich der Träger der Imprese als in der Imprese versinnbildlichten Sachverhalt (res significata) selbst zuschreibt.

Impresen wurden seit der Mitte des 14. Jahrhunderts als persönliche Abzeichen verwendet. Da sie oft auch ergänzend zu dem Familienwappen ihres Trägers eingesetzt wurden, werden Impresen auch der Heraldik zugeordnet. Der Wortbedeutung (ital. impresa= Unternehmung) entsprechend, wurden manche Impresen aber auch anlassbezogen für eine bestimmte Unternehmung wie etwa Kriegszüge und andere Feindseligkeitsbekundungen, einen politischen Parteienwechsel, ein persönliches Bekenntnis, oder Hochzeiten geschaffen und eingesetzt. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts erschienen Bücher mit kommentierten Sammlungen von Impresen.

Giovanni Battista Pittoni, Lodovico Dolce: Imprese di diversi prencipi. Giovanni Battista Bertoni, Venedig 1602.

Bezüge zu anderen Sinnbildgattungen Das Symbolrepertoire der Impresenkunst entstammt oft der Renaissance-Hieroglyphik. Mit dieser Bildgattung teilt die Impresenkunst auch die Hermetik ihrer Sinnbilder, ihr Bemühen um eine nur für Eingeweihte dechiffrierbare Verschlüsselung und damit ihre Adressierung an einen kleinen erlesenen Kreis.

Impresen gehören auch zu den Quellen, aus denen seit den 1520er Jahren die Emblematik entwickelt wurde. Im Erscheinungsbild ähneln Impresen den frühneuzeitlichen Emblemen, die ebenfalls einen Titel (Lemma) und ein Bild (Ikon) zeigen. In vielen Impresenbüchern ist jeder abgebildeten Imprese wie einem Emblem auch ein Epigramm beigegeben. Die Praxis und Theorie der Impresen wird in der frühneuzeitlichen Emblemtheorie zur Festlegung von Normen der Emblemkunst herangezogen. Bei aller formalen Verwandtschaft unterscheiden sich Imprese und Emblem allerdings in wesentlichen gattungsspezifischen Merkmalen. Anders als bei einem Emblem, in denen Epigramme Bestandteil des Emblems sein können, sind Epigramme bei Impresen immer nur erläuternd beigefügt und nie Bestandteil der Imprese selbst. Wo ein Epigramm zu einer Imprese hinzugefügt ist, beschränkt es sich vielmehr darauf, die Analogie zwischen der res significans der Imprese sowie ihren signifikanten Eigenschaften einerseits und den idealen Eigenschaften des Impresenträgers anderseits zu kommentieren. Während in einem Emblem in Bild und/oder Text die potentielle Deutungsvielfalt der dargestellten res significans durch Definition einer auslegungsrelevanten signifikanten Eigenschaft und durch Bezugssetzung auf einen bestimmten Wissens- oder Handlungsbereich und damit auf eine bestimmte res significata hin eingeschränkt wird, bleibt die potentielle Deutungsvielfalt der dargestellten res significans bei einer Imprese innerhalb von Bild und Devise bestehen. Zudem versinnbildlichen Embleme stets allgemeingültige Aussagen etwa zu Moral, Ethik, Religion Politik oder Alltagshandeln, während sich Impresen stets nur auf den Charakter und die Handlungen eines einzelnen Impresenträgers beziehen. Gerade da die jeweilige res significans einer Imprese – anders als die eines Emblems – aufgrund ihrer uneingeschränkten Vieldeutigkeit je nach Lebenslage des Impresenträgers immer wieder neu auf weitere Handlungen und Charakterzüge des Impresenträgers hin gedeutet werden kann und die meist über lange Zeiträume unverändert bleibende Form von Bild und Devise der Imprese doch zugleich Konstanz und Verlässlichkeit präsentiert, demonstrieren Impresen gleichermaßen situationsadäquate Flexibilität, ethische Stabilität und soziale Verlässlichkeit und fördern so die soziale Positionierung ihres Trägers.

Geschichte mini|In der Randleiste: Imprese des Herzogs Johann Ohnefurcht von Burgund: Hobel mit Spänen und Spruchband mit der Devise „Ich haltz mich“ (= Ich halte mich zurück). In: Anonym: De informatione principum / Le Livre de l’informacion des roys et des princes. Übersetzung ins Französische von Jean Golein, 1408–1409, Brüssel. Koninklijke Bibliotheek van België (KBR), ms 9475.De informatione principum, Brüssel Koninklijke Bibliotheek van België (KBR), ms 9475, 1408–1409, fol. 92v. Die Wiederbelebung der antiken Tradition, eine persönliche Devise mit einem zugehörigen Bild zu verbinden, beginnt in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Englische, burgundische, französische und bald auch deutsche, polnische, spanische und portugiesische Adelige begannen damals, in Verbindung mit ihren Familienwappen persönliche Devisen und Sinnbilder zu zeigen. Impresen wurden sowohl von ihrem Träger als oftmals auch von ihrem Gefolge als Abzeichen an Turnierharnischen, Kleidungsstücken, Kopfbedeckungen und in Schmuckstücken getragen oder dienten als Kennzeichen an Bauwerken, Einrichtungsgegenständen, Grabmälern, Wandbehängen und Geschirr, in Siegeln, auf Fahnen, Münzen und Plaketten sowie in Miniaturen der Buchmalerei. Schon im 15. Jahrhundert waren Impresen bei Adel und gehobenem Bürgertum in Europa weit verbreitet. Vertreter der Ritterschaft brachten die Form von den Höfen Burgunds und Frankreichs nach Italien, wo sie schnell aufgegriffen, weiterentwickelt und mit dem Gattungsbegriff Imprese versehen wurde. Im 16. Jahrhundert entstand insbesondere dort eine umfangreiche Literatur über Impresen, in welcher Regeln festgelegt, zahlreiche neue Impresen erfunden und deren Auslegung diskutiert wurden. Eine Sammlung von Impresen publiziert 1551 erstmals Claude Paradin (um 1510–1573) unter dem Titel Devises heroïques in Lyon. Während Paradins Ausgabe Devisen und Bilder zeigte, erschien die erste Ausgabe des Dialogo dell'imprese militari e amorose des italienischen Historikers Paolo Giovios (1483–1552) 1555 in Rom noch ohne Abbildungen. Giovio, der sonst vor allem als Verfasser historischer Schriften hervorgetreten ist und später das Amt des Bischofs von Nocera bekleidete, führt dort ein Gespräch vor, in dem er Lodovico Domenichi (1515–1564), seinen späteren Herausgeber, in die Welt der Impresen einführt. Nach einer Skizze der auf die Antike zurückgehenden Herkunft der Impresen formuliert Giovio dort fünf Grundregeln für die Erfindung vollkommener Impresen und rezensiert dann zahlreiche Beispiele. Die vielen Neuauflagen und Übersetzungen dieses wegweisenden Werks, die ab 1559 erschienen, zeigen die Impresen dann auch mit Devise und Bild.

Giovio fordert für eine vollkommene Imprese die Beachtung von fünf allgemeinen Regeln („conditioni universali“): ein rechtes Verhältnis zwischen Seele (Devise) und Körper (Bild), dass sie nicht so dunkel sei, dass eine Sibylle zur Interpretation nötig, doch auch nicht so klar, dass jeder Plebejer sie verstehen kann, dass sie insgesamt schön anzusehen sei und sehr heiter erscheine mit Sternen, Sonne, Mond, Feuer, Wasser, grünenden Bäume, mechanischen Instrumenten, phantastischen Tieren und Vögeln, nicht irgendwelche menschlichen Formen zu suchen, das Motto, die Seele, die die Seele des Körpers ist, allgemein in einer für den, der die Imprese herstellt, fremden Sprache, damit der Sinn etwas verdeckt sei, auch sei es kurz, damit es zweifelhaft sei.Bernhard F. Scholz: Emblem und Emblempoetik. 2002, S. 64.

Beispiele

De informatione principum. 1408–1409, Koninklijke Bibliotheek van België (KBR), Brüssel, ms 9475.

In den Randleisten der vier illuminierten Seiten des Liber de informatione principum (lateinisch Buch über die Belehrung des Fürsten) von 1408–1409, der französischen Übersetzung eines lateinischen Fürstenspiegels, wird eine Imprese seriell wiederholt, die Johann Ohnefurcht, Herzog von Burgund (1371–1419), ab 1405 an seiner gesamten Ausstattung anbrachte und in seiner Umgebung verbreitete. In den Randleisten der vier Illuminationen begleitet dort immer wieder unter der Devise „Ich haltz mich“ (= Ich mäßige mich) ein Hobel bei der Arbeit mit herumfliegenden Spänen die Erörterung der Aufgaben eines Fürsten. In der Imprese demonstrierte Johann Ohnefurcht seinen Einsatz für die Ausrottung der Korruption, für eine „reformation“ des Königreichs Frankreich und für die Wiederherstellung einer gradlinigen Gerechtigkeit zugunsten der ausgebeuteten und betrogenen einfachen Leute. Ganz konkret ließ er das Buch wohl zur nachträglichen Legitimierung des von ihm 1407 als Gipfel seiner Kampagne angeordneten Mordes an Ludwig von Valois, Herzog von Orléans (1372–1407), dem Bruder des französischen Königs Karl VI. (1380–1422), wegen dessen angeblichem Hochverrat anfertigen. Insbesondere das letzte Bild, in dem die Arbeit des Hobels parallel zu einer Enthauptung erfolgt und die Hinrichtung so als Beitrag zur Begradigung einer durch Korruption hervorgerufenen Deformation der Gerechtigkeit erscheint, zeigt die enge Verbindung der Impresen mit Handlungsmotivation und -legitimation der Impresenträger.

Unter dem Motto „Je he ce que mord“ (Übersetzung aus dem Altfranzösischen: „Ich hasse das, was beißt.“) unterstreicht auf der Rückseite eines Rogier van der Weyden (* 1399 oder 1499–1464) zugeschrieben Porträts eines Mannes die Darstellung einer Stechpalme, die mit ihren Stacheln alle Tiere abwehrt, die sie sonst fressen würden, die Unangreifbarkeit des Porträtierten. mini|Giovanni Battista Pittoni (Bild und Devise): Imprese des Grafen Nicola da Campobasso, Radierung.Ludovico Dolce (Gedicht als Bildunterschrift): Del Conte Nicola Campobasso.In: Giovanni Battista Pittoni, Lodovico Dolce: Imprese di diversi prencipi. Giovanni Battista Bertoni, Venedig 1602, Nr. XXXVII.