Die 2. Sinfonie in c-Moll ist eine Sinfonie mit Sopran- und Altsolistinnen sowie gemischtem Chor von Gustav Mahler. Der häufig verwendete Beiname Auferstehungssinfonie stammt nicht von Mahler.

Entstehung Die Entstehungsgeschichte der gesamten Sinfonie erstreckt sich, bedingt durch Mahlers Arbeitsbelastung als Dirigent, über mehrere Jahre. Das Werk schrieb er zwischen 1888 und 1894. Im September 1888 war die Instrumentierung des ersten Satzes, der zu diesem Zeitpunkt den Titel „Totenfeier“ trug, bereits abgeschlossen. Offenbar kam Mahler durch den Antritt der Stelle des Opernchefs in Budapest und seinen anschließenden Umzug nach Hamburg nicht zur weiteren Arbeit an der Sinfonie. So entstanden der zweite und dritte Satz erst 1893 und die gesamte Sinfonie wurde erst 1894 fertiggestellt. Die Idee zum Schlusssatz, welcher die Idee der Auferstehung vertont, kam Mahler nach eigener Aussage 1894 auf der Totenfeier für Hans von Bülow in der Hamburger St.-Michaelis-Kirche.Brief an Anton Seidl. Zitiert nach: Herta Blaukopf: Briefe, 200. Die Anregung zur Wahl eines Klopstock-Textes erhielt Mahler möglicherweise auch durch seinen Studienkollegen Hans Rott, auf dessen E-Dur-Symphonie er in seiner 2. Symphonie mehrfach Bezug nimmt. Rott hatte bereits 1877 einen Liedtext Klopstocks mit dem Titel „Die Auferstehung Jesu“ für Chor und Orchester vertont.

Zeitgleich vertonte Mahler die Lieder aus Des Knaben Wunderhorn, von denen er das Lied „Des Antonius von Padua Fischpredigt“ nur instrumental, das Lied „Urlicht“ auch vokal in der Sinfonie verwendete.Klaus Döge: Verschlungene Wege der Entstehung. In: Programmheft der Münchner Philharmoniker vom 17. September 2015, S. 2, URL:

Zur Musik Besetzung Sopran- und Altsolo, gemischter Chor, 4 Flöten (alle auch Piccoloflöten), 4 Oboen (3. und 4. auch Englischhorn), 5 Klarinetten (1. und 2. in A, B und C, 3. in A, B, C und Bassklarinette, 4. in Es, 5. in A, B und Es), 4 Fagotte (4. auch Kontrafagott), 6 Hörner, 6 Trompeten, 4 Posaunen, Kontrabasstuba, Orgel, Pauken (2 Spieler), Schlagwerk (Glockenspiel, 2 Triangeln, 2 Tamtams (hoch und tief), 3 tiefe Glocken, Becken, kleine Trommel (mehrfach besetzt), große Trommel), 2 Harfen, I. Violine, II. Violine, Bratsche, Violoncello, Kontrabass (mindestens 2 Kontrabässe mit Kontra-C-Saite). Dazu ein isoliert platziertes Fernorchester mit 4 Hörnern, 4 Trompeten, Pauke, großer Trommel, Becken sowie Triangel.

1. Satz: Allegro maestoso. Mit durchaus ernstem und feierlichem Ausdruck Der erste Satz nimmt eine exponierte Stellung in der Sinfonie ein. Die sogenannte Totenfeier ist der erste der beiden monumentalen Rahmensätze. Sein Gegenstück ist der abschließende Satz Auferstehung. Der Satz wurde nach der Fertigstellung der Erstfassung zunächst mit „Sinfonie in c-Moll“ überschrieben. Später änderte Mahler die Überschrift in „Todtenfeier“ und führt den Satz auch allein, unabhängig von der gesamten Sinfonie, unter diesem Namen auf.Christian Martin Schmidt: Universalkunstwerk als Programm. In: Renate Ulm: Gustav Mahlers Symphonien. 83 Die Totenfeier ist lose an die Sonatensatzform angelehnt. Die Exposition beginnt mit einem Akkord der tiefen Streicher, worauf sich eine unruhige Figur und schließlich ein markantes Motiv in den tiefen Streichern entwickelt. Der Finalsatz nimmt diese Streicherfigur wieder auf. Die Bläser intonieren anschließend das Hauptthema des ersten Satzes auf diesem Klangteppich:

mini|zentriert|500px|Hauptthema des 1. Satzes

Die Fortentwicklung des Themas nimmt marschähnliche Züge an, was sich aus dem zweiten Teil des Themas herleitet. Ein anschließend aufkommender lyrischer Gedanke kann durchaus als ein zweites Thema bezeichnet werden, welches in einem dramatischen Höhepunkt in c-Moll endet. Anschließend folgt die Wiederholung der Exposition, in der ein choralähnlicher Gedanke im Marschduktus auftaucht. Im Folgenden dominiert eine gespannte und undefinierte Stimmung, welche durch die tiefen Streicher weiterhin bedrohlich wirkt. Erst die Intonation des lyrischen Gegenthemas in piano vermag diese Spannung ein wenig aufzulösen. Dennoch verliert das musikalische Geschehen sein angespanntes Warten nicht vollkommen. Ein gesangliches Holzbläsermotiv, das an Dvořák erinnert, ergänzt das zweite Thema. Die nach einiger Zeit zurückkehrenden bewegten Figuren der tiefen Streicher in der Begleitung lösen eine vorwärtsdrängende Dynamik aus, welche sich langsam zu einem Höhepunkt steigert. Einige Trompetenakkorde führen zurück in eine lyrische Stimmung, die Anspannung hat sich etwas weiter aufgelöst. Wenige Momente später kehrt sie jedoch zu Beginn der Durchführung mit aller Macht zurück. Die Streicherfigur führt zu einem kurzen Aufbegehren des Orchesters in forte. Ebenso unvermittelt löst sich diese Stimmung jedoch wieder auf und führt zu einem kurzen Ruhepunkt. Hieraus entwickelt sich weiter eine vorwärtsdrängende Dynamik. Ein Vorgang, der sich oftmals wiederholt und auf dessen Gipfelpunkt das Hauptthema jubelnd vorgetragen wird, bevor es zu einem Spannungsaufbau in höchster Dramatik und im Tutti des Orchesters kommt. Der Marschcharakter setzt sich in diesem Moment immer stärker durch, was die Musik teilweise militant wirken lässt. Der Gipfelpunkt des Satzes ist in einem mehrfach wiederholten dissonanten Akkord im Orchestertutti erreicht und bedeutet den Zusammenbruch des Geschehens. Nun beginnt ein reprisenähnlicher Teil mit dem Motiv der tiefen Streicher. Ein absteigendes, bedrohliches Motiv der Streicher läutet die Coda ein, worauf sich der Marschgedanke in den Bläsern exponiert. Der bekannte vorwärtsdrängende Impuls taucht wieder auf, findet aber kein richtiges Ventil und sinkt ohnmächtig in sich zusammen. Einige Akkorde der Bläser beenden den Satz, begleitet von den unruhigen Figuren der tiefen Streicher und verhaltenen Paukenschlägen, bevor eine chromatisch absteigende Tonleiter des Orchesters ein letztes Abstürzen des Geschehens bewirkt.

Mahler verlangt am Ende des ersten Satzes eine Pause von mindestens 5 Minuten, bevor die weiteren Sätze erklingen sollen.

2. Satz: Andante comodo. Sehr gemächlich. Nie eilen Der zweite Satz stellt einen einfachen Tanzsatz dar. Das Thema wirkt traditionell, fast klassizistisch. Das friedliche und idyllische Menuettthema ist einfach gehalten:

mini|zentriert|500px|Thema des 2. Satzes

Das erste Trio wird von einer bewegten Streicherfigur eingeleitet, worauf sich eine spartanische Melodie der Holzbläser exponiert. Das Trio erinnert teilweise an Beethoven. Genauso spukhaft, wie es eingesetzt hat, verschwindet es wieder und das Menuett kehrt zurück. Das zweite Trio stellt eine dramatischere Wiederholung des ersten Trios dar. Es wird nun auch von Blechbläsern und Pauke intoniert und erfährt eine dynamische Steigerung. Das wiederkehrende Menuettthema wird zunächst ausschließlich im Pizzicato der Streicher, unterstützt von der Harfe, gespielt. Dies führt zu einem ungewohnten und interessanten Klangbild.

3. Satz: In ruhig fließender Bewegung Der dritte Satz der Sinfonie ist mit dem Lied Des Antonius von Padua Fischpredigt aus den Wunderhorn-Liedern verknüpft, verlässt den Rahmen des rein Instrumentalen jedoch nicht. Der Satz entstand nach dem Klavierlied, welches als Vorlage diente, jedoch vor der Orchesterfassung des Klavierliedes.Zur Genese des Liedes: Christian Martin Schmidt: Universalkunstwerk als Programm. In: Renate Ulm: Gustav Mahlers Symphonien. 88. Er gleicht einem Scherzo, da seine Gestalt den Prinzipien des Scherzos in der Form A-B-A entspricht. Die A-Teile sind hierbei sehr eng an das Lied angelehnt, während der B-Teil neu komponiert wurde. Der Satz beginnt mit einem doppelten Paukenschlag, woraufhin sich die markant-fließende Bewegung des Satzes, ausgehend von der Pauke, in Gang setzt. Stets im Dreiertakt gehalten, entfalten die Streicher und Holzbläser kurze Motive auf der Begleitung von Pizzicati der Streicher und markanten Einsätzen von Schlaginstrumenten, beispielsweise der Rute. Dies geschieht auf mannigfaltige und klanglich differenzierte Weise. Dieses Klangbild verdeutlicht einerseits das fließende Wasser und die aus allen Richtungen heranschwimmenden Fische, andererseits das Grotesk-Stupide der Situation. Eine Predigt wird gehalten, dennoch verändert sich nichts. Im Text heißt es dazu: „Die Predigt hat g’fallen, Sie bleiben wie allen.“ Dieser Humor ist als Satire auf die Menschen anzusehen.Herbert Kilian: Gustav Mahler in den Erinnerungen Natalie Bauer-Lechners, 27f. Das Trio verwendet eine einfache, entfernt an einen Choral erinnernde Melodie, welche mehr ein unklar artikuliertes Klangbild als eine konkrete Melodie darstellt. Die Wiederkehr des Scherzos verläuft zunächst wie der erste Teil. Gegen Ende überstürzt sich die hastige Bläserfigur zu einem kleinen musikalischen Zusammenbruch, welcher als Ende der Predigt zu verstehen ist. Anschließend entfernen und lösen sich die Motive langsam auf. Nach kurzem Stillstand kehrt die alte Bewegung unverändert zurück und der Satz endet in diesem Duktus mit einigen piano verklingenden Bläserakkorden.

4. Satz: Urlicht – Sehr feierlich aber schlicht. Nicht schleppen Der vierte Satz basiert ebenfalls auf einem Gedicht der Sammlung Des Knaben Wunderhorn. Hier verwendet Mahler das Gedicht „Urlicht“ und fügt erstmals in seinem sinfonischen Schaffen die menschliche Stimme zum Aufführungsapparat hinzu. Dieses Orchesterlied ist für Altsolo konzipiert. Das Lied „Urlicht“ in Mahlers Liederzyklus Des Knaben Wunderhorn unterscheidet sich kaum von diesem Sinfoniesatz. Laut Mahlers Freundin Natalie Bauer-Lechner sagte Mahler über diesen Satz: „Das ‚Urlicht‘ ist das Fragen und Ringen der Seele um Gott und um die eigene göttliche Existenz über dieses Leben hinaus.“Herbert Kilian: Gustav Mahler in den Erinnerungen Natalie Bauer-Lechners, 27f. Der kurze Satz nimmt eine Schlüsselstellung in der Konzeption des Werkes ein. Er beantwortet die Fragen des vorangegangenen Scherzos und leitet das ebenfalls vokale Finale, die Sinfoniekantate, ein.

Die dreiteilige Form des Satzes wird von einem Motto eröffnet, in welchem der erste Vers des Liedes vertont wird. Der Gesang wirkt wie ein feierlicher, aber schlichter Choral. Im zarten Piano der Begleitakkorde der Streicher intoniert der Alt den ersten Vers, was von einem Blechbläserchor in feierlichem Ton beantwortet wird. Die wichtigen Verse „Der Mensch liegt in größter Not, der Mensch liegt in größter Pein“ lassen den Klang kurzzeitig nach Moll gleiten. Mahler verwendet äußerst viele Taktwechsel in diesem Teil des Liedes.

mini|zentriert|600px|Alt-Solo, Detail

Der zweite Teil ist ein wenig bewegter und lebendiger gestaltet. In diesem Teil stehen die Kontraste des Liedes deutlich nebeneinander. Volkstümliche Elemente wie zum Beispiel das Violinsolo mit Klarinettenbegleitung werden ungleich empfindsameren Partien, die vor allem durch die Alt-Solistin verkörpert werden, gegenübergestellt. Der bewegte Mittelteil ist des Weiteren von zahlreichen Tonartenwechseln geprägt. Die beschriebene Engelsvision vertont Mahler anschaulich durch die explizite Verwendung von Harfe und Glockenspiel. Der inhaltlich wichtige letzte Teil behandelt die beiden letzten Verse, welche den Übergang zum Finale darstellen. Die Musik erreicht ihre schlichte und feierliche Gestalt des ersten Teils wieder. Die nun drängenderen Motive leiten sich vom ersten Teil des Liedes her. Der Text lautet an dieser Stelle: „Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben, wird leuchten mir bis in das ewig’ selig’ Leben.“ Der Gedanke des ewigen Lebens stellt die Verbindung von Totenfeier und Auferstehung dar und führt direkt in das Finale.

5. Satz: Im Tempo des Scherzos. Wild herausfahrend – Wieder zurückhaltend – Langsam. Misterioso