mini|Porträtbüste der Nofretete (etwa 1338 v. Chr.) mini|Max Liebermann: Bildnis Fräulein Hedwig Ruetz, 1903
Ein Porträt oder Portrait (von französisch portrait), gleichbedeutend mit Bildnis, ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere Darstellung einer bestimmten Person.Vgl. Duden online: Porträt und Bildnis Das Porträt zeigt häufig nur das Gesicht der Person. Bei der Darstellung mehrerer Personen spricht man von einem Doppelporträt beziehungsweise Familienporträt oder Gruppenporträt.Duden online: Doppelporträt Porträtieren ist das Anfertigen eines Porträts.Duden online: porträtieren
Im engeren Sinn versteht man unter einem Porträt ein künstlerisches Bildnis. Ein porträtierender Künstler wird als Porträtist bezeichnet.Duden online: Porträtist Manche Porträtisten versuchen, im Porträt auch das Wesen bzw. die Persönlichkeit des Porträtierten anzudeuten, zu karikieren oder zu übersteigern.
Zahlreiche namhafte Maler, Grafiker und Bildhauer haben sich intensiv mit Porträts befasst und dadurch zur Entwicklung einer großen Darstellungsvielfalt beigetragen. Die Porträtmalerei hatte ihre Blütezeit etwa vom Ende des 15. Jahrhunderts bis um 1900. Seit dem 19. Jahrhundert hat die Porträtfotografie die Porträtmalerei ergänzt und ist als szenisches Element auch in die Filmkunst eingegangen.
Begriffliches Das Wort „Portrait“ ist aus französisch portrait entlehnt, das auf das Partizip Perfekt von altfranzösisch portraire ‚bilden, entwerfen, darstellen‘ zurückgeht. Dieses wiederum stammt von lateinisch prō-trahere ‚ans Licht bringen, hervorziehen‘.Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 716.
Inhaltlich wird zwischen Bildnis und Porträt nicht unterschieden.Rave, in: RDK II, 1939, S. 639. Im Humanismus wurden auch die Begriffe imago oder effigies gebraucht. Eine ebenfalls veraltete Bezeichnung für ein Porträt ist Konterfei. Als Idealbild oder Idealbildnis benennt man repräsentative Darstellungen von Personen, deren wirkliches Aussehen bildlich nicht überliefert ist (Bildbeispiel: Idealbildnis Kaiser Karls d. Gr.). Das künstlerische Bestreben, über äußerliche Ähnlichkeit hinaus eine bestimmte Persönlichkeit wiederzugeben, kann auch bis zum Idealbild gesteigert werden (Bildbeispiel: Idealbildnisbüste Friedrich Schiller). Demgegenüber unpassend und ungebräuchlich ist der Begriff Bildnis für die Darstellungen von Personen, die eher durch Attribute oder Insignien gekennzeichnet sind und bei denen es nicht auf Wirklichkeitswiedergabe ankommt (Beispiele: Heiligenfiguren, mythologische oder andere fiktive Gestalten, ständische Typen).
Klassifizierung von Porträts Die Darstellungsformen werden nach verschiedenen Aspekten bezeichnet: nach der Anzahl der dargestellten Personen sowie – besonders bei Einzelporträts – nach dem Ausschnitt der Figur und nach der Kopfhaltung im Verhältnis zum Betrachter. Überdies werden Bildnisse auch nach ihrer Funktion differenziert (z. B. Herrscherporträt) oder nach der thematischen Ausrichtung (z. B. Kostümbildnis).
Nach der Anzahl der Personen Einzelporträt: Eine einzelne Person wird dargestellt. Dies ist der häufigste Typ des Porträts.
Doppelporträt: Bei einem Doppelporträt werden zwei Personen in einem Bild dargestellt. Ein bedeutendes frühes Beispiel ist Jan van Eycks Hochzeit des Giovanni Arnolfini mit Giovanna Cenami (1434; London, National Gallery). Berühmt ist auch Rubens’ Selbstporträt mit Isabella Brand in der Geißblattlaube (1609, Alte Pinakothek, München). Das Gemälde Oberbürgermeister von Guaita und Tochter (1817) von Johann Baptist Joseph Bastiné gilt als das einzige „monumentale Doppelbildnis zu dieser Zeit im Rheinland.“Felix Kuetgens: Johann Baptist Joseph Bastiné. In: Aachener Kunstblätter. Heft XIV. La Ruelle, Aachen 1928, S. 93. Zwei einzelne Pendant-Bilder, meist von Ehepaaren, sind kein Doppelporträt, obwohl sie zusammengehören und sich nicht selten aufeinander beziehen, z. B. dadurch, dass sich die Porträtierten der beiden Bilder einander zuwenden. Frühe und berühmte Beispiele sind Piero della Francescas Bildnisse von Federigo da Montefeltro und seiner Gemahlin Battista Sforza von 1465 (Uffizien, Florenz) oder Albrecht Dürers Porträts von Hans und Felicitas Tucher von 1499 (Schlossmuseum, Weimar).
Gruppenporträt: Mehr als zwei Personen werden dargestellt. Hierzu gehört auch das Familienporträt, die Darstellung der gesamten Familie in einem Werk. Dieses Sujet findet sich schon bei Andrea Mantegna in der Ausschmückung der Camera degli Sposi des Palazzo Ducale in Mantua, bei Jakob van Oost dem Älteren in einem Bild Porträt einer Brügger Familie und 1561 bei Familie Berchem von Frans Floris. Das Familienbild war besonders im Biedermeier beliebt. Dies veranschaulichen u. a. die Werke von Johann Baptist Joseph Bastiné und Heinrich Franz Carl Billotte.
Nach dem Ausschnitt
Ganzfigur: Darstellung stehend oder sitzend. Als Skulptur auch Statue (Standbild) oder Statuette genannt. Kniestück: mit Einbeziehung der Knie, stehend oder sitzend. Hüftbild: Oberkörper bis zum Schritt. Halbfigur: Oberkörper bis zur Taille, unter Einbeziehung der angewinkelten Arme mit den Händen. Bruststück oder Brustbild: Kopf mit einem Großteil des Oberkörpers, Schultern und Armabschnitten. Schulterstück oder Büste (Büstenporträt): Die Schulteransätze sind mit einbezogen und das Porträt endet auf Achselhöhe. Kopfbild: Darstellung mit dem Hals (Halsabschnitt), ohne jeglichen Teil des Rumpfes.
Zu den analogen Begriffen beim Film siehe Einstellungsgröße.
Nach der Kopfhaltung Bezeichnung für die Kopfhaltung des Dargestellten bzw. den Blickwinkel:
Frontalansicht (en face): Das Gesicht ist direkt auf den Betrachter gerichtet. Die Darstellung wirkt oft suggestivNorbert Schneider: Porträtmalerei 1420–1670. Köln 1999, S. 6.; zitiert in Else Lowitzer-Hönig: Die frühen Porträts von Oskar Kokoschka. Studien zu den Einzelbildnissen von 1906 bis 1925 – Ein bisher unbekanntes Porträt. Diplomarbeit Universität Wien, Oktober 2008, S. 17 f. (PDF; 1,5 MB oder doi:10.25365/thesis.2300, othes.univie.ac.at, dort S. 11 f.) und intim, aber auch etwas steif. Viertelprofil oder Dreiviertelprofil/-ansicht: Das Gesicht ist leicht aus der Frontalansicht gedreht. Wegen der Rundung des menschlichen Kopfes wird die dem Betrachter zugewandte Seite des Gesichts voll, die vom Betrachter abgewandte Seite verkürzt wiedergegeben. Sie liegt dann auch oft im Schatten. Der Blick der Figur geht nicht mehr starr geradeaus. Gilt als lebendiger als frontal, auch in der Porträtfotografie wird eine leichte Drehung des Kopfes favorisiert. Halbprofil: Das Gesicht ist von der Seite dargestellt, wobei das zweite Auge noch zu erkennen ist. Die Figur blickt in der Regel zum Betrachter. Dreiviertelprofil oder Viertelprofil/-ansicht: Ein Überwiegen von en profil gegenüber der Halbansicht: Die Nase überragt oft die Kontur, das zweite Auge ist halb verdeckt bis nur angedeutet. Anmutiger als strenges Profil. Falls die Figur den Betrachter anblickt, kann der seitwärts gerichtete Blick tiefgründig wirken. Profilansicht (en profil): Das Gesicht wird von der Seite abgebildet. Darstellungen im Profil nach dem Vorbild römischer Kaisermünzen galten als charakter- und würdevollste Darstellung des Menschen. Profilbilder als Schattenriss wurden seit dem 15. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert häufig angefertigt. Verlorenes Profil (profil perdu): „Dreiviertelansicht von hinten“, es sind nur die Konturen der Wangenknochen erkennbar.
mini|Selbstporträt von Rembrandt, 1660|hochkant
Besondere Arten des Porträts Je nach Thema bzw. Zweck gibt es unterschiedliche Arten (Themenbereiche) von Porträts, wie zum Beispiel Ahnenbildnis, Aktporträt, Ehegattenbildnis, Familienbildnis, Herrscherbildnis, Idealporträt, Karikatur, Passfoto, Reiterporträt, Rollenporträt, Selbstporträt, Standesporträt, Stifterbildnis, Touristenporträt oder Tronie.
Selbstporträt Das Porträt eines Künstlers von sich selbst bzw. seinem eigenen Bild ist das Selbstporträt. Selbstporträts zählen zu den berühmtesten Werken zahlreicher Künstler. Weltweite Verbreitung hat das Selbstporträt in der Fotografie erlangt. In den letzten Jahren wurden Selbstporträts in sozialen Netzen vermehrt als Selfies verbreitet.(Vgl. Artikel Selbstbildnis)
Idealporträt Das Idealporträt stellt ein dem Künstler nicht persönlich bekanntes Individuum als erfundenen Charaktertypus dar (z. B. Köpfe des sagenhaften Homer). Es soll das Wesen, nicht jedoch die realistische Gestalt der betreffenden Person versinnbildlichen oder idealisieren. Diese Bildnisgestaltung ist bereits aus griechischer Zeit bekannt.
Darstellungen von Figuren aus Mythologie, Bibel, Sage und fiktionaler Literatur werden gewöhnlich nicht als Bildnis oder Porträt bezeichnet, obwohl sie in gewisser Weise Idealporträts sind.Vgl. die Beispielsammlung bei: Paul Ortwin Rave: Bildnis. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Band II, 1939, Sp. 639–680 (Digitalisat). mini|hochkant|Marie Wunsch: Bildnis eines italienischen Mädchens, um 1890
Tronie Ein Tronie ist ein ausdrucksvolles Porträtgemälde, das aus der persönlichen Vorstellungskraft des Malers entstand, gelegentlich unter Zuhilfenahme eines Modells, um Position und Proportionen optimal zu gestalten. Diese Phantasieporträts konnten idealisierend sein, waren es aber nicht zwangsläufig.Franziska Gottwald: Das Tronie. Muster – Studie – Meisterwerk. Die Genese einer Gattung der Malerei vom 15. Jahrhundert bis zu Rembrandt. Deutscher Kunstverlag, 2011, ISBN 978-3-422-06930-5.
Standesporträt Zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als man die Herrschaft von Adelsdynastien als gottgegeben ansah, kam auch dem „Standesporträt“ eine Schlüsselrolle zu. Es vermittelt dem Betrachter das Aussehen des Dargestellten, seinen Stand in der Gesellschaft und der Familienmitglieder. Diese Porträts waren in die „repräsentative Öffentlichkeit“ des Hofs eingebunden. Präsentiert in Ahnengalerien bezeugten sie die vornehme Herkunft der Familie.
Zur Charakterisierung des Ranges diente die Kleidung. Im Heiligen Römischen Reich war die seit 1497 entworfene und 1530 genehmigte Kleiderordnung maßgebend, die Reichspolizeiordnung (RPO) für Kleider und Luxusordnung. Auf diese Weise lässt sich anhand der Garderobe und des Schmucks der gesellschaftliche Stand ablesen. Kaiser Maximilian I. setzte Anfang des 16. Jahrhunderts sein Porträt zu Propagandazwecken ein. Dieser Bildtyp des „Staatsporträts“ wurde 1519 von Albrecht Dürer mit seinen Gemälden Kaiser Maximilian I. und Jakob Fugger begründet. Die Würde des Dargestellten wird durch eine auf das Wesentliche konzentrierte Wiedergabe verdeutlicht. Auch die Physiognomien wurden entsprechend dem Status angepasst.
mini|hochkant=0.8|Pompeo Batoni: Sir Wyndham Knatchbull-Wyndham, 1759, Los Angeles County Museum of Art Touristenporträt Pompeo Batoni ist der Erfinder des Touristenporträts. Er entwickelte diesen Porträttyp für englische Touristen in Rom, die sich vor Relikten antiker Architektur malen ließen. Eines der bekanntesten Werke dieses Typus ist Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins Goethe in der Campagna 1786/7. Das Touristenporträt verbindet gesellschaftliche Attribute und Souvenir-Darstellungen. Laut A. M. Kluxen beginnt mit den englischen Touristenporträts des 18. Jahrhunderts das Ende des Standesporträts,Andrea M. Kluxen: Das Ende des Standesporträts. Die Bedeutung der englischen Malerei für das deutsche Porträt 1760–1848. Fink, München 1989, S. 175. Das Touristenporträt stelle eine Stufe des Übergangs vom Standesporträt zum ständeunabhängigen Gesellschaftsporträt dar.Kluxen, S. 95 f.
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