mini|Kirche mit Friedhof mini|Für das Domkapitel reservierter Bereich auf dem Wiener Zentralfriedhof mini|Trauerhalle des Dresdner Johannisfriedhofs (Paul Wallot, 1894) mini|Gräber in Morcote, Kanton Tessin

Ein Friedhof (auch Bestattungsplatz oder Begräbnisplatz, veraltet und landschaftlich Gottesacker,Günter Bergmann: Kleines sächsisches Wörterbuch. Bibliographisches Institut, Leipzig 1989. Im Gesamtgebiet, außer der Lausitz, aber veraltet: Leichenacker, Leichenhof, Totenacker, Totenhof oder Ruhestätte) ist ein Ort, an dem Verstorbene, in den meisten Fällen begleitet von einem religiösen oder weltlichen Ritus, bestattet werden. Anlagen aus vorchristlicher Zeit werden in der Archäologie meist als Gräberfelder oder Nekropolen bezeichnet, der Begriff Friedhof findet dennoch auch für antike Anlagen Verwendung.

Friedhof leitet sich ursprünglich vom althochdeutschen „frithof“ ab, der Bezeichnung für den eingefriedeten Bereich um eine Kirche. Der Bedeutungswandel zu einem „Hof des Friedens“ vollzog sich mit dem Verblassen der etymologischen Wurzel.Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. München 1995, S. 376.

Funktionen des Friedhofs Friedhöfe erfüllen wichtige und in vielen Kulturen bestehende individuelle und kollektive Funktionen. Vor allem sind sie dazu bestimmt, den Angehörigen Verstorbener ein möglichst ungestörtes Totengedenken in einem Raum zu ermöglichen, der deutlich von dem der Lebenden abgetrennt ist. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle in der religiösen Praxis (vor allem im Zusammenhang mit Bestattungsriten) und erfüllen öffentliche Interessen.

Kultische Funktionen mini|St. Vitus im Zellhof ursprünglich mit Begräbnisrecht, jetzt mit aufgelassenem Friedhof

Der Friedhof oder das Gräberfeld mit seinen Grabplätzen als letzte Ruhestätte der Verstorbenen oder als Traditionsplatz für Familien ist in vielen Kulturen ein Ort des Gedenkens, der Einkehr und der Trauer. Die Angehörigen des Toten übernehmen das Andenken an den Verstorbenen. Je nach Kulturkreis werden die Grabstellen ausgestattet, instand gehalten oder verfallen gelassen.

Für das Begräbnis und Gedenkrituale für die Toten sind Friedhöfe mit einer zweckgerichteten Infrastruktur ausgestattet. Je nach Kultur und Religion sind auf Friedhöfen neben den eigentlichen Grabplätzen Kapellen, Shintō-Schreine oder Heiligtümer und Totenhallen zur Aufbahrung der Toten vorhanden. Krematorien und Beinhäuser finden sich häufig direkt auf oder nahe dem Friedhofsgelände.

In vielen Religionen ist der Friedhof ein heiliger Ort. Im Christentum wird er traditionell vom zuständigen Geistlichen geweiht. Diese kultische Bedeutung des Friedhofs hat eine Vielzahl an Tabus, moralischen Pflichten und Gesetzen hervorgebracht. Die Verletzung der Regeln oder die Entweihung ist von der jeweiligen Gemeinschaft unter Strafe gestellt. Praktisch in allen Kulturen ist die Störung der Totenruhe, die Leichenschändung, die Grabschändung und der Grabraub strafbar. Derartige Handlungen werden nach deutschem Recht als Straftaten strafrechtlich verfolgt. Äußere Zeichen zum Schutz der Totenruhe sind Zutrittsbeschränkungen, Umfassungsmauern, verschließbare Zugänge.

Gesellschaftliche Funktionen mini|Namensstelen an einem Gemeinschaftsgrab mit anonymen Gräbern, Friedhof Stuhr-Moordeich Neben der kultisch-rituellen Funktion übernehmen Friedhöfe weitere Aufgaben: So dienen sie in vielen Gesellschaften der öffentlichen Hygiene, da die Beerdigung in öffentlich geregeltem Rahmen und an hierzu vorgesehenen Orten der Ausbreitung von Seuchen und der Belastung des Grundwassers vorbeugt. Aus diesem Grund hat sich in Deutschland der Friedhofszwang entwickelt. Durch die Vorschrift, Menschen nur auf Friedhöfen beizusetzen, wurden anfänglich hygienische Standards erfüllt. Eine Ausnahme hiervon bildete lange Zeit die Seebestattung von Urnen und Sonderregelungen in einigen Bundesländern. So finden sich zunehmend Alternativen zu Bestattungen auf gesondert eingerichteten Gebieten.

Aufgrund ihrer kulturell herausragenden Rolle stehen nicht wenige Friedhöfe unter Denkmalschutz und sind touristische Attraktionen. Dies liegt in ihrem kulturgeschichtlichen, architektonischen oder landschaftsarchitektonischen, oft künstlerischen Wert begründet, der sich in der Anlage oder einzelnen Grabstellen entfaltet hat. Zudem spielt das Gedenken an ausgewählte Verstorbene gesellschaftlich eine große Rolle: Manche Gräber und einige Friedhöfe haben sich zu regelrechten „Wallfahrtsorten“ entwickelt.

In jüngster Zeit sind Familien nicht mehr so ortsgebunden und die Nachfrage nach pflegefreien Gräbern nimmt zu. Gleichzeitig entsteht Nachfrage nach neuen nicht-kirchlichen Varianten der Bestattung, die den Lebensstil oder die Weltanschauung des Verstorbenen widerspiegeln. Veränderte Kultur auf Friedhöfen. Dies sind speziellere Beisetzungen wie die am Weinstock, in Wäldern, in Themengräbern oder wie seit 2015 eröffnete Friedhöfe für die gemeinsame (Urnen-)Beisetzung von Mensch und Tier in einem Grab.Augsburger Allgemeine Gemeinsam bestattet: Haustier als Begleiter bis in den Tod, Oktober 2015.

Für die Sarg- oder Urnenbestattung in Gemeinschaftsgräbern hat sich in jüngster Zeit der Begriff anonyme Bestattung durchgesetzt. Oft können der Name und die Lebensdaten des Verstorbenen gegen eine Gebühr auf einer kollektiven Namenstafel oder auf Grabstelen verewigt werden, so dass im strengen Sinn nicht von einer „namenlosen Beisetzung“ gesprochen werden kann. Nur das Einzelgrab bleibt unbenannt. Durch die sozioökonomische Entwicklung (zunehmende Verarmung, geringere familiäre Bindung, höhere Mobilität) und wachsende Säkularisierung der Bevölkerung ist diese Form der Beisetzung in manchen Gemeinden zur vorherrschenden Bestattungsform geworden.Zahlenangaben zum Friedhof Moordeich in Stuhr (Niedersachsen), abgerufen am 18. August 2018

Künstlerische Funktionen mini|hochkant|Aufwendig gestaltetes Grab des Franz von Brandl in Bad Reichenhall mini|Caspar David Friedrich: Kügelgens Grab, 1822 Friedhöfe können durch Bauwerke auf ihnen (beispielsweise Mausoleen) oder durch die künstlerische Gestaltung von Gräbern oder der Anlage als Ganzer ästhetisch ansprechend sein. Im Jahr 2010 wurden sehenswerte, gehobenen künstlerischen Ansprüchen genügende Friedhöfe in Europa durch die Europäische Route der Friedhofskultur miteinander verbunden.

Friedhöfe wurden auch immer wieder als Schauplätze literarischer und bildender Kunstwerke verwendet. Sie sind in Volkssagen und Geistergeschichten verschiedener Kulturen wichtige Schauplätze. Große Beliebtheit erfuhren Friedhöfe als literarische Bezugswelt mit dem Aufkommen der Schauerliteratur und der Horrorliteratur im England des späten 18. Jahrhunderts. Johann Wolfgang von Goethes Ballade Der Totentanz spielt sich auf einem Friedhof ab. In der deutschen Romantik waren Friedhöfe im Zusammenhang mit dem Motiv der Todessehnsucht von Bedeutung. Dieser idyllische Blick steht im Widerspruch zu der verbreiteten Wahrnehmung des Friedhofs als schauerlicher Ort. Gemälde und Zeichnungen von Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus zeigen Friedhöfe – wie Kirchen, Klosterruinen und Hünengräber – meist in melancholischer Einsamkeit. In Wilhelm Müllers Zyklus Winterreise setzt sich das lyrische Ich im Gedicht Das Wirtshaus auf einem Friedhof mit der Todessehnsucht auseinander.

In der Horrorliteratur und dementsprechend im Horrorfilm gehören Friedhöfe zu beliebten Schauplätzen. Die Gothic-Subkultur bezieht sich in ihren künstlerischen Erzeugnissen häufig auf Friedhöfe. Einige Anhänger der Gothic-Kultur nutzen Friedhöfe für Veranstaltungen oder als alltäglichen, enttabuisierten Aufenthaltsort.

Ökologische Funktionen Städtische Friedhöfe bilden, sofern sie begrünt sind, einen Ausgleich zum verdichteten Umfeld und übernehmen neben Parkanlagen und Alleen wichtige klimatische und ökologische Funktionen. In einigen Fällen sind sie Sekundärbiotope, die seltenen Arten ein wichtiges Rückzugsgebiet bieten. Manche Friedhöfe übernehmen Teilfunktionen von Naherholungsgebieten.

Planung, Gestaltung, Infrastruktur und Abteilungen mini|hochkant|Gießkannenbaum mini|hochkant|Verfallende Gräber, hier auf einem Dorffriedhof in Frankreich mini|hochkant|Auf dem US-amerikanischen Nationalfriedhof Arlington wird mit Schildern um „Ruhe und Respekt“ gebeten. Friedhöfe, besonders in dörflichen Gemeinden, sind mitunter seit Langem genutzte Kirchhöfe. In Städten oder Siedlungen mit größerem Einzugsgebiet sind es unter anderen Begräbnisgewohnheiten angelegte und geplante Areale. Manche neueren Flächen sind von vorneherein als Parkfriedhof gestaltet. Städtische Friedhöfe werden vor ihrer Inbetriebnahme mit der zugehörigen Infrastruktur geplant. Bei der Flächenplanung des Friedhofs wurde zur Zeit seiner Entstehung im Normalfall eine langfristige Bedarfsplanung zugrunde gelegt, die die Größe des Areals bestimmt. Viele Friedhöfe wurden schon vor über 100 Jahren geplant und eingerichtet. Die Erschließung und Gestaltung des Geländes erfolgte unter Rahmenbedingungen, als die Ästhetik und die Landschaftsarchitektur anderen Vorstellungen folgte. Die Einrichtung beinhaltet die Erschließung über Wege, die Parzellierung und die Geländeaufteilung nach verschiedenen Kriterien, die Bepflanzung sowie den Bau und die Einrichtung infrastruktureller Bestandteile. Neben dem Bau einer Leichenhalle, einer Feierhalle, von Verwaltungsgebäuden, eventuell einer Blumenhalle gehört die Zuführung von Gießwasser zu Brunnen dazu.

Kleine Friedhöfe sind meist nicht in verschiedene Bereiche untergliedert. Insbesondere in Großstädten existieren Abteilungen für verschiedene Religionen, für unterschiedliche Bestattungsarten, für wohlhabende Familien oder Flurstücke für Ehren- und Soldatengräber. Diese Gliederung wird durch Achsen, einen zentralen Teil oder Aufteilungen in Viertel erreicht. Die Mittelachsen oder Hauptalleen führen vom Haupteingang zum Mittelpunkt des Geländes. Häufig sind an der Hauptallee die bevorzugten Plätze für Ehrengräber oder für besonders ausgestattete Grabstellen. Größere Friedhöfe, die sich meist in Großstädten befinden, verfügen häufig über Verkaufsautomaten für Grablichter.

Die Friedhofsverwaltung hält die Infrastruktur bereit und instand. Nicht zwangsläufig ist der Sitz der Verwaltung auf dem Friedhofsgelände. Zur Infrastruktur eines Friedhofs gehören: Wege und deren Begehbarkeit Umfriedung des Geländes Einrichtungen zur Bestattung Trauerhalle zur Aufbahrung der Toten Kapelle, Feierhalle oder gar eine Kirche Gegebenenfalls ein eigenes Krematorium Installationen für Grün- und Grabpflege Wasseranschluss Entsorgung von Grünabfällen Gegebenenfalls eine Friedhofsgärtnerei

Hinzu kommt in unmittelbarer Umgebung des Friedhofs eine mehr oder weniger ausgeprägte sekundäre Infrastruktur, die privat betrieben wird. Gärtnereien Blumenhandel Steinmetz Grabsteinanbieter Devotionalienhandel Gastronomische Einrichtungen wie Cafés, Restaurants, Kioske In Deutschland gibt es insgesamt etwa 32.000 Friedhöfe.

Geschichtliche Entwicklung Vorchristliche Zeiten mini|Megalithreihen in Carnac, Frankreich mini|Das Tal der Könige in Luxor, Ägypten mini|Antiker Friedhof im Stadtteil Kerameikos, Athen mini|Muslimischer Friedhof bei Sonnenuntergang in Marrakesch, Marokko

Grab- und Kultstätten sind die ältesten Zeugnisse menschlicher Zivilisation. Bereits in der frühen Steinzeit gingen die Menschen dazu über, ihre Toten im Zusammenhang mit unterschiedlichen Vorstellungen über Weiterleben oder einfacher Ahnenehrung zu bestatten. Vor der Sesshaftwerdung des Menschen entstanden von Familien genutzte gesonderte Familienbegräbnisplätze. Als sesshafte Menschen dauerhaft zusammenlebten, entstanden festgelegte Orte, an denen Bestattungen abgehalten wurden. Aus der Jungsteinzeit sind beispielsweise die Megalithgräber erhalten.