mini|Lady Arbella Stuart im Jahr 1589 Lady Arbella Stuart (auch Arabella, Arbelle) (verheiratete Seymour, * 1575; † 27. September 1615 im Tower of London) war eine englische Adlige, Nichte der schottischen Königin Maria Stuart, Cousine des Königs Jakob I. und eine Ehrendame seiner Ehefrau Königin Anna. Über ihre Großmutter Margaret Douglas war sie eine Urenkelin der englischen Prinzessin und schottischen Königin Margaret Tudor und somit eine entfernte Verwandte von Königin Elisabeth.
In Elisabeths letzten Jahren wurde Arbella im In- und Ausland lange Zeit als mögliche Thronfolgerin gehandelt, da sie im Gegensatz zu Jakob von englischer Geburt war. Sie wurde daher auf Befehl Elisabeths bis zu ihrem 27. Lebensjahr unter strenger Obhut ihrer Großmutter mütterlicherseits, Bess of Hardwick, gehalten. Um ihrem eingeengten Dasein zu entfliehen, verstrickte sich Arbella mehrere Male in Komplotten. So versuchte sie heimlich eine Ehe mit einem weiteren Thronprätendenten zu schließen und behauptete, mit Hilfe eines erfundenen Liebhabers Verschwörungen gegen Königin Elisabeth aufdecken zu wollen. Aus diesem Grund hielten Zeitgenossen sie streckenweise für geistesgestört.
Erst unter Jakobs Herrschaft durfte Arbella an den Hof zurückkehren. Nach einer unerlaubten Heirat mit William Seymour, Enkel der ebenfalls königlichen Lady Catherine Grey, ließ Jakob seine Cousine bis zu ihrem Tod inhaftieren.
Leben Kindheit Arbella war das einzige Kind von Charles Stewart, 1. Earl of Lennox (1557–1576), aus dessen Ehe mit Elizabeth Cavendish (1555–1582). Als Tochter eines Earls führte sie seit Geburt das Höflichkeitsprädikat Lady. Die Ehe ihrer Eltern begann turbulent. Charles Stewarts Mutter war Margaret Douglas, Tochter der englischen Prinzessin und Königin von Schottland, Margaret Tudor. Somit war Charles ein potentieller Thronfolger, weshalb er für eine Heirat die Erlaubnis der Königin Elisabeth I. benötigte. Während eines Besuchs seiner Mutter Margaret Douglas bei Bess of Hardwick heiratete er jedoch völlig unerwartet Elizabeth Cavendish. Charles’ älterer Bruder Henry Stuart, Lord Darnley, hatte seinerzeit ohne Erlaubnis die schottische Königin Maria Stuart geheiratet, weshalb Elisabeth der Familie misstraute. Noch explosiver war die Tatsache, dass Bess’ Ehemann George Talbot, 6. Earl of Shrewsbury, Wächter der gefangenen Maria Stuart war und diese beherbergte. Abgesehen davon war Königin Elisabeth außer sich, dass ein weiterer Verwandter ohne Erlaubnis geheiratet hatte. Wenig später fand sich Margaret Douglas für die Ehe ihres Sohnes zum dritten Mal im Tower of London inhaftiert, wenngleich sie nach kurzer Zeit wieder entlassen wurde.
links|mini|hochkant=1|Arbella Stuart als Zweijährige Arbellas genaues Geburtsdatum ist unbekannt. Margaret Douglas schrieb am 10. November 1575 ihrer gefangenen Nichte Maria Stuart: „Ich schulde Eurer Majestät meinen untertänigsten Dank für Eure Erinnerung und Großzügigkeit an unsere kleine Tochter hier“, weshalb Arbellas Geburt vor diesem Zeitpunkt stattgefunden haben muss. Arbella selbst erklärte später, sie sei am 6. Februar 1603 siebenundzwanzig Jahre alt geworden. Ihr Name, ungewöhnlich für die damalige Zeit, wurde möglicherweise von der schottischen Königin Annabella Drummond abgeleitet, da Arbella über ihren Großvater väterlicherseits, Matthew Stewart, 4. Earl of Lennox, auch einen Anspruch auf den schottischen Thron hatte. Ein Jahr nach ihrer Geburt starb ihr Vater Charles und Arbella lebte bis zum Frühling 1578 bei ihrer Großmutter Margaret Douglas, der sie laut Zeitgenossen sehr ähnlich sah. Obwohl sie als Charles’ Tochter Ansprüche auf dessen Nachlass einschließlich des Titels einer Countess of Lennox gehabt hätte, verweigerten ihr die Schotten die dazugehörigen Ländereien und verliehen den Titel stattdessen dem nächstberechtigten männlichen Verwandten, einem Onkel ihres Vaters.
Margaret Douglas starb im März 1578 und vermachte Arbella ihre Juwelen. Allerdings behauptete ihr Testamentsvollstrecker Fowler wenig später, sie seien ihm gestohlen worden. Pikanterweise fanden die Juwelen ihren Weg zu Arbellas Cousin Jakob, weshalb mitunter vermutet wird, dass Fowler sie nach Schottland schmuggelte. Auch sonst blieb Arbella wenig vom Erbe ihrer Großmutter. Kurz nach Margaret Douglas’ Beerdigung konfiszierte Königin Elisabeth die verbliebenen Lennox-Ländereien als Gegenleistung für das fürstliche Begräbnis, das sie ihrer Cousine ausgerichtet hatte. Am 21. Januar 1582 starb Arbellas Mutter. Sie wurde in die Obhut ihrer zweiten Großmutter gegeben, Bess of Hardwick, die das Kind als ihr „Juwel“ bezeichnete.
Bess setzte wenige Tage nach Elizabeths Tod alle Hebel in Bewegung, um Arbella eine Leibrente zu sichern. Auch betrachtete sie es als ihre Pflicht, dem Mädchen eine Ausbildung zu ermöglichen, wie sie einer Prinzessin zustand. „Ich sorge für ihre Bildung, als wäre sie mein leibliches, einziges Kind und weitaus mehr, da sie mit ihrer Majestät blutsverwandt ist“. Arbella erhielt daher Unterricht in Latein, Italienisch, Französisch, Spanisch, Griechisch und sogar Hebräisch. Da Bess eine Zeitlang mit Maria Stuart befreundet war und viel Zeit mit ihr verbrachte, ist es möglich, dass Arbella ihre angeheiratete Tante persönlich kannte. Maria schrieb liebevoll von „Arbelle, meiner Nichte“ und unterstützte ihren Anspruch auf die Lennox-Ländereien. Nach Marias Hinrichtung erbte Arbella ihr Book of Hours, eine Mischung aus Gebetbuch und Tagebuch.
Bedeutung für die Thronfolge Durch ihre Abstammung von Margaret Tudor hatte Arbella einen Anspruch auf die englische Krone. Elisabeth selbst war alt und kinderlos, weshalb die Linie Heinrichs VIII. mit ihr ausstürbe. Somit rückten die Nachkommen seiner Schwestern Margaret und Mary Tudor in den Vordergrund. Laut der Gesetze der Primogenitur standen die Nachkommen Margaret Tudors an erster Stelle, da Margaret die älteste Schwester war. Margarets Urenkel Jakob I., Sohn Maria Stuarts und ihres Cousins Henry Stuart, Lord Darnley, war bereits König von Schottland und hatte den besten Anspruch. Seine beiden Eltern stammten von Margaret Tudor ab, Maria Stuart von der älteren Linie mit der höchsten Seniorität. Allerdings waren Ausländer traditionell von der englischen Thronfolge ausgeschlossen, weshalb sein Anspruch nicht unangefochten war.
Weitere Abkömmlinge Margaret Tudors waren die Nachkommen ihrer Tochter Margaret Douglas. Ihre Söhne, Lord Darnley und Charles Stuart, starben früh und vermachten ihren Anspruch auf den Thron ihren jeweiligen Kindern – Jakob und Arbella. Manche Zeitgenossen fanden Arbellas Recht für besser begründet als das Jakobs, weil sie im Gegensatz zu ihm in England geboren war. Einige hielten sie für die rechtmäßige Nachfolgerin Königin Elisabeths. Problematisch war, dass Heinrich VIII. in seinem Testament Margaret Tudors Nachkommen von der Thronfolge ausgeschlossen und stattdessen die Nachkommen seiner jüngeren Schwester Mary begünstigt hatte. mini|hochkant=1|Elisabeth I. von Hans Eworth, um 1570 Elisabeth bevorzugte jedoch zeit ihres Lebens den Anspruch Maria Stuarts und später Jakob I., fürchtete aber stets, sich durch die vorzeitige Benennung eines Nachfolgers verwundbar zu machen. Daher nutzte sie Arbellas Existenz, um Jakob im Ungewissen zu halten. So sagte sie zur Ehefrau des französischen Botschafters, während sie auf Arbella zeigte: „Seht sie Euch gut an, eines Tages wird sie wie ich sein und eine große Herrin. Aber ich werde vorher gegangen sein.“
Arbella war sich ihres besonderen Status durchaus bewusst. Ihre Großmutter Bess bestand darauf, dass die Diener zu Hause vor ihr knieten und sie mit „Hoheit“ ansprachen. Auch war sie durch ihre königliche Abstammung eine begehrte Partie. Schon 1584 hatte der langjährige Favorit der Königin, Robert Dudley, 1. Earl of Leicester, für seinen Sohn um Arbellas Hand geworben. Allerdings starb der Junge kurz darauf. Königin Elisabeth nutzte Arbellas königliche Abstammung eine Weile für Heiratsversprechen mit dem Ausland, um sich politische Bündnisse offen zu halten. So schlug sie u. a. vor, Arbella mit Ranuccio Farnese, dem Herzog von Parma, zu verheiraten.
Als Arbella im Alter von 13 Jahren zum ersten Mal bei Hofe erscheinen durfte, empfing die Königin sie mit allen Ehren und erlaubte ihr, während des Essens an ihrem Tisch neben ihr zu sitzen, eine außergewöhnliche Ehre. Arbella sollte später erzählen, dass die Königin sie als „Adlerjunges von ihrer eigenen Art“ bezeichnet habe und sie machte auch bei den Höflingen einen guten Eindruck. Doch bereits ein Jahr später, als Arbella ein weiteres Mal bei Hofe war, ereignete sich ein Zwischenfall, der dazu führte, dass die Königin Arbella nach Hause sandte. Der venezianische Botschafter schrieb, Arbella
links|mini|hochkant=1|Arbella Stuart um 1589, Künstler unbekannt
Ob sich dieser Vorfall tatsächlich so abspielte, ist ungewiss, da einige weitere Informationen des venezianischen Botschafters in diesem Brief nachweislich falsch sind. Zudem hatte er den Vorfall nicht persönlich beobachtet, sondern lediglich davon gehört. Nach den Gesetzen des Hofprotokolls hätte Arbella in der Tat der Vortritt vor den anderen Damen zugestanden. Andere Quellen besagen, dass die Königin eifersüchtig wurde, als Arbella zu vertraut mit Robert Devereux, dem jungen Favoriten der Königin, wurde. Noch Jahre später erinnerte sich Arbella dankbar an ihren „edlen Freund, der mich in seinem größten, glücklichen Geschick beehrte, trotz des Risikos, die Gunst ihrer Majestät für ihn zu verdunkeln“. Von allen Streitigkeiten bei Hofe abgesehen war die Königin vollauf mit Vorbereitungen gegen die Spanische Armada beschäftigt und hatte daher allen Grund, sämtliche Mitglieder der königlichen Familie so weit wie möglich von eventuellen Kriegsschauplätzen zu entfernen. In jedem Fall wurde Arbella nach Wingfield, Derbyshire geschickt.
Obwohl die Bedrohung durch die Armada abgewandt wurde, verblieb Arbella unter der Vormundschaft ihrer Großmutter. Allerdings begannen sich erste Konflikte abzuzeichnen. Kurz nach dem Sieg über die Armada bat Nicholas Kinnersley, Verwalter von Wingfield, Bess möge kommen und ihre Enkelin zur Ordnung rufen, da diese sich seit sechs Tagen geweigert hatte, zum Unterricht zu erscheinen. George Talbot selbst erzählte einem Freund, dass Arbella „daran gewöhnt war, mit meiner Frau und ihrer Tochter Mary die Oberhand zu behalten, doch nun ist es anders, wie mir gesagt wurde, denn ihnen wurde von Freunden am Hof mitgeteilt, dass es Abneigung hervorrief“. Erst im Jahr 1591 wurde sie an den Hof zurückgerufen, offiziell um ihre Heirat zu besprechen und dafür Porträts von ihr anfertigen zu lassen. Gemeinsam mit ihrer Großmutter verbrachte sie das Weihnachtsfest bei Hofe. Auch wurde sie zum ersten Mal per Brief von ihrem Cousin König Jakob kontaktiert. Im Frühjahr 1592 verließ sie den Hof wieder. Sie sollte ihn für den Rest von Elisabeths Herrschaft nicht wieder betreten.
Die nächsten Jahre verbrachte Arbella isoliert auf dem Lande unter der Obhut ihrer Großmutter, mit der sie sich immer häufiger im Konflikt befand. Bess hielt sie unter sehr strenger Aufsicht.
Grund für diese strenge Bewachung waren u. a. Gerüchte, dass die Katholiken planten, Arbella nach Flandern zu entführen, sei es, um sie später als Königin zu inthronisieren oder um Platz zu schaffen für die katholischen Nachkommen Margaret Cliffords, einer Enkelin Mary Tudors. Über Arbellas Religion wurde spekuliert, doch sie selbst sagte, sie würde mit „Papisten, Türken, Juden oder Ungläubigen“ gehen, wenn es ihr nur die Freiheit gab.