mini|Steeldartboard mini|Ein Dart-Turnier vor Publikum Darts, auch Dart (süddeutsch Spicken/Spicker/Spickern), ist ein Wurf- und Präzisionssport sowie ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem mit Pfeilen (den Darts) auf eine runde Dartscheibe geworfen wird.
Entstehung mini|Darts in einem Londoner Pub Darts als Waffen Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert lassen vermuten, dass das Vereinigte Königreich das Mutterland des Darts ist. Der Name jedoch stammt aus dem Französischen. Die Franzosen pflegten bei Schlachten kleine speerähnliche Wurfpfeile als Waffen einzusetzen – die Darts. Auf den britischen Inseln war diese französische Waffe ebenfalls bekannt. Angeblich schenkte Anne Boleyn ihrem Mann Heinrich VIII. einen Satz dieser Pfeile. Trotz der Herkunft wird das Spiel in Frankreich Les fléchettes genannt.
Nach Keith Turner sind die Darts die jüngsten pfeilähnlichen Waffen. Sie entstanden nach seiner Recherche vor 2400 Jahren.Keith Turner: Darts – the complete book of the game. Harper Perennial 1985, ISBN 0-06-097006-5. Pfeil und Bogen wurden vor 30.000 Jahren erstmals verwendet, Wurfspeere bereits vor 400.000 Jahren.
Als Plumbata kamen bei den Römern kleine, mit Bleigewichten beschwerte und mit Widerhaken versehene Wurfpfeile zum Kriegseinsatz.Bild der Plumbata Dabei stammt der Name vom eiförmigen Bleigewicht, das die Eisenspitze mit dem Schaft aus Holz verband. Die Spitze hatte meist drei Widerhaken. Der lanzenartige Schaft war recht kurz und hatte ein Leitwerk. Im Byzantinischen Reich ordnete der Feldherr Belisar, der unter dem römischen Kaiser Justinian I. diente, seinen Infanteriesoldaten an, dass sie drei dieser kurzen Wurfspeere in ihren Schilden befestigen sollten. Strategisches Ziel dieser Maßnahme war es, der gegnerischen Kavallerie ordentlich zuzusetzen. Ob Pferde oder Reiter verletzt wurden, war zweitrangig, solange die Bewegungsfreiheit der gegnerischen Kavallerie dahin war. Selbst Rüstungen konnten kaum einen Schutz gegen diese durchschlagkräftigen Waffen bieten. Die leicht bewaffneten Schleuderer (Ferentarii oder auch Matiobarbulii genannt) wurden für solche Einsätze kurzzeitig aus den hinteren Reihen nach vorn beordert, um die gegnerischen Truppen in Unordnung zu bringen und dann wieder hinter den schwer bewaffneten Lanzen- und Schwertkämpfern ihren Platz einzunehmen. Funde von Plumbatae aus verschiedenen Ländern belegen, dass diese nicht nur im oströmischen Reich eingesetzt wurden. Selbst in Deutschland (Haltern) hat man derartige Funde aus dem 1. Jahrhundert gemacht, was durchaus die Annahme zulässt, dass Plumbatae, wie so oft als effektive Waffen von außen in die römischen Truppen übernommen wurden – also keine römische Erfindung sind.
Dartsport Der Dartsport entstand wahrscheinlich zwischen 1860 und 1898. Im letztgenannten Jahr ließ ein Amerikaner die ersten für Darts entwickelten Papier-Flights (Flügel am Ende des Schaftes zur Stabilisierung des Flugverhaltens) patentieren. Die ersten sportlichen Wettbewerbe fanden Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbritannien statt.
Im Jahre 1896 legte Brian Gamlin, ein Zimmermann aus Lancashire, die Einteilung der Zahlen auf der Dartscheibe fest. Im Jahre 1898 lösten Papierflügel die bis dahin verwendeten Truthahnfedern ab. 1901 erschien im Stationer, Printer & Fancy Trades Register die erste bekannte Anzeige über Dartboards. Im Jahre 1902 vermeldete eine Lokalzeitung aus Lancaster die ersten Dartwürfe mit der höchsten Punktzahl von 180 Punkten. Im Jahre 1906 wurde in Yorkshire der bis dahin hölzerne Dartkörper durch Metall ersetzt.
Im Jahre 1908 wurde das Dartspiel zum Geschicklichkeitsspiel erklärt – mit der Folge, dass es nun in Pubs gespielt werden durfte. Es wird berichtet, dass der Gastwirt Jim Garside, Inhaber des Adelphi Inn in Leeds, wegen Wetten auf ein Glücksspiel (nämlich Darts) angeklagt war. Während der Gerichtsverhandlung gegen ihn ging er mit Unterstützung des besten Dartspielers der Gegend, William „Bigfoot“ Anakin, in die Offensive. Es wurde eine Dartscheibe im Gerichtssaal aufgehängt und Anakin bewies dem Gericht seine Treffsicherheit, indem er dreimal die 20 traf. Ein Gerichtsdiener, der ihm nacheifern wollte, traf nur mit einem Pfeil die Scheibe, woraufhin Anakin die Demonstration seiner Treffsicherheit nochmals steigerte, indem er dreimal die zweifache 20 traf. Von so viel Können waren die Richter beeindruckt und fällten das Urteil: This is no game of chance – Dies ist kein Glücksspiel.
Dartscheibe mini|Standardisiertes Dartboard mini|Ergebnisse für jede Region einer Dartscheibe (nicht maßstabsgetreu)
Sektoren Ähnlich wie beim Bogenschießen liegt der Ursprung der Dartscheibe bei den Wagenrädern. Diese wurden im England des 12. Jahrhunderts zum Zielschießen verwendet. Später wurden den Abständen zwischen bestimmten Speichen besondere Werte zugeschrieben, während der Treffer in der Nabe (Bull’s Eye) immer den höchsten Wert hatte.Arnd Krüger: Der Sport vor dem "englischen Sport" in England und auf dem Kontinent.(S. 36–54). Christian Becker, Cornelia Regin, Anton Weise (Hrsg.): Als der Sport nach Hannover kam. Geschichte und Rezeption eines Kulturtransfers zwischen England und Norddeutschland vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Münster 2015, LIT, ISBN 978-3-643-13152-2. Die Dartscheibe (engl. Dartboard) unterteilt sich in 20 SektorenDer in der deutschen Terminologie des Darts aus dem Englischen übernommene Begriff Segment ist im geometrischen Sinne kein Segment, sondern ein Sektor. mit der Wertigkeit 1 bis 20 und den Mittelpunkt Single Bull (grün) = 25 und Bull’s Eye (rot) = 50 Punkte.
Die Sektoren verteilen sich (im Uhrzeigersinn, beginnend bei 12 Uhr) wie folgt um den Mittelpunkt:
20 – 1 – 18 – 4 – 13 – 6 – 10 – 15 – 2 – 17 – 3 – 19 – 7 – 16 – 8 – 11 – 14 – 9 – 12 – 5.
Diese Reihenfolge wurde 1896 vom englischen Zimmermann Brian Gamlin festgelegt und sollte wahrscheinlich zur Bestrafung von Ungenauigkeit dienen und das Element des Zufalls einschränken. Die Zahlen sind so angeordnet, dass sie Treffsicherheit erfordern. Deswegen liegen neben zweistelligen Zahlen zumeist einstellige Zahlen (zum Beispiel die 20 zwischen 1 und 5).
Das Zentrum der Scheibe ist in zwei unterschiedliche Felder unterteilt. Der äußere Ring, das Bull (auch: Outer-Bull oder Single-Bull, grün) zählt 25 Punkte. Der innere Kreis, das Bull’s Eye (auch Inner-Bull oder Double-Bull, rot (bei manchen älteren Scheiben schwarz)), zählt 50 Punkte. Das Bull’s Eye darf in der Spielvariante Double-Out zum Beenden eines Legs (oder zu Spielbeginn mit Double-In) verwendet werden, denn es zählt als Doppel-Feld.
Der innere schmale Ring ist das Triple (im Englischen auch Treble). Trifft ein Pfeil in diesen Bereich, verdreifacht sich der Wert des Feldes. Der äußere schmale Ring (Double) verdoppelt die Punktzahl.
Entgegen vielen Anfängermeinungen bringt somit nicht das Bull’s Eye, also die Boardmitte, die meisten Punkte, sondern die Triple 20. Da hierbei der Wert der 20 verdreifacht wird, ist ein Treffer 60 Punkte wert.
Die Steeldartscheibe besteht aus Sisalfasern, die gelegentlich als Schweineborsten bezeichnet werden. Einfachere Scheiben werden aus Kork oder Papier gefertigt.
Die Sektoren sind durch ein Netz aus Draht entlang der Sektorengrenzen getrennt. Diese Drahtkonstruktion wird Spinne genannt.
Quadruple Board In den 1990er Jahren wurden sogenannte „Quadruple“ oder „240er“ Dartscheiben produziert und auch in offiziellen Wettkämpfen eingesetzt. Diese Dartboards besitzen einen weiteren schmalen Ring zwischen dem Dreifach-Ring und dem „Bull“, dessen Werte sogar vervierfacht werden. Dadurch ist der höchstmögliche Wert eines Wurfs auf diese Boards 80, mit drei Pfeilen sind insgesamt 240 Punkte möglich. Da diese Änderung jedoch insgesamt wenig Anklang fand, kehrte man wieder zu den vorherigen Boards ohne Vierfach-Ring zurück. Inzwischen sind Vierfach-Boards selten geworden und begehrte Sammlerstücke.
Abmessungen der Dartscheibe mini|Elemente und Abmessungen
Nach der Sport- und WettkampfordnungSport- und Wettkampfordnung des Deutschen Dartverbands (Stand: Oktober 2019) des Deutschen Dartverbandes: Double- und Triple-Ring (Innenmaß) 8,0 mm Durchmesser des Doppelbull (Innenmaß) 12,7 mm Größe des gesamten Bull (Innenmaß) 31,8 mm Entfernung vom äußeren Doppeldraht zum Bull 170,0 mm Entfernung vom äußeren Tripledraht zum Bull 107,0 mm Entfernung von einem äußeren Doubledraht zum gegenüberliegenden äußeren Doubledraht 340,0 mm Drahtdurchmesser: 16–18 SWG (entspricht etwa 1,2 bis 1,6 mm)
Aus diesen Maßen ergibt sich somit ein Erwartungswert, also der Wert, den man erhält, wenn man einen Dartpfeil zufällig in den mit mehr Punkten als 0 versehenen Bereich wirft, bei 12,824 Punkten. Bei einem üblichen 3-Dart-Average bekäme man bei zufälligen Würfen einen Average von 38,47 Punkten pro Aufnahme.
Positionierung mini|Abmessungen beim Dartspiel(bei Soft Dart ist die Mitte der Scheibe bei nur 1,72 m)
Die Höhe bis zum Mittelpunkt der Dartscheibe ist 1,73 m über dem Boden (1,72 m laut Angabe des DSAB – Deutscher Sportautomatenbund e. V.) Der Spieler stellt sich hinter der Wurflinie (Oche) auf, um die Pfeile auf die Scheibe zu werfen. Der horizontale Abstand der Wurflinie (Oche) bis zur Scheibe beträgt 2,37 m (2,44 m bei Soft Darts bis Ende 2015).DSAB gibt Abstandsänderung ab 2016 bekannt Die American Dart League gibt einen Abstandsbereich an: zwischen 7 Fuß Zoll (2,37 m) und 8 Fuß (2,44 m). Somit beträgt das Diagonalmaß (Abstand vom Bull direkt zum Oche) ungefähr 2,93 m. Seitlicher Abstand der Scheibenmitte zur Wand mindestens 0,90 m, zwischen zwei Scheiben mindestens 1,80 m Der Freiraum hinter der Abwurflinie soll 1,25 m betragen.
Dartpfeile Jeder Spieler hat drei Pfeile, Darts genannt. Darts bestehen aus einer Spitze, dem Barrel, dem Schaft (engl. Shaft) und einem Flight. Letzteres sind schmale Flügel oder Blättchen, die den Wurfpfeil auf Kurs halten. Man unterscheidet zwei Arten von Darts: Steel- und Soft-Darts.
Aufbau eines Dartpfeils mini|hochkant=1.5 Tip oder Point: Es gibt verschiedene Arten von Points, bestehend aus Kunststoff („Soft“) oder Stahl („Steel“). Es kann ebenfalls aufschraubbare Stahlspitzen für Softdarts geben, Conversion Points. Stahlspitzen sind in verschiedenen Längen und Ausführungen erhältlich. Steelpoints sollen in der Regel nicht gespitzt, sondern abgerundet sein. Dies verhindert eine allzu schnelle Abnutzung der Boards und die Darts hängen besser und stabiler im Board, was für höhere Scores sorgen kann. Barrel: Hier wird zwischen „Brass“ (Messing), „Tungsten“ (Wolfram) und „Nickel“ unterschieden. Bei Tungsten Barrels wird der Wolfram-Anteil in Prozent angegeben, je höher die Prozentzahl, desto dünner kann der Barrel bei gleicher Masse hergestellt werden (entspricht einer höheren mittleren Dichte), was eine engere Gruppierung auf dem Board ermöglicht. Barrels sind in verschiedenen Formen und Gewichten erhältlich. Außerdem sind noch bewegliche Spitzen (Powerpoint, Hammerhead) erhältlich, die Bouncer (Abpraller) vermindern sollen. Bewegliche Spitzen passen nur in dafür hergestellte Barrels, da sie ein besonders tief geschnittenes Gewinde erfordern. Außer den normalen Barrels gibt es M3-Barrels, bei denen die Gewinde außen liegen, der Barrel kann damit bei höherem Gewicht noch dünner gefertigt werden. Für M3-Barrels gibt es spezielle Shafts und Spitzen. O-Ring: Er ist ein kleiner Gummiring, der auf das Gewinde von Shafts aus Aluminium- oder kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff aufgesetzt wird und verhindert, dass sich die Shafts beim Spielen lösen und so die Stabilität des Darts verringern. Bei Nylonshafts sind O-Ringe überflüssig, da sie sich normalerweise nicht lösen. Anfangs gab es von verschiedenen Herstellern (z. B. von Loctite) eine Art Schraubensicherungsmittel, die das Lösen der Schäfte verhindern sollte.