Sierra Leone ( [],Duden []),Collins English Dictionary offiziell Republik Sierra Leone (), ist ein Staat in Westafrika, der im Norden und Osten an Guinea, im Südosten an Liberia und im Westen an den Zentralatlantik grenzt. Die Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Freetown.
Im Gegensatz zu der weiter nördlich gelegenen Sahelzone bestanden im Gebiet des heutigen Sierra Leone keine Großreiche wie das Malireich. Im 17. Jahrhundert dominierten die Engländer den Sklavenhandel an der sierra-leonischen Küste. 1808 wurde die Halbinsel Freetown Peninsula formell zur britischen Kronkolonie erklärt. Nachdem das Land 1961 die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangt hatte, wurde es knapp zehn Jahre später nach heftigen Kontroversen zur Republik erklärt.
Nach einem Jahrzehnt blutigen Bürgerkrieges von 1991 bis 2002, der zehntausende Todesopfer forderte, ist das Land mit seinem Wiederaufbau und der Aufarbeitung der jüngeren Geschichte beschäftigt. Das Land ist hoch verschuldet und zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Die 2014 ausgebrochene Ebolafieber-Epidemie hat die humanitäre Notlage weiter verschlimmert. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zählt Sierra Leone zu den Ländern mit geringer menschlicher Entwicklung.
Etymologie und Verwendung des Namens rechts|Sierra Leone-Mappa Der portugiesische Entdecker Pedro de Sintra erreichte die sierra-leonische Küste im Jahre 1460. Der von de Sintra verliehene Name Serra Lyoa stammt aus dem Portugiesischen und bedeutet „Löwengebirge“. Er bezog sich ursprünglich nur auf die gebirgige Region südlich von Freetown, wurde aber schon kurze Zeit nach der Entdeckung als Toponym für den ganzen Küstenabschnitt der heutigen Western Area verwendet.
Wie Duarte Pacheco Pereira mitteilt, hatte de Sintra nach eigener Auskunft den Gebirgszug so benannt, weil ihm die Gebirgslandschaft „rau und wild“ erschien und er damit metaphorisch einen Löwen assoziierte.Vgl. Ankenbauer (2010), S. 166–167. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde der Name von englischen Seeleuten in Sierra Leoa und später in Sierra Leone geändert.
Laut StAGN heißen im deutschsprachigen Raum Personen dieses Landes Sierra-Leoner oder Sierra Leoner.http://www.stagn.de/liste-staatennamen
Geographie
Das Land liegt in Westafrika an der westafrikanischen Atlantikküste und besetzt die Breitengrade von 7°–10° nördlicher Breite und die Längengrade von 10°–13° westlicher Länge.
Sierra Leone grenzt im Nordwesten, Norden und Nordosten an Guinea und im Südosten an Liberia. Im Westen und Südwesten liegt der Atlantik. Die Landesgrenzen sind insgesamt 1495 Kilometer lang, davon 794 Kilometer mit Guinea und 299 Kilometer mit Liberia. Die Küstenlänge beläuft sich auf 402 Kilometer.
Eine bis zu 110 Kilometer breite Ebene zieht sich an der Küste entlang, auf der Freetown Peninsula erheben sich die Löwenberge () mit dem Picket Hill als höchster Erhebung (888 Meter) Statistics Sierra Leone, 2008, S. 2 (abgerufen am 6. März 2015). Einigen Küstenregionen sind bis zu 112 km lange Sandbänke vorgelagert. Hinter der feuchten Küstenebene beginnt das zum Teil landwirtschaftlich genutzte Waldgebiet. Das Land steigt zu den östlichen Guinea Highlands an, einem Hochplateau mit Erhebungen von über 1830 Meter in den Loma Mountains und Tingi Hills. Der höchste Berg ist der Bintumani mit 1948 Meter.
Die wichtigsten Inseln und Inselgruppen sind: Banana Islands Turtle Islands Sherbro Inseln, z. B. Tasso und Bunce, im Mündungsgebiet des Sierra Leone River mini|Weg von Kenema nach Kailahun
Klima mini|Klimadiagramm Freetown Das Klima ist tropisch-feucht mit Niederschlägen bis zu 5000 Millimeter (entspricht Liter pro m²) pro Jahr an den Küstenregionen und gehört damit zu den feuchtesten Regionen Westafrikas. Das Jahr unterteilt sich in eine Regen- und eine Trockenzeit. Da Sierra Leone nördlich des Äquators liegt, beginnt die Regenzeit des westafrikanischen Monsuns Mitte Mai und ist gekennzeichnet durch tägliche Gewitter und Regenfälle. In den Monaten August und September kann es auch ununterbrochen regnen.
Mitte Oktober beginnt die Trockenzeit, Niederschläge werden seltener. Im Dezember und Januar ist das Klima durch den Harmattan geprägt, einen Wind aus der Sahara, der Staub und kühle Luft mit sich bringt. Februar, März und April sind die heißesten Monate mit seltenen Niederschlägen.
Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Norden des Landes in Kabala bei 25,5 °C, im Süden in Bo liegen sie zwischen 20 und 37 °C, an der Küste in Freetown zwischen 23 und 32 °C. Das Küstenklima in Freetown ist tendenziell milder und angenehmer als im Inland.
Wegen des Harmattans sprechen die Einheimischen auch von drei Jahreszeiten: rainy season (Regenzeit), harmattan season (windige Zeit) und dry season (Trockenzeit).
Flüsse mini|Karte der größten Flüsse in Sierra Leone Das gesamte niederschlagsreiche Land entwässert überwiegend relativ geradlinig von Nordosten nach Südwesten in den Atlantik. Die meisten Flüsse in Sierra Leone sind kleinere bis mittlere Küstenflüsse oder deren Nebenflüsse. Es gibt sieben größere Flüsse, von denen sechs ihr Quellgebiet in, beziehungsweise an der Grenze, zu Guinea haben. Der Mano und der Moa entspringen auf oder am Rand der Hochebene von Beyla, der Little Scarcies (Kava; Kaba) und der Great Scarcies (Kolenté) auf beziehungsweise am Rande des Fouta Djallon. Dabei bilden der Great Scarcies, der Moa, der Mano und deren Nebenflüsse, Teile der südlichen und nördlichen Landesgrenze. Die nordöstliche Landesgrenze entspricht der Einzugsgebietsgrenze zum Fluss Niger, wo die beiden Flüsse Rokel (Seli) und Sewa ihre Quellgebiete haben. Ausnahme ist der Taia (Jong; Taye), der mitten im Land seine Quellen hat.
Eine Besonderheit der Region ist, wie auch in den benachbarten Ländern, dass die Flüsse häufig in Ästuare wie den Sherbro oder den Sierra Leone River münden.
Flora Sierra Leone verfügt aufgrund unterschiedlichster Habitate von Küstengebieten über Mangrovensümpfe und Savannen bis zum primären und sekundären Urwald über eine reichhaltige Flora und Fauna. Im Norden befinden sich heiße Savannen, wo während der Regenzeit sogenanntes Elefantengras wächst. Im Süden findet sich niedriges Gras wieder, im Südosten befinden sich Regenwälder mit hohem Gras. Der Großteil dieser Regenwälder ist sekundär.
mini|Zwei Zwergflusspferde Wichtigster Baum im Sumpfland ist die Rote Mangrove, die bis zu 30 m Höhe erreicht. Die Ölpalme ist im ganzen Land verbreitet und wichtig für die Bevölkerung, da das Öl der Pflanze sowohl für den Eigenbedarf als auch für den Verkauf gebraucht wird. Weitere wichtige Nutzpflanzen sind Mangobäume, Rosenapfelgewächse, Guaven und Papaya (lokale Bezeichnung: „Pawpaw“).
Fauna Während des Bürgerkriegs wurden viele Wildtiere für sogenanntes Bushmeat getötet. War bis vor dem Krieg die Fauna von Wildtieren geprägt, sind nach dem Bürgerkrieg nur noch kleine Populationen oder gar keine Vertreter übrig geblieben. Der größte Vertreter der Familie der Säugetiere ist der Elefant. Vereinzelt trifft man auf Zwergantilopen.
Das Zwergflusspferd kommt fast nur in Sierra Leone und dem Nachbarland Liberia vor, in Sierra Leone lebt es auf Tiwai Island und ist nur nachts anzutreffen. In den Flussläufen leben ebenfalls verschiedene Krokodilarten, die größte ist das Nilkrokodil. Weiterhin sind Panzer- und Stumpfkrokodile zu finden. Sierra Leone gilt als eines der artenreichsten Rückzugsgebiete von Primaten weltweit.
Administrative Gliederung mini|Karte der Provinzen
Sierra Leone ist aufgeteilt in die vier Provinzen (Provinces; bis Mitte 2017 drei)Sierra Leone News: Northerners validate new boundaries. Awoko, 3. Juli 2017. Northern, North West, Southern und Eastern sowie das Gebiet (Area) um die Hauptstadt Freetown (Western Area). Die Western Area besteht aus der ehemals britischen Kronkolonie mit Freetown und der Halbinsel. Die Provinzen sind wiederum in insgesamt 16 Distrikte (bis Mitte 2014 14) und diese in 190 (bis Mitte 2017 149) Kommunalvolksgebiete (Chiefdoms) aufgeteilt. Die Chiefdoms besitzen eigene Zuständigkeiten hinsichtlich Polizeigewalt und Rechtsprechung.
Provinz Hauptstadt Fläche in km² (2021) Einwohner (2021) Anzahl Distrikte Eastern Kenema 15.736 1.943.610 3 Northern Makeni 22.605 1.316.831 4 North West Port Loko 13.520 1.186.323 3 Southern Bo 20.226 1.830.881 4 Western Area(Gebiet) Freetown 696 1.271.330 2 Gesamt 72.783 7.548.702 16
Bevölkerung Demographie
2021 hatte Sierra Leone 7,55 Millionen Einwohner.Preliminary Report of the Final Results of the first digital census in Sierra Leone. Statistics Sierra Leone, September 2022. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug 1,04 %. Die Gesamtbevölkerung hat sich von 1963 bis 2021 nahezu vervierfacht und seit 1985 mehr als verdoppelt. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 30,8 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 8,9 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 3,9, die der Region West- und Zentral-Afrika betrug 4,9. Die Lebenserwartung der Einwohner Sierra Leones ab der Geburt lag 2022 bei 60,4 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 18,8 Jahren. Im Jahr 2023 waren 38,5 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 3,2 Prozent der Bevölkerung betrug.
Die Bevölkerungsdichte in Sierra Leone ist sehr unterschiedlich. Die Western Area (einschließlich Freetown) hat eine Bevölkerungsdichte von 2700 Personen pro Quadratkilometer. Der flächenmäßig größte Bezirk des Landes, Moyamba, hat eine Dichte von etwa 46 Personen pro Quadratkilometer. Insgesamt beträgt die Bevölkerungsdichte in Sierra Leone 99 Personen pro Quadratkilometer.
Bevölkerungsstruktur mini|Geographische Verteilung der Ethnien in Sierra Leone
Die Bevölkerung setzt sich aus offiziell 15 verschiedenen ethnischen Gruppen mit ebenso vielen Sprachen zusammen.Sierra Leone 2015 Population and Housing Census national analytical report. Statistics Sierra Leone, Oktober 2017, S. 89ff. Zwar gibt es seit der Kolonialisierung Bemühungen, eine nationale Identität zu schaffen, jedoch bleibt der wichtigste Bezugsrahmen für die meisten Einwohner die Familie und ihre Kultur. Die Mehrheit der Bevölkerung stellen die Temne und Mende dar.
Im Jahre 2017 waren 1,3 % der Bevölkerung Ausländer. Nach Angaben der World Refugee Survey 2008 lebten in Sierra Leone 8700 Flüchtlinge und Asylsuchende. Diese kamen fast alle aus dem Nachbarland Liberia.
Sprachen
Außer der Amtssprache Englisch gibt es in Sierra Leone viele weitere Sprachen, die vor allem von den jeweiligen Ethnien gesprochen werden. Etwa 10 Prozent sprechen das auf dem Englischen basierende Krio als Muttersprache; zudem dient es für die Mehrheit der Bevölkerung als Lingua Franca. Die temnische Sprache wird von 30 Prozent der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen. Das Mende ist im Süden des Landes verbreitet. Weitere Sprachen sind Kono, Kissi, Limba, Susu, Bassa, Bom, Gola, Jalonke, Kirim, Fulfulde, Sherbro und Vai.
Ob das Bengali zu Ehren der bangladeschischen Friedensmission seit 2002 als offizielle oder Minderheitensprache Sierra Leones anerkannt sei, ist umstritten.
Religion mini|Moschee und Kirche in Sierra Leone