Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG, kurz meist Bogestra oder in Eigenschreibweise BOGESTRA, ist ein kommunales Verkehrsunternehmen im mittleren Ruhrgebiet. Sie betreibt den öffentlichen Personennahverkehr in Bochum, Witten und Gelsenkirchen, wobei dort die Busse der Vestischen primär den Stadtnorden bedienen. Außerdem wird ein Großteil des ÖPNV-Angebotes in der Stadt Hattingen von ihr durchgeführt. Weitere Linien führen nach Castrop-Rauxel, Dortmund, Ennepetal, Essen, Herne sowie Sprockhövel und eine Haltestelle befindet sich am Bahnhof Hagen-Vorhalle.
Die Bogestra ist Mitglied im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Im Rahmen der Kooperation östliches Ruhrgebiet (KÖR) arbeitet sie mit den Nachbarunternehmen Vestische, DSW21 (Dortmunder Stadtwerke AG), VER (Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr mbH), der HCR (Straßenbahn Herne-Castrop-Rauxel GmbH), Ruhrbahn Essen und der Hagener Straßenbahn AG zusammen. Der Zusammenschluss nennt sich seit 2020 Kooperation Metropole Ruhr.
Aktien des Unternehmens waren an der Börse Düsseldorf notiert; die Anteilscheine wurden aber auf sehr engem Markt gehandelt. Die Notiz ist auf Verlangen des Mehrheitsaktionärs (Holding für Versorgung und Verkehr Bochum) und Beschluss der Hauptversammlung vom 26. August 2016 eingestellt worden (Squeeze-out). Der Ausschluss privater Anteilseigner ist Voraussetzung für die Direktvergabe in Zusammenhang mit der Verordnung (EG) Nr. 1370/2007.
Standorte mini|Verwaltungsgebäude in Bochum mini|Bogestra-Betriebshof Engelsburg
Verwaltung und Betrieb Mit 143,41 Mio. Fahrgästen (im Jahr 2019) ist die Bogestra eines der größten Nahverkehrsunternehmen im Ruhrgebiet. Es beschäftigt etwa 2400 Mitarbeiter. An neun Standorten befinden sich Betriebsgebäude, Werkstätten und Verwaltungseinrichtungen. Es gab allerdings bis 2005 insgesamt 38 Betriebs- und Verwaltungsgebäude.
In Bochum befindet sich in der Universitätsstraße 58 das Bogestra-Haus nach den Plänen des Architekten Heinrich Schmiedeknecht mit der Hauptverwaltung. Bei seiner Eröffnung war der auch Betriebshof Wiemelhausen genannte Komplex der größte Straßenbahn-Betriebshof in Europa. Die großzügig bemessene Wagenhalle bot Platz für rund 200 Fahrzeuge Angegliedert war die Halle des Straßenbahnbetriebsroute industriekulturTR 29 -Bochum: Industriekultur im Herzen des Reviers-, Seite 74 mit Betriebswerkstatt, die im Sommer 2005 aufgegeben und zu einem Areal am westlichen Rand der Innenstadt verlegt wurde. Lange zuvor bestand auf der Fläche vor dem Bergbau-Museum bis 1928 der Betriebshof Vödestr. Der Abriss der früheren Wagenhalle erfolgte im Frühjahr 2007. Unweit der Hauptverwaltung liegt am Buddenbergplatz, beim Südeingang des Hauptbahnhofes, die Betriebsleitstelle und technische Leitstelle.
Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Engelsburg wurde an der Essener Straße 125 (Nähe Haltestelle Engelsburger Str. Linien 305 und 310) am 1. August 2005 ein Straßenbahn-Betriebshof für die meterspurigen Fahrzeuge eröffnet. Dort sind neben der Wagenabstellung die Straßenbahn-Hauptwerkstatt (vormals in Gerthe), der Bauhof (vormals in Hamme), die Technische Abteilung (vormals an der Wittener Straße 100) und die Lehrwerkstatt zusammengefasst.
Der unter Josef Franke entstandene Straßenbahn-Betriebshof und die Betriebswerkstatt für das Teilnetz in Gelsenkirchen liegen innenstadtnah an der Hauptstraße 55, während die Betriebswerkstatt für die normalspurige Stadtbahnlinie U35 in Bochum-Riemke an der Hofsteder Straße 252 angesiedelt ist. Busbetriebshöfe und Werkstätten gibt es außerdem in Weitmar an der Hattinger Straße 427, in Gelsenkirchen-Ückendorf, Im Exterbruch 2 und in Witten an der Crengeldanzstraße 81b. Der Betriebshof in Witten wird zum 23. Juni 2025 geschlossen. Fahrzeuge und Personal werden dann an die bestehenden Betriebshöfe verteilt.
Im Februar 2022 wurden Pläne bekannt, für die Elektromobilität einen weiteren Betriebshof zu bauen. Die Kosten hierfür sind mit 60 Mio. Euro veranschlagt.Andreas Rorowski: E-Mobilität: Bogestra will einen weiteren Betriebshof bauen In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 21. Februar 2022.
Seit dem 1. Mai 2025 verkauft die Hauptverwaltung keine Fahrkarten mehr, sie ist nunmehr ausschließlich für Fahrkarten im Abonnement zuständig.
Vertriebsstellen Neben der Möglichkeit des Fahrkartenerwerbs in Zeitschriftenläden und an Kiosken, aus Automaten und beim Fahrpersonal gibt es zentrale Vertriebsstellen in der Nähe der großen Netzknotenpunkte: MobilitätsCenter Bochum, Verteilerebene der Stadtbahnstation Bochum Hauptbahnhof KundenCenter Gelsenkirchen am ZOB, Bahnhofsvorplatz 5 KundenCenter Gelsenkirchen-Buer, Goldbergstraße 1, gemeinsam mit den Vestischen Straßenbahnen KundenCenter Witten, Bahnhofstraße 1–3 KundenCenter Hattingen, Langenberger Straße 2 Hauptverwaltung Bochum, Universitätsstraße 58 (ausschließlich für Fahrkarten im Abonnement zuständig)
Geschichte mini|Aktie über 1000 Mark der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen vom 22. Januar 1900 mini|Aktie der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG vom Juli 1961 1896–1907 Die Bogestra wurde im Januar 1896 in Berlin als Aktiengesellschaft vom Unternehmen Siemens & Halske AG mit einem Grundkapital von 5 Millionen Mark gegründet und am 17. Januar 1896 ins Berliner Handelsregister eingetragen.Aktienprospekt der Bogestra, am 16. Februar 1896 veröffentlicht in der Dortmunder Zeitung, online, abgerufen am 24. Juli 2023 Das Streckennetz umfasste zum Zeitpunkt der Gründung drei durch die Siemens & Halske AG in den Jahren 1894 und 1895 gebaute Strecken: die am 28. November 1894 in Betrieb genommene Strecke von Herne nach Bochum mit einer Länge von 6,9 km, die am 8. November 1895 in Betrieb genommene Strecke von Gelsenkirchen nach Bismarck mit 3,4 km und die am 27. Dezember eröffnete Strecke von Schalke über Gelsenkirchen und Wattenscheid zur Zeche Holland mit 4,8 km Länge. Damit besaß die Bogestra schon zum Zeitpunkt ihrer Gründung ein rund 15,1 km langes Netz. Der Bau und Betrieb verblieb bei der Siemens & Halske AG, die Bogestra selbst übernahm zunächst nur Kontrollfunktionen.
In den folgenden zehn Jahren wuchs das Netz, so noch im Jahr 1896 um sieben weitere Streckenabschnitte, zum Beispiel am 20. Oktober 1896 mit der Strecke Bochum – Eickel – Wanne. Aufgrund seines raschen Aufbaus, der wegen der Konkurrenz anderer Verkehrsbetriebe forciert worden war, mussten schon bald zahlreiche Wagen verstärkt sowie die Gleise saniert werden. Und obwohl die Fahrgastzahlen stiegen, konnte dies die Investitionen in das Streckennetz nicht kompensieren. So folgte rasch ein Stillstand bei der Erweiterung und andere Verkehrsbetriebe legten ihre Strecken in das Gebiet der Bogestra. Da die Siemens & Halske AG das Interesse an den nicht oder nur wenig ertragreichen Linien verlor, trennten sich die Städte Bochum und Gelsenkirchen Ende 1907 von dem Unternehmen. Allerdings wurde ihm für die nächsten 15 Jahre die Abnahme von Fahrzeugen garantiert.
1908–1930 mini|hochkant|Sprengwagen der Bogestra von 1914 mini|links|Gelenkwagen der Linie 301 in Gelsenkirchen-Horst im April 1982 mini|Torbau des Straßenbahndepots der Bogestra in Gelsenkirchen (Entwurf von Josef Franke, fertiggestellt 1926)
1908 wurde mit der RWE AG ein neuer Teilhaber gefunden. Vorstandsvorsitzender wurde der Unternehmer Hugo Stinnes. In der Zeit von 1910 bis 1930 hatte die Verwaltung ihren Sitz in Essen und war mit der Essener Straßenbahn (SEG) vereint. Hugo Stinnes versuchte 1911, die Bogestra mit der Recklinghauser Straßenbahn, der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft und der Bochum-Castroper Straßenbahn zu einer einzigen Gesellschaft zusammenzuschließen.
In den Jahren nach 1905 waren zahlreiche andere Betriebe in das Verkehrsgebiet der Bogestra vorgedrungen: Datum Gesellschaft 16. Januar 1908 Kommunale Straßenbahn-Gesellschaft Landkreis Gelsenkirchen mit der Strecke von Herne nach Höntrop 23. Dezember 1908 Kleinbahn Bochum-Gerthe-Harpen mit der Strecke Bochum-Kanalstraße nach Kirchharpen und Gerthe 20. Dezember 1909 Bochum-Castroper Straßenbahn von Bochum nach Castrop 1. April 1909 Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft von Essen-Katernberg nach Gelsenkirchen
Der Erste Weltkrieg verhinderte den weiteren Ausbau des Netzes. Aufgrund der wirtschaftlich schlechten Lage beteiligte sich die Bogestra, wie viele andere Unternehmen, am Güterverkehr. 1920 kam es zeitweise zur Einstellung des Betriebs und 1923 war eine Rekordverschuldung zu verzeichnen. Erst nachdem die Fahrgastzahlen, die zuvor stets gesunken waren, im Jahr 1924 wieder zu steigen begannen, wurde die Erweiterung des Netzes fortgesetzt.
In den Jahren 1925/1926 wurde der Betriebshof in Gelsenkirchen erweitert und am 3. April 1928 wurde an der heutigen Universitätsstraße in Bochum der bis dahin größte Straßenbahnbetriebshof Westdeutschlands mit einer Kapazität von 200 Wagen in Betrieb genommen. Zugleich wurde dort auch ein neues Verwaltungsgebäude errichtet, so dass die Zentrale von Essen zurück nach Bochum verlegt werden konnte.
1925 wurden die ersten Omnibusse eingesetzt, dafür wurden zwei gebrauchte VOMAG-Busse beschafft.Aleksandra Lippert: Unser 1111. Bus. Hrsg.: Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG, Bochum 2003, S. 3
1931–1939 mini|links|Der Sitz der Westfälischen Straßenbahn in Gerthe-Hiltrop, zuletzt Hauptwerkstatt der Bogestra
Am 12. August 1931 übernahm die Bogestra die Linien der zahlungsunfähig gewordenen Westfälischen Straßenbahn auf Kosten der Gesellschaftergemeinden und nach Eröffnung des Konkursverfahrens am 12. Dezember auf Kosten der Konkursmasse. Am 31. Oktober 1937 war das Konkursverfahren beendet. Die Bogestra übernahm damit 79 km Strecke sowie 76 Trieb- und 19 Beiwagen. Am 1. Januar 1938 wurden zusätzlich alle anderen Vermögenswerte übernommen.
Am 1. August 1932 wurden mit der Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft einige Strecken getauscht. Linien der Bogestra, die auf Essener Gebiet lagen, kamen an die SEG und umgekehrt gingen Linien der SEG an die Bogestra. Am 1. Oktober 1932 wurden einige Linien der Hattinger Kreisbahn, die nach Eingemeindungen auf dem Gebiet der Stadt Bochum lagen, aufgrund eines Schiedsspruchs an die Bogestra übertragen, und am 15. September 1933 wurde der restliche Straßenbahnbetrieb der Hattinger Kreisbahn von der Bogestra übernommen.
Zu Beginn des Jahres 1938 besaß die Bogestra, nachdem schon einige Linien auf den Omnibusverkehr umgestellt wurden, Strecken mit 195 km Länge sowie 266 Triebwagen und 131 Beiwagen. 1939 wurde von der Vestischen Kleinbahn noch die Strecke von Horst-Mitte nach Horst-Süd und von Schalke nach Buer übernommen.
1940–1951 mini|Liniennetz im Mai 1949
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs erreichte die Bogestra wieder die Gewinnzone. Hinzu kamen Güterverkehrs- und Postfahrten in den Kriegsjahren. Ein eigens im Jahr 1942 gebautes Betriebsgleis in Wattenscheid diente wahrscheinlich nur dem Postverkehr. 1943 begannen die Bombenangriffe auf Bochum und Gelsenkirchen. Dies führte auch zu Zerstörungen im Gleisnetz und im Fuhrpark des Unternehmens. Trotz der Schäden gelang es, den Betrieb auf zahlreichen Strecken aufrechtzuerhalten. Am 4. und 6. November 1944 wurden Bochum und Gelsenkirchen Opfer von Luftangriffen, denen auch etwa 2/3 der Gleisanlagen und die Hälfte des Fuhrparks zu Opfer fielen. Bis zum Einmarsch der alliierten Truppen am 10. April 1945 konnte nur noch ein provisorischer Betrieb aufrechterhalten werden, der aber dann vorerst eingestellt wurde.
Am 24. Mai 1945 wurde durch den Einsatz des Personals auf rund 55 km Strecke der Betrieb wiederaufgenommen. In der Folgezeit wurden weitere Strecken instand gesetzt und wiedereröffnet. Ende des Jahres 1950 waren insgesamt 27 Linien in Betrieb und der Wiederaufbau konnte als abgeschlossen angesehen werden.
1947 wurden von Krauss-Maffei die ersten beiden Heckmotorbusse beschafft.